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SWR2 Lied zum Sonntag

Christ ist erstanden von der Marter alle;
des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein.
Kyrieleis.


Christ ist erstanden (Tenor, Bariton) (Young, Crawford) M0299696.013.MP3)

Ohne dieses Lied kann ich nicht richtig Ostern feiern. Christ ist erstanden! Das ist die unglaubliche Botschaft von Ostern. Seit  2000 Jahren erinnern Christen an dieses Ereignis, das der Dreh- und Angelpunkt für ihren Glauben ist.

Es genügt nicht, die Auferstehung Jesu Christi als Tatsache mitzuteilen. Um sie zu begreifen, muss sie mit dem Herz aufgenommen werden . – Darum ist es kein Wunder, dass die Christen von Anfang an nach Ausdrucksformen gesucht haben, die die menschliche Seele ansprechen. So entstand vor etwa 1000 Jahren dieses Lied.  Es ist vermutlich der älteste liturgische Gesang in deutscher Sprache.

Die Melodie ist in einer alten Kirchentonart - in dorisch - komponiert. Deshalb  klingt sie so archaisch, und in ihrer herben Schönheit erinnert sie an die Klangwelt der gregorianischen Choräle.

Der besonderer Reiz des Liedes liegt für mich in dem Terzsprung bei „erstanden“. So kommt die Überwindung des Todes schon in der Melodie zum Ausdruck.

Dieser charaktristische  Anfang ist identisch mit dem Beginn der Ostersequenz „Singt das Lob dem Osterlamm, bringt es ihm dar, ihr Christen.“

Einspielen “Victimae pascali laudes immolent christiani”

Victimae pascalis M 0301963.045.MP3

Die Kleriker haben das Osterlob auf Latein gesungen, der Sprache der Liturgie, die den Gebildeten vorbehalten war - und das Volk hat in der allen verständlichen Sprache geantwortet:

Christ ist erstanden von der Marter aller /

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein / Kyrieleis.

In schlichten, einfachen Gedanken wird die Bedeutung der Auferstehung Jesu  zusammengefasst. Was an Ostern geschieht, überwindet alle Marter - also alle Not und alles Leiden, so der Lieddichter. Es geht ihm nicht nur um die Erinnerung an ein einmaliges Ereignis damals vor 2000 Jahren, sondern um die Erlösung, die jedem Menschen gilt.  In der zweiten Strophe, die Martin Luther dazu gedichtet hat, wird dieser Gedanke weiter entfaltet:

Wär er nicht erstanden, so wär die Welt vergangen.

Seit dass er erstanden ist, freut sich alles, was da ist.

Kyrieleis.

Christ ist erstanden für Knabenchor(Freiburger Domsingknaben) M0042014.004.MP3)

Das Schicksal Jesu berührt das Schicksal aller Menschen, ja der ganzen Welt. Durch seine Auferstehung wurde die Macht des Todes überwunden. „Verschlungen ist der Tod vom Sieg. Tod wo ist dein Sieg? Tod wo ist dein Stachel?“, so schreibt Paulus an seine Gemeinde in Korinth. Dabei geht es ihm nicht nur um die Hoffnung, dass es ein Weiterleben nach dem Tode gibt.

Paulus fühlt sich mit dem auferstandenen Jesus so verbunden, dass dies zur Grundmelodie seines Lebens wird. Alles was er erlebt, ist durchdrungen von dieser Freude. Sogar Ablehnung, Misserfolge und seine Krankheit kann er in diesem Licht sehen.

Eine Erfahrung, die Paulus und die ersten Christen nicht für sich behalten konnten. Sie gingen daher bis an die Enden der damals bekannten Welt, um davon zu erzählen. Seitdem können wir mit der Hoffnung leben, dass unser Leben nicht in der Sinnlosigkeit und im Nichts endet. Wir müssen nicht ängstlich um uns selber kreisen, Ostern kann uns zum Leben befreien.

Halleluia

Christ ist erstanden für Knabenchor(Freiburger Domsingknaben) M0042014.004.MP3)

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17450