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SWR2 Lied zum Sonntag

„Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe“

 Das neue Gesangbuch, das jetzt in der katholischen Kirche eingeführt wird, heißt - wie schon das alte: „Gotteslob“. Gott loben, ihn preisen und ehren und davon erzählen, dass es gut ist, mit ihm in Verbindung zu sein – darum geht es in vielen alten und auch in neuen geistlichen Liedern.

Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Refrain

 Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern. die Menschen werden singen, bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.

Aufnahme des Jugendsingkreises St. Peter und Paul, Neuhausen auf den Fildern, Leitung Markus Grohmann

Dieses Lied zählt zu denen, die neu ins Gotteslob gekommen sind. Es wurde 1979 von Hans Jürgen Netz geschrieben und von Christoph Lehmann vertont. In dieser Zeit gab es viele neue Lieder, die Anklänge aus der Pop-musik mit religiösen Inhalten verbunden haben. Sie entstanden oft für Kirchentage, und viele, die dort begeistert zugehört und mitgesungen hatten,  wollten diese Stimmung auch in ihre Heimatgemeinden weitertragen. So ist damals auch der Jugendsingkreis St. Peter und Paul  aus Neuhausen auf den Fildern  entstanden, der eben zu hören war. Er wurde 1970gegründet, um eine Firmung mit neuen geistlichen Liedern zu gestalten, denn für viele Jugendlichen waren diese Lieder ein stimmiger Ausdruck  ihres Lebensgefühls und ihres Glaubens. Ein Glaube, der frei macht und zum Leben ermutigt:

 Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.

Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.  

Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern… 

Der Refrain ist eine Anspielung auf den Text des Gloria, das jeden Sonntag in der katholischen Messfeier gesungen wird: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“ Diese Botschaft stammt aus dem Weihnachtsevangelium. Die Engel sagen sie den Hirten in der Nacht, in der Jesus geboren wird. 

Hans Jürgen Netz hat den bekannten Text aufgegriffen und zugleich entscheidend verändert. Ihm geht es nicht um den Himmel, sondern um die Erde. Hier bei uns Menschen soll Gott die Ehre gegeben werden. Und das nicht nur im Gottesdienst, sondern auf der Straße, in den Häusern, da wo Menschen zusammen kommen und miteinander leben. „Mach’s wie Gott– werde Mensch“ war in den 70er Jahren ein geflügeltes Wort, als Netz sein Lied geschrieben hat. Christen soll man an ihrer Menschlichkeit erkennen, an ihrer Lebensfreude, an ihrem Einsatz für eine gerechtere und friedlichere Welt – so war das Selbstverständnis von vielen kirchlich engagierten Jugendlichen. Sie wollten  die  Kirche verändern, besonders die Gottesdienste, die sie in ihrer traditionellen Form oft nicht mehr ansprachen. 

Aber nicht alle waren von den neuen geistlichen Liedern und den jugendbewegten Gottesdiensten begeistert. Gotteslob mit Sacro-Pop und Schlagzeug  - das hat auch Widerstand hervorgerufen, und in vielen Gemeinden wurde erbittert gestritten, ob man solche Lieder im Gottesdienst singen darf.

Die Jugendlichen von damals haben längst graue Haare. Manche von ihnen haben entdeckt, dass die alten Kirchenlieder auch schön sind, und dass Gottesdienste, die zur inneren Sammlung und zur Andacht einladen, wertvoll sein können. Aber die Botschaft des heutigen Liedes bleibt aktuell: Gott zu loben und ihm die Ehre zu geben, darf nicht auf den Gottesdienst begrenzt bleiben. Es muss sich auf den Straßen und Plätzen zeigen, im gelebten Leben. „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch“

Deswegen hat dieses lebensbejahende Lied zu Recht im neuen Gotteslob seinen Platz gefunden, in dem alt vertraute neben neueren geistlichen Liedern stehen. 

Übrigens: Gestern hat Hans-Jürgen Netz seinen 60. Geburtstag gefeiert. Ich bin dankbar, dass er uns dieses Lied geschenkt hat.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17047