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SWR2 Lied zum Sonntag

(EG 4, GL 227 mit anderer Textfassung: „Komm, du Heiland aller Welt“)

 J. S. Bach: Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61,1),  Beginn der Ouvertüre mit Strophe 1 „Nun komm, der Heiden Heiland“

Eine schwungvolle Ouvertüre für einen feierlichen Einzug hat Johann Sebastian Bach hier komponiert. Zugleich ist es eine Adventsmusik, denn im Text heißt es, Christus soll kommen. Als „Heiland“ will er das Heil zu allen Völkern bringen. Der Begriff „Heiden“ klingt heute etwas sperrig. Damals war einfach fast die ganze Welt damit gemeint, nämlich alle Nationen. „Nun komm, der Heiden Heiland“ ist heute unser Lied zum Sonntag. Es ist das älteste Lied für die Adventszeit – kurz vor dem Jahr 400 nach Christus hat der Kirchenvater Ambrosius diesen Hymnus in Mailand verfasst. Und vor fast 500 Jahren hat dann Martin Luther die lateinischen Strophen ins Deutsche übersetzt.

Choral „Nun komm, der Heiden Heiland“, Strophe 1
(Miriam Feuersinger, Sopran – Satz von Lukas Osiander)                   

Nun komm, der Heiden Heiland,

der Jungfrauen Kind erkannt;

dass sich wunder alle Welt,

Gott solch Geburt ihm bestellt.

„Nun, komm!“ – heißt es, und das fordert fast drängend auf. Aber es fordert auch auf zu staunen, denn gleich in der ersten Strophe heißt es: „Des sich wundert alle Welt“. Ich darf mich wundern darüber, dass Gott Mensch wird, dass er verwundbar und solidarisch wird. Er bleibt nicht ganz oben und weit weg. In seinem Sohn teilt er das Schicksal der Ärmsten – von der Krippe bis zum Kreuz. Und darüber soll die ganze Welt staunen. Advent ist ja nicht nur Besinnung und Zur-Ruhe-Kommen. Wenn sich Wunderbares ankündigt, dann darf wohl auch etwas Aufregung mit im Spiel sein. Johann Sebastian Bach lässt bei den Worten „des sich wundert alle Welt“ sogar die Melodie des Liedes außer Acht, damit die Stimmen umso fröhlicher durcheinander rufen:

J. S. Bach: Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61,1),
„… des sich wundert alle Welt“

Die ganze Welt scheint aufgeregt zu diskutieren: Wie kann das sein? Warum steigt der Höchste in die Niedrigkeit hinab? Die Antwort unseres Liedes heißt: Gott will alle und alles befreien. Deshalb kommt sein Sohn zur Welt. In ihm sagt Gott unwiderruflich „Ja“ zu Welt und Mensch. Doch wie können wir darauf antworten? Das Lied macht dafür zwei Vorschläge. Es bittet darum, dass Jesu ankommt; deshalb der geradezu lockende Ruf „Komm!“. Die zweite Antwort ist ein freudiges Staunen über diese Geburt. Johann Sebastian Bach aber fügt noch – als drittes Moment – das Majestätische hinzu. Damit sagt er: Ja, es ist ein König, dem diese Geburt im ärmlichen Stall von Betlehem zugemutet wird: „… des sich wundert alle Welt, Gott solch Geburt ihm bestellt“.

J. S. Bach: Kantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61,1)
Schluss der Ouvertüre – „… Gott solch Geburt ihm bestellt“

                          

 

 

 

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