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SWR2 Lied zum Sonntag

Lied: Geh aus, mein Herz und suche Freud (EG 503)

M0261857 Fassung für Violine und Klavier, Christine Busch, Juliane Ruf, August Harder

Es war eine Doppelhochzeit. An einem wunderschönen Sommertag vor achtzehn Jahren. Es war die Hochzeit meiner Schwester und eines befreundetes Paares. Ich war damals zwölf und im Gottesdienst haben wir dieses Kirchenlied gesungen: „Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit". Es ist kein typisches Hochzeitslied, aber meine Schwester und ihr Mann hatten es sich gewünscht. (Klaviermusik beginnt) Da trifft eine beschwingte Melodie auf ein blumig schönes Sommergedicht.

Geh aus, mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit

An deines Gottes Gaben: Schau an der schönen Gärten Zier

Und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

(Geh aus, mein Herz, Marion Eckstein, Götz Payer, Carus 83.015)

Die Doppelhochzeit meiner Schwester war als Kind etwas Besonderes für mich. Und dieses Lied weckt Erinnerungen wach. Wie schön war es, die beiden Brautpaare gleichzeitig zu sehen. Gleich vier Gesichter, die ausgestrahlt haben, was auch im Kirchenlied anklingt: Die Welt liegt uns zu Füßen. Gehen wir los und entdecken wie schön alles ist: die Bäume, die Blumen, die ganze Natur und unser gemeinsames Leben, das vor uns liegt.

„Geh aus mein Herz" ist ein Lied von Paul Gerhard. Eigentlich ist es viel eher ein langes Sommergedicht, als ein frommes Kirchenlied. Ein Sommergedicht mit fünfzehn Strophen! Paul Gerhard hat darin allein sieben Strophen gebraucht, um die Fülle des Sommers zu beschreiben. Erst danach kommt die passende Deutung dazu. Er sagt, dass es gut ist, wenn man den Sommer im Leben nicht verpasst. Und dass dies auch ein Grund sein kann, ein Loblied anzustimmen - eines das von Herzen kommt.

Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun

erweckt mir alle Sinne.

ich singe mit, wenn alles singt, und lasse was dem Höchsten klingt

aus meinem Herzen rinnen.

(Geh aus, mein Herz, Marion Eckstein, Götz Payer, Carus 83.015)

Bei der Doppelhochzeit meiner Schwester haben wir nur drei oder vier Strophen von diesem Lied gesungen. Schade eigentlich, denn auch in den Strophen danach steckt eine gute Botschaft.

M0310837 Ewood-Brothers August Harder Jazz Gesangbuch 

Gegen Ende des Liedes stellt Paul Gerhard die Frage, wie schön es wohl im Himmel sein muss, wenn es auf der Erde schon so viel zu bewundern gibt. „Ach denk ich, bist du hier so schön, und lässt du´s uns so lieblich gehn auf dieser armen Erden: Welch hohe Lust, welch heller Schein, wird wohl in Christi Garten sein?"

Ich habe vor drei Wochen auch geheiratet. Mein Mann und ich, wir haben uns das vorgenommen, was Paul Gerhard im Lied beschreibt: Wir wollen die schöne Erde zusammen anschauen und uns daran freuen. Aber genauso wichtig ist es uns, das Schönste letztlich von Gott zu erwarten. Und nicht vom Partner oder von uns selbst. Das macht das gemeinsame Leben leichter. Manchmal sogar so leicht, wie die Melodie zu diesem Lied.

M0310837 Ewood-Brothers August Harder Jazz Gesangbuch  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=15497