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SWR2 Lied zum Sonntag

( Gotteslob 520)

Mit dem Lied zum Sonntag rückt diese Woche eine Frau in den Mittelpunkt. Wo die katholische Kirche sonst von Männern dominiert wirkt, geht es in dem Lied „Meerstern, ich Dich grüße“ um Maria. Das Lied wird jetzt im Mai viel bei Marienandachten gesungen: Die lateinische Textvorlage „Ave maris stella“ geht bis ins 8. Jahrhundert zurück. Bei den Prozessionen singt man aber eher die Paderborner Fassung aus dem 19. Jahrhundert von August Franz von Haxthausen:

Meerstern, ich dich grüße, o Maria hilf!

Gottesmutter süße, o Maria hilf!

Maria, hilf uns allen aus dieser tiefen Not.

Das Lied bezeichnet Maria, die Mutter Jesu, als Meerstern. Ein Bild aus der Seefahrt. Und es passt zu Maria. Ihr Name heißt auf Hebräisch „Mirjam“ und bedeutet „Meer“. Der Meerstern ist der Stern, an dem sich Seeleute in der Nacht orientieren und der sie zur Rettung lotst. Solche Nächte, in denen ich Orientierung suche, kenne ich im übertragenen Sinn auch. Wenn ich an die politischen Diskussionen in Europa denke, bei denen wir darum ringen, dass wir zusammenhalten; Aber auch wenn ich persönliche Entscheidungen treffen muss, zum Beispiel, wie ich mich beruflich weiterentwickeln kann. Bis hinein in die tägliche Lebensgestaltung: Auch heute am Sonntag entscheide ich, wie ich die freie Zeit so gestalte, dass ich mich gut erholen und entspannen kann. Und ich suche nach Orientierung, wenn es um die prinzipiellen Fragen im Leben geht: Letztlich darum, ob ich auf Gott vertrauen kann und mich darauf verlasse, dass er alles zum Guten führt.

Für viele Menschen ist Maria dabei eine Orientierung. Zunächst ist sie zwar „nur“ die Mutter Jesu. Mutter sein, bedeutet aber, sich für das Leben entscheiden, Sorge tragen dafür, dass sich der Sohn oder die Tochter gut entwickelt: Was eine Mutter tut, dient dem Leben ihrer Kinder. Und ich glaube, dass das ein maßgebliches Kriterium ist, das mir hilft, wenn ich Antworten suche bei Fragen und Entscheidungen: Zum Beispiel, eben, wieviel Energie ich in die berufliche Karriere stecke und welchen Stellenwert Familie und Freizeit haben: Es geht bei all dem darum, dass das, was ich entscheide und tue, dazu dient, dass sich mein Leben und das Leben der anderen gut entwickeln kann.

Dich als Mutter zeige, o Maria Hilf!

Gnädig uns zuneige,o Maria hilf!

Maria, hilf uns allen aus dieser tiefen Not.

Das Lied verwendet viele Bilder für Maria, die Rose ohne Dornen, die Lilie, die Trösterin. Aber bei all den Bildern ist für mich das Entscheidende, dass sie zeigen, was Maria vorgelebt hat: Sie hat auf Gott vertraut, als sie schwanger wurde, sie hat die Botschaft ihres Sohnes gehört und sie hat zu ihm gehalten und auf Gott gehofft, als er von seinen Gegnern ermordet worden ist. Das zu sehen, hilft mir. Wenn ich traurige Zeiten erlebe, in denen ich um dieses Vertrauen und um diesen Mut ringen muss.

Viele Leute brauchen Maria dazu nicht. Aber mir macht sie Mut, so wie sie in diesem Lied mit seinen schönen Bildern charakterisiert wird: eine Frau, die sich mütterlich fürs Lebens einsetzt. Und mit Mut. Der Dichterpfarrer Kurt Marti beschreibt das so:

und maria trat aus ihren bildern und kletterte

von ihren altären herab

und sie wurde

das mädchen courage

die heilig kecke jeanne d'arc

[…]

rebellin gegen männermacht und hierarchie

[…]

und sie war

die kleine therese

aber rosa luxemburg auch

und sie war und sie ist

vielleibig vielstimmig

die subversive hoffnung

ihres gesangs.

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