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SWR4 Abendgedanken

„Ich will euch nicht im Unklaren lassen.“ Wenn einer einen Satz so beginnt, ist er sich sicher. Er weiß, was Sache ist und will es den andern erzählen. Der Satz stammt von Paulus. Er schrieb ihn in seinem ersten Brief an die Thessalonicher (1 Thess 4,13-18). Und über was will Paulus die Christen von Thessaloniki nicht im Unklaren lassen? Über die Verstorbenen und wie sich das verhält mit den Toten und der Auferstehung. Da gab es nämlich ein Problem bei den ersten Christen. Sie glaubten, dass Jesus sehr bald wiederkommen wird. Zu ihren Lebzeiten, in den nächsten Wochen, Monaten oder spätestens in einigen Jahren. Deshalb haben sie sich auch nicht lange damit aufgehalten, Programme zu schreiben, Ämter zu installieren oder gar Kirchen zu bauen. Das kam alles erst später, als Jesus nicht wiederkam und man sich einrichten musste in dieser Welt. Hier im Thessalonicher Brief, dem ältesten Schriftstück des neuen Testamentes, gab es noch eine so genannte Naherwartung. Man rechnete täglich damit, dass Jesus wiederkommt. Er kam aber nicht und dann starben die ersten. Doch was ist  mit denen, die auf Jesus gewartet haben und nun verstorben sind? Haben die Jesus für immer verpasst? Und da will Paulus die Leute nicht im Unklaren lassen. Er schreibt: „Wenn Jesus (…) gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott durch Jesus auch die Verstorbenen (…) zur Herrlichkeit führen.  Paulus ist sich sicher, Jesus kommt bald wieder und wird die Lebenden und auch die Verstorbenen in seine Herrlichkeit führen.

 

„Naherwartung“ haben heute höchstens kleine christliche Splittergruppen. Die meisten, wenn sie überhaupt noch an die Auferstehung glauben, erwarten sie erst nach dem Tod. Verständlich, denn man kann nicht 2000 Jahre warten und es passiert nichts.  

„Ich will euch nicht im Unklaren lassen“, ich kann das nicht so sicher sagen wie der Heilige Paulus. Seine Gewissheit habe ich nicht. Manchmal tue auch ich mich schwer, mit dem Glauben an die Auferstehung. Dann wird mein großer Glaube zu einer kleinen Hoffnung. Aber die bleibt!

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„Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2) Das ist so ein biblischer Satz, der häufig missbraucht wird. Er steht im Brief des Apostels Paulus an die Kolosser. Missbraucht wird dieser Satz, wenn damit die Menschen vertröstet werden. Nach dem Motto: Wenn du hier auf der Erde zu denen gehörst, die immer zu kurz kommen, mach Dir nichts draus. Denk an den Himmel, da wird’s dir besser gehen. „Richte deinen Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische.“ Besonders schlimm, wenn solche Sätze von denen gesagt werden, die die Macht und das Geld haben. Wo das passiert, kann ich den Vorwurf, Religion sei Opium für das Volk, gut nach vollziehen.

 

Leider sind biblische Sätze vor Missbrauch nicht geschützt. Um zu verstehen, was sie meinen, muss man sich immer den Zusammenhang anschauen, in dem die Sätze stehen. Paulus stellt in diesem Abschnitt im Kolosserbrief den alten gegen den neuen Menschen. Der alte Mensch orientiert sich für Paulus am Irdischen, für ihn bedeutet das, mächtig zu sein, Geld und Einfluss zu haben, das sind seine Werte. Der neue Mensch, der Getaufte, der sich an Jesus Christus orientiert, der richtet sich am Himmel aus. Und das heißt: sich für Frieden einzusetzen, gerecht und fair mit allen Menschen umzugehen, das sind seine Werte. Und zwar nicht in ferner Zukunft sondern hier und jetzt. Für das, was ich heute tue oder auch lasse. „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische“ bedeutet deshalb: sich am Himmel zu orientieren, aber trotzdem mit beiden Beinen im Leben zu stehen. Denn der Himmel ist nicht nur eine jenseitige Geschichte, die sich erst nach dem Tod abspielt, sondern der Himmel geschieht bereits hier und jetzt. Überall dort, wo Menschen in Frieden miteinander leben und das, was zum Leben notwendig ist, miteinander teilen. Der Himmel ist möglich - auch auf der Erde. 

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„Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen!“ Ein harter Satz, den Jesus da spricht. Und wem gilt dieser Satz? Nicht irgendeinem Pharisäer oder Schriftgelehrten, mit denen sich Jesus so gerne anlegt. Nein, der Satz gilt Petrus, seinem engsten Freund und Gefährten. Im 16. Kapitel des Matthäus Evangeliums steht er. Petrus macht hier einiges durch. Zunächst hat er eine Sternstunde. Jesus fragt die Jünger: „Für wen haltet ihr mich?“ Und Petrus antwortet vor allen andern: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Daraufhin lobt Jesus ihn: „Selig bist du, … denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. …Du bist Petrus, der Fels und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ Wie ein König wird er sich da gefühlt haben, der gute Petrus. Und nur wenige Verse später diese Abfuhr: „Geh weg von mir Satan!“ Was war passiert? Jesus spricht von seinem Leiden und Sterben. Er müsse nach Jerusalem gehen und dort würde man ihn töten. Petrus protestiert: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Und da weist Jesus ihn zurecht: „Weg mit dir Satan, geh mir aus den Augen! Du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“

Er tut mir leid der Petrus, gerade war er noch der Mann mit dem großen Durchblick, dem Gott geoffenbart hat, wer Jesus eigentlich ist. Und direkt danach ist er wieder der Dumme, der nichts kapiert, der nicht weiß, was Gott will. Und es kommt noch schlimmer. Denn einige Kapitel später, als Jesus gefangen genommen wird, da verleugnet Petrus seinen Herrn und Meister, direkt dreimal sagt er: „Ich kenne diesen Menschen nicht.“ (Mt 26).

Er hatte des Öfteren keinen Durchblick, dieser Petrus und er war nicht gerade standfest, wenn es kritisch wurde. Und trotzdem ist er der erste unter den Jüngern. 

Ich finde mich in diesem Petrus wider. Auch wenn ich nicht immer den Durchblick habe, ich Fehler mache, ja, sogar in wichtigen Momenten versage, Gott zählt trotzdem auf mich.

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Immer mehr Schäfer geben auf. In ganz Deutschland sind es nicht einmal mehr 1000 Berufsschäfer. Dabei sind sie so wichtig. Sie betreiben aktiven Tier- und Umweltschutz. Schafe auf wechselnden Flächen weiden zu lassen, ist viel artgerechter als Tiere in großen Ställen zusammenzupferchen: Tierschutz. Und dort, wo Schafe grasen, bleibt die Landschaft offen und viele Biotope bleiben erhalten: Umweltschutz. Der Beruf des Schäfer oder des Hirten, ist ein ganz normaler Lehrberuf. Viele Menschen aber verbinden damit eine gewisse Romantik: Ein Naturidylle, in der die Welt noch in Ordnung erscheint und die aus einer längst vergangenen Zeit kommt.

 

In der Bibel ist oft von den Hirten die Rede. Sicherlich ohne jeden Hauch von Romantik. Denn damals wusste jeder, dass Hirte-sein ein Knochenjob ist, der dazu noch schlecht bezahlt wird. Und auch Jesus sieht sich als einen Hirten. Ein Hirte für die Menschen. Er nennt zwei Kriterien, woran man einen guten Hirten erkennt: Zum einen liegt ihm was an seinen Schafen, er setzt sich für sie ein, ja er geht sogar soweit, dass er sein Leben riskiert für seine Schafe. Wenn der Wolf kommt, lässt er die Schafe nicht allein. Und das zweite Kriterium: Er kennt seine Schafe. Er weiß, wie es ihnen geht. Ob sie krank sind oder gesund, ob ihnen das Gras schmeckt oder nicht und wer in der Herde gerade mit wem Krach hat.

Pfarrer und Pfarrerinnen werden gerne auch Pastor oder Pastorin genannt, was nichts anderes bedeutet als Hirte. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Kirchen sollen also wie Hirten sein. Sie sollen die Sorgen und Nöte ihrer Leute kennen und sich für sie einsetzen. Sicherlich manchmal ist es ein harter Knochenjob, aber oft auch ein wunderschöner Beruf – Hirte oder Hirtin zu sein – für Tiere oder auch für Menschen.

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Er war ein Vielbeschäftigter, wusste aber dass Pausen wichtig sind. Bernhard von Clairvaux. Heute ist sein Gedenktag. Bernhard war ein Mönch und lebte im 12. Jahrhundert. Er war in seiner Zeit ein sehr bekannter Mann, man könnte sagen ein Promi. Wenn er irgendwo predigte, liefen die Scharen zusammen. Aber er hatte keinerlei Starallüren. Er war Zisterzienser. Im Alter von nur 22 Jahren ist er zusammen mit rund 30 Freunden und Verwandten in diesen Orden eingetreten. Die Zisterzienser zeichnen sich durch einen sehr einfachen Lebensstil aus. Ihre Klöster haben sie meist in sehr abgelegenen Tälern und an unwirtlichen Orten erbaut. Sie hatten großen Zulauf im 12. Jahrhundert, nicht zuletzt auch durch die charismatische Ausstrahlung von Bernhard. Allein 68 Klostergründungen gehen auf ihn zurück unter anderem Himmerod in der Eifel und Eberbach im Rheingau. Bernhard war ein großer Theologe und hat sich in die Politik eingemischt, blieb aber ein einfacher Ordensmann. Fünfmal wollte man ihn zum Bischof machen, aber immer hat er abgelehnt. Natürlich gibt es im Leben des Heiligen Bernhard auch Dinge, mit denen wir heute unsere Schwierigkeiten haben. So war er ein großer Befürworter der Kreuzzüge. Aber auch große Heilige sind eben nur Menschen. Menschen, die Fehler machen und gerade deshalb auch ab und zu eine Pause brauchen. Und das wusste Bernhard. So gibt er Papst Eugen III, einem früheren Schüler von ihm, der unter der Last seines Amtes gelitten hat, folgenden Rat: „Gönne Dich auch Dir selbst. Ich sage nicht: tu das immer, ich sage nicht: tu das oft, aber ich sage: tu es immer wieder einmal.“

 

„Gönne Dich dir selbst“ zumindest ab und zu, ein guter Tipp für alle Vielbeschäftigten, aber auch für alle andern.

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