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SWR2 Lied zum Sonntag

27JUN2021
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Sie könnten mich für naiv halten. Weil ich dieses Lied mag: „Harre meine Seele, harre des Herrn.“ Nur zu, Sie dürfen, mich für naiv halten. Denn, das Lied ist theologisch eher einfach. Es ist nicht modern und auch sprachlich nicht besonders ambitioniert. Aber ich mag es und glaube daran. Weil ich weiß, dass es Kraft geben kann in harten Momenten des Lebens. Dass es wie ein Strohhalm sein kann, der rettet, wenn ein Mensch vielleicht nah am Verzweifeln ist. Ein Lied, das Lebensmut und Zuversicht schenken kann, wird gebraucht und hat recht. Geschrieben hat es der Kaufmann Johann Friedrich Raeber. Als ihm das Wasser bis zum Halse stand.

 

Musik 1 Sarah Wegener

 

Harre, meine Seele, harre des Herrn!
Alles ihm befehle, hilft er doch so gern.
Sei unverzagt, bald der Morgen tagt,
und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach.
In allen Stürmen, in aller Not
wird er dich beschirmen, der treue Gott.

 

Wir Menschen können mit uns selbst ins Gespräch gehen. Uns quasi mit uns selbst beraten. Oder uns austauschen, mit Stimmen, die uns ermutigen. Manchmal drängen sich aber auch dunkle Stimmen als Gesprächspartner auf. Liegen einem im Ohr, wie schlimm es um einen steht oder um die Welt. Sie können eine äußerlich schon schwierige Lage noch dunkler machen. In so eine Situation hinein spricht das Lied „Harre meine Seele“.

Versucht die dunklen Stimmen zu unterbrechen. Oder ihnen zumindest das alleinige Rederecht zu entziehen. Das allein ist schon etwas Rettendes. Wieder anderes denken können.

„Harre, warte Seele, du kannst den Stimmen der Angst etwas entgegensetzen.“

 

Musik 2 min  Instrumental

 

„harre meine Seele, harre des Herrn.
Sei unverzagt, bald der Morgen tagt,
und ein neuer Frühling folgt dem Winter nach.“

 

„Sei unverzagt.“ Kann man sich selbst ermuntern, aus Verzagtheit herausreden? Wobei hier geschieht mehr als nur sich umzustimmen. Das Lied erinnert daran, dass jede Nacht ein Ende hat. Das ist eine Erfahrung, auf die Verlass ist. Auch lange Nächte lichten sich. Das ist dem Leben eingeschrieben. Wir tragen das auch im kollektiven Gedächtnis nach Katastrophen.

In der biblischen Tradition öffnet sich diese Erfahrung hin zu Gott. Es folgt da nicht Tag auf Nacht und Nacht auf Tag wie in einem ewigen Schicksalsrad. Das Ende aller Wege des Lebens ist Licht. Es geht auf Gott zu. Diese Vertrauensstimme versucht das Lied in mir zu beleben: „Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht.“ Es rettet, wenn man so eine Stimme im richtigen Moment in sich hört.

 

Musik 3  G. Schnitter und Ensemble

 

Harre, meine Seele, harre des Herrn!
Alles ihm befehle, hilft er doch so gern.
Wenn alles bricht, Gott verlässt uns nicht;
größer als der Helfer ist die Not ja nicht.
Ewige Treue, Retter in Not,
rett auch unsre Seele, du treuer Gott!

 

 

Musik 01
„Harre meine Seele“  track 5 aus CD 3 Aus meines Herzens Grunde. Die schönsten Kirchenlieder; Johansen/Wegener; Carus Verlag

 

Musik 02

„Harre meine Seele“ track 4 aus CD: Jay Alexander, Geh aus mein Herz
AP Musik  

 

Musik 03

Harre meine Seele, track 8 aus CD Gerhard Schnitter, Auf Adlers Flügelgetragen Hänssler 1999  

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