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SWR2 Lied zum Sonntag

16AUG2020
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Wunderschön Prächtige,

Hohe und Mächtige,

Liebreichholdselige, himmlische Frau,

Der ich mich ewiglich

Weihe herzinniglich,

Leib dir und Seele zu eigen vertrau;

Gut, Blut und Leben

Will ich dir geben,

Alles, was immer ich hab, was ich bin,

Geb ich mit Freuden, Maria, dir hin. 

 

„Wunderschön Prächtige, Hohe und Mächtige“ – Beim diesem Lied singe ich gerne aus voller Brust mit. Wenn die Melodie dann langsam auf den Höhepunkt zustrebt, ist es beinahe so, als ob ich seelisch abheben könnte und ein Stück Himmel erlebe. Deshalb passt es für mich gut in diese Tage um das Fest „Mariä Himmelfahrt“, bei demesdarum geht, dass Maria nach ihrem Tod in den Himmel aufgenommen wird und bei Gott im Glück ist. Als Christ hoffe ich, dass Gott das für mich auch einmal so möglich macht.

Der ursprüngliche Text dieses Lieds zum Sonntag istaus dem 17. Jahrhundert undwurde immer wieder umgedichtet. Deshalb sind heute unterschiedliche Textfassungen üblich, die auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgehen. Bei allen Unterschieden geht es aber immer darum, dass der Sänger Maria als höherstehende Dame mit Komplimenten umwirbt wie ein Minnesänger. Der Sänger ist von einer fast schon erotischen Verehrung für Maria erfüllt und will sich ihr voll hingeben. Weil er weiß, dass sie ihm standesmäßig überlegen ist, bittet er darum, dass sie ihn zu Christus führen wird.

Leib dir und Seele zu eigen vertrau;

Gut, Blut und Leben

Will ich dir geben,

Alles, was immer ich hab, was ich bin,

Geb ich mit Freuden, Maria, dir hin.

 

Ich mag dieses Lied sehr, aber mit der Stelle „Gut, Blut und Leben will ich dir geben“ tu ich mir zunächst schwer. Ich verbinde sie mit den Erinnerungen meines Großvaters, der als Kind erlebt hat, wie man damit junge Männer für den Ersten Weltkrieg geworben hat, damit sie ihr Blut und Leben fürs Vaterland geben. Aber wenn ich mich davon löse, bringt es mich auf die Frage, woran ich mein Herz hänge. Also darum, ob es mir im Leben zum Beispiel um meine Karriere geht und darum, möglichst viel Geld zu haben oder Genuss zu erleben. Oder ob ich mich von diesen Bedürfnissen lösen kann und meinen Himmel und mein Glück woanders suche. Zum Beispiel, wenn ich als Lehrer mein Bedürfnis nach einer Pause hinten anstellen und mir Zeit für einen einzelnen Schüler nehme. Ich löse mich von meinen Bedürfnissen für ein höheres Ziel.

Wenn ich „Wunderschön Prächtige“ singe und mich von dem erhebenden Sog dieses Lieds erfassen lasse, dann doch auch,weil ich mich dabei an Maria orientiere. Diese Frau, die ihre Bedürfnisse zurückgestellt und sich auch ganz auf Gott eingelassen hat. Trotz allen Leids, das sie erlebt hat, ist sie am Ende bei Gott im Glück.

Allzeit Sanftmütige,
Milde, Grundgütige,
Mutter des Heilands, voll Gnade und Huld,
Bitt für uns sündige
Menschen, verkündige
Du uns vom Sohne Verzeihung der Schuld,
Steh, wenn wir scheiden,
Du uns zur Seiten,
Mutter Maria, verlasse uns nicht,

stehe uns bei in des Sohnes Gericht.

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