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SWR4 Abendgedanken

18DEZ2020
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Weihnachtskrippen. Es gibt sie in ganz klein und ganz groß. Bunt oder einfarbig. Aus Holz, Glas, Plastik oder lebendig. In hübsch oder in kitschig.

Ich glaube, Weihnachtskrippen sind für viele Menschen mindestens so wichtig, wie der Tannenbaum. Es gibt die verschiedensten Traditionen mit Weihnachtskrippen: Manche stellen sie erst an Heilig Abend auf. Bei manchen reisen die drei Könige den ganzen Advent über durch die Wohnung, bis sie dann endlich ankommen.

Eine Weihnachtskrippe ist für mich auch besonders wichtig. Es ist die Weihnachtskrippe bei meinen Eltern. Die habe ich als Kind mal für meine Eltern selber gebaut. Als Weihnachtsgeschenk. Und, weil ich dafür eine Anleitung in einem Buch gefunden hatte. Das war dann in den folgenden Jahren immer unsere Krippe unterm Tannenbaum und irgendwie ist das damit zu meiner Krippe geworden. Klar, wenn man was selber gebaut hat, dann ist das für einen auch besonders wichtig. Aber es ist noch mehr.

Ich glaube, dass Weihnachtskrippen auf ihre ganz besondere Weise deutlich machen: Diese Geschichte hat was mit mir zu tun. Ich bin ein Teil dieser Geschichte. So, wie es in einem meiner Lieblingsweihnachtslieder heißt: „Ich steh' an deiner Krippe hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring' und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel' und  Gut, nimm alles hin und lass dir's wohl gefallen.“

Natürlich war es in dem Stall in dieser Nacht, als Jesus geboren wurde, sicherlich nicht so romantisch, wie das in manchen Szenen gezeigt wird. Es war sicher kalt und es hat wahrscheinlich auch ziemlich gestunken. Aber diese Krippen geben mir die Chance ein Stück weit mit dabei zu sein. Wäre ich auch auf die Knie gegangen, wie die Hirten oder die Könige? Hätte ich ein Geschenk mitgebracht? Und wenn ja was? Hätte ich mich denn selber so ganz verschenken können, wie es in dem Lied heißt? Könnte ich denn so ganz für Gott da sein? Mich an Jesus orientieren?  Und wie geht das denn überhaupt? Gott wird Mensch. In diesem Stall. In dieser Krippe. Das ist das Wunder, auf das wir im Advent warten. Und das ist viel mehr als nur irgendeine Geschichte in irgendeinem Stall. Es ist auch meine Geschichte.

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17DEZ2020
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Es war dunkel. So dunkel, wie ich es noch nie erlebt hatte.

Also nicht so wie zuhause, wenn man das Licht ausmacht und doch noch das Stand-By Licht vom Fernseher sieht. So dunkel, dass man sich fragt: Habe ich meine Augen gerade offen oder zu?

Wir haben eine Führung in einer Eishöhle gemacht. In der Höhle gab es kein elektrisches Licht. Und der Führer hat gesagt: Nun machen Sie mal alle Ihre Laternen aus. Sie glauben nicht, wie dunkel es da war. So was habe ich vorher noch nie so bewusst erlebt. Das waren vielleicht 30 Sekunden, aber es kam mir ewig vor.

Dann hat der Höhlenführer sein Feuerzeug angemacht. Und das Licht eines kleinen Feuerzeugs hat sich in der ganzen Höhle ausgebreitet.

In der Bibel steht, dass Jesus mal gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt.“  Nach dem Erlebnis in dieser Höhle hat dieser Satz für mich eine ganz neue Bedeutung. Ich glaube, dass die Menschen zur Zeit von Jesus das auch schon gekannt haben. Dass es eben viele Dinge gibt, die das Leben dunkel machen. Bittere Armut. Menschen, die wegen einer Krankheit nicht mehr am Leben teilnehmen konnten. Und sicher noch vieles mehr. Das alles hat das Leben der Menschen eingetrübt. Verdunkelt. Und genau deshalb hat Jesus gesagt „Ich bin das Licht der Welt.“

Licht vertreibt Dunkelheit. Und mit Jesus hat in unserer Welt etwas Neues begonnen. Und dieses Licht scheint heute immer noch. Das kann ganz unterschiedlich aussehen: für jemanden da sein. Zuhören. Oder den Mund aufmachen, wo ich was sagen muss. Für jemanden Partei ergreifen, der es selber nicht oder nicht mehr kann.

Dann kann sich dieses Licht weiter ausbreiten. Gott selbst kommt zu uns. Er kommt uns ganz nahe. Darauf warten wir im Advent. Das hat die Welt damals grundlegend verändert. Und das kann uns auch heute noch helfen, dass unsere Welt jeden Tag ein kleines bisschen heller wird.

Es braucht nur ganz wenig Licht, um viel Dunkelheit hell zu machen. Das habe ich in der Höhle gelernt.

Und das ist auch gut so. Denn es gibt auch hier und heute genug, was mein Leben verdunkelt und mir manchmal Angst macht. Deshalb möchte ich, dass dieses Licht immer heller wird. Ich möchte es gerne weitergeben, damit unsere Welt immer heller wird.

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16DEZ2020
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Plätzchen. Guatsle. Bredle. Wie auch immer bei Ihnen das weihnachtliche Kleingebäck heißt. Für mich ist das viel mehr als irgendeine Süßigkeit oder irgendein Keks. Für mich ist das gebackene Vorbereitung. Der Advent ist ja die Zeit, in der wir uns auf Weihnachten vorbereiten. Das kann natürlich ganz unterschiedlich aussehen. Für mich gehören da aber ganz viele Sachen dazu: Überlegen, wer, was zu Weihnachten kriegt und das dann auch besorgen. Das Haus schmücken, die Lichter im Garten anschließen und natürlich backen.

Das schöne beim Backen ist, finde ich, der Duft. Ein Wochenende lang, duftet es im ganzen Haus nach Zimt, Nelken und Anis. Dieser unverwechselbare Plätzchenduft dringt buchstäblich durch jede Ritze. Das ist für mich ein schönes Bild für Weihnachten.

An Weihnachten feiern Christen, dass Gott selbst zu uns kommt. Dass er als kleines Kind zu uns kommt, um es selber zu erfahren, was es heißt Mensch zu sein. Aber er kommt nicht nur zur Welt. Er kommt auch zu mir. Ganz persönlich. Und, wie das eben mit Besuch so ist. Da bereitet man sich vor. Äußerlich und innerlich. Äußerlich: klar man räumt auf, dekoriert alles hübsch und so. Und innerlich stellt man sich darauf ein. Gerade beim Backen kommt das für mich zusammen. Mit jedem Ei, das ich in den Teig knete, fühle ich mich Weihnachten ein Stück näher. Mit jedem Stück Butter mache ich mir bewusst, dass Gott zu mir kommt. Dass er zu jedem von uns kommt. Und dass er eben alles sehen will. Denn er kommt nicht nur in die Gute Stube, wo alles schön aufgeräumt und sauber ist. Und ja, es gibt natürlich immer Dinge in meinem Leben, wo ich denke, da bin ich doch noch nicht fertig. Oder da habe ich noch gar nicht so richtig aufgeräumt. Oder ich sollte mal wieder abstauben.

Genau dafür ist der Advent da. Damit ich mich vorbereiten kann. Gott selbst wird Mensch in einer kleinen Krippe in einem ärmlichen Stall. Und das nur, um bei mir zu sein. Er kommt zu mir. Er füllt jeden Raum, wie der Duft beim Plätzchenbacken das Haus füllt. Und ich fange schon mal aufzuräumen. Und wenn ich an Weihnachten noch nicht fertig bin? Nicht schlimm. Gott hilft mir noch ein bisschen. Und dann essen wir zusammen Plätzchen.

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15DEZ2020
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Still und leise. So kommt es mir gerade zumindest vor, wenn ich durch die Stadt laufe. Da, wo sich sonst ein Karussell dreht, ist – nichts. Da, wo sonst der Weihnachtsmarkt ist, ist – nichts. Klar, es sind schon Menschen in der Stadt beim Einkaufen. Aber es fehlen die nicht immer ganz richtig spielenden Blockflötenkinder vor dem Stand der Grundschule. Das Gebimmel der Feuerwehr auf dem Karussell und überall das kitschig-schöne Gedudel von Weihnachtsliedern von Schlagern bis zum Streichorchester.

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit Euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“  An diesen Liedvers von Dietrich Bonhoeffer musste ich dabei schon ein paar Mal denken. Wir sind von guten Mächten treu umgeben. Und vor allem still umgeben. Dieses Jahr 2020 war in vielen Punkten ein ganz besonderes Jahr. Einschnei-dend, weil Menschen krank geworden sind. Weil Menschen gestorben sind. Herausfordernd, weil es viele an den Rand ihrer Existenz gebracht hat. Manche auch darüber hinaus. Weil es viele Familien auf eine Belastungsprobe gestellt hat.

Wachrüttelnd, weil wir gemerkt haben, wie zerbrechlich doch das Leben ist. Und ich glaube auch, dass das alles uns nächstes Jahr noch eine ganze Zeit begleiten wird. Genau deshalb ist mir dieser Liedvers so wichtig. „… so will ich diese Tage mit Euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“ Gott begleitet uns jeden Tag und bei allem, was wir tun. Er fährt mit bei schwierigen Einsätzen im Rettungsdienst. Er ist mit traurig, wenn Lebensträume geplatzt sind. Begleitet Menschen da, wo sonst gerade niemand hinkann. So jedenfalls hat uns Jesus Gott vorgestellt.

Mir ist klar, dass man davon keine Rechnungen bezahlen kann. Aber die guten Mächte helfen mir vielleicht: Auch und gerade in dieser Zeit, zu sehen, dass es viele schöne Sachen gibt. Sie helfen mir durchzuhalten und einen Weg zu finden, wie es weitergehen kann. Es geht vielleicht nicht so weiter wie bisher. Aber es geht weiter. Bestimmt.

Weihnachten kommt. Trotzdem. Ein neues Jahr kommt. Trotzdem. „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit Euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

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14DEZ2020
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Ein Blick sagt mehr als 1000 Worte oder Gesten. Das stimmt wirklich. Man kann viel sagen, nur mit einem Blick. Schon beim Begrüßen fängt es an.

Wir kennen ja viele Möglichkeiten, um uns zu begrüßen: Händeschütteln. Umarmen. Küsschen rechts. Küsschen links. Das alles geht aber halt gerade nicht. Klar, Abstand ist wichtig, weil er mich und andere schützt. Und trotzdem habe ich gemerkt: es fehlt mir. Aber mit Blicken kann man sich auch nahekommen.

Das haben wir gemerkt, als es in einem Gottesdienst um Hagar ging, eine Frau aus der Bibel. Sie wurde von ihrer eigenen Familie verbannt und buchstäblich in die Wüste geschickt. Mit ihrem Sohn. Eigentlich ziemlich aussichtslos, das zu überleben. Aber sie hat Wasser gefunden, mitten in der Wüste. Da hat sie verstanden: Gott hat mich gerettet. Deshalb hat sie von Gott gesagt: Du bist ein Gott, der mich sieht. Gott ist ihr ganz wortwörtlich auf Augenhöhe begegnet. Und das Leben von ihr und ihrem Sohn konnte weitergehen.  Gott hat Hagar und ihren Sohn gesehen und ist ihnen so begegnet. So ist Gott. Auch zu mir. Wenn Gott mich anschaut, dann ist das nicht abschätzig. Dann beurteilt er mich nicht. Wie ich aussehe, was ich mache, wie ich mein Leben lebe. Er sieht mich an, mit allem, was ich bin. Er sieht, was ich brauche, was mir guttut. Er sieht, wo ich verletzlich bin und wo meine Schwachstellen sind.

Im Gottesdienst haben wir uns dann kurz die Zeit genommen und haben uns gegenseitig mit Blicken begrüßt. Mich hat das in dem Moment total berührt, weil ich gemerkt habe: Ich brauche gar nicht unbedingt eine Berührung, um anderen nahe zu sein. Das geht auch mit einem Blick. Vielleicht sogar noch besser. Manchmal würde ich mir wünschen, dass auch die Mächtigen dieser Welt, sich genau so ansehen. Oder die Menschen sich überhaupt mehr ansehen würden.

Ich habe von der Frau in der Geschichte gelernt: Weil Gott mich so wohlwollend ansieht, kann ich das auch. Und das geht im Moment eigentlich besonders gut. Weil wir von vielen Menschen ja nur die Augen sehen. Probieren Sie es mal aus. Ich finde, dass da total viel zwischen zwei Menschen entsteht, wenn man sich anschaut. Mit einem Blick, der mehr ist als „nur“ sehen. Mit einem Blick, der sieht, wer der andere ist und was er oder sie braucht.

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