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SWR2 Lied zum Sonntag

Hinter uns liegt die Nacht, die dunkle Schwester des Tages. Die Nacht ist seine Schattenseite, wo ich beides erleben kann: Ruhe, aber auch Unruhe. Die Ruhe der Nacht – da darf ich loslassen, werde empfänglich für Träume und Begegnungen ganz eigener Art. Nächtliche Unruhe aber raubt mir den Schlaf. Quälende Bilder, am Tag verdrängt, kehren nachts mit Macht zurück. Beides findet sich in dem Lied „Die Nacht ist kommen“. Es stammt aus der Reformationszeit und steht heute im Evangelischen Gesangbuch. Der Komponist Max Reger hat „das Nachtlied“ in eine schwer fassbare, schwebende Atmosphäre getaucht.

  1. Die Nacht ist kommen,
    drin wir ruhen sollen;
    Gott walt´s zu Frommen
    nach seim Wohlgefallen,
    dass wir uns legen
    in seim G'leit und Segen
    der Ruh zu pflegen.

„Die Nacht ist kommen, drin wir ruhen sollen.“ Dass wir in der Nacht ruhen, ist ja so selbstverständlich nicht. Wie oft wird die Nacht zum Tage gemacht! Durch Zerstreuungen und Vergnügungen aller Art. Aber auch durch zunehmende Arbeitsbelastung.
Und dann gibt es noch diese andere, Furcht erregende Seite der Nacht. Wo mich alptraumhafte Bilder und  Gestalten bedrohen. Davon ist im zweiten Vers des Liedes die Rede: „Treib, Herr, von uns fern die unreinen Geister.“ Damit ist die Bitte verbunden: möge ich beschützt sein unter den Flügeln Gottes.

  1. Treib, Herr, von uns fern
    die unreinen Geister,
    halt die Nachtwach gern,
    sei selbst unser Schutzherr;
    schirm beid, Leib und Seel
    unter deine Flügel,
    send uns dein Engel!


Jede Nacht macht mir bewusst, dass es vieles gibt, gegen das ich mich selbst nicht schützen kann. Zeiten, in denen das Leben nicht meiner Kontrolle unterliegt. Die Erfahrung der Nacht offenbart meine Verletzlichkeit.Aber sie eröffnet auch Räume für das Gebet, wo ich Geborgenheit finde unter den Flügeln Gottes.
Darum gipfelt Max Regers „geistlicher Gesang“ in der Bitte um guten Schlaf und frohes Erwachen. Damit auf eine gute Nacht ein guter neuer Tag folgt! Den wünsche ich Ihnen!              

  1. Lass uns einschlafen
    Mit guten Gedanken,
    Fröhlich aufwachen
    Und von dir nicht wanken.
    Lass uns mit Züchten
    Unser Tun und Dichten
    Zu deim Preis richten.

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„Die Nacht ist kommen“ (EG471)

CD: Klangräume, © Evangelische Landeskirche in Baden, 2019, Track 12

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31705