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SWR4 Abendgedanken

11OKT2019
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Selbst auf Urlaubsreisen noch Zuhause sein. Das verspricht die Werbung für Wohnmobile. Und da ist wirklich etwas dran. Vor zwei Wochen haben uns meine Schwägerin mit ihrem Partner und ihrem Wohnmobil besucht. Sie kamen damit direkt aus dem Urlaub.  Ich hab mir das Wohnmobil angeschaut und ich sag Ihnen: Ich war beeindruckt. Das war ein richtiges kleines Haus auf vier Rädern. Mit Doppelbett und Sofa, Tisch und Bank, Gasherd und Spüle, Dusche und WC. Eben wie Zuhause, nur kleiner. Und ich hab gedacht: Mit so einem Wohnmobil kann man sein Zuhause mit auf Reisen nehmen. Egal wo ich bin, ich habe dann immer die vertrauten Dinge um mich herum.

Ein Zuhause zum Mitnehmen - Wenn ich über mein Leben nachdenke, dann fällt mir auf, dass ich auch schon an vielen verschiedenen Orten Zuhause war. Da gab es mein Elternhaus. Heute ist es verkauft und mein Kinderzimmer existiert nicht mehr. Ich habe in einer Studenten-WG gewohnt. Aber nach dem Studium bin ich ausgezogen. Als Pfarrer waren dann die Pfarrhäuser mein Zuhause. Aber ich wusste immer: Hier wohne ich nur für eine bestimmte Zeit. Mein Zuhause hat also oft gewechselt. Es gab Zeiten, da habe ich mich gefragt: Wo bin ich eigentlich wirklich Zuhause? Es gibt ja Menschen, die sagen:

Das Zuhause ist da, wo die Familie ist. Gut und schön, denke ich. Aber was ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind? Und was, wenn meine Frau einmal nicht mehr da ist? Wo ist dann mein Zuhause?

Mittlerweile denke ich: Mein Zuhause im Leben kann wechseln. Darum steht auch dieser eine Satz in der Bibel: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir“ (Hebr. 13,14) Mir ist dieser Satz aus dem Hebräerbrief wichtig geworden. Er passt zu meiner Erfahrung. Ich finde in diesem Leben nirgends ein Zuhause für alle Zeit. Nicht im Elternhaus, nicht in der Studenten-WG und auch nicht im Pfarrhaus. Sondern das eigentliche Zuhause kommt erst noch. Auch davon kann man im Hebräerbrief lesen: Wir Menschen werden erst bei Gott ganz Zuhause sein.  Ich glaub das. Darum kann ich alle Umzüge und Veränderungen in meinem Leben fröhlich ertragen. Und es mir überall so wohnlich machen, wie es geht.

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10OKT2019
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„Dalli, Dalli!“ so hieß mal eine Quizsendung im Fernsehen, auf die ich mich als Kind immer gefreut habe. Vielleicht erinnern sich manche von Ihnen an die Sendung und an den Moderator Hans Rosenthal. Ein Spiel fand ich dabei immer besonders toll. Es nannte sich „Dalli klick“. Dabei wurde auf einem Bildschirm ein Foto gezeigt. Aber das Foto erschien erst langsam Stück für Stück. So wie einzelne Puzzleteile. Am Anfang konnte man noch gar nichts erkennen. Erst nach und nach hat man ahnen können, was das Bild zeigt. Wer das zuerst erraten hatte, der hatte gewonnen.

Inzwischen denke ich: So ist das doch auch mit meinem Leben. Jeden Tag kommt ein neues Stück zu meinem Leben dazu. Jeder Mensch, den ich kennen lerne, ist so ein Stück. Jeder glückliche Moment, den ich erlebe, ist auch so ein Stück. Mein Beruf ist ein Stück. Meine Familie genauso. Aber auch die schlimmen Momente in meinem Leben sind solche Stücke. Wo ich versagt habe. Wo ich Trennung und Schmerz erlebt habe. Immer ein weiteres Stück. Und ganz langsam Tag für Tag und Jahr für Jahr entsteht das Bild meines Lebens.

Genauso wie bei „Dalli klick“ erkenne ich aber manchmal das Bild nicht von Anfang an. Vieles in meinem Leben verstehe ich nicht. Warum hat ein guter Freund sterben müssen? Warum mussten wir mit unseren Kindern schwere Zeiten erleben? Warum habe ich eine Krankheit bekommen? Das alles gehört zu meinem Leben, aber ich kapiere oft nicht, welchen Sinn es hat. Wie bei Dalli klick kann ich das fertige Bild meines Lebens noch nicht sehen.

Manchmal ging es mir beim Ratespiel von Hans Rosenthal so, dass erst das letzte Puzzleteil nötig war, damit ich herausgefunden habe, was das ganze Bild zeigt. Vielleicht ist das in meinem Leben ja auch so. Ich versteh vieles nicht. Ich erkenne von manchem im Leben den Sinn nicht. Weil das letzte Puzzleteil fehlt. Aber ich glaube daran, dass Gott einmal das letzte Stück hinzufügen wird. Und dann werde ich irgendwann einmal, hier auf der Erde oder erst im Himmel verstehen, wozu Erlebnisse meines Lebens wichtig waren. Irgendwann sehe ich das ganze Bild.  Ich glaube, dann werde ich staunen, was Gott in meinem Leben getan hat.

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09OKT2019
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Manche Menschen haben Mut. Der 19-jährige Christopher Schacht zum Beispiel. Nach seinem Abitur hat der junge Mann seinen Rucksack gepackt, 50 Euro in den Geldbeutel gesteckt und ist aufgebrochen, um einmal um die Welt zu reisen. Vier Jahre lang war er unterwegs und hat danach ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben. Ich habe den jungen Mann mal persönlich erlebt und war fasziniert von den Geschichten, die er erzählen konnte. Am meisten aber hat mich sein Mut fasziniert: Wer wagt schon so etwas? Mit nicht mehr als 50 Euro einmal um die Welt reisen. Ich würde so etwas nicht wagen, das gebe ich zu.

Ich bin so ein Mensch, der lieber bleibt, wo er ist und dem es wichtig ist, gut abgesichert zu sein. Vielleicht faszinieren mich gerade darum solche Menschen wie Christopher Schacht. Menschen, die aus ihren Sicherheiten aufbrechen und etwas wagen und noch nicht wissen, was passieren wird und wo sie einmal ankommen. Von solchen Menschen kann ich mir in Sachen Mut eine Scheibe abschneiden.

Aber wenn ich mir das recht überlege, dann ist doch das ganze Leben eigentlich so etwas wie eine Reise ins Unbekannte. Ich weiß heute nicht, was morgen kommt. Ich mache mir zwar Pläne und habe Wünsche. Aber was morgen ist, kann ganz anders sein, als ich das erwarte. Wo werde ich am Ende meines Lebens landen? Und welchen Menschen begegne ich noch oder welche Herausforderungen warten auf mich? Das weiß ich doch alles nicht. Jeder neue Tag braucht darum wieder neuen Mut.

Ich will noch von einem mutigen Menschen erzählen. Von Abraham. Seine Geschichte steht in der Bibel. Von Abraham wird berichtet, dass er sein Haus, seine Heimat und seine Familie verlassen hat und in ein fremdes Land gegangen ist. Gott selber, so wird erzählt, soll dazu aufgefordert haben. Und Abraham hat sich auf Gott verlassen und ist mutig ins Unbekannte aufgebrochen.  Was ihm den Mut dazu gegeben hat, war sein Vertrauen auf Gott.

Von Menschen wie Christopher Schacht oder Abraham kann man lernen, mutig jeden Tag durchs Leben zu gehen. Und Abraham zeigt mir auch, woher der Mut dazu kommen kann: Aus dem Vertrauen, dass es Gott ist, der mich durchs Leben führt. Er kennt mich, meinen Weg und mein Ziel.

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08OKT2019
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„Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm“. So habe ich als Kind jeden Abend gebetet, bevor ich ins Bett gegangen bin. Und dann habe ich noch alle die genannt, von denen ich auch wollte, dass sie zu Gott in den Himmel kommen: Mama und Papa, Oma, das nette Mädchen aus meiner Klasse und der süße Hund aus der Nachbarschaft. Alle sollen in den Himmel kommen. Dafür habe ich jeden Abend gebetet.

Heute bete ich anders. Aber die Sache mit dem Himmel beschäftigt mich immer noch. Gibt es den Himmel eigentlich wirklich? Wie sieht es im Himmel aus? Kommen alle Menschen einmal dorthin, gute und böse? Werde ich im Himmel Jesus treffen? Und meine verstorbene Oma wiedersehen? Ich weiß, dass viele Leute sagen, dass das mit dem Himmel Unsinn sei. Sie sagen: Wenn ich sterbe, dann ist alles aus und vorbei. Und ich kann ihnen das Gegenteil ja nicht beweisen.

Vor einigen Jahren gab es mal ein Buch mit dem Titel „Den Himmel gibt es wirklich“. Darin wird von einem vierjährigen Jungen erzählt, der behauptet während einer Notoperation eine Zeitlang im Himmel gewesen zu sein. Was er da gesehen und erlebt hat, davon berichtet das Buch. Die Geschichte ist sogar verfilmt worden und dass Millionen Menschen sie gelesen oder im Kino angeschaut haben, das zeigt wie groß das Interesse am Himmel ist.

Gibt es also den Himmel wirklich? Ich glaube immer noch: Ja, es gibt ihn. Auch wenn ich aufgehört habe, jeden Abend dafür zu beten, dass ich einmal dorthin komme. Ich weiß auch nicht genau, wie es im Himmel aussieht. Wahrscheinlich ganz anders, als ich das vermute. Und ob einmal alle Menschen im Himmel sein werden? Vielleicht ist das so. Ich bin froh, dass ich das nicht zu entscheiden habe.

Überhaupt: Ich brauche nicht alle Fragen beantwortet bekommen. Aber ich vertraue auf eine Zukunft bei Gott Es tröstet mich, dass nach dem Tod nicht einfach alles aus und vorbei ist. Es gibt mir Hoffnung, vielleicht liebe Menschen einmal wieder zu sehen. Und ich glaube, dass mein Leben auf der Erde nicht alles ist. Das macht mich gelassener. Ich muss aus diesem Leben nicht alles an Freude und Glück herausholen muss, was nur geht.

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07OKT2019
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Asterix und Obelix - ich liebe die beiden unbeugsamen furchtlosen Gallier aus den Comicheften. Sie haben nur eine Angst, dass ihnen eines Tages der Himmel auf den Kopf fällt.

Ehrlich gesagt: Davor habe ich jetzt keine Angst. Aber es gibt andere Dinge, die mir manchmal Angst machen. Die drohende Klimakatastrophe zum Beispiel. Es vergeht ja kaum ein Tag, an dem darüber nicht in den Nachrichten berichtet wird. Da höre ich, dass das Polareis schmilzt und der Meeresspiegel ansteigt. Ich sehe Bilder von Wirbelstürmen und ich schaue erschrocken zu, wie der Regenwald im Amazonas brennt. Ich mach mir weniger Sorgen um den Himmel, der mir auf den Kopf fallen könnte, als viel mehr um die Erde, auf der ich lebe.

Angst ist ja gar nicht schlecht. Sie bringt mich dazu, etwas zu tun. So haben wir auf unser Haus im letzten Jahr eine Solaranlage setzen lassen und produzieren jetzt unseren eigenen sauberen Strom. Ich fahre mittlerweile auch öfter mit dem Fahrrad und vermeide Plastiktüten.

Doch dann gibt es Leute, die sagen zu mir: Lass das!, Du kannst sowieso nichts ändern. Was du tust, das ist ja nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Und andere sagen sogar: Du musst dir keine Sorgen machen. Die Klimakatastrophe ist nur eine Erfindung von Politikern. Aber ich weiß, dass das nicht stimmt. Und ich denke mir: Ein Tropfen auf den heißen Stein kann der Anfang eines Regens sein. Darum ist es sinnvoll, dass ich etwas fürs Klima tue, selbst wenn es wenig ist.

Aber trotzdem kommt manchmal die Angst. Mir geht dann immer wieder der Psalm 23 im Kopf herum. Das ist ein Gebet, das der König David geschrieben haben soll Er betet: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du, Gott, bist bei mir“

Solche Worte helfen mir gegen die Angst. Sie erinnern mich daran, dass ich mit meiner Angst nicht allein bin. Gott ist da und geht wie ein guter Hirte jeden Tag an meiner Seite. An schönen Tagen genauso wie an schweren, sorgenvollen. Am Ende ist Gott es, der meine persönliche Zukunft und die Zukunft der ganzen Welt in seiner Hand hält. So kann ich beherzt etwas tun für diese Welt und erlebe zugleich, dass meine Angst keiner wird.

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