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SWR2 Lied zum Sonntag

11APR2021
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Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr!
Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur er!
Er, der nie begonnen, er, der immer war,
ewig ist und waltet, sein wird immer dar.

Eine Frau sagt zu mir : Wenn ich das „Heilig“ von Schubert höre, fühle ich mich wie „ummantelt“. Das ist ein schönes Bild für diesen schlichten und zugleich so berührenden Chorsatz. Er gehört zur „Deutschen Messe“ von Franz Schubert aus dem Jahr1826. Johann Phillip Neumann hat sie in Auftrag gegeben und die Texte verfasst.  Eben nicht auf Latein wie damals üblich, sondern in der Sprache der einfachen glaubenden Leute. Neumann folgt auch nicht streng den liturgischen Vorgaben, sondern er versucht, ein religiöses Gefühl auszudrücken, mit dem sich die  Menschen identifizieren konnten. Das macht wohl die Popularität der Schubert-Messe bis heute aus.

Der Heilig-Ruf kommt im Ablauf der katholischen Messe an einer zentralen Stelle - unmittelbar vor der sog. „Wandlung“ von Brot und Wein in Leib und Blut Christi. So hat Jesus es beim letzten Mahl mit seinen Jüngern gedeutet. Bildlich gesprochen öffnet sich in diesem Moment der Himmel und die Gläubigen preisen zusammen mit den Engeln und den Heiligen Gottes Herrlichkeit.

Heilig, heilig heilig, Gott Herr aller Mächte und Gewalten. Erfüllt sind Himmel und Erde von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe

Die Worte gehen auf den Propheten Jesaja zurück. In einer Vision hat er Gott gesehen: als gewaltigen himmlischen Herrscher, umgeben von den Scharen seiner Engel. Eine Erfahrung, die ihn zutiefst erschreckt hat: „Weh mir, ich bin verloren. Denn (…) meine Augen haben den Herrn der Heere gesehen.“

Auch Schubert weiß um die Macht und Größe Gottes.  Aber der Gott, den er mit Tönen beschreibt, überwältigt nicht. Schuberts „Heilig“ beginnt ruhig und kreist nur um wenige Töne. Andächtig und staunend nähert die (singende) Gemeinde sich Gott. Dem Großen, Erhabenen, Heiligen. Doch seine Heiligkeit grenzt nicht ab, sondern sie lässt Nähe zu. Es ist, als ob Gott in das Innerste seines Herzens schauen lässt. Dann öffnet sich der Klang, die Melodie steigt nach oben. „Er, der nie begonnen, er der immer war“ Gottes Ewigkeit ist wie die Hintergrundstrahlung des Alls. Seine Liebe durchdringt alles, was ist.  Wer daran glaubt, dessen wird Herz weit und voll Vertrauen. Schuberts Lied ist einfach zu singen – auch mehrstimmig.  Es braucht keine komplizierte Theologie, um Gott näher zu kommen. Nur die Bereitschaft, das eigene Herz zu öffnen.

 

Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr!
Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur er!
Er, der nie begonnen, er, der immer war,
ewig ist und waltet, sein wird immer dar.

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