Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Lied zum Sonntag

30AUG2020
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Ich erlebe im Moment in vielen Gesprächen und Begegnungen, dass Menschen niedergeschlagen und resigniert sind. Die Corona-Pandemie drückt aufs Gemüt und dämpft die Freude. Auch bei denen, die zum Glück mit dem Virus nicht infiziert sind. Für Hoffnung und Zuversicht scheint es da wenig Platz zu geben. Ganz anders klingt das in dem Lied »Meine Hoffnung und meine Freude«.

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht.

»Meine Hoffnung und meine Freude« stammt aus Taizé. Die Gemeinschaft dort zieht Jahr für Jahr unzählige Menschen an. Menschen aus der ganzen Welt. Kein Wunder, dass es den Liedruf »Meine Hoffnung« in unzähligen Übersetzungen gibt. Katalanisch und Englisch, Polnisch und Albanisch, Russisch und Französisch und viele mehr. In Taizé kann jeder in seiner Sprache singen. Und so gemeinsam Zeichen setzen. Alle singen in ihrer Sprache – und verstehen sich doch. Es gibt kaum ein besseres Bild für Gemeinschaft und Zusammenhalt.

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht.

Taizé ist auch durch seine besonderen Gesänge bekannt geworden. Es sind in der Regel kurze, meditative Melodien, die einen ebenso knappen Text transportieren. Entstanden ist der typische Taizé-Sound. Einfache Lieder, die durch ihre häufige Wiederholung zur Meditation und Ruhe führen. Es sind gesungene Gebete. Das Lied »Meine Hoffnung und meine Freude« steht dafür. Es geht auf einen biblischen Text zurück. Hier heißt es: „Ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott.“ (Jesaja 12,2) Doch das Lied ist nicht nur für die gedacht, die Hoffnung haben und auf Gott vertrauen. Es ist auch für die, die neue Hoffnung und neues Vertrauen schöpfen wollen. Es ist für alle die, die in aller Not nicht aufgeben wollen.

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht.

In dem Taizé-Lied steckt eine unbändige Zuversicht. Dass noch Hoffnung ist und dass Freude sein kann. Hoffnung auf eine Welt, in der sich Menschen singend verbinden. Hoffnung auf eine Welt, in der sich niemand dauerhaft fürchten muss. Ich gebe zu: Das klingt naiv. Es gibt viele Momente, da fehlt mir auch die Zuversicht, die das Lied ausstrahlt. Aber: Die Musik ist ja alles andere als triumphalistisch oder euphorisch. Es ist eine Musik, die sich selbst immer wieder vergewissern muss: Ja, es ist gut, auf Hoffnung zu setzen. Und ja, es ist gut, wenn wir zusammen diese Hoffnung besingen. Weil wir uns so gemeinsam stärken. In unseren kleinen und großen Zweifeln. In unseren kleinen und großen Nöten. Dieses knappe Lied kann helfen, dass wir uns gegenseitig Hoffnung machen. Auch und gerade in schwierigen Zeiten.

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=31562