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SWR4 Abendgedanken

Sind Sie noch unterwegs oder schon zu Hause angekommen? Für viele wird heute der letzte Arbeitstag des Jahres gewesen sein. Das vierte Adventswochenende liegt vor uns und geht direkt in die Weihnachtstage über. Ich freue mich darauf. Der Stress legt sich. Ich merke, wie ich bei den Weihnachtsliedern mitsinge. „Mein“ Weihnachten beginnt! Ich freue mich darauf, vor allem nach der Hektik der vergangenen Tage.

„Mein“ Weihnachten hat ganz unterschiedliche Seiten: Sie haben sich im Laufe der Jahre aufgetan. Es ist natürlich das Feiern mit den Menschen, die mir wichtig sind: Mein Mann, unsere Kinder, die Familie – mein zu Hause. Klassisch - mit einer Bescherung unter dem am Morgen gemeinsam geschmückten Christbaum.

Aber auch mit meinen Freunden haben sich eigene Weihnachtsrituale entwickelt: Ein gemeinsames Essen, ein Telefonat, eine besondere Form des Aneinanderdenkens.

Und dann gehört zu meinem Weihnachten ganz gewiss die anstehenden Gottesdienste in unserer Kirchengemeinde: Ich freue mich auf die Krippenspielkinder, die Bläser, unsere Chöre und die Menschen, die als Gottesdienstbesucher in die Kirche kommen. Da fühle ich mich auf andere Art zu Hause. Die vertraute Weihnachtsgeschichte. Lieder wie „O, du fröhliche“ oder „Es ist ein Ros entsprungen“. Sie erklingen festlich auf der Orgel und gehören für mich einfach dazu.

Am meisten berührt mich jedoch der Moment, in der alle Gottesdienstbesucher in der Stille ihre Anliegen vor Gott bringen können. Auf einmal ist es in unserer großen Kirche ganz und gar still. Jedes Jahr wieder – und das, obwohl über 500 Menschen in der Kirche sind. Ich finde: In dieser Stille zeigt sich ein Miteinander besonderer Art. Gemeinsam stehen wir an der Krippe und erzählen dem Gottessohn, was jeder und jede einzelne auf dem Herzen hat. Das Licht des Sterns von Bethlehems erfasst mich, auch wenn ich keine genauen Worte und Sätze in mir finde.

Das ist mein Weihnachten. Ich freue mich schon heute darauf. Ich wünsche Ihnen gesegnete Feiertage – mit ganz eigenen Weihnachtsmomenten.

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Jetzt ist die Hochzeit der Engel. Überall begegnen sie einem in den unterschiedlichsten Varianten: Aus Holz geschnitzt, aus Schokolade oder zartem Tüll. Jetzt kurz vor Weihnachten haben sie Hochkonjunktur, sind sie doch ein fester Bestandteil der Weihnachtsgeschichte. In ihr verkündigen sie den Hirten auf den Feldern die frohe Botschaft Gottes: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“.

In der Kunstgeschichte wurden Engel oft als Musikanten dargestellt, um die Besonderheit ihrer Botschaft zu betonen. Diese Darstellung gefällt mir. Auch bei uns in der Region musizieren zurzeit viele große und kleine Engel. Auf manchem Platz hört man auf einmal durch das Gewühl hindurch ihre Lieder. Andere machen sich auf, um die Menschen in den Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen mit ihrer Musik zu erfreuen. Sie nehmen mich aus meinem irdischen Alltag heraus und schaffen es, meine Seele für die himmlische Botschaft zu öffnen. Ich höre: Macht hoch die Tür, die Tor mach weit. Es kommt, der Herr, der Herrlichkeit! Und manchmal geht mir dabei wirklich das Herz auf.

In einem kleinen Ort im Breisgau gibt es sogar einen Engel, der das ganze Jahr über unterwegs ist. Es ist ein Mann mittleren Alters, der auf dem dortigen Orgelfest vor ein paar Jahren eine kleine Drehorgel gewonnen hat. Seitdem zieht er an den Markttagen oder auch einfach so durch die kleine Stadt. Mit seiner Drehorgelmusik erfreut er groß und klein bei Wind und Wetter. Auf seinem Instrument steht eine kleine Sammelbüchse und dann und wann wirft jemand etwas hinein. Manchmal kommen die Menschen auch mit ihm ins Gespräch und sind dann erstaunt. Er sammelt gar nicht für sich, was ihm jeder zugestehen würde, sondern er sammelt für die verschiedensten Projekte in seiner Heimatregion. Für die Behindertenhilfe, für Projekte in den Kirchengemeinden, den Zoo – kurzum für das, was ihm am Herzen liegt. Er teilt das unerwartete Glück, das ihm durch den Gewinn der Drehorgel widerfahren ist, mit seiner ganzen Heimatstadt. Ich finde: So wird er zu einem Engel für alle, die ihn sehen und hören. Selbst wenn sie es nicht immer sofort merken.

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Was wäre die Advents- und Weihnachtszeit ohne Plätzchen, Brötle oder Gutsle? Ob es nun leckere Zimtsterne sind, Basler Brünsli oder Springerle, das ist egal. Gerade bei uns im Südwesten ist die Vielfalt groß und jede Region hat ihre eigene Spezialität. Das Backen ist und bleibt eine eigene Kunst – die Rezepte sind oft ein Familiengeheimnis, die über Generationen weitergegeben werden. Mir gefällt das, weil es zeigt, dass die Advents- und Weihnachtszeit in vielen Familien immer noch einen besonderen Platz hat.

Ich finde: Selbstgebackenes hat einen ganz anderen Wert als die Produkte aus dem Supermarkt. Vor allen Dingen dann, wenn es in der heimischen Küche ans Backen geht. Irgendwann durchzieht ein ganz besonderer Duft die Wohnung und lockt kleine wie große Schleckermäuler aus den Ecken hervor.

Die Ursprünge für die weihnachtlichen Rezepte liegen wohl in den mittelalterlichen Klöstern: Zimt, Muskatnuss, Kardamom und Koriander waren damals edle und teure Zutaten aus dem Orient. Sie wurden ganz bewusst verwendet, um die Geburt des Christuskindes angemessen und besonders zu feiern. Damals gab es auch noch keine Uhren, geschweige denn Handrührer oder Küchenmaschinen. Deshalb hat man in Gebeten angegeben, wie lange man den Teig kneten soll. Also zum Beispiel: „Füge eine Handvoll Mandeln hinzu und knete alles fünf Vater Unser lang.“ Das gefällt mir! Plätzchenbacken als Meditation und ganz eigene Vorbereitung auf das Weihnachtsfest: Orientalische Gerüche, die einen in die Heimat Jesu entführen.

Vielleicht sollte ich das auch mal probieren. Immer schon haben sich aber die Geister daran geschieden, wann denn nun die fertigen Brötle, Gutsle oder Plätzchen gegessen werden dürfen:

Gleich, wenn sie aus dem Ofen kommen, damit sie das Warten auf das Weihnachtsfest verkürzen? Oder doch erst an den Feiertagen? Ursprünglich war die Adventszeit ja eine Fastenzeit. Die Menschen wollten sich auf Weihnachten ordentlich vorbereiten. Aber vielleicht kann man das ja auch beim Backen tun, wenn man sich richtig Zeit dafür nimmt? Oder beim Plätzchen essen…

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„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging“. Der Anfang der Weihnachtsgeschichte – den kennen sie bestimmt. Am Heiligen Abend wird sie wieder in allen Kirchen zu hören sein. Die vertrauten Worte erinnern uns daran, was vor 2000 Jahren im Stall von Bethlehem geschehen ist: In einem kleinen Kind ist Gott zu uns auf die Erde gekommen. So ist er den Menschen von Angesicht zu Angesicht begegnet.

Das ist eine alte Geschichte - und doch erhält sie jedes Jahr einen neuen Akzent durch die Aufführung der Krippenspielkinder am Heiligen Abend. Immer wieder ist sie einzigartig und neu. Jedes Kind füllt seine Rolle anders aus und verleiht ihr einen eigenen Charakter. Maria ist in dem einem Jahr eine robuste und zupackende junge Frau, in dem anderen eher ein sehr schüchternes Wesen. Zum Glück hat sie dann einen Josef an der Seite.

Am spannendsten ist für mich jeweils die Besetzung des Engels: Denn da ist alles drin! Gelockte Engel, die so schüchtern sind, dass das beste Mikrofon nicht hilft, damit sie noch in der dritten Reihe gehört werden. Oder Engel mit Flügeln, die sich verhaken. Einen Engel werde ich jedoch nie vergessen. Nach den Proben relativ unerwartet brüllte er die weihnachtliche Festgemeinde regelrecht an: Ehre sei Gott in der Höhe und F r i e d e n auf Erden. Das saß! In der Kirche war es mucksmäuschenstill. Nach der Aufführung fragte eine Mitarbeiterin diesen Engel, was los gewesen sei. Das Mädchen gab Antwort: Am Mittag hatte es noch Bilder aus den Kriegsgebieten der Erde gesehen - und seine Wut darüber hatte es nun alle spüren lassen. „Das kann doch nicht sein. Das müssen die Menschen doch verstehen.“

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging…!“ – auch dieses Jahr bin ich gespannt, wie die Kinder uns auf ihre Weise die Geschichte neu erzählen. Der brüllende Engel ist längst erwachsen. Aber seine Botschaft klingt in mir immer noch nach. Ja, an uns liegt es, für den Frieden zu leben und uns für ihn einzusetzen. Im Großen, aber ganz gewiss auch in unserem Alltag miteinander.

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In einer Woche ist Weihnachten und um diese Uhrzeit werden viele von Ihnen mit ihren Familien beisammen sitzen und feiern. Ich hoffe, Sie sind schon einigermaßen fertig mit den Vorbereitungen. Dann haben Sie jetzt vielleicht Zeit für etwas Wichtiges: Das Aufräumen. Das habe ich von meinem Vater. Der hat vor Weihnachten immer irgendwann angefangen, zu Hause aufzuräumen.

Als Kind habe ich das nicht wirklich gemocht. Warum das Ganze? Jesus wurde doch in einem Stall geboren und da war sicher nicht alles picobello. Erst viel später als ich erwachsen wurde, habe ich verstanden, worum es meinem Vater ging. Das äußerliche Aufräumen war das eine, viel wichtiger aber war ihm ein eigenes inneres Aufräumen. Vielleicht wie es in einem bekannten Adventslied heißt: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir?“ Ja, wie kann ich, wie können wir das Christkind am kommenden Montag empfangen? Wie sieht es in mir aus? Kann ich ohne Weiteres in den Lobgesang der Engel einstimmen, wenn sie zum Frieden auf Erden aufrufen? Oder liegt da gerade etwas quer in mir?

Früher wurde diese Frage viel bewusster in der Adventszeit angegangen. Sie wurde in der Kirche aufgenommen, denn der Advent war eine Buß- und Besinnungszeit. Man nahm sich Zeit, um über sich und sein Leben ins Nachdenken kommen. Das ist in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen. Aber ich finde, ganz vergessen und zur Seite schieben sollte man es nicht. Und so tue ich heute vor Weihnachten das, was mein Vater früher tat: Ich schaue in mich und kläre, was da in Unordnung ist. Ich melde mich bei dem einen oder anderen, der mir aus den Augen geraten ist. Ich schreibe ein paar Zeilen oder nehme einfach mal das Telefon in die Hand, um wieder anzurufen. Eine Entschuldigung, eine Nachfrage, ein gutes Wort – je nachdem, was gerade dran ist. Ich zeige dem anderen dadurch, dass er mir am Herzen liegt. Das sagt viel mehr als ein großes Geschenk.

In einer Woche ist Weihnachten. Also ist noch ein wenig Luft bis dahin und Zeit, um für das Fest etwas vorzubereiten und aufzuräumen. Ich will sie nutzen, damit es ein schönes Fest wird. Denn Weihnachten feiere ich genau so gerne wie mein Vater.

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