Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Lied zum Sonntag

 Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir mein guter Gott.

Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt.

Du bist die Kraft, die Leben schenkt, eine Quelle, welche nie versiegt.

Ströme von lebendigem Wasser brechen hervor.

Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir mein guter Gott.

Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt.  

(Lied: Sr. Leonore Heinzl, Aufnahme: Werner Reischl, LC 05161)

Wenn ich an eine Quelle komme, bin ich jedes Mal fasziniert. Wie das Wasser ohne Unterlass aus dem Boden quillt – sacht oder ungestüm. Grundwasser, das aus Gesteinsschichten nach oben dringt. Reines, lebendiges Wasser, das erfrischt und den Durst löscht. Manchmal hat Quellwasser sogar eine heilende Wirkung. 

Die Quelle ist daher auch ein Bild  für den Ursprung des Lebens. 

Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir mein guter Gott.

Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt.

Du bist die Kraft, die Leben schenkt, eine Quelle, welche nie versiegt.

Ströme von lebendigem Wasser brechen hervor.

Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir mein guter Gott.

Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt. 

Wasser ist unser elementarstes Lebensmittel. Mehr als drei Tage können wir nicht überleben, ohne zu trinken. Doch es gibt nicht nur den Durst nach Wasser – es gibt auch einen existentiellen Lebensdurst. Davon spricht das Lied dieses Sonntags. Es reicht nicht, satt zu sein und ein Dach über dem Kopf zu haben. Leben bedeutet mehr: Ich möchte als Mensch wahrgenommen werden – so wie ich bin. Und ich brauche Menschen, die mich mögen. Die versuchen, mich zu verstehen. Doch nur um mich und meine Bedürfnisse zu kreisen, das wäre auch kein Leben. Mein Lebensdurst wird nur gestillt, wenn ich auch Gemeinschaft erfahre mit anderen Menschen, die mich an ihrem Leben teilhaben lassen. Die mich herausfordern und wachsen lassen. Mit denen zusammen ich die Welt gestalten und zum Guten verändern kann.

Das darf ich – Gott sei Dank – immer wieder erleben. Aber manchmal bleibe ich auch „durstig“ und  ich habe das Gefühl, nur noch zu funktionieren.

wenn meine Beziehungen gestört sind und mein Hoffnungen ins Leere laufen. 

Im Lied heißt es: Du, Gott, bist das Wasser, das meine Sehnsucht stillt.

Das ist auch die Botschaft der Bibel. Wir können  unseren Lebensdurst im Letzten nur bei Gott stillen. Er ist die Quelle, die nie versiegt. 

Aber wie geht das? Wie finden wir zu dieser Quelle? Muss man zu einer Glaubensgemeinschaft gehören? Oder bestimmte religiöse Rituale vollziehen? 

Das alles kann natürlich helfen – aber entscheidend ist etwas anderes. Nämlich zu entdecken, dass die Quelle in uns selbst liegt. Das haben die Menschen erfahren, die Jesus begegnet sind. Zum Beispiel die Samariterin am Jakobsbrunnen. Als er sie um Wasser bittet,  entspinnt sich zwischen ihnen ein Gespräch, das sie immer mehr mit ihrer eigenen Lebensgeschichte konfrontiert. So viele Männer hat sie gehabt – und so viele Enttäuschungen erlebt. Wie leicht schließt man sich da in seiner Verbitterung ein. Aber Jesus vermag sie anzurühren. Sie öffnet sich  – und so kommt etwas zwischen ihr und Jesus ins Fließen. Lebendiges Wasser. 

Wenn ich mich auf diese Geschichte  innerlich einlasse, begegne ich darin  Jesus, zu dem ich mit all meinen Enttäuschungen und schmerzhafte Verlusten kommen kann.  Er hört mir zu und nimmt mich wahr. Bei ihm wird meine Sehnsucht nach Leben wieder lebendig. Und das weitet mein Herz, so dass es sich nicht weiter festbeißt in Wut oder Verbitterung. 

Dass sich mein Herz weitet, spüre ich auch beim Singen - am liebsten mit anderen zusammen. Beim Singen fließt der Atem, unsere Seele öffnet sich und Menschen spüren ihre Verbundenheit untereinander. Gerade dieses Lied eignet sich dazu. Es ist in einer klösterlichen Gemeinschaft entstanden - Sr. Leonore Heinzl aus dem Kloster Maria Medingen hat es geschrieben – und seither wird es von vielen Menschen gesungen, die gemeinsam nach dieser göttlichen Quelle suchen. 

Alle meine Quellen entspringen in dir, in dir mein guter Gott.

Du bist das Wasser, das mich tränkt und meine Sehnsucht stillt.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=23634