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SWR4 Abendgedanken

Mein Vertrauen steht fest, Gott, felsenfest steht mein Vertrauen. Darum will ich singen und musizieren. Klingt das nach jemandem, der Todesangst hat? Nein, das finde ich auch nicht. Aber es ist so.

Dieses Gebet hat David gesprochen. In der Bibel ist es aufgeschrieben. David, der später in der Geschichte König von Israel wird. Der David, der gegen den riesenhaften Goliath gekämpft und gewonnen hat. Und dem schon immer in seinem Leben vieles leicht von der Hand ging. Der bei allen beliebt war. Und der bei allem, was er getan hat, erfolgreich war. Und genau das, war auch das Problem. Denn damals war Saul noch der König. Anfangs fand der es total toll, dass David so erfolgreich und aufstrebend war. Er hat in gefördert. Aber mit der Zeit nicht mehr. Er wurde immer eifersüchtiger und begann irgendwann, David zu hassen. So sehr, dass er ihn am liebsten umgebracht hätte. Das hat er auch versucht. Aber David ist geflohen und hat sich versteckt. Und genau in dieser Situation betet David:  Mein Vertrauen steht fest, Gott, felsenfest steht mein Vertrauen. Darum will ich singen und musizieren.

Beeindruckend, oder? In so einer Situation nicht zu verzweifeln. Sondern voll und ganz darauf zu vertrauen, dass alles gut wird. Was ihm wohl geholfen hat?

Vielleicht ist es ja so, wie bei unseren Kindern. Wenn sie eine Schulaufführung haben und total nervös sind. Dann reicht es, dass sie wissen, dass ich da bin und sie sind ruhiger. Sie müssen mich nicht sehen und ich muss auch nicht Händchenhalten oder so. Allein zu wissen und zu spüren, dass sie nicht alleine sind reicht aus. Ich glaube dieses Gefühl hat David in seiner misslichen Lage auch geholfen. Und das ist es auch, was ich aus dieser Geschichte gelernt habe. Ich muss Gott nicht sehen. Ich spüre nur, dass da jemand ist, dem ich wichtig bin. Der es gut mit mir meint. Der mich begleitet. Das macht mich ruhiger. Und für David war das mehr als Vertrauen. Für ihn war es Gewissheit. Mein Vertrauen steht fest, Gott, felsenfest steht mein Vertrauen. Darum will ich singen und musizieren.

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„Ich habe Euch doch gezeigt, wie ihr fallen sollt“ – das hat die Trainerin zu einer ganzen Gruppe von Kindern gesagt. Meine Kinder machen gerade einen Anfängerkurs im Schlittschuhlaufen. Die meiste Zeit verbringen sie aber eigentlich damit zu üben, wie sie richtig hinfallen. Damit sie sich nicht wehtun und damit sie schnell wieder aufstehen können.

Wäre es nicht toll, wenn es so eine Übung auch fürs Leben geben würde? Also, vor allem, wie man in seinem Leben richtig hinfällt, dass es nicht so weh tut. Und dass man möglichst schnell wieder aufstehen kann. Ich meine, wie oft falle ich hin? Wie oft geht in meinem Leben was schief? Beziehungen zerbrechen, schlimme Diagnosen werden gestellt, Lebensträume zerplatzen wie Seifenblasen. Menschen, die einem sehr wichtig sind, sterben viel zu früh.

Und manchmal sieht es so aus, als ob man nie wieder auf die Beine kommt. Das erlebe ich in meinem Alltag immer wieder. Denn es gibt nun mal keine Fallschule für das Leben. Einer, der sich mit dem hinfallen besonders gut ausgekannt hat, war Petrus.

Petrus war einer der Freunde von Jesus. Einer, der es sogar besonders wichtig hatte. Der immer ganz vorne mit dabei war. Der aber auch mehr als einmal richtig hingefallen ist. Gerade kurz vor Ostern, hatte er dann vermutlich seinen tiefsten Absturz erreicht. Die Soldaten hatten Jesus schon verhaftet und verhört. Da wird Petrus drei Mal angesprochen, dass er doch auch ein Freund von Jesus sei. Und Petrus lügt. Drei Mal sagt er Nein, ihr müsst mich verwechseln. Ich kenne diesen Jesus nicht einmal.

Wie tief kann man fallen. Und doch ist die Geschichte hier nicht zu Ende. Genau diesen Petrus beauftrag Jesus weiter durch die Lande zu ziehen. Er soll den Menschen die Geschichten erzählen, die er mit Jesus erlebt hat.

Ich denke mir deshalb: Wahrscheinlich gehört das Hinfallen dazu. Beim Schlittschuhlaufen und im Leben. Und nein, es gibt leider keine Fallschule für das Leben. Das hat sicher auch Petrus gemerkt. Wenn ich hinfalle dann hinterlässt das Spuren. Spuren, die zu mir gehören werden. Aber von Petrus habe ich gelernt: Es geht weiter. Anders vielleicht. Langsamer vielleicht. Aber es geht weiter.

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Absagen, oder nicht? Ich hatte neulich das Handy in der Hand. Ein Freund wollte sich mit mir auf ein Bier treffen. Er hat gerade ein paar Probleme in seiner Beziehung und auch im Job läuft einiges schief. Deshalb habe ich überlegt, ob ich noch schnell absage. Ehrlich gesagt wollte ich kneifen. Natürlich wollte ich ihm gerne irgendwie helfen. Aber wie das so ist. Auch mein Tag war anstrengend. Ich war hundemüde und ich wusste vor allem auch nicht so richtig, was ich ihm raten soll. Deshalb hatte ich das Handy in der Hand. Eine schnelle Nachricht, vielleicht noch ein entschuldigendes Emoji. Erledigt.

Ich habe meinem Freund dann am Ende doch nicht abgesagt. Eigentlich wollte er auch gar nicht, dass ich ihm irgendwas rate. Er hat sich einfach gefreut, dass ich ihm zugehört habe. Und für ihn da war.

In diesem Jahr heißt das Motto der Fastenaktion der Evangelischen Kirche: Zeig Dich! 7 Wochen ohne Kneifen. Nach der Verabredung mit meinem Freund habe ich gemerkt, wie wichtig dieses Thema ist.

Denn dabei geht es nicht darum, ob ich kneife, wenn ich auf dem 10m-Brett stehe. Es geht schon um Mut. Aber um den Mut in meinem Alltag nicht zu kneifen. Eben, wenn ein Freund mich braucht. Oder aber auch da, wo man eigentlich was sagen müsste

Wenn jemand gemobbt wird. Wenn jemand ungerecht behandelt wird. Aber auch sich vielleicht einzugestehen, dass die Kräfte im Alter nachlassen und manches mehr Zeit braucht.

Jesus hat auch nicht gekniffen. Er hat den Menschen damals mehr als deutlich gesagt, was für Gott richtig ist und was nicht. Er hat nicht geschwiegen. Und er hat nicht gekniffen. Selbst als er eigentlich schon wusste, dass er sterben wird. Vielleicht hätte er da gerne gekniffen:

Er ist mit seinen Freunden in einen Garten am Stadtrand gegangen und hat gebetet. Gebetet, dass es doch vielleicht einen anderen Weg geben könnte. Aber auch, dass er Gott vertraut. Und dass er nicht kneifen wird, wenn es darauf ankommt. Und er hat nicht gekniffen. Er hat sich festnehmen lassen. Und er hat sich kreuzigen lassen. Kein Plan B. Keine Rettung in letzter Sekunde und trotzdem – an Ostern dann – ein Happy End. Auch für uns. Wie gut, wenn einer nicht kneift!

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Das ist so ungerecht! Warum müssen immer die Eltern entscheiden? Das kriege ich immer mal wieder von meinen Kindern zu hören. Vor allem dann, wenn sie ins Bett sollen. Oder, wenn sie den Fernseher ausmachen sollen. Das ist so ungerecht. Dieses Gefühl kenne ich auch noch gut aus der Kindheit.

Und Erwachsene denken in ihren Lebensbereichen ja ganz ähnlich. Ich glaube jeder Mensch kann für sich ziemlich genau sagen, was man als gerecht oder ungerecht empfindet. Wahrscheinlich gibt es deshalb schon in der Bibel Geschichten über Ungerechtigkeit. In einer Geschichte zum Beispiel geht es um einen Winzer mit einem großen Weinberg. Vier Mal heuert er Leute an, damit sie an diesem Tag für ihn im Weinberg arbeiten sollen. Die ersten morgens und die letzten erst kurz vor Feierabend. Anscheinend hatte sie vorher niemand gebraucht.

Abends werden dann alle bezahlt. Und alle bekommen – genau das gleiche. Die, die den ganzen Tag geschuftet haben und die, die gerade mal noch eine Stunde arbeiten mussten. Alle bekommen genau den gleichen Lohn. Da kann man sich ja gut vorstellen, wie sie geschimpft haben. Jedenfalls die, die von morgens an dabei waren. Gerecht ist es doch nur, wenn jeder kriegt, was er verdient hat – so denken sie.

Jesus hat diese Geschichte erzählt, weil er genau wusste, dass das so ist, und wie Menschen empfinden. Aber Gott versteht Gerechtigkeit anders. Deshalb diese Geschichte. Für Jesus ist das eine Geschichte von Gott.

Für Gott sind andere Sachen wichtig, als für mich. Für ihn ist es gerecht, wenn alle das bekommen, was sie zum Leben brauchen. Alle sollen leben können, egal ob sie das mit ihrer Arbeit verdienen können. Es ist ein anderer Blick auf Gerechtigkeit. Gerecht ist, wenn alle das finden und bekommen, was sie brauchen, egal wie lange sie gesucht haben.

Sicher, meine Kinder finden es trotzdem ungerecht, dass sie ins Bett müssen. Sie haben aber mittlerweile glaube ich verstanden, dass es wichtig ist zu schlafen. Damit sie gut wachsen können. Das erkläre ich ihnen jedes Mal. Und das wollen sie natürlich unbedingt.

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Wenn man den Überblick behalten will, muss man sich Orientierungspunkte suchen. Das kennen Sie bestimmt. Markante Türme, große Gebäude oder Plätze.

Wenn ich zum Beispiel mit dem Hund unterwegs bin und am Rand der Schwäbischen Alb laufe. Der Blick auf die verschiedenen Orte im Tal ist einfach toll. Und jedes Mal grüble ich kurz und muss überlegen. Hm, welcher Ort war das jetzt nochmal? Dann finde ich einen Orientierungspunkt – einen Kirchturm zum Beispiel oder einen See. Und plötzlich weiß ich wieder: Ach so, ja, stimmt.

Manchmal ist es gut, wenn man wo raufsteigt und sich alles von oben anschaut. Nicht nur beim Wandern, auch im Leben ist das wichtig.

Jesus hat das auch immer wieder gemacht, erzählt die Bibel. Wenn es ihm zu viel geworden ist. Oder, wenn er sich besonders auf eine Aufgabe konzentrieren musste. Dann hat er sich auf einen Berg zurückgezogen. Hat die Perspektive gewechselt sozusagen. Das ganze Mal mit Abstand angeschaut. Und er hat gebetet. Beides gehört zusammen, wenn man Orientierung sucht, glaube ich.

Mein Alltag ist durchgetaktet von morgens bis abends. Aufstehen, Kinder wecken, Frühstück, Kinder in die Schule, Haushalt, Schreibtisch, Mittagessen, Hausaufgaben … und so weiter. So geht das den ganzen Tag und am nächsten Tag wieder von vorn. Da ist es manchmal wichtig, irgendwo raufzusteigen und einen Blick von oben auf sein eigenes Leben zu werfen. Eben die Orientierungspunkte zu suchen. Was ist mir wichtig? Wo möchte ich hin? Habe ich ein Ziel im Leben, oder läuft mein Leben halt so mit?

Die Fastenzeit vor Ostern ist für mich wie so eine kleine Wanderung zu dem Aussichtspunkt auf mein Leben.
Ich will das in den nächsten Wochen nochmal ganz bewusst probieren. Mir jeden Abend ein bisschen Zeit nehmen und meinen Tag nochmal in Ruhe Revue passieren lassen. Warum habe ich mich heute eigentlich so furchtbar geärgert? Habe ich heute irgendwas für mich getan? Habe ich heute ganz bewusst Zeit mit meinen Kindern oder meiner Frau verbracht. Ich kann mir Zeit nehmen und alles anschauen. Meine Orientierungspunkte suchen. Zumindest möchte ich die Fastenzeit in diesem Jahr so für mich verstehen.

 

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