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SWR4 Abendgedanken

30JUL2021
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„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste was es gibt auf der Welt.“ So hat vor vielen Jahren Heinz Rühmann gesungen. Weiter heißt es: „Ein Freund bleibt immer Freund, und wenn die ganze Welt zusammenfällt.“

Und er hat Recht. Es gibt so vieles auf der Welt, was schön und wichtig ist, was mir viel bedeutet und woran ich hänge, aber Freunde sind das Schönste, was es gibt auf der Welt. Gerade im letzten Jahr wurde mir das ganz deutlich vor Augen geführt: Ich brauche meine Freundinnen und Freunde wie die Luft zum Atmen.

Ich muss Freunde nicht ununterbrochen um mich haben, aber während der Coronazeit sind die Treffen doch wirklich viel zu kurz gekommen. Dafür ist mir aber gerade in dieser Zeit aufgefallen, wer ein echter Freund ist und für wen ich eine richtige Freundin bin.

Meine Freundinnen und Freunde nehmen mich so an wie ich bin. Sie kommen sogar mit meinen Macken klar. Und genau das ist toll, beeindruckend, liebenswert. Sie wissen, dass ich mich manchmal in Arbeit verzettele und dann vergesse mich zu melden. Das nehmen sie mir nicht krumm. Wenn ich mich aufrege, so können sie mit meinen Emotionen umgehen. Meine beste Freundin hat stets ein offenes Ohr für mich und mein bester Freund hat irgendwie auch immer Zeit, wenn ich ihn brauche. Da ist es egal, ob wir uns lange nicht gesehen haben.

Umgekehrt versuche ich auch, da zu sein, zu zuhören, auch schlechte Zeiten mit durchzustehen.

Es gibt Freunde, die sehe ich ganz selten und wir hören nicht voneinander, aber wenn wir uns dann wieder auf irgendeine Art haben, dann ist es so wie immer, als wäre die Zeit nicht vergangen, sondern wir wären immer zusammen gewesen.

„Ein treuer Freund ist wie ein starker Schutz; wer den findet, der findet einen großen Schatz. Ein treuer Freund ist nicht mit Gold aufzuwiegen, und sein Wert ist nicht hoch genug zu schätzen.“ Diese Lobeshymne auf beste Freundinnen und Freunde steht in der Bibel, im Buch Jesus Sirach.

Seit so vielen Jahrtausenden wissen Menschen, was wichtig ist: Freundschaft und Nähe, Verständnis und ein gutes Miteinander. All das zeichnet Freunde aus. Heute, am internationalen Tag der Freundschaft möchte ich einfach mal Danke sagen: Danke, liebe Freundinnen und Freunde, dass es Euch gibt.

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29JUL2021
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„Mama, fliegen Engel eigentlich immer nackt rum?“ Mit dieser Frage hat mich mein Sohn vor kurzem völlig aus dem Konzept gebracht. Erstaunlich, wie sich mein Sohn Engel vorstellt. Ich selbst habe mir darüber noch nicht wirklich Gedanken gemacht.

Klar war mir immer nur, dass diese bestimmt nicht in weißen Nachthemden umherfliegen, sondern dass Engel uns Menschen ganz unterschiedlich begegnen können. Wer weiß, ob wir einen Engel überhaupt bemerken?

In der Bibel wird von Engeln berichtet: Es sind die Boten Gottes, die zu den Menschen kommen, um ihnen wichtige Botschaften zu überliefern. Da denke ich vor allem an die Engel an Weihnachten: Sie verkünden, dass Jesus geboren ist. In der Bibel kommen Engel auch zu den Propheten, zu Elia zum Beispiel. Der Engel tröstet ihn und sagt: Du musst keine Angst haben.

Engel sind ganz besondere Wesen. Sie handeln in Gottes Sinne, sie stehen den Menschen bei und retten und bewahren die, die Hilfe brauchen. Sie sprechen Mut zu und sie schützen vor Gefahren.

Engel sind Boten Gottes. Durch sie ist Gott den Menschen auf ganz besondere Weise nahe. Und auf eine ganz bestimmte Weise können auch wir für andere Menschen zum Engel werden. Dann wenn wir als Gottes Boten auch für andere Menschen sorgen, ihnen Mut zu sprechen, ihnen helfen, sie vor Gefahren schützen.

Ganz oft werden Eltern für ihre Kinder zum Engel. So neulich mitten im Alltag auf dem Spielplatz. Das kleine Mädchen hat schüchtern vor dem Klettergerüst gestanden, sie hat sich einfach nicht draufgewagt. Doch der Vater hat ihr gut zugeredet, ihr Mut gemacht. So ist sie langsam hochgeklettert und er hat immer unten am Boden dort gestanden. Als ihr Fuß abgerutscht ist, sie das Gleichgewicht verloren hat, hat er sie gestützt, den Fuß wieder auf die Stange gesetzt und gesagt: „Du schaffst das! Klettre weiter! Ich bin da!“ das Mädchen ist weitergeklettert und sie wurde immer sicherer. Oben angekommen, hat sie mit fröhlicher Stimme gerufen: „Geschafft“ Und dann ist sie ihrem Vater in die Arme gesprungen.

„Mama, fliegen Engel eigentlich immer nackt rum?“ Bestimmt nicht. Aber manchmal tragen sie T-Shirt und Jeans und helfen kleinen Mädchen beim Klettern.

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28JUL2021
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Eine Freundin von mir ist aufgeregt. Sie ist Mutter, und jemand hat sie „Glucke“ genannt. „Wie klingt das denn? So als würde ich meine Kinder total bemuttern und einschränken. Das stimmt doch gar nicht!“

„Jetzt reg Dich bitte nicht so auf“, habe ich versucht, sie zu beruhigen. „Das war doch als Kompliment gemeint!“ Darüber hat sich meine Freundin erst recht aufgeregt. Sie meinte, vergackeiern könne sie sich auch alleine

„Ich erkläre es dir“, habe ich geantwortet und ihr erzählt, warum ich das als Kompliment sehe: Hühner sind sehr fürsorglich gegenüber ihrem Nachwuchs. Wenn eine Henne sich um ihre Küken kümmert, so ist sie ganz und gar wachsam und behutsam.

Ist Gefahr in Verzug, so nimmt die Henne ihre Küken im wahrsten Sinne des Wortes unter ihre Fittiche. Das sieht dann so aus, dass sie ihre Flügel sanft über den Küken ausbreitet und die Kleinen darunter versteckt. Und manchmal guckt dann schelmisch zwischen dem Federkleid ein kleines, neugieriges Köpfchen heraus. Das Küken ist beschützt und dennoch frei, sich selbst ein Bild von der Situation zu machen, die Gefahr kennenzulernen, zu erfahren, wann das Leben bedroht ist.

„Gott breitet seine Schwingen aus über dir. Unter seinen Flügeln findest du Zuflucht.“ So heißt es in der Bibel, in Psalm 91. Wenn ich an die Henne und an ihre Küken denke, dann weiß ich ganz genau, was der Psalmbeter meint. Gott sorgt sich um mich und möchte mich vor den Gefahren bewahren. Er nimmt mich unter seine Flügel, damit ich behutsam das Leben entdecken kann. Aber er schenkt mir auch die Freiheit, unter seinen Fittichen hervorzukommen, auf eigenen Füßen das Leben zu entdecken. So wie das Küken durch die Federn der Henne herausspitzt und neugierig guckt, was das so kommt, so darf auch ich unter den Fittichen Gottes herausschauen.

So kann ich behutsam immer wieder das Leben neu entdecken. Egal wie alt ich bin. Denn es gibt immer wieder unbekannte Situationen in meinem Leben. Aber ich habe erfahren, dass es einen Ort gibt, an dem ich sicher und geborgen bin.

„Also, wenn das so ist,“ hat meine Freundin lächelnd gesagt, „dann bin gerne eine Glucke.“

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27JUL2021
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Fußball ist ein fairer Sport. Oder er sollte es zumindest sein. Und zwar nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz, nicht nur bei den Spielern auf dem Feld, sondern auch bei den Fans. Auch sie sollten fair bleiben - auch gegenüber ihrer eigenen Lieblingsmannschaft.

Deswegen habe ich mich so über einige Fans aufgeregt, die nach dem Finale den englischen Nationalspieler Marcus Rashford rassistisch beschimpft haben. Das alles, weil er einen Elfmeter verschossen hat. Ich weiß, wie enttäuscht die englischen Fans gewesen sind. Und ich verstehe das auch. Ich hätte es auch noch verstanden, wenn sie sich über die schlechte Technik des jungen Nationalspielers aufgeregt hätten. Aber manche Fans haben Marcus Rashford persönlich angegriffen und ihn wegen seiner Hautfarbe runtergemacht. Da hört mein Verständnis auf.

Marcus Rashford selbst hat gesagt: „Ich kann mir Kritik an meiner Leistung den ganzen Tag anhören, mein Elfmeter war nicht gut genug, er hätte reingehen sollen, aber ich werde mich niemals dafür entschuldigen, wer ich bin und wo ich herkomme.“

Ich stimme ihm zu. Vor allem dem letzten Teil seiner Aussage. Genau das ist es, was meinen Glauben ausmacht:  Niemand muss sich für seine Herkunft oder seine Kultur entschuldigen. Gott hat uns alle nach seinem Bilde gemacht. Entschuldigen muss man sich höchstens für das, wo einem Fehler unterlaufen: Die eine vergisst den Geburtstag ihres Mannes, ein anderer kommt immer zu spät - und hier hat ein Fußballer das Tor nicht getroffen. Klar, das sind Fehler - Fehler machen wir alle.

Folgendes ist für mich grundlegend für unser Menschsein: In uns allen steckt etwas, dass uns einander gleich sein lässt. Nämlich, dass wir alle Gottes Ebenbilder sind. Egal, ob wir Elfmeter verwandeln oder nicht, ob wir immer pünktlich sind oder auch mal zu spät kommen. Egal ist auch, aus welchen Land wir kommen, was wir auf dem Konto haben oder wie wir aussehen. Wichtig ist, dass wir uns fair verhalten.

Marcus Rashford hat nicht vergessen, dass er aus ärmlichen Verhältnissen kommt. Deswegen kümmert er sich um bedürftige Kinder in Großbritannien. Er weiß, was zählt und dass wir alle die Welt ein wenig besser machen können – als Menschen nach Gottes Bild. Als Menschen, die so leben, wie Gott es sich vorgestellt hat. Fair, nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz.

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26JUL2021
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Hast Du ein Herz für andere? Unter dieser Fragestellung haben wir neulich im Konfirmandenunterricht einen Test gemacht. Dazu habe ich den Jugendlichen eine Situation beschrieben und sie dann gefragt, wie sie sich verhalten würden. Folgendes sollten sie sich vorstellen: „An der Bushaltestelle will eine Frau mit Kinderwagen einsteigen. Was machst Du?“ Ich habe erwartet, dass manche meiner Konfis rumdrucksen würden.

Und ich dachte, dass viele von ihnen sicher der Frau mit dem Kinderwagen helfen würden. Stattdessen kam eine ganz andere Antwort, und die hat mich ziemlich verblüfft: „Ich schaue in die andere Richtung und warte ab, ob die Frau mich direkt anspricht.“ Das war eine Antwort, die ich zuerst nicht verstanden habe. „Wie kann ich denn in so einer Situation in die andere Richtung schauen?“, habe ich gefragt. „Ganz einfach“, hat der Konfirmand geantwortet, „die Frau soll selbst entscheiden, ob sie genau mich fragen will. Ich will mich nicht aufdrängen. Aber wenn sie fragt, dann packe ich an.“ „Logisch“, hat ein anderes Mädchen daraufhin gesagt, „er ist doch fremd und unbekannt. Deswegen muss die Frau ihn ansprechen.“

So hatte ich die Sache noch nie betrachtet. Aber die Position der Jugendlichen hat mir auch eingeleuchtet. „Es geht doch darum, ob die Frau überhaupt Hilfe will“, hat ein Junge noch mal eingeworfen. „Vielleicht will sie es auch selbst versuchen. Dann soll sie das machen. Aber wenn es nicht klappt, dann soll sie fragen.“ Einerseits ja, denke ich mir. Andererseits schafft es nicht jeder, um Hilfe zu bitten und es ist gut, wenn jemand ungefragt mit anpackt.

Letztlich kam bei dem Test als Ergebnis heraus, dass alle Jugendlichen das Herz auf dem rechten Fleck hatten.

„Was du auch tust, bedenke das Ende, so wirst du nicht sündigen in Ewigkeit.“ Dieser Ratschlag findet sich im Buch Jesus Sirach unter der Überschrift „Fürsorge für den Nächsten“. Ein guter Tipp, denn er hat beide Seiten im Blick: das Hilfe geben und das Hilfe annehmen. Beides soll im rechten Maß sein.

Wenn ich – wie meine Konfirmandinnen und Konfirmanden – das Herz am rechten Fleck habe, dann dränge ich mich nicht einfach auf. Ich denke auch darüber nach, was der andere braucht: Braucht er meine Initiative oder nicht? So kann ich helfen, indem ich andere auch entscheiden lasse, ob sie meine Hilfe annehmen wollen oder brauchen.

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