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SWR2 Lied zum Sonntag

Oktober. Das ist die Zeit, wo in vielen Kirchen die Altäre mit den Gaben des Sommers geschmückt werden: mit gelben Kürbissen und reifen Äpfeln, mit weißen und roten Trauben, mit Brotlaiben und kunstvoll geflochtenen Hefekränzen. Als Zeichen für alles, was die Erde hervorgebracht hat. Als Dank an den Schöpfer für alle guten Gaben, von den wir leben. Erntedank!

Eine schöne Tradition, die mir bewusst macht: Ich lebe ganz wesentlich von dem, was ich nicht selbst hervorgebracht und erarbeitet habe. Und ich lebe von dem, was andere Menschen zu meinem Leben beigetragen haben.

In dem Lied über das „Denken und Danken“ finde ich diesen schönen Gedanken wieder. Den Text hat der Schriftsteller Armin Juhre 1979 geschrieben. Die Melodie stammt von dem Liedermacher und Sänger Fritz Baltruweit, der bekannt ist von vielen Kirchentagen.

Musik 1  (0.54 min)

Ich hab die Faser nicht gesponnen,
die Stoffe nicht gewebt,
die ich am Leibe trage.

Ich habe nicht die Schuhe,
die Schritte nur gemacht.

Wer mich ansieht, sieht viele andere nicht,
die mich ernährt, gelehrt, gekleidet haben,

die mich geliebt, gepflegt, gefördert haben.
Mit jedem Schritt gehn viele Schritte mit.

Mit jedem Dank gehn viel Gedanken mit.

Eine Art Erntedanklied ist das. Es zieht ein Resümee aus den vielen Jahren eines Menschenlebens. Es bilanziert sozusagen die Lebensernte. Und gerät dabei ins Staunen darüber, wie sehr mein eigenes Leben vernetzt ist mit dem Leben anderer, an deren Fähigkeiten und Fertigkeiten ich teilhabe. Wieviel habe ich diesen meist unbekannten Anderen zu verdanken!

            Musik 2 (0:50 min)

Ich habe nicht gelernt zu schlachten,
zu pflügen und zu säen
und bin doch nicht verhungert.

Ich kann nicht Trauben keltern
und trinke doch den Wein.

Wer mich ansieht, sieht viele andere nicht,
die mich ernährt, gelehrt, gekleidet haben,

die mich geliebt, gepflegt, gefördert haben.
Mit jedem Schritt gehn viele Schritte mit.

Mit jedem Dank gehn viel Gedanken mit.

So wie ich in diesen Oktobertagen danke für die Gaben des Sommers, so rufe ich mir in Erinnerung, wer und was zu meinem Leben beigetragen hat.

Meine Eltern, die mich durch Kindheit, durch Schul- und Studienjahre begleitet haben. Der eine oder andere Lehrer, die Frau an meiner Seite, der Bäcker mit den knusprigen Brötchen, die Blumenverkäuferin mit den herrlichen Rosen. Aber auch: das Vertrauen meines Vorgesetzten, die hilfreiche Kritik einer Kollegin, die Gelassenheit eines Freundes, die Menschen, die mir zugehört haben.

Das alles gehört für mich genauso zu den guten Gaben der Schöpfung wie die Kürbisse und Äpfel, die Trauben und der Wein, das Brot und die kunstvoll geflochtenen Hefekränze. Für all das sage ich heute mit diesem Lied: danke!

Musik 3  (0:51 min)

Ich hab die Städte nicht entworfen,
die Häuser nicht gebaut –
und habe doch zu wohnen.

Ich kann nicht Ziegel brennen
und doch schützt mich ein Dach.
 

Wer mich ansieht, sieht viele andere nicht,
die mich ernährt, gelehrt, gekleidet haben,
die mich geliebt, gepflegt, gefördert haben.

Mit jedem Schritt gehn viele Schritte mit.
Mit jedem Dank gehn viel Gedanken mit.
 

 

Musiken: „Ich hab die Faser nicht gesponnen“ track 10 aus
CD Ich sing für dich. Fritz Baltruweit, tvd-Verlag  
 LC 05648       Gesamtlänge  2:35 min

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22932