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SWR4 Abendgedanken

09APR2020
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Gründonnerstag. Genau jetzt abends, hätten sich eigentlich viele Christen in den Kirchen getroffen. Um Gottesdienst zu feiern. Um sich an den letzten Abend von Jesus mit seinen Freunden zu erinnern. Um gemeinsam Abendmahl zu feiern. Aber in diesem Jahr ist ja alles anders. Niemand trifft sich heute Abend in der Kirche. Und trotzdem ist Gründonnerstag.

Damals wollte Jesus mit seinen Freunden ein letztes Mal zusammen essen. Seine Freunde haben das vielleicht geahnt, weil er anders war, als bis dahin. Er war irgendwie komisch gewesen in letzter Zeit. Hatte immer von seinem Ende gesprochen. An diesem Abend hat Jesus sogar selbst ihnen die Füße gewaschen. Und auch das Essen war anders als vorher. Er hat mit ihnen Brot geteilt und dabei von „seinem Leib“ gesprochen. Er hat mit ihnen Wein geteilt und dabei von „seinem Blut“ gesprochen. Und er hat davon gesprochen, dass einer der Freunde ihn verraten würde. Ich glaube nicht, dass die Stimmung an diesem Abend besonders gut war.

Erst später haben die Freunde verstanden, was das alles zu bedeuten hatte. Sie haben begriffen: Jesus hat gewusst, was ihn erwartet und er ist diesen Weg trotzdem gegangen. Für uns Menschen. Das hätte er bestimmt seinen Freunden damals gerne erklärt. Dass er Vergebung wichtig findet. Bedingungslose Liebe, über den Tod hinaus. Das wollte er ihnen an diesem Abend zeigen. Deshalb hat er ihnen die Füße gewaschen, weil es nicht wichtig ist, wer oder was jemand ist. Darum sollte es auch beim gemeinsamen Essen gehen. Dass sie einander vergeben können. Zusammen feiern, auch wenn Jesus klar war, dass Judas ihn verraten wird.

Heute ist vieles anders. Ich kann nicht mit anderen Abendmahl feiern. Aber ich kann Zeit teilen am Telefon. Mit der Familie. Ich will mir überlegen, wo ich mit jemandem überkreuz bin. Wo Vergebung gut wäre.

So könnte der Gründonnerstag in diesem Jahr etwas ganz Besonderes werden. Vielleicht sehen wir danach die Gemeinschaft mit anderen wieder in einem ganz neuen Licht. Dann, wenn wieder alles normal läuft.

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08APR2020
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Wenn ich ehrlich bin, dann macht mir diese ganze Corona-Sache echt Angst. Nicht so sehr wegen der Ansteckung und der Krankheit. Eher, weil ich nicht genau weiß, was das mit uns und unserer Gesellschaft macht. Was wird aus den großen und kleinen Firmen, die jetzt nicht arbeiten können? Was aus den Familien, die sich zerstreiten, weil sie das dauernde Zusammensein nicht aushalten?

Ich glaube, dass Jesus dieses sorgenvolle Gefühl damals auch schon ziemlich gut gekannt hat. Deshalb hat er den Leuten gesagt: In der Welt habt Ihr Angst – aber seid getrost ich habe sie längst überwunden.

Die Angst vor der Zukunft war zu Jesu Zeiten ganz alltäglich. Weil es so was wie ein funktionierendes Gesundheitssystem nicht gegeben hat. Kranke Menschen mussten betteln gehen. Witwen und Waisen hatten alleine kaum eine Chance zu überleben.

Gerade deshalb hat Jesus deutlich gemacht. Es gibt mehr. Es kommt noch was. Es gibt Hoffnung. „Habt keine Angst. Ich habe die Welt überwunden!“

Damit wollte er die Sorgen nicht einfach wegdrängen. Einfach nur zu sagen: „Alles wird gut“ ist ja zu wenig. Auch, dass vielleicht nach dieser Welt, irgendwann im Himmel, alles besser werden wird, ist mir zu wenig. Jesus wollte die Leute nicht vertrösten. Zumindest nicht nur.

Ich glaube, dass Jesus mir einen anderen Blick auf die Welt eröffnen will. Er hat sie überwunden. D.h. es gibt wirklich noch mehr. Mehr als die negativen Dinge, die ich immer als erstes sehe. Denn das kann schnell passieren, wenn man sich Sorgen macht.

Aber jetzt gerade kehrt das Leben in der Natur zurück. Es werden auch heute Kinder geboren und viele ältere Menschen erleben, dass sich jemand um sie sorgt. Wir entdecken, was uns wichtig ist im Leben. So eingeschränkt wie wir uns gerade bewegen. Wir achten wieder mehr aufeinander. Das Leben ist ein bisschen weniger hektisch. Das alles tut gut. Das ist mehr als: alles wird gut.

Ich kann verstehen, dass man sich in diesen Tagen Sorgen macht. Ich kann auch verstehen, dass jemand Angst hat. Es geht mir ja auch so. Aber ich möchte nicht, dass mich diese Angst beherrscht und lähmt. Dabei hilft mir dieser Satz: „Habt keine Angst. Ich habe die Welt überwunden!“

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07APR2020
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So, zwei Engel nach links abbiegen, einer nach oben. Hey, wir sind doch keine Linksflieger hier und kommst Du jetzt bitte endlich aus dem Kreisverkehr raus. So irgendwie habe ich mir das himmlische Verkehrsmanagement vorgestellt, als ich neulich eine Radioreportage gehört habe. Da kam der Begriff vor: „himmlisches Verkehrsmanagement“. Es ging um eine ganze Reihe neuer Satelliten, die in den nächsten Jahren in den Weltraum geschossen werden sollen. Für die braucht man inzwischen eben auch Verkehrsregeln.

Aber irgendwie ist das Bild mit den Engeln bei mir hängen geblieben. Engel spielen in der Bibel eine wichtige Rolle. Die himmlischen Heerscharen helfen aus ausweglosen Situationen, sie stehen für die Nähe Gottes und sie überbringen Botschaften. Eine ihrer wichtigsten Botschaften ist: „Habt keine Angst – Ihr seid nicht allein“. In einem alten Gebet in der Bibel heißt es: „Denn er wird seinen Engeln befehlen, dich zu beschützen, wohin du auch gehst. Auf ihren Händen sollen sie dich tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.“

Meine Großeltern hatten zu dem Satz ein Bild im Schlafzimmer hängen. Da begleitet ein Engel mit Flügeln zwei Kinder auf ihrem Weg. Er beschützt sie und passt auf sie auf. Ich fand das Bild früher immer furchtbar kitschig – und doch hat mir der Gedanke dahinter auch irgendwie gefallen. Dass mich so ein Engel begleiten könnte und mich beschützen könnte. So ein himmlischer Aufpasser hat doch was. Und vielleicht ist das auch was, was ich jetzt auch ganz gut gebrauchen könnte. Gerade in diesen Tagen und Wochen, die so sehr von den Corona-Nachrichten geprägt sind. Engel müssen ja nicht weiße Gewänder haben und schimmernde Flügel. Einen Engel können gerade alle gebrauchen, glaube ich. Vor allem die, die krank sind, oder die vielleicht schon jemanden verloren haben. Aber auch die, die sich zu Hause langweilen oder vor lauter Angst ganz starr sind. Und natürlich auch die, die in diesen Tagen selber ein bisschen zum Engel werden.

Die jeden Tag jetzt trotzdem für uns schuften. Regale auffüllen, Sachen transportieren, in den Kliniken und Praxen für uns da sind. Oder die jetzt gerade für andere einkaufen und helfen, wo sie können.
Ganz ehrlich: Ich bin froh, dass es dieses himmlische Verkehrsmanagement gibt und wir dadurch merken. Wir sind nicht allein.

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06APR2020
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Au Mist, jetzt hast Du nur noch ein Leben. Jetzt musst Du ganz vorsichtig sein – das habe ich neulich aus dem Wohnzimmer gehört. Meine Kinder haben am Computer gespielt. In dem Spiel hat man fünf Leben. Und immer, wenn man irgendwo reinfällt, oder nicht schnell genug hochspringt, ist eben eins weg. Wenn man schließlich nur noch ein Leben hat, dann muss man besonders vorsichtig sein. Das habe ich jetzt von den Kindern gelernt.

In der echten Welt ist das genauso. Aber da habe immer nur ein Leben. Und wenn ich irgendwo reinfalle, dann tut mir das weh. Und man kann auch nicht einfach am Schluss nochmal von vorne anfangen. Deshalb muss ich ganz besonders vorsichtig sein. Ich hab nur eins.

Aber wie oft mache ich Sachen, die im Grunde unvorsichtig sind!? Ich meine: Wer ernährt sich schon nur gesund? Wer hat noch nie ein bisschen zu viel getrunken?

Und gerade in den letzten Wochen ist doch ganz deutlich geworden, wie verletzlich wir Menschen sein können. Wir sehr uns das aus der Bahn wirft, wenn nicht alles so läuft, wie immer. Da merke ich: Ich kann Vieles selber beeinflussen. Was ich esse und trinke, wo und was ich einkaufe, wie viel oder wenig ich mich bewege, das bestimme ich selber. Es gibt aber auch jede Menge, das mein Leben bestimmt.

Ich habe nicht alles in der Hand. Schon gar nicht das Leben selbst. Als Christ glaube ich: Das Leben ist ein Geschenk. Gott hat es mir geschenkt. In einem alten Gebet in der Bibel heißt es, dass Gott die Quelle des Lebens ist.

Gott ist die Quelle des Lebens. Und trotzdem: Dass ich an ihn glaube, ist kein Schutzschild gegen alles. Auch Christen werden krank, haben Unfälle und sterben.

Aber genau dieses Gebet aus der Bibel, macht mir Mut: Gott ist die Quelle des Lebens. Und wie das Wasser einen Kreislauf hat, kommt auch mein Leben irgendwann zu dieser Quelle zurück. Ja, ich habe nur ein Leben. Und Ja, deshalb passe ich auf mein Leben auch ziemlich gut auf. Dafür kann ich viel tun. Und für die Dinge die ich nicht in der Hand habe weiß ich: mein Leben ist niemals verloren. Niemals einfach nur weg. Denn: Gott ist die Quelle meines Lebens.

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