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SWR4 Abendgedanken

Auf geht‘s ins lange Pfingstwochenende, mal sehen wie das Wetter wird. Beim ersten Pfingstfest ist es ja recht stürmisch zugegangen, als der Geist Gottes auf die Freunde von Jesus herabkam.  Wie ein starker, befreiender Wind soll er vom Himmel gebraust sein. Dabei hat er die Angst der Jünger von Jesus vertrieben und ihnen neue Kraft und Mut für ihr Leben eingehaucht.

Mit gefällt das. Frischer Wind tut gut. Frischer Wind macht den Kopf frei. Manchmal brauche ich das, wenn ich in einer Situation feststecke und nicht so recht weiß, wie es weitergehen wird. Wenn eine Entscheidung ansteht, aber mir noch nicht klar ist, in welche Richtung es gehen soll. Oder, wenn etwas irgendwie festgefahren ist. Vielleicht kennen Sie das: Ein Gedanke kreist mir im Kopf herum, geht mir nicht mehr aus dem Sinn. Ich denke hin und her, durchdenke es zweiunddreißig Mal und komme nicht weiter. Soll ich nun oder soll ich nicht?

An Pfingsten feiern wir in der Kirche, dass Gott uns Menschen in Bewegung bringt. Gerade dann, wenn etwas festgefahren scheint. Die Freunde von Jesus haben es so nach Ostern erlebt, als sie nicht so recht wussten wie alles für sie weitergehen sollte. Sollten sie die Botschaft Jesu nun nach seinem Tod und den unglaublichen Ereignissen danach weiter erzählen? Sollten sie in seinem Sinn leben? Oder doch eher zu ihren Familien zurückkehren? Da kam dieses völlig unerwartete Brausen des Geistes und machte ihnen klar, dass sie Jesu Botschaft unter die Menschen bringen sollten. Und das nicht verzagt und schüchtern, sondern mit Schwung und Freude: Lebt euer Leben! Gebt einander Raum und entdeckt eure verschiedenen Gaben. Miteinander ist eine Menge möglich.

Die Menschen, die dies ungewöhnliche Geschehen miterlebt haben, haben erzählt, dass auf einmal alle verstehen konnten, was die Jünger gesagt haben. Pfingsten finde ich darum richtig gut. Ein Fest der Lebendigkeit. Warum sich also nicht einmal bewusst vom Geist Gottes, vom frischen Wind durchwehen lassen. Mal abwarten, was dabei passiert – ich bin gespannt. Und wünsche Ihnen ein gesegnetes Pfingstwochenende.

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Taufe am See! Das feiern wir  mit anderen Kirchengemeinden zusammen am kommenden Wochenende. Wir sind mitten in der freien Natur. An die dreißig Kinder werden getauft werden. Für meine Kolleginnen und mich ist dies jedes Jahr etwas ganz Besonderes. Die Familien kommen mit ihren Kindern, sie sitzen auf Picknickdecken oder Bänken. Für die Großeltern, manchmal sogar Urgroßeltern werden Gartenstühle mitgebracht. Jung und Alt sitzen zusammen. Und unser Gospelchor sorgt mit seiner Musik für eine gute Stimmung.

Wir feiern das neue Leben - und das ist sehr berührend. Denn trotz aller medizinischen Fortschritte ist und bleibt die Geburt eines Kindes etwas Einmaliges. Und noch heute ist die Geburt eines Kindes kein Spaziergang. Sie kostet Kraft, nicht immer läuft alles so ab wie man es sich vorgestellt hat. Dann aber ist das neue Leben da. Klein und zerbrechlich: Die Hände, die Füße. Einmalig und Besonders von Anfang an. Ich weiß noch genau wie es war, als ich unseren Sohn, unsere Tochter das erste Mal im Arm hielt. Da war auf einmal die ganze Verantwortung für diese kleine Leben zu spüren. 

Würde ich dem gerecht werden? Der erste Schnupfen schien mir lebensbedrohlich zu sein, die Nächte waren abenteuerlich bis sich langsam alles eingependelt hat. Mir selbst war darum damals die Taufe unserer Kinder wichtig. Ich wollte Gott für das Geschenk des Lebens danken. Und ich wollte ihn darum bitten, dass er meine Kinder, ja, uns als Familie auf unserem Weg begleitet. Denn mir war klar, dass die Begleitung eines Kindes vor allen Dingen auch loslassen bedeutet.

Loslassen, damit mein Kind seinen eigenen Weg finden und gehen kann. Das fängt an beim Laufen lernen. Es geht weiter, wenn das Kind das erste Mal alleine in die Schule geht, eigene Freunde findet. Viele Eltern wünschen sich daher das Bibelwort „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich auf allen deinen Wegen behüten“ als Taufspruch. Es ist gut zu wissen, dass Gott für unsere Kinder da ist. Ja, dass er die ganze Familie mit seinem Segen begleitet. Denn das verspricht er uns in der Taufe. Und wenn ich beim Tauffest dann in die Menge der Feiernden schaue, dann sehe ich da bereits manchen Engel sitzen, den Gott den Täuflingen gesandt hat. 

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Als Kind fing für mich der Sommer an, wenn das Storchenpaar im Dorf sein Nest bezogen hatte. Irgendwann gegen Ende der achtziger Jahre blieben die Störche aus. Nicht nur bei uns im Dorf, sondern in der ganzen Region. Ich habe sie vermisst. Sie kamen nicht mehr, weil sie auf den Wiesen keine Nahrung mehr gefunden haben. 

Und dann war ich vor rund fünfzehn Jahren im Frühjahr in Israel am Toten Meer. Ein merkwürdiges, Geräusch war auf einmal über unserer Reisegruppe. Wir sahen uns um  und staunten: Ein Schwarm von Störchen flog über uns hinweg. Grazil und anmutig. Es war einzigartig.  Die Reiseführerin strahlte und sagte: „Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit“ (Jer 8,7)  Jedes Jahr zur selben Zeit würden über 300.000 Weißstörche über Israel fliegen, Tendenz steigend. Sie kommen aus Afrika, wo sie überwintern und ziehen weiter nach Europa. „Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit“ – mich hat es berührt, dass das in der Bibel steht. Geschrieben vor mehr als zweieinhalbtausend Jahren, noch heute gültig. Und berührt, weil ich so lange keine Störche mehr gesehen hatte. Wie konnte es sein, dass sich der Storch bei uns nicht mehr zu Hause gefühlt hat?

Wenige Monate später wurde ich morgens von einem ungewohnten Geräusch geweckt. Ein Storch saß auf unserem Kirchturm und klapperte laut. In der Kirche sagen wir fröhlich aus dem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ die Strophe, in der es heißt: „Der Storch baut und bewohnt sein Haus.“   Und gerade die Älteren haben gesagt,  wie sehr sie sich freuen, dass die Störche wieder da sind.

In den vergangenen Jahrzehnten gab es manche technische Errungenschaft für zu Hause, manchen Fortschritt in der Landwirtschaft, der die Arbeit leichter gemacht hat. Über die Folgen war man sich leider nicht immer bewusst. Die Störche blieben einfach irgendwann aus.

Ich finde es gut, wenn heute versucht wird, manches wieder zu korrigieren.  Menschen setzen sich verstärkt für Gottes Schöpfung ein. Für die Störche, für Lurche oder auch Bienen. Die Störche sind wiedergekommen und ich finde es lohnt sich, sich auch für andere Arten einzusetzen.

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„Wer sucht, der findet!“  Das ist ein geflügeltes Wort. Meine Kinder sagen es z.B spöttisch zu mir, wenn ich nach längerer Suche meinen Schlüssel wiedergefunden habe. „Wer sucht, der findet!“ Der Satz stammt aus der Bibel und wird dort in einem ganz anderen Zusammenhang benutzt. Jesus will seine Freunde ermutigen, sich vertrauensvoll an Gott zu wenden. Deshalb sagt er ihnen: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.“ Ich verstehe, dass ich an einer Sache dran bleiben soll. Das Richtige wird sich mit Gottes Hilfe finden. Und um das Richtige zu finden, so meine Erfahrung, braucht es Durchhaltevermögen.

Ich habe erlebt, dass das Richtige oftmals etwas ganz anderes ist als ich anfangs im Sinn hatte. Bei meiner Berufswahl ist es  mir zum Beispiel so gegangen. Für meine Lehrer, für mich, war klar, es sollte für mich in die naturwissenschaftliche Richtung gehen. Alles an der Uni lief gut als ich dort anfangen habe, aber irgendwas passte ganz und gar nicht. Das musste ich selbst erst einmal verstehen. Ich habe ziemlich gerungen und gehadert und bin auch mit Gott ins Gespräch gegangen: Was soll ich jetzt machen? Sollte ich es wagen und alles noch einmal neu durchdenken? Die anderen waren sich doch einig, dass die Naturwissenschaften das Richtige für mich waren.

Aber dann wurde mir mitten im Weihnachtsgottesdienst klar: Pfarrerin, das könnte es sein. Und das bin ich dann auch geworden. Pfarrerin bin ich nun schon viele Jahre. Ich liebe meinen Beruf, ich bin gerne für die Menschen da. Gott, sei dank!

Wenn ich heute spüre, dass wieder irgendetwas an einer Stelle in meinem Leben nicht passt, dann bete ich: In einer schönen Kirche, zu Hause oder auch unterwegs. Ich überlege, ich suche, ich klopfe die Dinge ab. Dabei ist Gott für mich kein Bestellautomat für meine Wünsche, die er prompt zu erfüllen hat. Für mich ist Gott mein Wegbegleiter und Ratgeber. Und schon oft hat er in meinem Leben viel besser als ich gewusst, was für mich der richtige Weg ist.  „Wer sucht, der findet“ –

Vielleicht wissen auch Sie manchmal noch gar nicht, was Sie suchen? So wie ich. Dann probieren Sie doch auch einmal mit Gott ins Gespräch zu gehen.

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„Wie stellen Sie sich eigentlich Gott vor?“ haben mich meine Viertklässler vorletzte Woche im Religionsunterricht gefragt. Ich habe erst mal zurückgefragt: „Wie stellt ihr euch denn Gott vor?“ „Gott ist ein kluger Mann auf einer Wolke“ war eine Antwort, „er ist sehr weise und weiß auf alle Fragen eine Antwort.“ Zustimmendes Nicken. Dann ein Mädchen: „Und wieso ist Gott eigentlich ein Mann?“ „Weil es so in der Bibel steht!“ Sofort gab es eine lebendige Diskussion im Klassenzimmer. Wild ging es hin- und her. Ein fußballbegeisterter Junge meinte schließlich „ Wisst ihr was? Ich verstehe Gott so: Er ist mein persönlicher Trainer. Er holt das Beste aus mir raus und er ermutigt mich, mein Leben gut zu spielen.   Manchmal brauche ich einen, der mich anfeuert und manchmal einen, der mich tröstet. Je nachdem, wie es mir geht. Ich glaube, Gott kann beides.“ Die Antwort hatte es in sich.

Tja, wie stellen wir uns, wie stelle ich mir eigentlich Gott vor? Eine wirklich spannende Frage. Und wenn man in die Bibel schaut, gibt es auf diese Frage nicht nur eine Antwort. Gott ist in der Bibel sehr bunt und vielfältig dargestellt. Als kreativer Schöpfer, als guter Hirte, als weisheitliche Kraft, die die Welt im Gleichgewicht hält. Und natürlich wissen wir eine Menge über Gott aus den Erzählungen von Jesus. Gott sei z.B wie ein barmherziger Vater, der mit offenen Armen auf seine Kinder wartet, auch wenn sie einmal in ihrem Leben Mist gebaut haben.

Die Kinder in meiner Klasse kamen dann auf die Idee, Wörter an der Tafel zu sammeln, die sie mit Gott verbinden. Wörter, die ausdrücken wie sie sich Gott vorstellen und für sich wünschen: „Tröstend“ und „liebevoll“, „fürsorglich“, „kämpferisch“, „geduldig“ und „fröhlich“ ist da gekommen. Irgendwie sei er auch „klug“ und „neugierig“, ja, „er interessiert sich für uns“. Jungs wie Mädchen hatten auf einmal richtig Spaß an der Frage. Und nebenbei spürten sie, wie lebendig und vielfältig Gott ist, wenn man ihm Raum in seinem Leben gibt. „Eigentlich“ meinte ein Schüler dann, „ist es doch egal, ob Gott ein Mann oder eine Frau ist. Gott ist einfach da.“ „Persönlicher Trainer, eben!“ Mir hat diese Diskussion gutgetan.

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