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SWR2 Lied zum Sonntag

13SEP2020
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Verleih uns Frieden gnädiglich,

Herr Gott, zu unsern Zeiten.

Es ist doch ja kein andrer nicht,

der für uns könnte streiten,

denn du, unser Gott, alleine.

   

Es ist zwölf Uhr Mittag. Die Schwestern des Berliner Karmel versammeln sich in der Krypta der Kirche zum Gebet. Am Ende gehen sie zur Muttergottes, wo auch Gedenksteine für Opfer des Nationalsozialismus sind. Dort erklingt jeden Tag dieser alte Liedruf: Verleih uns Frieden gnädiglich.  

Der Karmel in Berlin befindet sich in der Nähe von Plötzensee. Dem Ort, an dem Alfred Delp, Helmuth von Moltke und über 3000 andere Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime hingerichtet worden sind. Dazu sind die Ordensschwestern an diesem Ort: damit die Erinnerung nicht verblasst; um für die Opfer der politischen Verfolgung zu beten. Und das alles in der festen Überzeugung, dass Menschen ohne Gott nicht bewältigen können, was sie einander antun: damals in der Nazi-Zeit, heute an vielen anderen Orten der Erde.

Kein anderer Gesang könnte das so treffend zum Ausdruck bringen als das Da pacem, Domine, von Martin Luther 1529 ins Deutsche übersetzt. 

Der Inhalt der Liedstrophe ist schnell zusammengefasst, aber deshalb auch so prägnant: Das Menschenleben besteht aus vielen Konflikten. Der Frieden ist bedroht. Der äußere zwischen den Völkern und Religionen. Ebenso der innere, dort, wo ich mich gegenüber anderen behaupten muss. Frieden zu finden, ist ein Ringen und Streiten, ein Kampf. Und nur einer kann ihn gewinnen, wenn wirklich Frieden entsteht: Gott alleine. Ihm müssen wir es überlassen, auf seinen Rat hören, seinem Weg folgen, wenn wir aus dem Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt ausbrechen wollen.  

Die Vorlage für die deutsche Liedstrophe ist eine gregorianische Antiphon. Sie stammt aus dem 9. Jahrhundert: Da pacem, Domine, in diebus nostris. Martin Luther hat sowohl die Übersetzung angefertigt als auch die Melodie dazu komponiert. Eindrücklich ist der arythmische Verlauf der Melodie. Die Betonung beim Singen scheint dem in die Quere zu kommen, wie wir beim Sprechen betonen würden. Ob sich an diesen Stellen zeigt, wie zerbrechlich der Friede ist und wie gefährdet das Zusammenleben? Auch und gerade in unsern Zeiten. Nach außen in Belarus und Syrien, in den USA und in unserem eigenen Land; da ist viel Unzufriedenheit und Gewaltbereitschaft. Aber auch im Inneren: dass unser Leben durch Corona nur eingeschränkt stattfinden kann, nagt an vielen Gemütern. Ja, die alte Liedstrophe hat eine Aktualität, die zu denken gibt.

 

AMS M0326075(AMS) 01-023 1'32 Verleih uns Frieden gnädiglich
für dreistimmigen gemischten Chor a cappella,
op Nr. 51 Hugo Distler (1908-1942)
Sjaella; Ensemble Nobiles

 

AMS M0349062(AMS) 01-020 2'47 Verleih uns Frieden gnädiglich.
Segen für vier- bis fünfstimmigen Männerchor, a capella
Eine Deutsche Messe / A German Mass
Biller, Georg Christoph; Luther, Martin
Ensemble Nobiles

 

AMS M0560769(AMS) 01-024 4'22 Verleih uns Frieden gnädiglich.
Choralkantate für Chor und Orchester
Jauchzet dem Herrn, alle Welt: Geistliche Chormusik - Sacred Choral Music
Mendelssohn Bartholdy, Felix; Luther, Martin
Kammerchor Stuttgart; Stuttgarter Kammerorchester; Bernius, Frieder

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