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SWR4 Abendgedanken

Seit gestern rollt er endlich, der Ball bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland. Ich hoffe, es wird gute und spannende Spiele geben. Wobei es zur Ungerechtigkeit des Fußballs gehört, dass nicht immer die Besseren gewinnen. Da gibt es Mannschaften, die spielen einen schönen, leidenschaftlichen Fußball, haben viele Chancen, bekommen aber einfach den Ball nicht ins gegnerische Tor. Und sie verlieren, obwohl sie das eindeutig bessere Team waren. Auch bei der jetzt anstehenden WM wird es das sicherlich wieder geben.

In diesen Fällen wird von Kommentatoren manchmal der Fußballgott bemüht, der den einen eben gut und den andern schlecht gesonnen ist. Der die Sieger liebt und die Verlierer im Stich lässt. Wenn es wirklich diesen Fußballgott gibt, dann tickt der aber ganz anders als der Gott, an den ich glaube. Bei ihm stehen nämlich die Verlierer im Vordergrund. Jesus hat nichts gegen Gewinner, er diskutiert auch mit den Reichen und Etablierten seiner Zeit, aber seine Sympathie, seine Solidarität und vor allem sein Engagement gilt den Verlierern. Denen, die rausgeworfen werden aus der Gesellschaft, die nicht im Turnier der Großen mitspielen dürfen. Den Aussätzigen, Behinderten, Zöllnern, die zwar reich sind aber gemieden werden, den Prostituierten, den Gassenjungen und eben den ganz einfachen Fischern am See Genezareth. In der Sprache des Fußballs sind das alles Leute, die höchstens Kreisklassenniveau haben.

In den nächsten Wochen wird es 31 Verlierer geben. Weltmeister kann nur eine Mannschaft werden. Da ist es gut zu wissen, dass Gott auf der Seite der Verlierer steht. Denn davon gibt es nicht nur mehr, sondern sie haben seinen Beistand auch nötiger.

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Donald Trump hat heute Geburtstag und in Russland wird die Fußballweltmeisterschaft eröffnet. Zwei Ereignisse, die wohl nur ganz zufällig auf einen Tag fallen. Trump und Fußballweltmeisterschaft, zunächst hat das nichts miteinander zu tun, aber es verbindet sie ein großes Thema: Es geht ums gewinnen.

Donald Trump geht es bei allem, was er tut, darum, dass er am Ende der Sieger ist, dass seine Meinung sich durchsetzt. Und wenn’s nicht anders geht, auch mit lügen und betrügen. Hauptsache, er ist am Ende die Nummer eins. Seine Anhänger – und das sind nicht wenige - mögen das an ihm. Und verzeihen ihm auch seine Methoden.

Bei einer Fußballweltmeisterschaft geht es auch darum, dass zum Schluss eine Mannschaft auf dem Treppchen ganz oben steht. In den nächsten Wochen finden 64 Fußballspiele statt, nur um herauszufinden, wer die Nummer eins in der Welt ist. Ob dabei trotz Video-Beweis und Dopingkontrollen alle Methoden lauter sein werden? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, dass die Fans Fouls ihrer eigenen Mannschaft durchaus bereit sind in kauf zu nehmen, wenn sie denn zum Erfolg führen. Erinnert sei da nur an das berühmte Hand-Tor von Diego Maradona bei der WM 1986. Eigentlich irregulär, aber da der Schiedsrichter es nicht gesehen hatte, hat Maradona seine Hand einfach zur Hand Gottes erklärt.

Und da möchte ich als Theologe dann doch Protest anmelden. Ich glaube nicht, dass Gott so ohne weiteres Lug und Trug absegnet, weder im Sport noch in der Politik. Die, die um zu gewinnen, unfair spielen, lügen, betrügen, andere ausspionieren und fertig machen, die können sich sicher sein, dass Gott nicht auf ihrer Seite ist. Denn nicht der Zweck heiligt die Mittel, sondern manche Mittel entheiligen den Zweck.

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Für meine Mutter war er ein ganz wichtiger Heiliger: Der Hl. Antonius von Padua. Heute ist sein Gedenktag. Immer wenn sie etwas verlegt hatte und es partout nicht wieder auftauchen wollte: das Portemonnaie, den Schlüsselbund oder sonst etwas von Belang, dann hat er eine Spende bekommen. Und siehe da, einige Tage später ist das Gesuchte dann tatsächlich wieder aufgetaucht. Und ich weiß, dass der Hl. Antonius nicht nur meiner Mutter geholfen hat, sondern vielen andern auch – bis heute. Auch ganz aufgeklärte Leute gehen manchmal, wenn sie etwas so richtig verzweifelt suchen, in die Kirche zum Standbild des Hl. Antonius, und werfen eine Münze oder auch einen Schein in den Opferstock.

Wahrscheinlich ist es nicht direkt der Hl. Antonius, der hilft, sondern eher der Glaube daran, dass er helfen wird. Denn wenn Glaube Berge versetzen kann, kann er sicherlich auch helfen, sich zu erinnern, wo man den Schlüssel hingelegt hat. Ob nun Antonius selbst oder der Glaube an ihn hilft, spielt aber letztlich keine Rolle, Hauptsache der gesuchte Schlüssel ist wieder da.

Warum ausgerechnet der Hl. Antonius der Schutzpatron all derer ist, die gerne was verlieren oder verlegen, weiß man nicht so genau. Fest steht, Antonius lebte im 13. Jahrhundert und war der erste große Theologe in dem jungen Orden der Franziskaner. Darüber hinaus war er ein begnadeter Prediger. Es heißt, dass seine Predigten dazu führten, dass Feinde sich versöhnten, Schulden erlassen wurden und Diebe das gestohlene Gut zurückgaben.

Ich weiß nicht, ob Sie schon mal die Hilfe des Hl. Antonius in Anspruch genommen haben. Wir von der Kirche haben nichts dagegen, denn das Geld aus seinem Opferstock ist für die Armen und Sozialschwachen. Also selbst wenn sie ihren Schlüssel danach nicht wieder finden sollten, ein gutes Werk haben sie in jedem Fall getan.

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Früher habe ich sie niedergetrampelt oder abgemäht. Auf alle Fälle habe ich sie gehasst und wo es ging bekämpft: Die Brennnessel. Zu stark die Erinnerungen aus der Kindheit: Wenn ich im Sommer mit kurzen Hosen durch Wald und Flur getrollt bin und diese verflixte Brennnessel bei der kleinsten Berührung dafür gesorgt hatte, dass es auf meiner Haut ganz schön brannte. Diese kleinen Pusteln haben ganz schön gejuckt und selbst frische Spucke – Mutters Wunderwaffe – hat da wenig geholfen. Heute sehe ich das anders. Und das liegt nicht nur daran, dass ich nicht mehr so oft mit kurzen Hosen durch Wald und Flur trolle, sondern auch daran, dass ich mittlerweile weiß: die Brennnessel ist Futter für über 50 Schmetterlingsarten. Und Schmetterlinge liebe ich. Wenn sie durch Garten, Feld und Flur flattern, ist das für mich der Inbegriff von Sommer. Der Zitronenfalter mit seinen schnellen Flügelschlägen und dem intensiven Gelb. Das Tagpfauenauge, wenn es auf dem Weg sitzt und seine herrlich bunten Flügel in die Sonne hält. Der Schwalbenschwanz, Admiral, kleiner Fuchs, Apollofalter und wie sie alle heißen. Sie sind schön, die Schmetterlinge.

Aber ohne diese brennenden Nesseln gäbe es viele dieser wunderbaren Falter nicht. Seit dem ich das weiß, trampele ich sie an den Wegrändern in Wald und Flur nicht mehr nieder, selbst wenn ich eine lange Hose anhabe und keine Juckgefahr besteht. Selbst im eigenen Garten lass ich sie manchmal stehen, zumindest wenn sie sich an Stellen ausbreiten, wo sie mich nicht stören.

Denn wer Schmetterlinge liebt, muss Brennnesseln in kauf nehmen.

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Paulus ist berühmt aber Barnabas? Wer ist denn das? Paulus kennen die meisten, er ist der wichtigste Missionar der frühen Christenheit. Barnabas dagegen ist kaum bekannt. Dabei spielt er für Paulus eine wichtige Rolle. Denn Paulus ist als fanatischer Christenverfolger bekannt. Und der sollte jetzt ein Christ geworden sein? Das nehmen ihm die ersten Christen nicht so recht ab. Und da ist es gut für Paulus jemanden wie Barnabas, einen Christ der ersten Stunde, auf seiner Seite zu haben. Nur durch Barnabas bekommt Paulus Kontakt zur ersten christlichen Gemeinde. Hier ist er sein Lehrer und Fürsprecher. Aber mit der Zeit wird Paulus wichtiger als Barnabas. Am Anfang der Missionsarbeit heißt es noch: „Barnabas und Paulus sind unterwegs“. Das dreht sich dann irgendwann um, und Barnabas wird in den biblischen Geschichten nur noch als zweiter genannt, hinter Paulus. Und dann bekommen die beiden auch noch Krach über die Frage, ob neu getaufte Christen, auch wenn sie vorher Heiden und keine Juden waren, die jüdischen Reinheitsvorschriften beachten müssen. Barnabas ist für die Einhaltung der Reinheitsvorschriften, wenn man so will der konservativere von den Beiden. Paulus dagegen hält dies für überflüssig. Und seine Linie setzt sich in der Geschichte der Christenheit letztlich durch.

Deshalb ist klar, Paulus ist berühmt. Ob man ihn mag oder nicht, durch ihn schafft das Christentum den Sprung von einer jüdischen Sekte zur Weltreligion. Und Barnabas, der ihn damals mitbrachte in die Urgemeinde, der den Aufstieg des Paulus erst möglicht machte? Ihn hat man mehr oder weniger vergessen. Aber nicht ganz, denn heute ist sein Gedenktag und da möchte ich an ihn erinnern und mit ihm an all die vielen Unbekannten, die für die berühmten Persönlichkeiten der Geschichte die Trittleiter gehalten haben. Denn keiner wird berühmt ohne die Hilfe anderer.

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