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SWR4 Abendgedanken

23OKT2020
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Sperrmüll ist eine feine Sache. Mindestens einmal im Jahr stellen wir unseren Sperrmüll an die Straße. Allerdings ist es uns dabei auch schon mal passiert, dass wir später bereut haben, etwas zum Sperrmüll gegeben zu haben. Da gab es mal einen alten Tisch, der eigentlich noch ganz in Ordnung war, aber wir hatten einfach keinen Platz dafür. So kam er weg. Im nächsten Jahr hätten wir ihn als Pflanztisch im Garten gebrauchen können. Aber jetzt war es zu spät. Pech gehabt. So fein es also ist, manchen Müll zu entsorgen, manches gehört eben doch nicht vorschnell weggeworfen.

Ich denke dabei manchmal an meinen Konfirmationsspruch. Der stammt aus dem Hebräerbrief der Bibel und lautet: „Werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat“. (Hebr. 10,35) Gemeint ist hier das Vertrauen auf Gott. Offenbar ist der Schreiber des Hebräerbriefes der Überzeugung, dass man das Vertrauen auf Gott auch wegwerfen kann. Wie Müll. Ich verstehe das. Es ist ja nicht einfach, in allen Lebenslagen auf Gott zu vertrauen. Manchmal passieren Dinge im Leben, da frage ich mich, ob Gott wirklich da ist. Warum lässt er das zu? Meint Gott es wirklich gut mit mir? Dann fange ich an, an Gott zu zweifeln und ich frage mich, ob ich ihm tatsächlich vertrauen kann. Der Schreiber des Hebräerbriefes kennt solche Gedanken. Aber er hat auch erfahren, dass es sich lohnt, trotzdem Gott zu vertrauen. Weil Gott immer weiß, was er tut und am Ende unser Vertrauen in ihn belohnt. Darum erinnert mich mein Konfirmationsspruch immer daran: Vieles kann wie Müll entsorgt werden. Aber mein Vertrauen auf Gott sollte es nicht.

Ich bin froh, dass ich diesen Konfirmationsspruch habe. Denn es gab Zeiten in meinem Leben, da habe ich auch angefangen an Gott zu zweifeln. Oft waren es dann andere Menschen, die mich ermutigt haben, trotzdem Gott zu vertrauen. Ich habe dann erlebt, dass es sich wirklich lohnt. Das Vertrauen auf Gott hat mir Kraft gegeben. Es hat mir geholfen, gelassen zu bleiben. Und nach einiger Zeit habe ich dann gemerkt, dass sich vieles wieder zum Guten gewendet hat. Darum will ich vieles wegwerfen oder zum Sperrmüll stellen, aber nicht mein Vertrauen auf Gott.

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22OKT2020
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Wenn etwas nicht so funktioniert, wie ich das will, dann kann ich wirklich ärgerlich werden. Dann sag ich Wörter, die ich hier lieber nicht wiederhole. Wenn mein Computer abstürzt und alles, was ich in der vergangenen Stunde gearbeitet habe, ist verloren. Oder wenn ich zu einem wichtigen Termin muss und dann fällt die Bahn aus. Oberleitungsschaden! Die nächste Bahn kommt erst in einer Stunde. Das sind Situationen, die machen mich ärgerlich. Mein Ärger liegt dabei vor allem daran, dass ich mich hilflos fühle und Ereignissen ausgeliefert bin, über die ich keine Kontrolle besitze. Aber ich habe gerne Kontrolle. Ich möchte gerne wissen, was auf mich zukommt und ich möchte gerne bestimmen, was passiert.

Dabei habe ich im Laufe meines Lebens gelernt, dass ich über viel weniger Dinge die Kontrolle habe, als ich denke. Zwei Beispiele: Ich habe fünf Kinder miterzogen. Aber wenn sie erwachsen werden, muss ich sie loslassen. Was aus meinen Kindern wird, das liegt nicht in meiner Hand. Oder auch der nächste Tag. Ich kann noch so viel planen, was ich morgen alles tun will, doch manchmal verläuft der Tag ganz anders, als ich das gedacht habe. Ich habe lange gebraucht, zu begreifen, dass ich über die meisten Dinge keine Kontrolle habe.

Dazu passt ein Satz aus der Bibel im Buch des Propheten Jesaja.  „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht Gott. So hoch der Himmel über der Erde ist, sind meine Gedanken über euren und meine Wege über euren Wegen.“ (Jes.55,8-9)

Da steht es schwarz auf weiß. Welche Wege ich im Leben gehe, das bestimmt Gott. Und seine Wege mit mir können ganz anders sein, als ich mir das vorstelle. Es kann sein, dass ich nicht begreife, was Gott tut, und was er sich dabei denkt. Aber er hat mehr Überblick über mein Leben als ich. Das finde ich ermutigend.

Was mache ich also jetzt? Ärgerlich werden, wenn es wieder nicht so funktioniert, wie ich das gedacht hatte? Die andere Möglichkeit wäre, dass ich einsehe, dass ich die Dinge nicht unter Kontrolle habe. Aber ich vertraue Gott, dass er den Überblick behält. Ich glaube: Er lässt mich nicht allein und weiß, was er tut.  Ich gebe zu: An diesem Vertrauen übe ich jeden Tag. Und manchmal ärgere ich mich trotzdem, wenn etwas nicht klappt, wie gedacht.

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21OKT2020
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Ein Witzbold hat einmal gesagt: „Es gibt zwei Worte, die öffnen im Leben viele Türen:  Ziehen und drücken.“ Das ist natürlich als Spaß gemeint.

Aber im Ernst: Ich glaube, es gibt tatsächlich ein kleines Wort, das im Leben oft weiterhilft. Das Wort heißt „dennoch“.  Ich mache mal ein Beispiel: Ich weiß morgens nicht, was mir der Tag bringen wird, dennoch stehe ich aus dem Bett auf. Ich weiß manchmal nicht, wie es weitergehen soll, dennoch wage ich den nächsten Schritt. Ein geliebter Mensch ist gestorben, dennoch verzweifle ich nicht. Oder: Jemand hat mich mit seinen Worten oder seinem Verhalten tief verletzt, dennoch mache ich wieder einen Schritt auf ihn zu und reiche ihm die Hand zur Versöhnung.

Das kleine Wort „dennoch“ ist ein Protest gegen alle Sorgen. Es drückt Hoffnung aus. Mit dem kleinen Wort „dennoch“ wehre ich mich gegen Mutlosigkeit und Angst und Verzweiflung. Die Dinge sind in meinem Leben manchmal nicht schön, sondern schwer und sorgenvoll – dennoch vertraue ich darauf, dass es gut werden wird.

Im Psalm 73 in der Bibel betet ein Mensch zu Gott und klagt ihm alle seine Sorgen. Wenn man diesen Psalm liest, dann spürt man, dass der Mensch viel Schlimmes erlebt haben muss. Aber das Schlimmste für ihn ist wohl, dass Gott bisher nicht geholfen hat. Er glaubt an Gott, er betet zu ihm, aber Gott hat ihm offenbar das Leiden und den Schmerz nicht erspart. Und dann spricht dieser Beter zu Gott: „Dennoch bleibe ich stets bei dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.“ (Ps. 73,23).  Da ist es wieder: Dieses kleine entscheidende Wort „dennoch“. Der Beter gibt seine Hoffnung und seinen Mut trotz aller schlimmen Erfahrungen nicht auf. Und er nennt auch einen Grund für sein „dennoch“. Weil Gott ihn an der Hand führt. So wie ein Vater sein Kind an die Hand nimmt, wenn es gefährlich wird. In der Dunkelheit. Beim Überqueren einer Straße. Oder beim Steigen auf einen hohen Turm. Die Hand des Vaters gibt dem Kind Sicherheit und hält es fest, damit ihm nichts passiert. Genauso ist Gott. Er erspart uns das Leid nicht. Aber er nimmt uns an die Hand.

Darum will ich, wenn mich die Sorgen oder die Mutlosigkeit mal wieder überwältigen wollen, ein kleines Wort dagegen setzen: „dennoch“

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20OKT2020
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Manchen Menschen würde ich blind vertrauen. Anderen eher nicht. Aber was unterscheidet eigentlich vertrauenswürdige Personen von solchen, bei denen ich eher vorsichtig sein sollte?  Bei einem Psychologen habe ich gelesen, dass Menschen, denen man vertrauen kann, vor allem drei Eigenschaften haben. Erstens: Sie meinen es gut mit mir. Sie suchen also nicht ihren eigenen Vorteil, sondern das, was für mich gut ist. – Zweitens: Sie sind beständig. Das heißt: Was gestern bei ihnen galt, das gilt auch heute. Man kann sich also auf sie verlassen.-  Und Drittens: Sie sagen die Wahrheit. Sie reden sich nicht raus oder beschönigen etwas, sondern sind ehrliche Leute.

Auch Gott ist für mich vertrauenswürdig. Nach dem, was in der Bibel von Gott erzählt wird, und wie ich ihn erlebe, erfüllt er genau die drei Eigenschaften, von denen der Psychologe gesprochen hat. Gott ist die Wahrheit. Von Gott wird gesagt, dass er „derselbe ist gestern heute und in Ewigkeit“. Gott ändert nicht seine Meinung nach Lust und Laune, sondern das, was er sagt, hat Bestand. Und: Gott ist für mich. Er will für mich und mein Leben das Beste. Der Apostel Paulus sagt das einmal so: „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen“ (Röm 8,28)

Dass Gott vertrauenswürdig ist, das spüre ich auch immer wieder in der Begegnung mit Menschen. Es gab solche Menschen in meinem Leben. Da war Hans-Walter, der mich als Jugendlichen wie ein väterlicher Freund begleitet hat. Oder ein Professor an der Universität, zu dem wir Studenten mit allen unseren Fragen kommen konnten. Auch außerhalb seiner Sprechzeiten hatte er immer ein Ohr für uns. Und dann ist da die ältere Frau in der Gemeinde, die einen ganz tiefen Glauben hat und so viel Liebe und Güte ausstrahlt, dass viele Menschen ihr ihre Sorgen anvertrauen. Sie betet dann treu für sie.  - Das waren alles Menschen, die an Gott geglaubt haben, und sie haben mich spüren lassen: Auch auf Gott kann ich mich verlassen.

Mir macht das Mut, Gott in jeder Situation meines Lebens zu vertrauen. Es gibt Menschen, die vertrauenswürdig sind, aber ich glaube: Gott ist es erst recht. Er ist für mich. Und er kann aus allem etwas Gutes machen.

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19OKT2020
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Die ganze Welt befindet sich in der Krise. So kommt es mir jedenfalls vor. Die Wirtschaft ist in einer Krise. Vor allem die Autobauer. Reisebüros und Urlaubsveranstalter sind in der Krise. Die Lufthansa auch. Die Umwelt ist sowieso schon länger in der Krise. Weißrussland befindet sich in einer politischen Krise. Und wir alle leben seit dem Frühjahr mit der Coronakrise. Wenn Sie mich fragen, was für mich das Wort des Jahres ist, dann würde ich sagen: Das Wort „Krise“.

Auch in der Bibel kann ich von Menschen lesen, die durch schwere Krisen gegangen sind. Einer von ihnen ist König David. In einem Gebet, dem Psalm 23, sagt er dazu: „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, so bist du doch, Gott, bei mir. Dein Stecken und Stab trösten mich“. Selbst als König hatte David kein sorgenfreies Leben. Aber rückblickend sagt er, was ihm in seinen Krisenzeiten geholfen hat: Das Vertrauen, dass Gott bei ihm war.

Krisen gehören zum Leben. Natürlich ist eine Krise zunächst einmal nichts Gutes. Es bedeutet ja: So wie es bisher war, geht es nicht weiter. Aber wie es weitergeht, das weiß auch noch keiner. Krise, das ist so eine Art „Zwischenzeit“, in der das Alte vorbei ist und ich noch nicht weiß, ob die Zukunft gut oder schlecht wird. Anfang des Jahres hatte ich so eine Krise. Mein Arzt hatte einen Verdacht auf eine unheilbare Krankheit. Dazu brauchte es aber noch weitere Untersuchungen. Die Wochen zwischen dem Verdacht und dem Ergebnis waren für mich so eine Zwischenzeit angefüllt von Sorgen und Hoffnungen. Ich bin dankbar, dass sich der Verdacht nicht bestätigt hat.  Ich habe in dieser Zeit oft gebetet und dabei erlebt, dass ich beim Beten ruhig geworden bin. Wenn ich gebetet habe, habe ich gespürt: Gott weiß um meine Sorge und er wird mich durch diese Zeit führen; ich kann ihm vertrauen.

Jeder von uns hat manchmal Krisen. Kleine und große. Manche Krisen stellen das ganze Leben auf den Kopf, weil nichts mehr bleibt, wie es war. Von König David höre ich, dass Gott ihn getröstet und geführt hat. Darum: Wenn ich schon Krisen in meinem Leben nicht vermeiden kann, dann will ich wenigstens wie David dabei auf Gott vertrauen, dass er mir nahe. Ich bete dann und verlasse mich darauf: Gott kennt bereits meinen Weg, auch wenn ich ihn noch nicht sehe.  

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