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SWR4 Abendgedanken

 

Es ist doch jedes Jahr dasselbe. Gefühlt hat ein Jahr gerade erst angefangen und schon ist es wieder vorbei. Jedes Jahr zum Jahreswechsel fragt man sich: Wo ist dieses Jahr denn geblieben? Dann kommt Silvester und man nimmt sich so viel vor für das neue Jahr. Und zack – schon ist wieder es wieder vorbei. Zumindest gefühlt. So geht es Jahr für Jahr.

 

In einem Gebet aus der Bibel heißt es: „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre; denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“ Das scheint den Menschen damals also auch schon so gegangen zu sein. Sicher. Heute werden die Menschen immer älter. Aber trotzdem: man lebt so Jahr für Jahr vor sich hin und dann ist es irgendwann vorbei.

Das Gebet aus der Bibel geht aber noch weiter: „Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“
Das erinnert mich daran: Dass ich lebe ist ein Geschenk. Dass wir alle leben ist ein Geschenk. Und auf Geschenke passt man in der Regel auf. Vor allem auf so wertvolle. Ich glaube, dass das hier mit klug werden gemeint ist: Wenn ich mein Leben nicht als selbstverständlich, sondern als Geschenk betrachte, dann beeinflusst das die Art, wie ich damit umgehe. So ein Geschenk wirft man nicht achtlos weg. Man stellt es auch nicht in die Ecke, wo es verstaubt. Ein Geschenk betrachtet man immer wieder aufmerksam, nutzt es und freut sich darüber..

 

Wie das aussehen kann, habe ich aus einer Geschichte gelernt. Sie erzählt, wie ein Mann jeden Morgen aus dem Haus geht und sich eine Handvoll Bohnen in die rechte Tasche steckt. Jedes Mal, wenn er am Tag etwas Schönes erlebt – auch ganz kleine Kleinigkeiten, nimmt er eine Bohne und steckt sie sich in die linke Tasche. Abends holt er dann alle Bohnen aus der linken Tasche und freut sich darüber, dass er an diesem Tag so viel Schönes erlebt hat.

 

Manchmal muss man vielleicht ein bisschen suchen. Aber ich glaube wirklich, dass man jeden Tag irgendwas Schönes erlebt, für das man dankbar sein kann.
Ja, ich werde jedes Jahr ein Jahr älter. Und Ja, irgendwann wird auch mein Leben mal zu Ende sein. Aber genau das macht mich umso dankbarer für alles, was ich 2018 erlebt habe. Und ich bin gespannt, was 2019 so bringt.

 

 

 

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Schnitzeljagd – das ist bei unseren Kindern immer noch der Renner. Voller Begeisterung folgen sie den Hinweisen nach und lösen alle Aufgaben. Sie wollen unbedingt am Ende den Schatz finden. Ihm jagen sie hinterher.
„Suche Frieden und jage ihm nach“ Das ist die Jahreslosung für 2019 – sowas wie ein Leitwort für das ganze Jahr.

Frieden und jagen in einem Satz – das habe ich im ersten Moment nicht so ganz zusammen bekommen. Bis mir dann klar geworden ist, dass es hier um ein leidenschaftliches Suchen geht. Genau so ein Jagen und Suchen, wie bei der Schnitzeljagd. Jemand jagt einem Ziel nach, sagt man ja auch. Will unbedingt die Lösung finden für ein Problem. Will endlich Erfolg für sein Projekt. Deshalb macht er sich auf den Weg. Tut was nötig ist.
„Suche Frieden und jage ihm nach“ ist für mich zuerst einmal ein Versprechen: Es gibt Frieden.

Wenn in der Bibel von „Frieden“ die Rede ist, dann ist das mehr als dass es keinen Krieg gibt. Dieser Friede meint auch, wie Menschen miteinander umgehen könnten: friedlich. Und er meint auch, wie jeder einzelne Mensch für sich selbst Frieden finden kann. Ganz im Reinen mit sich selbst und mit Gott sein kann. Seine innere Mitte finden kann, würden wir heute vielleicht sagen. Und genau diesen Frieden gibt es. Auf unserer Welt. Hier und heute.

Aber man muss genau hinsehen. Danach suchen. Und ihm dann nachjagen. So wie das bei anderen großen Zielen auch ist. Wie das konkret aussehen kann? Ich kann z.B. jeden Tag genau da, wo ich bin schauen, ob ich irgendwo ein bisschen Frieden finden kann. Bei mir selbst. Bei den Menschen, die mir an einem Tag so begegnen. In den Nachrichten. Mit überlegen, wo ist Welt heute ein kleines bisschen friedlicher geworden. Was hat mir heute gut getan. Und dann genau dieser Spur folgen. Auf die Jagd gehen. Vielleicht morgen dann die freundliche Geste weitergeben, die mich heute gefreut hat.

Denn – und da passt das Bild von der Jagd dann doch wieder ganz gut dazu – Frieden ist wie ein scheues Tier. Wenn jemand Parolen poltert, vertreibt er es. Wenn jemand nur an sich denkt schüchtert er es ein. Ich möchte mir das dieses Jahr vornehmen. Immer mal wieder den Frieden zu suchen und ihm nachzujagen, wenn ich ihn gefunden habe.

 

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Frohes Neues Jahr! Oder Prost Neujahr! Gesundes neues Jahr oder einfach a guats nuis – egal, was Sie sich in der Silvesternacht gewünscht haben. Ich glaube in jedem dieser Wünsche schwingt mit, dass wir hoffen, dass es gut wird. Ist ja auch klar. So ein Jahreswechsel macht mir immer wieder deutlich, wie die Zeit vergeht. Und natürlich hoffe ich, dass es gut wird. Manche hoffen vielleicht, dass es besser wird – gesundheitlich, beruflich oder in der Familie. Die anderen, dass es genauso weiter läuft, wie bisher.

„Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“ Diese Zeile hat Dietrich Bonhoeffer geschrieben. Er hat sie geschrieben, obwohl er gewusst hat, dass er sterben wird – er wurde am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg hingerichtet. Er hat gewusst, oder zumindest schon geahnt, dass es für ihn kein gutes Jahr werden wird und trotzdem geschrieben: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.“

Ich finde das beeindruckend. Dieses feste Vertrauen und dieser Glaube, die da drin stecken. Genau das wünsche ich mir auch. Und genau darauf möchte ich auch vertrauen: keiner weiß, was dieses Jahr 2019 bringen wird. Nicht für mich persönlich. Nicht für Sie alle, die Sie jetzt gerade zuhören. Nicht für die Welt um uns herum – vielleicht ist es auch ganz gut, dass man nicht alles weiß. Aber egal, was dieses neue Jahr bringt: Gott begleitet mich auch in diesem Jahr. Ich bin von guten Mächten treu und still umgeben – oft werde ich das wahrscheinlich gar nicht merken. Sie sind still, die guten Mächte.

Aber treu. Mir tut es gut zu wissen: Gott begleitet mich. Bei allem, was ich tue. Bei allem, was ich erlebe, ist er mit dabei. Freut sich mit mir. Weint mit mir. Schenkt mir Kraft, wenn ich vielleicht selber mal keine habe. Für mich ist das, wie eine Überschrift über diesem Jahr 2019. Dass Gott mir das verspricht. Dass er es allen Menschen verspricht: dass wir von guten Mächten treu und still umgeben sind, die uns behüten und trösten, was auch immer das neue Jahr bringen mag.
In diesem Sinne wünsche auch ich Ihnen ein frohes neues Jahr.


 

 

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