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SWR2 Lied zum Sonntag

14MRZ2021
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Unser Lied zum Sonntag heute ist ein gesungenes Gebet. Das wird besonders deutlich, wenn man den Text nicht singt, sondern spricht.

 

Hilf, Herr meines Lebens, dass ich nicht vergebens hier auf Erden bin.

Hilf, Herr meiner Tage, dass ich nicht zur Plage meinem Nächsten bin.

Hilf, Herr meiner Stunden, dass ich nicht gebunden an mich selber bin.

Hilf, Herr meiner Seele, dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.

 

Der Text hat etwas Meditatives, weil jede Textzeile gleich strukturiert ist. Rein inhaltlich betrachtet ruft hier jemand Gott um Hilfe an.

Musik

Gott darum bitten, dass mein Leben nicht vergebens ist, dass es einen Sinn ergibt - das ist das eine. Auf der anderen Seite muss ich mich in dieser Frage nicht nur auf Gott verlassen – ich kann auch selbst etwas dazu beitragen. Und genau davon handeln die folgenden Strophen. „Hilf, dass ich dort nicht fehle, wo ich nötig bin.“ Das heißt für mich, dort mit anpacken, oder einfach da sein, wo ich gebraucht werde. „Anderen nicht zur Plage werden“ könnte heißen, nicht dauernd Streit suchen, Recht behalten wollen oder seine Macht ausspielen, sondern eben genau das Gegenteil: Dienen statt herrschen – so wie Jesus es meisterlich vorgelebt hat.

 

Musik

 

Diese dritte Strophe ist das Herzstück des Liedes. Nicht nur weil sie genau in der Mitte der fünf Strophen platziert ist. Sondern weil sie für mich deutlich macht, was entscheidend ist, damit das Leben gelingen kann und mehr Sinn ergibt: „Hilf, Herr, dass ich nicht gebunden an mich selber bin.“ Für mich heißt das, dass ich mir eingestehe, nicht alles selbst zu können, aber auch nicht alles selbst zu müssen. Wenn ich mich verbunden weiß mit etwas Größerem, dann kann mich das in gutem Sinne demütig machen. Ich muss mein Handeln verantworten und weiß zugleich, dass ich nicht selbst der Weisheit letzter Schluss bin. Und wenn ich nicht weiter weiß, darf ich mich auch selbst einem Größeren überantworten – das ist das Entlastende daran.

 

Das Lied „Hilf Herr meines Lebens“ wurde 1962 komponiert. Der Text stammt vom evangelischen Pfarrer Gustav Lohmann, er war damals schon 85 Jahre alt. Vielleicht hätte er den Text als Essenz seines Lebens bezeichnet, als das, wovon er gegen Ende eines langen und erfahrenen Lebens überzeugt war. Und das ist eben kein „Ich weiß wie´s geht“, sondern ein Gebet, dass das Leben gelingen möge.

 

Musik

Komponisten

T: Gustav Lohmann (1962), 3. Str.: Markus Jenny (1970)

M:  Hans Puls (1962)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32756