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SWR4 Abendgedanken

07MAI2021
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„Schach matt“, sagt mein Gegenüber. Das Spiel ist aus. Schon wieder. Mein Gegenspieler weiß gut, wie er klug einen Schachzug nach den anderen ausführt, um mich Schach matt zu setzen. Zu meiner Verteidigung: mein Gegner hat mir erst kurz zuvor das Schach spielen beigebracht. Seitdem üben wir gemeinsam. Es macht Spaß und ist herausfordernd. Zum einen musste ich lernen, welche Spielfigur wie über das Schachbrett laufen darf. Zum anderen ist die Kunst beim Schach die folgenden Züge des Gegners genau durchzudenken und entsprechend geschickt die eigenen Spielfiguren zu positionieren.

Das Schachspiel erinnert mich an meinen aktuellen Corona-Alltag. In meinem Beruf als Pastorin muss ich planvoll vorgehen. Genau wie beim Schach geht es darum abzuwägen, welcher Zug der nächste ist. Nur so kann ich verhindern Schach matt gesetzt zu werden. Ich muss mir also überlegen: Welche Veranstaltung ist möglich? Welche nicht? Was macht Sinn? Was nicht? Dabei muss ich vorausschauend planen und besonnen handeln.

Als verantwortungsbewusste Christin ist es mir dabei wichtig vernünftig zu sein. Ich will mich nicht nur von Emotionen leiten lassen, sondern weise handeln. Denn für mich schließen sich Glauben und Vernunft nicht aus. Im Gegenteil sie gehören unbedingt zusammen. Als Christin will ich mich vernünftig in der Gesellschaft einbringen. Und das heißt für mich verantwortungsbewusst und solidarisch. Beruflich und privat orientiere ich mich dabei an folgendem Bibelwort:

 „Denn Weisheit wird in dein Herz kommen, und die Erkenntnis wird dich mit Freude erfüllen. Besonnenes Handeln wird dir Schutz geben und Einsicht wird dich behüten.“ (Spr 2,10-11)

Dieses Bibelwort hilft mir abzuwägen, was dran ist. Es wird mir zur Anleitung für mein Christsein heute: Wichtig ist, dass ich besonnen handle. Doch auch die Weisheit ist unabdingbar. Sie ist mir ein guter Ratgeber in diesen andersartigen Zeiten. Weise möchte ich ein Schritt nach dem anderen machen – wie beim Schach. Und das Beste ist: Gott hält mein Leben dabei in seiner Hand. Er ist die Weisheit, die mich besonnen handeln lässt und mit Freude erfüllt.

Für mich heißt das: Es geht im Glauben nicht um blinden Gehorsam, sondern um vernünftiges Christsein. Mir gefällt das.

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06MAI2021
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Endlich ist es fertig! Ich halte mein druckfrisches Fotobuch in der Hand und bin glücklich. Es fühlt sich toll an. Jedes Jahr gestalte ich ein Fotobuch über das vergangene Jahr. Viele Stunden verbringe ich dafür vor dem Computer. Ich genieße es die Bilder auszusuchen und Millimeter für Millimeter hin und herzuschieben bis sie perfekt sitzen.

Als ich dieses Jahr mit dem Fotobuch für 2020 begonnen habe, dachte ich: es wird bestimmt ein schlankes und dünnes Buch. Viel ist in diesem Jahr ja nicht passiert. Doch jetzt, wo ich es in der Hand halte, sehe ich, wie dick es ist. Es ist am Ende sogar eins von den dicksten Büchern geworden, die ich je gemacht habe. Viele Fotos haben ihren Platz gefunden. Der Sommerurlaub an der Ostsee nimmt viele Seiten ein. Er war besonders – gerade weil ich nicht wusste, ob er stattfinden kann oder nicht. Daneben finden sich viele Alltagsbilder oder Naturaufnahmen auf den Seiten. Im letzten Jahr sind mir besonders alltägliche Kleinigkeiten aufgefallen. Vieles, was ich mit meiner Kamera sonst nicht festgehalten habe. Schätze des Alltags. Und all diese kleinen Bildschätze ergeben jetzt ein großes Ganzes in meinem Fotobuch.

Während ich durch das Fotobuch blättere, erinnere ich mich an alles, was ich erlebt habe. Erst jetzt im Rückblick fällt mir auf, wie voll das letzte Jahr gewesen ist. Erst jetzt erkenne ich das ganze Bild. Und das erinnert mich an einen Vers aus der Bibel.

Ein Mann namens Paulus schreibt dort in einem Brief an die Gemeinde in Korinth: „Denn jetzt sehen wir nur ein rätselhaftes Spiegelbild. Aber dann sehen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke. Aber dann werde ich vollständig erkennen, so wie Gott mich schon jetzt vollständig kennt.“ (1. Kor 13,12)

Diese Worte von Paulus berühren mich. Sie zeigen mir: mit meinem Leben ist es wie mit meinem Fotobuch. Jetzt erkenne ich nur einzelne Bruchstücke. Doch irgendwann sehe ich das gesamte Bild. So wie Gott es erdacht hat. Und dann werde ich verstehen und erkennen, warum was passiert ist oder eben auch nicht.

Erst am Ende meiner Zeit werde ich vollständig erkennen. Ich freue mich auf diesen Moment. Und ich hoffe, dass es sich genauso gut anfühlt, wie wenn ich mein druckfrisches Fotobuch in den Händen halte.

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05MAI2021
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Als Teenager war ich einmal zu Besuch bei der Tante meiner besten Freundin. Sie hatte einen richtig großen Esstisch im Esszimmer stehen. Der Tisch war ca. 3 Meter lang und hat mich echt beeindruckt. Seitdem hatte ich immer den Traum davon, später auch einmal so einen großen Esstisch zu haben: Ein Tisch, an dem alle Platz haben. Wo keiner ausgeschlossen wird oder am extra Kindertisch sitzen muss. Ein Tisch, wo Platz für Gespräche und Austausch ist. Wo es keine Tabus gibt. Ein Tisch an dem man über alles reden kann.

So ein großer Tisch hätte in das kleine Esszimmer meiner Eltern nie reingepasst. Trotzdem hat der Esstisch bei meinen Eltern immer eine ganz zentrale Rolle gespielt. Denn bei uns gab es eine Familienregel: Beim Abendessen sind alle Familienmitglieder da! Denn beim Abendessen wurde alles besprochen: es wurde geplant, was am nächsten Tag anstand. Es wurde Organisatorisches geklärt oder – wenn es tagsüber Streit gegeben hatte, wurde spätestens beim Abendessen das Ganze nochmal geklärt, nachbesprochen und gegebenenfalls Frieden geschlossen.

Und auch bei Jesus spielt der Tisch eine zentrale Rolle: Das gemeinsame Essen ist für Jesus und die Leute, die ihm nachfolgen total wichtig. In der Bibel gibt es viele Geschichten dazu: Mal bekommt Jesus 4000 Menschen satt. Mal 5000. Mal ist er bei einer Hochzeit eingeladen oder er isst mit Zöllnern, Prostituierten und anderen Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Von seinen Gegnern wird er deshalb spöttisch als Vielfraß und Säufer bezeichnet, der mit Zolleinnehmern und Sündern befreundet ist (Mt 11,19).

Am Abend vor seiner Kreuzigung lädt Jesus ein letztes Mal Menschen zum Essen ein: seine zwölf engsten Freunde. Noch heute erinnern sich Christen an dieses gemeinsame Essen, wenn sie Abendmahl feiern. Denn für Jesus ist das gemeinsame Essen Sinnbild dafür, wie die Menschen miteinander umgehen: Mit Feinden isst man nicht zusammen. Aber mit Menschen, die man respektiert und anerkennt sehr wohl. Jesus will seinen Nachfolgern also sagen: Setzt euch gemeinsam an den Tisch. Erzählt euch, was euch bewegt und beschäftigt. Teilt euren Glauben und wenn ihr euch zerstritten habt, schließt Frieden miteinander.

Diese Einladung nehme ich gern an, denn so lebe ich nach dem Vorbild Jesu. Aktuell geht es nicht, mit vielen Menschen an einem Tisch zu sitzen. Aber im kleinen Kreis geht es und das nutze ich gern.

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04MAI2021
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„Und jetzt gut die Spannung halten. Spürt das Ziehen im Rücken,“ so schallt es aus meinem Computerlautsprechern. Dank Corona findet die Rückenschule jetzt digital statt. Vor mir gibt sich meine Trainerin größte Mühe uns bei den Übungen anzuleiten. Sie fordert viel und es ist echt schweißtreibend…

Seit ich acht bin leide ich an chronischen Wirbelsäulenproblemen. Ich weiß deshalb, dieses harte Training stärkt meinen Rücken: denn je besser und regelmäßiger ich trainiere, desto mehr Halt bekommt mein Rücken. Die Muskeln tragen mit, stützen, geben Halt und reduzieren die Schmerzen. Im anatomischen Sinn wird also das Rückgrat gestärkt. Doch das Wort „Rückgrat“ kann auch im übertragenen Sinne verwendet werden. Es meint dann Menschen, die offen zu ihrer Auffassung und Überzeugung stehen. Menschen mit Rückgrat haben Charakterstärke und sind mutig. Sie treten taff und sicher auf und stehen zu ihrer Meinung. Solche Menschen beeindrucken mich.

Die Bibel erzählt von vielen Frauen und Männern, die Rückgrat haben. Was diese Menschen verbindet: Nichts schüchtert sie ein, denn sie vertrauen ihr Leben Gott an. Und immer wieder beten sie deshalb zu ihm. Der Glaube an Gott stärkt sie.

Das ist wie bei der Rückenschule: Meine Muskulatur muss auch immer wieder trainiert werden – sonst erschlafft sie und die Wirbelsäule verliert Halt. Genau wie im Glauben und bei Gott: meine Beziehung zu Gott muss ich pflegen. Das Gute daran ist: Für dieses Training brauche ich keine besondere Ausrüstung. Ich brauche keine Yoga-Matte, Gewichte oder Therabänder – es reicht mich Gott zu öffnen und ihm zuzuwenden, so wie ich bin. Ich kann einfach mit ihm reden und damit betend zu ihm kommen. Oder ich tausche mich mit anderen Christen aus. Höre mir ihre Erfahrungen und Zweifel an und kann meine mit jemand anderem teilen. So lebe ich meinen Glauben und stärke ihn zugleich. Durch dieses geistliche Training bekomme ich Halt und Stütze.

Genau wie bei den Frauen und Männern in der Bibel: durch ihren Glauben schaffen sie Unglaubliches. Für mich sind diese Menschen damit tolle Vorbilder. Ihr Glaube beeindruckt und ermutigt mich, mein Leben Gott anzuvertrauen. Er stärkt mich und macht mich zu einer Frau mit Rückgrat.

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03MAI2021
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Einfach mal weg. Dem entfliehen. Ab auf den Berg. Ein Zelt aufschlagen und die Welt mit ausreichend Abstand betrachten. Wer wünscht sich das gerade nicht?

Ich habe immer mal wieder sehr eindrückliche und bewegende Momente auf Bergen erlebt. Für mich waren das so eine Art „Himmelreichmomente“. Also Momente, wo ich mich dem Himmel und Gott ganz nah gefühlt habe. Solche Momente habe ich in meinem Leben schon immer mal wieder erlebt, zum Beispiel in den Wicklow Mountains in Irland oder auf einer Anhöhe in Ravensburg. Auf einem Berg zu stehen und die Weite zu bestaunen, hat einfach was. Es ist eindrücklich. Die Häuser sehen auf einmal ganz klein aus. Und die Probleme der Welt scheinen auch klein und unbedeutend. Ich bin dann dem Himmel besonders nah.

Und das geht nicht nur mir so. In der Bibel stehen Berge oft für Orte, wo man Gott begegnet. Einmal zum Beispiel nimmt Jesus die Jünger Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg. Dort erleben die drei Freunde einen Himmelreichmoment: Vor ihren Augen verwandelt sich Jesus. Er leuchtet hell wie die Sonne. Seine Kleidung wird weiß. Alles Zeichen für Gottes Gegenwart. Doch damit nicht genug, erscheinen den Jüngern die Propheten Mose und Elia, die mit Jesus reden. Und kurz darauf hören die drei dann auch noch eine Stimme aus den Wolken. Für die drei Jünger ist klar: Hier spricht gerade Gott mit uns. Deshalb werfen sie sich nieder und fürchten sich sehr. Doch Jesus lässt sie nicht allein. Er geht zu ihnen hin, berührt sie und sagt: Steht auf und fürchtet euch nicht!

„Jesus ist seinen Jüngern also gerade in ihrer Furcht ganz nahe; er berührt sie, sodass sie spüren können: Er ist da und richtet sie auf.“
Als die Jünger wieder die Augen öffnen, sehen sie allein Jesus. Niemand anderes ist mehr zu sehen. Ihr Blick richtet sich jetzt allein auf Jesus. Den Christus. Diesen Himmelreichmoment würden sie am liebsten für immer festhalten. Petrus will sogar Zelte aufstellen. Doch das geht nicht. Sie müssen wieder absteigen. Hinunter ins Tal. Zum Glück gehen die drei diesen Weg aber nicht allein. Jesus geht mit.

Für mich heißt das: Jesus ist immer da. In Glücksmomenten und wenn ich mich fürchte. Er ist nahe. Er ist das Licht, das in die Dunkelheit kommt und mein Leben erhellt. Mitten in den Niederungen des Alltags geht er mit und spricht mir zu: Fürchte dich nicht!

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