Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

26MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Warum schließen wir unsere Augen, wenn wir beten, weinen, küssen oder träumen?“ hat der amerikanische Schauspieler Denzel Washington gefragt. Und gleich selbst die Antwort gegeben: „Weil die wundervollsten Dinge im Leben nicht gesehen, sondern mit dem Herzen gefühlt werden.“

Beeindruckender Gedanke. Mal nicht rational an etwas herangehen, ganz genau hinschauen und analysieren, sondern einfach einmal das Herz sprechen lassen.

Im hebräischen Teil der Bibel ist das nicht so strikt getrennt. Denn da ist Herz nicht nur der Raum für das Gefühl, sondern auch der Ort für das Denken. Da ist das Herz nicht nur ein Organ, sondern auch die Denkzentrale. Weil die Leute damals sich den Menschen als Ganzes vorgestellt haben.

Das heißt doch, dass ich auch mit dem Herzen denken kann. Ich finde das spannend. Oft bedeutet das: Mensch, denk mal nicht so viel, fühl mehr.

In der Bibel ist das kein Gegeneinander, das Denken und das Fühlen, sondern ein Miteinander. Ich kann das oft auch gar nicht voneinander trennen. Das Schicksal mancher Menschen rührt mich an, da fühle ich Mitleid, aber zugleich kann ich da nicht die Augen schließen, sondern ich muss nach Lösungen suchen.

Auf die Situation der Flüchtlinge im Mittelmeer zu schauen, mich emotional bewegen zu lassen und mitzuleiden – das ist das eine. Das andere aber ist, dann auch mit dem Herzen zu denken: Was kann ich persönlich tun, um da etwas zu ändern? Wo kann ich helfen? Wen kann ich unterstützen?

Hinsehen und fühlen mit dem Herzen und mit dem Kopf, das geht auch, meine ich. Die Einsamkeit vieler Menschen zur Zeit zu sehen und zu überlegen, wer wen anrufen könnte, wie ich meine Zeit sinnvoll einteilen kann, um auch mal vorbeizuschauen, das ist emotionales Denken oder rationales Fühlen. Es lässt sich nicht immer alles trennen. Und das muss es auch nicht.

Aber in einem Punkt stimme ich Denzel Washington zu: Mit geschlossenen Augen zu beten fällt mir leichter. Weil mich nichts ablenkt. Und ein Kuss schmeckt mit geschlossenen Augen auch viel besser.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32810
25MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Drei Wochen lang hat ein Mann in Osnabrück sein Auto gesucht. Er hatte vergessen, wo er es geparkt hat. Ich habe davon in der Zeitung gelesen.

Der Mann war wegen eines Termins in die Stadt gefahren, hatte sein Auto in einem Parkhaus ordnungsgemäß abgestellt und ist seiner Verpflichtung nachgekommen. Aber danach hat er sein Auto nicht mehr wiedergefunden. Nach stundenlangem Suchen ist er mit dem Zug nach Hause gefahren.

Gemeinsam mit seiner Tochter hat der Mann immer wieder gesucht und ist nicht fündig geworden. Erst ein Zeitungsbericht mit Suchaufruf hat Auto und Besitzer wieder zusammengebracht. Das Auto war in einem Hotelparkhaus abgestellt worden. Damit der Mann die Stadt Osnabrück in guter Erinnerung behält, hat der Hotelbesitzer die Parkgebühren von 437 Euro erlassen.

Was für ein Glück! Endlich hatte der Mann sein Auto wieder. Und dazu wurde ihm die Gebühr geschenkt. Die Freude war sehr groß. Nicht nur bei dem Mann, sondern auch bei seiner Tochter. Die hat seine Freude geteilt, sich mit ihm gefreut und gejubelt, stelle ich mir vor.

Freude über ein wiedergefundenes Auto – das ist ganz aktuell. Jesus hat von vielen Dingen erzählt, die verloren gegangen sind und wiedergefunden wurden: von einem Schäfchen, von einer Münze, von einem Sohn. Und immer endet die Geschichte damit, dass große Freude herrscht.

Bei diesen Geschichten geht es letztlich nicht nur um einen Sachwert, nicht um 437 Euro oder um ein Auto, sondern um das Wiederfinden. Dass man nämlich das Verlorene wieder hat, nicht aufgibt, sondern hartnäckig sucht. Auch wenn andere vielleicht sagen: Das lohnt sich nicht! Oder das hat doch gar keinen Sinn mehr.

Jesus sagt am Ende seiner Geschichte: So freut sich Gott über jeden Menschen, der verloren gegangen ist und wiedergefunden wird. Das macht mich glücklich. Denn ich weiß, auch wenn ich Fehler mache oder vom Weg abkomme, dass Gott nicht aufgibt, mich zu suchen. Weil ich es ihm wert bin. Auch wenn andere es vielleicht nicht verstehen, aber Gott sieht mich so wie ich bin. Ein wertvoller Mensch – so wie Sie es auch sind. Was für ein Glück!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32809
24MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

„Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere Menschen.“ Dieses Zitat habe ich vor kurzem auf einer Karte gelesen. Zugeschrieben wird es Astrid Lindgren, die es Pipi Langstrumpf in den Mund gelegt hat.

„Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere Menschen.“ Für mich heißt das: Ich bin frei und deshalb kann ich ruhig auch anders handeln und reagieren als andere Menschen.

Das ist allerdings etwas, das unheimlich viel Kraft kostet. Weil ich mich damit nicht unbedingt beliebt mache, weil ich manchmal mit meiner Meinung anecke, mich ins Abseits bringe oder andere eventuell vor den Kopf stoße.

Ich merke immer wieder, dass mich das an meine eigenen Grenzen bringt. Weil ich mich nämlich dann mit mir und meiner Position auseinandersetzen muss. Ich muss abwägen. Wie wichtig ist mir meine Position? Ist sie überhaupt richtig? Will ich dafür auffallen und anecken?

Einfach ist das nicht. Aber das hat auch niemand gesagt. „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ So steht es im biblischen Sprüchebuch.

Eine große Herausforderung. Aber eine, die notwendig ist. Immer wieder. Eine, die ich nicht anderen sagen muss, sondern die ich erst einmal selbst schaffen muss.

Das fängt schon beim Einkaufen an. Ich kann ein teureres, fair produziertes T-Shirt kaufen oder zwei für den gleichen Preis. Zwei sind ja eins mehr, aber die sind dann aber wahrscheinlich in China oder Bangladesh produziert, womöglich von Kindern für einen Hungerlohn. Wenn ich darauf verzichte, und etwas kaufe, das fair produziert wurde, dann sorge ich zwar nicht für mehr Lohn dort vor Ort, aber ich unterstütze auch nicht das ungerechte System, von dem nur die Händler profitieren.

Tu deinen Mund auf und mach nicht alles so wie andere es machen. Das ist mehr als nur ein Spruch, da geht es um eine Haltung. Vielleicht ecke ich damit an. Aber ich werde frei. Ich kann für andere die Stimme erheben. Vielleicht mache ich das mal beim nächsten Einkauf und klopfe nicht nur Sprüche, sondern handle danach.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32808
23MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Andere glücklich zu sehen, das mach auch mich glücklich. So hat mich die Freude meiner Freundin angesteckt. Sie ist Tante geworden und sie ist begeistert von dem kleinen Mädchen, das nun auch ihr Leben verändert.

„Stell Dir vor, ich bin Tante geworden!“ Mit diesen Worten begrüßt sie nun seit wenigen Tagen Gott und die Welt. Und in diesen Worten liegt so viel Glück, so viel Freude und Liebe.

„Es ist schon ein kleines Wunder“, hat sie gesagt. Die Geburt eines Kindes ist ein Wunder. Immer wieder.

Wenn meine Freundin von ihrer kleinen Nichte erzählt, dann erinnert mich das an ein uraltes, biblisches Lied. Worte aus Psalm 139. Da lobt der Schreiber Gott dafür, dass er ihn wunderbar gemacht hat. Und zwar schon im Mutterleib. So heißt es: Du hast meine Nieren geschaffen, mich im Bauch meiner Mutter gebildet. Ich danke dir und staune, dass ich so wunderbar geschaffen bin. Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind. Nichts war dir unbekannt am Aufbau meines Körpers, als ich im Verborgenen geschaffen wurde – ein buntes Gewebe in den Tiefen der Erde. Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen, da sahen deine Augen schon mein Wesen.

Ich verstehe das so: Gott kennt mich schon von Anfang an. Gott kennt die kleine Nichte meiner Freundin genauso und weiß wie sie ist, denn er kennt ihr Wesen. Bei Gott geht es nicht um Äußerlichkeiten, sondern darum, wie ich bin. Ihn stört es nicht, ob meine Nase krumm ist oder meine Füße zu groß sind. Ob ich später ein paar Kilo zu viel auf der Hüfte habe oder vielleicht auch zu wenig, das tut nichts zur Sache. Er hat mich wunderbar gemacht. Mein Wesen wunderbar gemacht.

Genau das ist es, was meine Freundin so glücklich macht. Sie weiß noch nicht, was aus der Kleinen werden wird, welche Wege sie gehen wird. Sie weiß nur, dass sie dieses kleine Wunder unheimlich gern hat.

So wird sie gemeinsam mit den Eltern und vielen anderen dafür sorgen, dass das kleine wunderbare Mädchen im Laufe der Zeit zu einer wunderbaren Frau wird. Die Anlagen dafür sind da. Schon im Verborgenen hat Gott alles angelegt.

Wenn das nicht ein Grund zum Loben und zur Freude ist.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32807
22MRZ2021
AnhörenDownload
DruckenAutor*in

Wir haben ein kleines Häuschen gebaut. Aus Holz. Nicht besonders groß. Einfach nur so, dass sich da vier Kinder verstecken können. Eine komfortable Räuberhöhle sozusagen.

„Da, genau da soll das Häuschen stehen!“ So hat mein kleiner Sohn gesagt und auf eine ganz bestimmte Stelle auf der Wiese gezeigt. „Guck hier, unter den Bäumen, dort wo es ganz flach ist, da müssen wir das Fundament machen! Auf dem festen Boden, damit das Häuschen fest steht, damit es nicht kaputtgeht, wenn das Wetter schlecht ist.“

Wo er recht hat, hat er recht. Auf Sand zu bauen ist nicht klug. Das ist nicht gerade schlau, denn dann setze ich alles auf einen schlechten, unzuverlässigen Grund.

Viel klüger ist es auf felsigen Boden, also auf Sicherheiten zu bauen, auf Verlässlichkeit zu setzen. Darüber hat schon Jesus erzählt. Er hat von einem Mann berichtet, der sein Haus auf Fels gebaut hat. Dieses Haus war sicher und stabil, während das Haus dessen, der auf Sand gebaut hatte, bei den ersten schlechten Wetterbedingungen eingestürzt ist. Jesus hat dazu gesagt, dass seine Worte so etwas wie ein Fundament sind, felsiger Boden, auf dem wir bauen können. Zum Beispiel die Grundregel, die er aufgestellt hat. Nämlich andere so zu behandeln wie ich selbst auch behandelt werden möchte. Weil meine Freiheit nicht heißt, dass ich andere einschränken dürfte.

Wenn ich mich daran halte, dann habe ich ein solides Fundament. Ich sehe in meinem Gegenüber mich selbst und erahne, wie er oder sie behandelt werden möchte: Respektvoll, höflich, ehrlich, freundlich. Ich tue also nichts – so hoffe ich – was seine Gefühle verletzt, was ihr Leben einschränkt.

Das ist gerade zur Zeit sehr wichtig. Trotz aller Lockerungen, über die ich mich sehr freue, gehe ich auch weiterhin verantwortungsvoll mit der Situation um. Ich halte Abstand, obwohl ich manche Freundin gerne mal drücken möchte, ich trage die Maske, obwohl ich mich damit eingeschränkt fühle. Leicht fällt mir das nicht, aber es gibt mir und anderen Sicherheit.

Auf Felsen bauen, nicht auf Sand. Ein festes Fundament haben. Das hat Jesus damals empfohlen. Das gibt auch heute noch Sicherheit.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32806