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SWR2 Lied zum Sonntag

06SEP2020
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„So ist Versöhnung. So ist vergeben und verzeihn.“ Das Lied, das ich Ihnen mitgebracht habe, klingt leicht. Heiter. Unbeschwert. Man könnte auf die Idee kommen, es sei harmlos.
Aber ich finde, das wäre ein falscher Verdacht. Ich glaube es ist wichtig, dass man das hört: So kann Leben sein, wenn Unversöhnlichkeit weicht. 

Musik Wie ein Fest 

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n.
 

„So ist Versöhnung. So kann es sein, wenn wir vergeben und verzeihen.“
So könnte es sein.

Diese Sehnsucht und Zuversicht höre ich aus diesem Lied.
Es lastet ja schwer auf Menschen, wenn wir unversöhnlich sind und einander nachtragen, was einen verletzt hat. Davon wissen wir viele Lieder zu singen.
Von Wunden, die Menschen einander schlagen. Von Schmerzen, wenn man sich nicht mehr vertragen kann oder noch nicht.
Wenn man das erste Wort zum Verzeihen nicht sagen kann.
Den ersten Schritt zum Frieden nicht gehen will.

Dagegen setzt das Lied verschiedene Bilder: so fühlt es sich an, wenn man sich versöhnen kann. Die Bilder sind wie Farbtupfer, die Lust darauf machen. Sie rufen kleine oder auch große Geschichten auf von Versöhnung und wie sie schmeckt:

„wie ein Fest - nach langer Trauer.“ „Ein off‘nes Tor in einer Mauer.“ Öffne es doch. „Wie ein Brief – nach langem Schweigen.“ Wie beglückend, wenn das Schweigen endlich durchbrochen wird. „Wie ein ich mag Dich trotzdem Kuss.“ 

Musik Strophe 1 
1)Wie ein Fest nach langer Trauer,
Wie ein Feuer in der Nacht.
Ein off'nes Tor in einer Mauer,
Für die Sonne auf gemacht.
Wie ein Brief nach langem Schweigen,
Wie ein unverhoffter Gruß.
Wie ein Blatt an toten Zweigen
Ein-ich-mag-dich-trotzdem-Kuss.
 

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n.
 

„Wie ein Wort von toten Lippen, so ist Versöhnung.“
Sich anschweigen als wäre man füreinander gestorben. Kann man sich Schmerzhafteres vorstellen zwischen Menschen, die sich einmal geliebt haben? Zwischen Eltern und Kindern.
Oder auch zwischen Staaten: oft sprechen aus solcher Totenstille nur noch die Waffen.
Wenn dann doch einer oder eine das erste Wort herausbringt. Sei es stammelnd oder suchend. Das kann so vieles lösen. Befrieden. Wie eine Erlösung sein.

Jürgen Werth und Johannes Nitsch haben das Lied „wie ein Fest nach langer Trauer“ geschrieben. Wenn Menschen sich versöhnen, das ist für sie wie Poesie inmitten eines unpoetischen Lebens. Und in jeder Versöhnung ist für sie Gott erfahrbar. Ähnlich heißt es in Bibel:
„Und Gott versöhnte die Welt mit sich selber.“ (2. Kor. 5,17)
Leicht zu haben ist Versöhnung oft nicht, aber wenn sie gelingt, wird vieles ganz leicht. 

Musik Wie ein Fest Strophe 3
3)Wie ein Wort von toten Lippen,
wie ein Blick, der Hoffnung weckt,
wie ein Licht auf steilen Klippen,
wie ein Erdteil neu entdeckt.
Wie der Frühling, wie der Morgen,
wie ein Lied, wie ein Gedicht,
wie das Leben, wie die Liebe,
wie Gott selbst, das wahre Licht.

So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein.
So ist Versöhnung, so ist vergeben und verzeih'n. 

Musiken 1-3
Wie ein Fest nach langer Trauer,
SWR Musikarchiv

AMS  M0422001   01-121   coro piccolo Karlsruhe  Christian -Markus Raiser
Gesamtlänge 2:17 min

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31623