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SWR2 Lied zum Sonntag

Ist Gott fromm? In dem Lied, das ich Ihnen heute morgen mitgebracht, habe wird er jedenfalls so angesprochen: O Gott, du frommer Gott, Du Brunnquell guter Gaben...

Etwas befremdlich beim ersten Hinhören! Aber im Jahr 1648, als dieses Lied entstand, hatte „fromm“ eine ganz andere Bedeutung. „Fromm“, das hieß einfach: gut, hilfreich, verlässlich. Die Bauern wünschten sich frommes Wetter, Wetter das gut ist für Aussaat und Ernte. Ein frommes Pferd war eines, das nicht ausschlägt und seinen Reiter nicht abwirft. Und noch Goethe konnte von einer frommen Lampe sprechen, einer, die das Licht zur rechten Stunde bringt.

In diesem Sinn heißt Gott „fromm“, weil er er gut ist und Gutes wirkt: Quelle und Ursprung von allem, was uns gegeben ist.

O Gott, du frommer Gott,
Du Brunnquell guter Gaben,
Ohn' den nichts ist, was ist,
Von dem wir alles haben:
Gesunden Leib gib mir,
U
nd dass in solchem Leib
E
in' unverletzte Seel'
Und rein Gewissen bleib'

Johann Heermann, der Dichter dieses Liedes, stammte aus dem Herzogtum Glogau in Schlesien. Dort kam er im Oktober 1585 zur Welt. Heermann zählt, mit etwa 400 Liedern aus seiner Feder, zu den bedeutendsten deutschen Kirchenliederdichtern der Barockzeit.  Andreas Gryphius und Paul Gerhardt waren von ihm beeinflusst.

Bei der Vertonung seines Textes hat Johann Sebastian Bach die ältere, aus Braunschweig stammende Melodie zu Grunde gelegt. Heute findet sich der Choral im evangelischen Gesangbuch unter der Rubrik „Arbeit“.

Und tatsächlich nimmt der Text den konkreten Alltag in den Blick. Wo es darum geht, zu wissen, was ich tue und wann ich es tue. Und darum bitte, dass es gut gerate und gelingen möge!  

Gib, dass ich tu' mit Fleiß,
Was mir zu tun gebühret,
Wozu mich dein Befehl
In meinem Stande führet!
Gib, dass ich's tue bald,
Zu der Zeit, da ich soll,
Und wenn ich's tu', so gib,
Dass es gerate wohl!

 „Hilf, dass ich rede stets, womit ich kann bestehn, lass kein unnützlich Wort aus meinem Munde gehen“, heißt es in einer weiteren Strophe. Und: „Lass mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben.“

Ein Lied also, das dazu anstiftet, den Glauben in den Alltag zu ziehen. Ins alltägliche Miteinander. Frisch und Fromm. Fröhlich und frei!  

Offensichtlich hat sich auch Johann Sebastian Bach von diesem Lied so inspiriert gefühlt, dass er eine Reihe von Orgelstücken dazu geschrieben hat. Mit einer Kostprobe davon wünsche ich Ihnen einen „frommen“ Sonntag! Also einen Sonntag, der gut tut und neue Kräfte weckt.

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Musik 1:
O Gott, Du frommer Gott
track 33 aus CD
Ein Choralbuch für JSB,
Bohemian Music Service BMS EAN  8 -590646  419523
MM 4093 -2

Musik 2 
O Gott Du frommer Gott           
CD 1: Track 33

Musik 3
Orgelpartita „O Gott du frommer Gott“,
track 18 aus CD 1 Orgelwerke Johann Seb Bach         
0 EAN 8-590646 41972 1

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