Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR2 Lied zum Sonntag

GL 543 / EG 295 

Die Psalmen sind jahrhundertealte Texte, in denen das ganze Leben steckt. Da wird gelobt, geklagt und gehofft. Und darum wurden sie oft nachgedichtet. Viele Komponisten haben die Texte vertont. Und bis heute beten und singen sowohl Juden, als auch Christen die Psalmen.

Das heutige Lied zum Sonntag „Wohl denen, die da wandeln“ ist ursprünglich auch ein Psalm gewesen. Der Theologieprofessor und Pfarrer Cornelius Becker hat am Beginn des 17. Jahrhunderts die Psalmen ins Deutsche übertragen. In seinen Worten klingt der Anfang des Psalms 119 so: „Wohl denen, die da leben für Gott in Heiligkeit, im Gesetz des Herren eben wandeln zu jeder Zeit. Die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss´ halten, sind stets bei ihm in Gnad.“

Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln und leben allezeit.
Die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss´ halten,
sind stets bei ihm in Gnad.

Psalm 119 ist der längste Psalm der Bibel. Die vielen Verse sprechen fast ausschließlich davon, was Gottes Wort für den Menschen bedeutet. Immer wieder geht es darum, dass die Menschen Gottes Gebote und Weisungen einhalten sollen.
So auch in der zweiten Strophe des Liedes, in der der Beter Gott verspricht: ich will dein Rechte halten.

Von Herzensgrund ich spreche: Dir sei Dank allezeit,
weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit.
Die Gnad auch fürder mir gewähr;
ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer hatte eine besondere Beziehung zu Psalm 119. Man könnte fast sagen, es war sein Lieblingspsalm. Jahrelang hat er ihn Vers für Vers meditiert und dabei erfahren, dass Gottes Wort den Menschen nicht einengen oder ihm gar eine zusätzliche Last aufbürden möchte. Ich denke, Gottes Wort zeigt vielmehr, wie das Leben gelingen kann. Wenn der Mensch auf Gottes Wort hört, dann ist er gut aufgehoben bei Gott. Gott erweist sich dann als treuer Freund.

„Wohl denen, die nach Gottes Wort leben“ – so könnte daher die Überschrift über den Psalm lauten. Verstärkt wird die Aussage, wenn man die ersten Worte mit „selig“ übersetzt. Selig diejenigen, die nach Gottes Wort leben. Es wird ihnen gut gehen.

Für mich heißt das: zwar wird in meinem Leben nicht alles rund laufen. Und ich werde auch nicht immer wunschlos glücklich sein. Doch wenn ich mein Leben nach Gottes Wort ausrichte, dann erkenne ich: Gott wendet sich mir zu. Er sorgt dafür, dass mein Leben gelingt. Und wie Bonhoeffer vertraue ich, dass Gott jemand ist, auf den Verlass ist – in dieser Welt und sogar über den Tod hinaus.

Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich,
so weit der Himmel gehet, der stets beweget sich;
dein Wahrheit bleibt in Ewigkeit gleichwie der Grund der Erden,
durch deine Hand bereit'.

Musikeinspielungen aus:

LC 0173

CD „morgenlicht. Kirchenlieder und Choräle“

Track 19 – Wohl denen, die da wandeln

Rundfunkchor Berlin

Deutsche Grammophon GmbH

https://www.kirche-im-swr.de/?m=22077