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SWR4 Abendgedanken

30DEZ2020
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Bei den Jahresrückblicken im Fernsehen stand dieses Jahr ein Thema im Vordergrund: Corona.

Es ist DAS Thema, das unser aller Leben im zu Ende gehenden Jahr bestimmt hat. Und es hat auch mich und mein Leben geprägt, mich und meine Sicht auf die Dinge verändert. Plötzlich war alles anders: das Leben in der Familie, die Organisation des Privatlebens, die Ausübung des Berufs. Wer kann wann wen besuchen? Was kann ich wann tun?

Zuerst war ich entspannt, dann angespannt und genervt und irgendwann kam bei mir der Punkt, an dem ich dachte: Lasst uns etwas Gutes aus der Situation machen!
Mit viel Kreativität war so vieles möglich. Manches musste einfach neu überlegt werden.

„Prüfet alles, das Gute behaltet!“ So heißt es im Neuen Testament. Der Apostel Paulus hat das vor langer Zeit seiner Gemeinde geschrieben. Es geht um Gelassenheit, um das genaue Hinschauen. Das habe ich ganz bewusst getan und festgestellt: Es gibt vieles, was mir guttut und es gibt so viel, mit dem ich anderen Gutes tun kann. Es sind die Kleinigkeiten, die mein Leben so besonders machen: Eine handgeschriebene Karte mit freundlichen Worten, ein „Danke“, dort, wo ich es nie erwartet hätte.

Das Gute kann man behalten, wenn man das Böse meidet. So schreibt Paulus seiner Gemeinde. Konkret kann das bedeuten: Auch, wenn St. Martins-Umzüge abgesagt wurden, so konnte doch St. Martin durch das Dorf gehen und den Kindern Brezeln vor die Tür legen. Auch wenn wir uns im Advent nicht wirklich besuchen konnten, so konnte ein digitaler Adventskalender doch Grüße vermitteln und der Kirchenchor hat mit Hilfe moderner Medien dann doch noch sein Weihnachtslied gesungen und viele konnten zuhören.

So halte ich meinen persönlichen Jahresrückblick. Ja, es ist nicht alles so gekommen wie gedacht. Ja, es war nicht alles perfekt. Aber: Ja, es war trotz allem ein gutes Jahr, weil uns viel Neues eingefallen ist. Es geht viel! In anderer Form und ganz neu und ungewohnt, aber es ist noch da. So feiere ich Silvester mit der Familie ganz bewusst und feierlich und wünsche Ihnen und uns, dass das neue Jahr ein anderes gutes Jahr wird.

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29DEZ2020
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Weihnachten ist nicht ausgefallen. Auch in diesem Jahr nicht. Gott sei Dank. Weihnachten wurde gefeiert. Anders als in all den Jahren zuvor. Hier bei uns im Dorf, in der Kirchengemeinde und in ganz vielen Familien. Weihnachten ist nicht ausgefallen.

Weihnachten passiert nämlich. Weil Gott in die Welt kommt. Ich kann mich auf Gottes Ankunft vorbereiten, Plätzchen backen, Geschenke machen, das Haus dekorieren, es feierlich machen, aber sein Kommen kann ich nicht beeinflussen. Gott kommt.

Und so ist er auch dieses Jahr gekommen. In eine Welt, die nicht heil ist, zu Menschen, die verunsichert sind, die einsam und alleine sind, die sich über Auflagen ärgern und die versuchen, sich so nah zu sein wie nur möglich.

Gott kommt in eine Welt, die nicht perfekt ist und in der nicht immer alles so läuft wie geplant und gewünscht. Es war wie beim ersten Weihnachtsfest damals in Bethlehem. Damals kam so vieles anders als gedacht: Volkszählung, überfüllte Herbergen, kein Festessen. Trotzdem waren Menschen einander nah und haben gespürt: Gott lässt uns nicht allein. Das ist Weihnachten.

Dieses Jahr war auch alles anders als gedacht: festgelegte Zahl an Hausständen, leere Hotels, kein großes Familienfestessen. Und dennoch: Damals wie heute ist Weihnachten nicht ausgefallen. Weil Weihnachten so viel mehr ist, weil Weihnachten geschieht. Nicht nur am 24., sondern auch in der Zeit danach. Also auch heute.

Gott kommt in die Welt. Um sie mit uns zu verändern, besser zu machen. Dieses Weihnachten hat das ganz deutlich gezeigt: Nähe zu anderen ist ganz wichtig. Und wenn man sich nicht umarmen und besuchen kann – dann finden Menschen andere Möglichkeiten, sich nahe zu sein. Ich war erstaunt, wie gute Ideen da manche hatten.

Also besuche ich sobald es wieder möglich sein wird die, die einsam sind und koche für die, die allein sind und meinen: kochen lohnt sich nicht für einen allein. Und nicht nur ich, sondern viele können das tun. Dann fällt Weihnachten wirklich nicht aus, sondern dauert noch ganz lange. Und viele merken: Gott lässt mich nicht allein.

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28DEZ2020
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Weihnachten ist das Fest der Liebe. Das sagen viele. So spiegelt es uns auch die Werbung vor. Ein Familienfest. Alles muss perfekt und harmonisch sein. Voller Liebe und Eintracht.

Oftmals ist dies Fest aber genau das Gegenteil. Selten werden so viele Erwartungen enttäuscht wie an Heiligabend. Weihnachten ist auch das Fest der Streitigkeiten, des Ehekrachs und der Handgreiflichkeiten. Und oft sind die Kinder diejenigen, die zwischen die Fronten geraten.

So wie beim ersten Weihnachtsfest. Damals, so berichtet das Matthäusevangelium, damals hat König Herodes alle Knaben im Alter bis zu zwei Jahren töten lassen. Denn er hatte Angst vor dem neugeborenen Kind, das von Königen beschenkt wurde. Er vermutete einen Konkurrenten. Wie absurd. Ein Kind kommt auf die Welt und seine Geburt führt zu Mord und Totschlag.

An diese unschuldigen Kinder, die damals ihr Leben verloren haben, erinnert der heutige Tag. Man weiß nicht genau, wie das damals war. Aber das spielt auch keine Rolle. Denn dieser Tag gibt ja auch den Kindern heute eine Stimme, an die niemand denkt oder die gar nicht in meinem Blick sind. Weil ich mit zu viel Anderem beschäftig bin oder mich von der weihnachtlichen Harmonie doch manches Mal einlullen lasse.

Heute bekommen die Kinder eine Stimme, die hungern oder als Kindersoldaten in den Krieg ziehen müssen. Kinder, die keine Schule besuchen dürfen, weil sie Geld verdienen müssen, um zu überleben. All diejenigen sollen heute gehört werden. Sie sollen klagen, ihr Geschrei soll an mein Ohr dringen. Damit ich wach werde und genauer hinschaue. Zwischen all dem Lichterglanz und der Weihnachtsdekoration hindurch hinaus in die Welt.

Weihnachten ist auch das Fest des Mitleidens. Ein Fest, an dem ich mich berühren lasse von dem, was in der Welt passiert. Deswegen ist doch Gott als kleines, unschuldiges Kind in die Welt gekommen. Damit er unser Leben teilt, unseren Schmerz und unseren Kummer.

Trotz allem ist Weihnachten auch das Fest der Harmonie und der Liebe. Weil Jesus, der damals geboren wurde gemeinsam mit uns Menschen die Welt verändern möchte in kleinen Schritten. Auch mit einem friedlichen, harmonischen Fest zu seiner Geburt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=32233