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SWR4 Abendgedanken

Es ist Frühjahr, Zeit der Konfirmationen in den evangelischen Kirchengemeinden. 14 Mädchen und Jungen werden übermorgen in unserer Kirchengemeinde konfirmiert. Höhepunkt des Konfirmationsgottesdienstes wird die Einsegnung am Altar und die Verlesung der Konfirmations­sprüche sein. Franca, Yannik, Theresa und die anderen Konfirmanden haben sich ihre Sprüche in der Bibel selber ausgesucht. In ihnen geht es um Schutz und Bewahrung, Liebe und Hilfe. 

Ich erinnere mich noch gut an meine Konfirmation. Die war 1974 im Ulmer Münster. Wir sind damals 40 Mädchen und Jungen gewesen. Es war kalt im Münster. Der Winter hockte noch in den dicken Kirchenmauern. Die Mädchen haben in ihren kurzen Röcken gefroren. Natürlich waren auch wir aufgeregt. Alle Augen waren auf uns gerichtet. Das hat uns aber auch stolz gemacht.

Unsere Konfirmationssprüche hat damals unser Pfarrer ausgesucht. Unser Pfarrer war mein Vater. Ich kann mir denken, dass er sich mit meinem Spruch besondere Mühe gemacht hat. Mein Konfirmationsspruch sagt, dass uns Menschen nichts trennen kann von der Liebe, die Gott für uns empfindet. „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ So heißt mein Spruch. Der ist lang, aber er gefällt mir. Er hat mich oft getröstet.  

Meine Konfirmation liegt nun schon 44 Jahre zurück. Seitdem habe ich viel erlebt, Schönes und Schweres. Auch in meinem Beruf als Pfarrer. Ich habe alte Menschen beerdigt, aber auch kleine Kinder. Ich habe Streit in Familien erlebt. Auch Gewalt. Und auch, dass es manchmal zu spät ist, etwas wieder gut zu machen. Da habe ich mich oft an meinen Konfirmationsspruch gehalten. Denn der sagt ja, dass nichts auf der Welt Gottes Liebe zu uns Menschen erschüttern kann. Also muss sich auch niemand von Gott verlassen fühlen, selbst wenn er Schweres erlebt. 

Ich wünsche allen Konfirmanden, die an den kommenden Sonntagen ihre Konfirmation feiern: Dass auch ihnen ihr Konfirmationsspruch hilft, gut durch‘s Leben zu kommen.

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Trostpflaster. Das Wort erinnert mich an meine Kindheit. Ein zerschrammtes Knie, Tränen fließen. Meine Mutter eilt mit einem Pflaster herbei und versorgt die Wunde. Ich genieße ihre Nähe. Und ihre tröstenden Worte. Das Pflaster lindert meinen Schmerz. Ein Trostpflaster.

Später als Erwachsener muss man noch ganz andere Schmerzen aushalten. Da stirbt ein geliebter Mensch. Das tut weh. Man erlebt auch Enttäuschungen. Und Streit. Das alles hinterlässt Wunden, über die man nicht einfach ein Trostpflaster kleben kann und gut ist‘s. Solche Wunden schmerzen oft ein Leben lang.

„Mach‘ dir nichts draus. Anderen geht es viel schlimmer als dir.“ Vielleicht kennen Sie solche gut gemeinten Worte. „Alles nur halb so schlimm. Das Leben geht weiter!“ Ich finde, solche Worte geben keinen Trost. Die vertrösten nur. Und das hilft nicht weiter.

Was mir in schweren Stunden geholfen hat, war die Nähe eines lieben Menschen, der einfach nur da war - ohne viele Worte zu machen. Der mir die Hand gehalten und mir zugehört hat. Das tröstet wirklich. Und holt einen wieder zurück ins Leben, finde ich.

„Tröster“ wird Gott manchmal auch in der Bibel genannt. Weil Menschen ihn so erfahren haben: Als jemanden, der da ist, wenn man ihn braucht.

Mose zum Beispiel hat Gott so erlebt. Mose war verzweifelt. Er sollte die Israeliten aus der Gefangenschaft in Ägypten befreien und in das gelobte Land führen. „Das schaffe ich nicht!“, hat er gesagt. Da hat Gott ihn getröstet: „Ich bin für dich da“, hat er zu ihm gesagt. Und das hat Mose dann auch so erlebt: Gott hat ihm geholfen, die Israeliten in das gelobte Land zu führen.

Gott ist ein guter Tröster. Das hat auch der Pfarrer Dietrich Bonhoeffer in schweren Zeiten während des 2. Weltkriegs erlebt. Er hat seine Erfahrung mit Gott in einem Gedicht aufgeschrieben: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“ Mich trösten diese Worte. Gerade, weil sie ein Mann geschrieben hat, der viel durchmachen musste. Sie helfen mir, Gott zu vertrauen.   

Solches Gottvertrauen wünsche ich Ihnen und allen, die es gerade schwer im Leben haben: Dass Gott für sie da ist und sie tröstet - wie eine gute Mutter und ein guter Vater.

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Einsamkeit tut weh. Das haben Hirnforscher herausgefunden. Experimente haben gezeigt: Es ist exakt derselbe Bereich im Gehirn, der bei körperlichen Schmerzen wie auch bei Einsamkeit aktiviert wird. Mit anderen Worten: Einsamkeit tut weh.

Das weiß wohl auch die alte Frau, von der ich gelesen habe. „Morgens nach dem Aufstehen nehme ich eine Schmerztablette, obwohl ich keine Schmerzen habe. Aber die hilft, dass ich mich nicht so einsam fühle“, hat sie gesagt. Sie hat ganz von allein gespürt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Schmerz und Einsamkeit.

Vermutlich ist das auch der Grund, warum Patienten im Krankenhaus ein Foto von der Familie auf ihrem Nachttisch aufstellen. Der Blick auf das Foto scheint nicht nur die Einsamkeit zu lindern, sondern auch den körperlichen Schmerz. Einsamkeit kann sogar tödlich sein, sagen die Psychologen. Einsame Menschen hätten ein um 26 Prozent höheres Sterberisiko. Damit sei Einsamkeit ein größerer Risikofaktor als Übergewicht oder Rauchen. Anders gesagt: Wer einsam ist, stirbt früher.

Ich finde das beunruhigend. Denn ich kennen viele einsame Menschen. Ihre Zahl steigt, sagen die Psychologen. Single-Haushalte nähmen zu in Deutschland – mittlerweile seien es 17 Millionen. Es gebe mehr Einzelkinder als früher. Die tägliche Nutzung von Online-Netzwerken wie Facebook ersetzt echte Freundschaften nicht und fördert die Vereinsamung, sagen sie.

Was kann man dagegen tun? Psychologen raten dazu, etwas mit anderen gemeinsam zu tun. Das macht Spaß und wirkt deutlich lebensverlängernd. Egal ob im Chor, beim Sport oder in der Natur: Mit anderen etwas zu unternehmen hält gesund. 

Einsamkeit hat es schon immer gegeben. In der Bibel ist von einem die Rede, der kann vor Einsamkeit nicht einschlafen. „Ich wache und klage wie ein einsamer Vogel auf dem Dach“, heißt es in einem der Psalmen (Psalm 102,8). Was ihm gut tut, ist das Beten. Er weiß: Gott ist da und hört mich. Und er erlebt: Wenn ich mit ihm rede, fühle ich mich nicht mehr so allein.

Ob auch die alte Frau das weiß, dass ein Gebet am Morgen besser ist als eine Schmerztablette? Das wünsche ich ihr, und allen, die sich einsam fühlen.  

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„Ich bin mit offenen Armen empfangen worden“, hat mir ein junges Mädchen erzählt. Sie hat als Au-pair in einer Familie in England gelebt. Die Familie hatte sie zuvor nicht gekannt. Umso glücklicher war sie, als sie herzlich aufgenommen wurde.

Mit offenen Armen empfangen zu werden gehört zu den beglückendsten Momenten im Leben, meine ich. Zu wissen, hier freut man sich darüber, dass ich da bin. Kennen Sie das auch? Vielleicht waren es bei Ihnen die Schwiegereltern, die Sie herzlich aufgenommen haben. Oder ein neuer Arbeitgeber, der froh war, Sie gefunden zu haben. Wer mit offenen Armen empfangen wird, vergisst das sein Leben lang nicht.

Wie gut es tut, freundlich empfangen zu werden, davon erzählt auch die Bibel. Ein junger Mann hatte einiges an üblen Erfahrungen hinter sich. Er hat das Geld, das sein Vater ihm als Erbe ausgezahlt hatte, verspielt. Mit falschen Freunden hatte er sich eingelassen, ist ausgenutzt worden bis aufs Hemd. Am Schluss ist er bei den Schweinen gelandet, um überhaupt noch etwas zu essen zu bekommen. Der Weg zurück zum Vater ist ihm nicht leichtgefallen. Er hat mit Vorwürfen gerechnet, mit Schuldzuweisungen. Aber dann geschah das Unglaubliche: Als er vor seinem Vater stand, empfängt der ihn mit offenen Armen. Ein herzlicher Empfang ohne jeden Vorwurf! „Mein Sohn war verloren und ist wiedergefunden. Lasst uns ein Fest feiern und fröhlich sein!“, hat der Vater gesagt. (Lukas 15, 24)

Jesus hat diese Vater-Sohn-Geschichte erzählt. „Gott müsst ihr euch wie den Vater in der Geschichte vorstellen“, hat er seinen Zuhörern gesagt. „Gott ist nicht nachtragend. Seine ausgebreiteten Arme nehmen alle auf, die zu ihm zurückfinden, egal mit welchen Erfahrungen sie kommen.“

Vielleicht denken Sie jetzt: „Mich bestimmt nicht, bei dem Chaos, das ich in meinem Leben angerichtet habe. Da kann ich doch nicht erwarten, dass Gott mich mit offenen Armen empfängt.“ 
„Doch!“, sagt Jesus. „Das tut er. Gott empfängt dich mit offenen Armen. Denn du bist sein geliebtes Kind.“

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„Ohne die Musik hätte ich das alles nicht geschafft!“, hat mein Freund zu mir gesagt. Musik ist seine Leidenschaft. Er spielt Oboe. Wir beide musizieren hin und wieder miteinander.

Vor drei Jahren ist ihm etwas Schreckliches passiert. Beim Schneeräumen ist er mit seiner rechten Hand in das Messer der Schneefräse geraten. Drei Finger wurden abgetrennt. An die Stelle der drei Finger haben Ärzte drei seiner Zehen eingesetzt. Danach hat mein Freund lernen müssen, die angenähten Zehen wie Finger zu bewegen. Das hat er geübt. Jeden Tag. Denn er wollte unbedingt wieder Oboe spielen. Die Musik hat ihm die Kraft zum Durchhalten geben. Jetzt musizieren wir wieder. Und das macht richtig Spaß.

Nach der Bibel ist der Erfinder der Musik ein Mann, der selbst den meisten Musiklehrern unbekannt ist: Jubal, heißt er. Von ihm wird erzählt, dass er ein Nachkomme von Adam und Eva war (1. Mose 4,21).

Warum erfand Jubal die Musik? Gott hatte Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben. Mit ihren Kindern und Enkeln haben sie in einer trostlosen Welt gelebt. Da hat sich Jubal Instrumente und Melodien ausgedacht, um sich und andere zu trösten und zu erfreuen. Dadurch hat er für die Menschen ein Stück vom Paradies gerettet. Seit jener Zeit, heißt es, gibt es die Musik, die Menschen tröstet, die Energie und Mut schenkt und alle Schwermut vertreibt.

Das hat auch Martin Luther so erlebt. „Die Musik hilft gegen die tausend Teufel der Traurigkeit“, hat er gesagt. Luther hat am Abend oft selbst musiziert, Laute gespielt und gesungen. Sein Freund Philipp Melanchthon hat anscheinend daran Anstoß genommen. Er fand, Luther solle lieber etwas Anständiges arbeiten, anstatt sich seinem Freizeitvergnügen hinzugeben. Luther hat geantwortet: „Wenn ich am Abend singe und Torgauer Bier trinke, läuft Gottes Wort.“ Ich denke, er hat gemeint: mit Musik geht alles besser.

Das hat mein Freund auch so erfahren. Nach seinem Unfall hat sie ihm Kraft gegeben. „Ohne die Musik hätte ich das alles nicht geschafft!“, sagt er heute oft, wenn wir unsere Instrumente auspacken, um miteinander zu musizieren.       

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