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SWR4 Abendgedanken

31JUL2020
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Manchmal haben Menschen verrückte Ideen, um sich und ihren Namen berühmt und unsterblich werden zu lassen. Der römische Kaiser Augustus zum Beispiel hatte so eine Idee. Er wollte, dass Menschen noch Tausende Jahre nach seinem Tod sich an seinen Namen erinnern. Also hat er im Jahr 8 vor Christi Geburt ein Gesetz erlassen. Ab sofort sollte ein Monat im Jahr seinen Namen tragen. Der Monat „Sextilis“ wurde umbenannt in „Augustus“ – heute heißt er einfach nur „August“. Es hat funktioniert. Der Name des Kaisers ist bis heute uns allen bekannt, auch wenn nicht jeder weiß, was oder wer sich hinter dem Monatsnamen August verbirgt.

Bis heute haben manche Menschen diesen Wunsch: Sie wollen einmal im Leben etwas vollbringen, was sie unsterblich macht. Es gibt sogar einen Ratgeber dafür. Das Buch heißt: „33 Taten, die Sie unsterblich machen – falls Sie sie überleben“. Man könnte zum Beispiel das Ungeheuer von Loch Ness fangen, in einem Fass die Niagarafälle herunterschwimmen oder die Goldreserven der USA stehlen. Wie gesagt, falls man das überlebt, ist einem „Unsterblichkeit“ sicher.

Ich bin mir nicht sicher, wie viele Menschen, die Tipps tatsächlich ausprobieren. Aber eines weiß ich doch: Die meisten Menschen wünschen sich, dass sie nach ihrem Tod nicht vergessen werden. Sie wollen, dass man sich noch lange an sie und ihren Namen erinnert. Dass mit dem Tod alles aus und vorbei sein könnte, das ist ein erschreckender Gedanke. Jesus hat das auch gewusst und darum hat er einmal gesagt: „Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“. (Lk. 10,20b) Ich finde: Das ist eine gute Nachricht. Auch wenn ich es nicht schaffe eine Tat zu vollbringen, die mich in die Geschichtsbücher eingehen lässt. Auch dann, wenn sich Menschen nicht mehr an mich erinnern, weil ich nicht berühmt und unsterblich geworden bin: Bei Gott ist mein Name für alle Ewigkeit aufgeschrieben. Gott erinnert sich an mich und er wird mich sogar einmal wieder vom Tod auferwecken. Das ist besser als irdische Unsterblichkeit.

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30JUL2020
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„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste was es gibt auf der Welt“. Bestimmt kennen manche von Ihnen dieses Lied. Vor 90 Jahren wurde es von den Comedian Harmonists gesungen. Und ich glaube, dass viele Menschen dieses Lied auch deswegen so gemocht haben, weil sie selbst genau wussten, wie wichtig es ist, einen guten Freund oder eine gute Freundin zu haben. Nichts gegen einen liebevollen Ehepartner oder hilfsbereite Arbeitskollegen oder gesellige Vereinskameraden. Aber ein Freund oder eine Freundin sind etwas Besonderes. Es gibt nicht wenige vor allem Frauen, die sagen, dass sie mit ihrer besten Freundin besser reden können, als mit ihrem Ehemann.

Heute ist der internationale Tag der Freundschaft. Da denke ich dankbar Menschen, die mir zu Freunden geworden sind. Und es wäre auch eine Gelegenheit, in den nächsten Tagen mal wieder eine Freundin oder einen Freund anzurufen und zu fragen: Wie geht es dir? Vielleicht sage ich auch: Danke, dass es dich gibt.

Auch in der Bibel wird ein Lob auf die Freundschaft gesungen. Da kann man zum Beispiel lesen: „Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis, nichts wiegt seinen Wert auf“ (Jesus Sirach 6,15) Oder: „Ein Freund liebt allezeit und wird für die Not geboren“ (Spr. 17,17) Eines der wichtigsten Bibelworte zum Thema „Freundschaft“ stammt allerdings von Jesus. Jesus hat einmal zu seinen Jüngern gesagt: „Ihr seid meine Freunde“ (Joh. 15.14) Und er hat dazugefügt, dass das für alle gilt, die an ihn glauben und versuchen, nach seinen Worten zu leben.

Für mich heißt das: Der christliche Glaube ist auch eine Art Freundschaft. Jesus ist mein Freund. Und das heißt doch: Er hat ein offenes Ohr für mich. Ich kann ihm alles sagen. Es hilft mir manchmal schon, all die Fragen und Sorgen auszusprechen, die mich beschäftigen.  Wenn ich bete, dann komm ich zur Ruhe und das Chaos in mir ordnet sich. Ich fasse neuen Mut oder finde einen guten Weg. Mir wird klar, was ich tun soll. Manchmal wird mir auch klar, was ich falsch gemacht habe. Jesus ist da wie ein Freund, der zuhört und mir hilft.
Und darum stimmt es: Ein guter Freund ist eben das Beste auf der Welt.

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29JUL2020
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Ich habe zu viele Fehler gemacht und bin bei der theoretischen Führerscheinprüfung durchgefallen. Natürlich nicht in echt. Ich besitze seit 38 Jahren meinen Führerschein. Aber weil mein Sohn zur Zeit gerade seinen macht, habe ich am Computer auch mal einen Prüfungsbogen ausgefüllt. Nur so zum Spaß! Der Spaß ist mir allerdings vergangen. Von 40 Prüfungsfragen habe ich 16 falsch beantwortet. 20 Fehlerpunkte hätte ich haben dürfen.

Wie gut, dass ich meinen Führerschein schon habe. Und meine Schul- und Examensprüfungen liegen auch schon lange hinter mir. Doch bei all diesen Prüfungen ist es immer nur um das eine gegangen: Möglichst wenig Fehler machen. Dahinter steht die Überzeugung: Fehler muss man unbedingt vermeiden, denn Fehler sind etwas Schlechtes. Wenn ein Lehrer eine Klassenarbeit korrigiert, dann sucht er nach Fehlern. Auch wenn er mal an den Rand ein Lob schreibt, das geht meistens neben den Fehlern unter. Und weil das so ist, versuchen wir überall Fehler zu vermeiden: In der Schule, bei der Arbeit, in den Beziehungen zu anderen Menschen, in der Erziehung unserer Kinder. Fehler sind schlecht. Aber stimmt das wirklich? Sicher: oft ist das so. Ein Fahrfehler am Steuer eines Autos kann anderen Menschen das Leben kosten. Ein Rechenfehler in einer Bank kann Millionen Euro vernichten. Der Fehler eines Arztes kann die Gesundheit gefährden. Aber manchmal haben Fehler auch etwas Gutes. Von Edison, dem Erfinder der Glühbirne, wird erzählt, dass er 9000-mal versuchte, eine Glühbirne zu erfinden, bis es funktionierte. 9000 Mal waren seine Versuche fehlerhaft. Aber immer hat er etwas daraus gelernt.

Fehler zu machen ist menschlich. Deshalb verurteilt Gott uns Menschen nicht für unsere Fehler. Wir sind manchmal sehr unbarmherzig miteinander, aber Gott geht sehr barmherzig mit uns und unseren Fehlern um. Von ihm können wir lernen, miteinander und mit den Fehlern des anderen gnädiger zu sein. In der Bibel heißt es: „Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte“ (Ps. 103,8). Wie gut, wenn man das nicht nur von Gott, sondern auch von uns Menschen sagen kann.

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28JUL2020
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Es ist schon bemerkenswert, was oder wem wir Menschen so alles glauben. Viele glauben den Virologen vom Robert-Koch-Institut, wenn sie uns erklären, wie man sich mit dem Coronavirus ansteckt. Die meisten glauben den Wirtschaftsweisen, wenn sie die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes voraussagen. Sie glauben auch Gunter Tiersch und Claudia Kleinert, wenn sie uns im Fernsehen das Wetter der nächsten fünf Tage ankündigen. Wir glauben unserem Arzt und Apotheker. Manche glauben den Berichten über UFOs und Außerirdische. Andere glauben, dass Bill Gates das Coronavirus entwickelt hat, um die Weltherrschaft zu erlangen. Viele glauben, dass die Reihe 13 in einem Flugzeug Unglück bringt. Darum lassen fast alle Fluggesellschaften diese Reihe weg. Komisch: Aber niemand glaubt, dass das 13. Monatgsgehalt auch Unglück bringt. Ich habe jedenfalls noch nie gehört, dass jemand deswegen dieses Gehalt abgelehnt hat.

Was Menschen nicht alles glauben! Und da soll mal einer sagen, die Menschen seien heute generell ungläubig. Sicher: Viele lehnen die Religion ab und erst Recht die Kirche. Aber sie glauben trotzdem. Das geht auch gar nicht anders. Jeder glaubt immer an irgendetwas. Glauben heißt ja nicht nur irgendeine Information für wahr halten. Glauben heißt vor allem: Sich auf etwas verlassen. Ich verlasse mich auf den Wetterbericht und hänge morgens die Wäsche raus, weil es sonnig werden soll. Ich verlasse mich auf meinen Arzt und nehme die Tabletten ein, weil er gesagt hat, dass sie helfen. Und ich verlasse mich auf die Aussage der Virologen, wasche meine Hände, halte Abstand und ziehe den Mundschutz auf.

Wir glauben so viel. Wir verlassen uns auf wildfremde Menschen und deren Worte. Nur mit Jesus haben viele so ihre Probleme. Ich frage mich: Warum eigentlich? Wenn ich von seinem Leben höre oder seine Worte lese, dann sehe ich: Das war ein Mann, der hat Verzweifelte getröstet, viele geheilt, und den Menschen, die ihm begegneten Hoffnung gegeben. Auf ihn verlasse ich mich gerne.

Deshalb: Ich glaube an so vieles, aber erst recht an Jesus. Was er gesagt hat, das hilft mir für mein Leben. Das gibt mir Trost und Mut und lässt mich mein Leben verstehen. Ich habe die Erfahrung gemacht: An Jesus glauben lohnt sich. Und Sie: An wen oder was glauben eigentlich Sie?

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27JUL2020
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Manchmal vergeht ein Tag und ich kann abends nicht wirklich sagen, was ich eigentlich die vergangenen Stunden über gemacht habe. Ich war immer beschäftigt, ich hatte immer was zu tun, aber am Ende des Tages habe ich das Gefühl, dass ich eigentlich gar nichts geschafft habe. Nichts von dem, was ich mir vorgenommen hatte, ist erledigt. Der Stapel meiner Arbeit ist nicht um einen Zentimeter kleiner geworden. Und so gehe ich abends etwas frustriert ins Bett und hoffe, dass es am nächsten Tag besser wird.

Doch wenn ich genau hinschaue, dann bemerke ich, dass ich sehr wohl eine Menge getan habe. Nur waren es lauter scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten. Ich habe einen Brief zur Post gebracht. Ich habe einen Freund angerufen, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren. Ich habe unterwegs etwas eingekauft. Ich habe einen interessanten Artikel in einer Zeitschrift gelesen. Ich habe die Terrasse gefegt. Lauter scheinbar unwichtige Kleinigkeiten waren das. Aber sind diese Kleinigkeiten wirklich so unbedeutend? Ich denke darüber nach und mir fällt auf: Der Brief, den ich abgeschickt habe, musste dringend zur Post. Das war ein Antwortschreiben an das Finanzamt. Wenn ich es nicht rechtzeitig abgeschickt hätte, dann hätte das Probleme und noch mehr Arbeit verursacht. Oder das Telefongespräch mit dem Freund. Ich habe ihm zu Geburtstag gratuliert. Er hat sich richtig gefreut und uns beiden hat es gut getan, mal wieder ausführlich miteinander zu reden. Nein, das waren nicht nur Kleinigkeiten. Das waren wichtige Dinge. Manchmal sind meine Tage von diesen wichtigen kleinen Dingen angefüllt. Große Aufgaben bleiben liegen. Aber ich stelle fest: Das ist ja gar nicht so schlimm. Das ganze Leben besteht aus scheinbar unbedeutenden Kleinigkeiten. Darum will ich die Kleinigkeiten jeden Tag wertschätzen und mich an ihnen freuen. Weil dann kann ich auch die großen Aufgaben mutig anpacken.

Jesus hat mal gesagt: „Wer in den kleinen Dingen treu ist, der ist auch in den großen treu“ (Lk. 16,10) Offenbar hängen also beide zusammen: Die großen und die kleinen Dinge unseres Lebens. Die vielen Kleinigkeiten eines Tages geben mir die Chance, dass ich übe, treu und gewissenhaft zu sein. Dann kann ich das auch bei den großen Herausforderungen meines Lebens sein.

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