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SWR4 Abendgedanken

„Lass mich langsamer gehen, Herr.“ So fängt ein afrikanisches Gebet an, das ich neulich ganz zufällig entdeckt habe.

„Lass mich langsamer gehen, Herr. Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillwerden meiner Seele.“ So fängt das Gebet an. Und mein erster Gedanke war: stimmt – oh ja bitte.

Wir leben heute in einer Welt, die unglaublich schnell ist. Alles geht immer höher, weiter, schneller. Schnelleres Internet, schnellere Datenverbindungen. Die Züge fahren immer schneller. Nachrichten werden immer schneller um die ganze Welt geschickt. Und ich muss immer schneller da sein. Noch schneller auf E-Mails reagieren, am besten gleich unterwegs. Manchmal habe ich das Gefühl, ich renne meinem Leben nur noch hinterher.

„Lass mich langsamer gehen, Herr.“ Ja, wir leben in einer schnellen Zeit. Aber das heißt ja nicht, dass ich auch alles immer schnell machen muss.

Ein bisschen später in dem Gebet heißt es deshalb: „Lehre mich die Kunst des freien Augenblicks. Lass mich langsamer gehen, um eine Blume zu sehen, ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln, einen Hund zu streicheln, ein paar Zeilen in einem Buch zu lesen“. Ich glaube, dass es wichtig ist, sich daran immer wieder zu erinnern. Also zumindest ich brauche immer mal wieder eine kurze Pause von der Geschwindigkeit.

Und so kann man das vielleicht erreichen. Ganz bewusst langsam spazieren gehen. Schauen, was da gerade alles so blüht und wächst. Oder sich mit jemandem Treffen. Auf einen Kaffee oder ein Bier. Ein Buch lesen. Einfach ganz buchstäblich die Seele baumeln lassen. Deshalb finde ich es auch so schön, dass die Vorschläge aus einem Gebet kommen. Denn Beten geht auch langsam. Und wo könnte ich den Trubel um mich herum besser loswerden. Ich kann Gott alles sagen, was mich gerade belastet, was mich freut.

Wenn ich mir jeden Tag so einen Moment fest vornehme, dann geht danach wieder alles besser. Es stresst mich weniger, dass alles so schnell ist. Ich reagiere nicht nur und renne allem hinterher, sondern ich kann mein Leben in die Hand nehmen und gestalten.

„Lass mich langsamer gehen, Herr. Entlaste das eilige Schlagen meines Herzens durch das Stillwerden meiner Seele.“

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Heute in einer Woche geht sie los, die Fußball-WM. Endlich, denken jetzt viele. Schon wieder? Stöhnen andere. Ab nächsten Donnerstag geht es auf jeden Fall wieder rund und der Ball rollt durch die Stadien von Russland. Über Russland und die Verhältnisse dort kann man ja sehr kritisch denken.

Trotzdem freue ich mich auf die Fußball-WM. Gar nicht so sehr, weil ich so ein Fußball-Fan bin. Eher, weil ich die Stimmung auf den Straßen so schön finde. Überall die bunten kleinen Fähnchen in den verschiedenen Landesfarben. Tausend Sachen in schwarz rot gold. Und alle, die sich davon anstecken lassen, sind mit Begeisterung dabei.

Vor allem finde ich es toll, weil es der Fußball schafft ganz verschiedene Menschen zusammen zu bringen. Beim Public Viewing gelingt es, dass ganz unterschiedliche Nationen friedlich miteinander Fußball schauen.
Manchmal scheint das in unserer Welt wirklich zu funktionieren. Dass Menschen friedlich zusammenkommen, wenn es um etwas Größeres geht.

Jesus hat von der Welt gesprochen hat, wie Gott sie sich für uns gewünscht hat. Ich glaube, dass er genau das gemeint hat. Dass es eben etwas Größeres gibt. Das wichtiger ist als die eigenen Interessen. Er hat versucht, das seinen Freunden und den vielen Menschen zu erklären. Dass doch eigentlich alle Menschen an einem Tisch sitzen können. Dass wir alle – so verschieden wir sind – wertvoll sind.

Wo Menschen das Leben schützen, statt es zu gefährden. Wo jeder das hat, was er zum Leben braucht. Eine Fußball-WM allein kann das nicht erreichen, aber sie kann einen Anstoß geben, damit buchstäblich dieser Ball ins Rollen kommt. Denn wir haben es selber in der Hand. Wir können denen eine rote Karte zeigen, die sich selbst für etwas Besseres halten. Das Spiel unterbrechen, wenn Menschen aufeinander losgehen. Und den Ball zurück ins Spiel bringen, wenn es darum geht gemeinsam etwas zu erreichen. Eine Welt, in der jeder seinen Nächsten sieht. So unterschiedlich sind wir doch eigentlich gar nicht. Jeder wünscht sich doch für sein Leben, glücklich zu sein. Ein Zuhause zu haben und genug, um über die Runden zu kommen. Arbeiten zu können.

Wo viele Menschen miteinander feiern, wächst das Verständnis für die anderen. Dann sind wir dieser Welt, wie sie sich Gott für uns gewünscht hat, einen kleinen Schritt näher.

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Puh, wie schmeckt das denn? Das war mein erster Gedanke, als ich im Urlaub in der Toskana morgens in mein Marmeladenbrötchen gebissen habe. Das lag aber nicht an der Marmelade, sondern an dem Brötchen. Weil der Teig dafür dort ohne Salz gemacht wird. Das hätte ich wirklich nicht gedacht. Wie viel das ausmacht, wenn in dem Teig kein Salz ist.

„Ihr seid das Salz der Erde“ diesen Satz hat Jesus zu seinen Freunden gesagt. Das ist mir an dem Morgen durch den Kopf gegangen.

Vor 2000 Jahren hatte Salz noch eine größere Bedeutung, als für uns heute. Es wurde nicht nur zum Würzen benutzt. Sondern viel mehr, um das Essen überhaupt genießbar zu machen. Und um damit Lebensmittel haltbarer zu machen. Und da hat Jesus zu seinen Freunden gesagt: Ihr seid das Salz der Erde. Nicht ihr sollt es sein. Oder ihr werdet es sein. Nein, ihr seid das Salz der Erde.

Wenn ihr Euer Leben genau so führt, wie ich es euch gezeigt habe. Wenn ihr euch verhaltet, wie ich es euch beigebracht habe, genau dann seid ihr es. Dann wird das Leben genießbar und nichts wird irgendwie faul. Und wie ist das heute? Was macht denn das Leben genießbar und haltbar?  Bin ich auch Salz der Erde?

Ja, ich glaube, dass auch heute immer noch Menschen wie Salz sein können für die Welt um sie herum. Dass auch ich das kann. Als Freund z.B., wenn es mir gelungen ist mir mal wieder Zeit für jemanden zu nehmen. Oder wenn ich einfach mit anderen zusammen esse und wir uns dabei gut unterhalten.

Denn ich glaube so hat es Jesus gemeint. Ihr seid das Salz der Erde, wenn man eurem Leben anmerkt, dass ihr irgendwie anders seid. Wenn euer Leben dazu beiträgt, dass das Leben von anderen genießbarer wird. Wenn ihr rücksichtsvoller seid, umsichtiger. Wenn ihr eure Meinung sagt. Wenn ihr euch dafür einsetzt, dass unsere Welt ein kleines bisschen besser wird.

Das ist natürlich eine große Aufgabe. Aber es reicht ja schon ein bisschen Salz, um das Leben genießbarer zu machen. Zu viel Salz ist schließlich auch nicht gesund.

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Eigentlich müsste man da jetzt was sagen … ich weiß nicht, wie oft ich das schon gedacht habe. Wenn jemand mit laufendem Motor direkt an der Tür vorm Supermarkt hält und die Luft verpestet. Oder wenn meine Kinder mit ihren Rollern auf die Straße müssen, weil irgendjemand halb auf dem Gehweg geparkt hat. Da kommt dann kein Mensch mehr dran vorbei.

Eigentlich müsste man da was sagen. Eigentlich müsste ich doch dann was sagen. Aber ich mache es nicht. Ich mache es nicht, weil ich nicht blöd angemacht werden möchte. Ich will nicht hören: kümmere dich doch um deine eigenen Angelegenheiten. Wer weiß denn, wie der andere reagiert. Heute muss man ja mit allem rechnen.
Der Clou an der Sache ist aber: letztendlich ärgere ich mich doppelt. Weil mich was stört. Und weil ich nichts gesagt habe, ärgere ich mich auch noch über mich selber.

Für Jesus war die Sache klar. Er hat nie geschwiegen, wenn jemand ungerecht behandelt worden ist. Oder sich falsch verhalten hat. Einmal ist er sogar richtig sauer geworden und hat die ganzen Händler aus dem Tempel vertrieben. Weil da sowas wie ein richtiger Markt entstanden war. Alle möglichen Geschäfte hatten sich da auch recht lautstark angesiedelt. Eigentlich war da gar kein Platz mehr, um in Ruhe zu beten.

Ich bin mir sicher, Jesus hätte auch heute etwas gesagt, wenn Menschen sich so breit machen, dass für andere kein Platz mehr bleibt. Auch auf die Gefahr hin, dass man ihn beschimpft hätte. Das finde ich bewundernswert und klar. Und so ein bisschen was davon wünsche ich mir auch für mich und eigentlich für alle in unserer Gesellschaft.

Es ist nun mal so, dass wir Regeln in unserer Gesellschaft haben. Aus gutem Grund. Wenn nur das Recht des Stärkeren gilt, dann kommen viele zu kurz.
Ich glaube deshalb, dass es wichtig ist, dass Menschen lernen, diese Regeln auch zu respektieren und zu befolgen. Wie sollen das sonst unsere Kinder lernen? Wenn sie an jeder Ecke gezeigt bekommen, dass es eben doch nicht so wichtig ist. Warum sollen sie sich dann an Regeln halten und Rücksicht nehmen?

Nein, ich will kein Paragraphenreiter sein und ich bin auch keine Spaßbremse. Aber, beim nächsten Mal sage ich, was mich stört. Freundlich aber bestimmt. Ich nehme mir das zumindest vor.

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Türe auf – Herz rauslassen – Freude suchen und finden. An das muss ich immer denken, wenn ich irgendwo das Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit …“ höre. Ich liebe dieses Lied von Paul Gerhardt. Nicht nur, weil es so fröhlich klingt und damit auch fröhlich macht. Nein, weil es mir auch ganz praktisch hilft, dankbar durchs Leben zu gehen.

Paul Gerhardt hat im 17. Jahrhundert gelebt. Und er hat in seinem Leben viele schlimme Sachen gesehen. Er hat den 30jährigen Krieg erlebt, vier Kinder und seine Frau verloren und konnte trotzdem noch solche Lieder und Gedichte schreiben.

Vielleicht, weil er wusste und geglaubt hat, dass wirklich alles in seinem Leben mit Gott zu tun hat. In allem, was ihm begegnet ist, ist ihm auf die eine oder andere Weise auch Gott begegnet. Deshalb kommt er bei einem normalen Spaziergang ins Schwärmen. Er sieht die schönen Blumen und Bäume, die Tiere, die ersten Früchte und er weiß: Hinter all diesen schönen Sachen steckt Gott. Dafür ist er dankbar. Paul Gerhardt hat aber anscheinend auch gemerkt: Gott begegnet mir auch in allen Sachen, die in meinem Leben schwer sind. Gerade weil er all das Schöne in seinem Leben gesehen hat, hat er gewusst: Gott lässt mich auch in den schweren Zeiten meines Lebens nicht allein.

Deshalb finde ich das Lied so Lebens-praktisch. Und ich nehme mir das immer wieder ganz bewusst vor: Mir zu überlegen, wo mir Gott jeden Tag begegnet. Und wofür ich jeden Tag dankbar sein kann. Auch für die einfachsten und kleinsten Dinge. Wenn ich morgens meine zwei Kinder wecke und sie noch völlig verschlafen an den Frühstückstisch kommen. Auf der Autofahrt ins Büro, wo mich an dieser einen blöden Kreuzung heute gleich jemand hat einfädeln lassen. In den Gesprächen auf dem Flur. Da gibt es dann so viel Freundlichkeit zu entdecken.

Gott begegnet mir im Alltag. Dadurch werde ich auch sicherer, wenn ich merke dass es gerade irgendwo Ärger gibt. Wenn ich einen Konflikt austragen muss. Weil ich spüre, dass auch da dann Gott für mich da ist. Dass er da dabei ist.
Das habe ich von diesem Lied gelernt. Mit wachen Augen und offenem Herzen mein Leben zu leben. Freude zu suchen und dankbar dafür zu sein, Lassen Sie Ihr Herz doch auch mal wieder raus und suchen, wo es Freude gibt.

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