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SWR4 Abendgedanken

Er ist der Urvater des Glaubens: Abraham. Er hat eine Vision und in der spricht Gott zu ihm: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem großen Volk machen, dich segnen und deinen Namen groß machen.“ (Gen 12,1) Und auf Grund dieser Zusage Gottes macht er sich auf den Weg. Von Mesopotamien über mehrere Stationen bis hin in das Land Kanaan. Es ist kein äußerer Grund, der ihn treibt. Zumindest wird nichts davon erzählt. Keine Hungersnot, kein Krieg, keine Verfolgung. Er ist kein Flüchtling in unserm heutigen Sinne. Kein Vertriebener eher ein Getriebener. Angestoßen von einer inneren Stimme, einem inneren Drang. Die Bibel spricht von Gott, der sich bei ihm meldet.

Abraham ist einer, der sich aufmacht Gewohntes zu verlassen und das im Vertrauen auf Gott. der ihm zusagt: Ich bin bei Dir, Du brauchst keine Angst zu haben. Und dieses Vertrauen macht Abraham zum Urvater des Glaubens.

Gewohntes Verlassen ist eine Sache, der auch ich mich immer wieder stellen muss. Wenn sich meine berufliche Situation verändert: Ich eine neue Stelle antrete oder in Rente gehe. Wenn sich meine gesundheitliche Situation verändert: Ich nicht mehr auf die Berge klettern kann, mir die Puste ausgeht, wenn ich mich zuviel anstrenge. Wenn sich meine häusliche Situation verändert: Ich auf einmal alleine lebe, in eine kleinere Wohnung umziehe oder in ein Heim. Immer muss ich mich von Gewohntem verabschieden, muss mein Leben umbauen, mich auf Neues einstellen. Das ist nicht einfach und läuft meist nicht glatt. Aber auch Abraham ist die Strecke nach Kanaan mit vielen Umwegen, Irrungen und Verwirrungen gelaufen.

Im Vertrauen auf Gott Gewohntes zu verlassen, das hat Abraham vorgelebt. Ich gebe zu, mir gelingt es nicht immer so zu vertrauen wie er. Oft zweifle ich. Und da hilft es mir, mich an Abraham zu erinnern, mir ein Beispiel an ihm zu nehmen, dem Urvater des Glaubens.

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Was ist gut, was ist schlecht? Wer sind die Guten? Wer sind die Bösen? Diese Fragen stellen sich in meinem Leben permanent. Und ich weiß da oft keine Antwort. Der Schriftsteller Eugen Roth hat in einem seiner Kurzgedichte diese Problematik auf den Punkt gebracht:

„Ein Mensch ist fest dazu entschlossen, das gute Kräutchen wird begossen,

das Schlechte aber ausgerottet. Doch ach, des Lebens Wachstum spottet,

oft fällt’s schwer sich zu entschließen, soll man nun rotten oder gießen.“

Mit der Bibel in der Hand könnte man sagen: Wie wär’s mit wachsen lassen! Jesus erzählt hierzu das Gleichnis vom Unkraut und dem Weizen (Mt 13,24-43):

Ein Mann wirft guten Samen auf seinen Acker. Der Feind aber sät, während der Mann schläft, Unkraut dazwischen. Beides wächst und der Mann lässt auch beides wachsen. Erst bei der Ernte trennt er den Weizen vom Unkraut. Der Weizen kommt in die Scheune und das Unkraut wird verbrannt. Das Schöne an diesem Gleichnis: Jesus liefert auch gleich die Auslegung dazu. Der Mann, der den guten Samen sät ist der Menschensohn, sprich Jesus selbst. Der Feind ist der Teufel, also das personifizierte Böse und der Acker die Welt. Der gute Same sind die Guten, das Unkraut sind die Bösen und die Ernte, wo Unkraut und Weizen von einander getrennt werden, ist das Ende der Welt.

Ich finde es gut, dass erst am Ende der Welt entschieden wird, wer die Guten und wer die Bösen sind. Es enthebt mich von der Pflicht, dies jetzt entscheiden zu müssen. Und ich werde es auch am Ende der Welt nicht entscheiden, denn ich bin nicht der Herr der Ernte. Das ist Gott selbst. Ihm möchte ich das gerne überlassen, zu entscheiden was Unkraut und was Weizen ist. Und bis dahin muss ich damit leben: „oft ist es schwer mich zu entschließen, soll ich nun rotten oder gießen“

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„Das geht nicht, das verstößt gegen die Vorschriften.“ Das war so ein Satz unseres Küsters, der mich als Jugendlicher auf die Palme bringen konnte. Wenn wir was im Gottesdienst verändern wollten, Stuhlkreis statt Bänke oder E-Gitarre statt Orgel, immer kam dieser Satz: „Das geht nicht, das verstößt gegen die Vorschriften.“

Um Verstöße gegen die Vorschriften geht es auch in einem Streitgespräch zwischen Jesus und den Pharisäern, den Frommen seiner Zeit. (Mk 7). Sie werfen Jesus vor, dass sich seine Jünger nicht an die religiösen Speisevorschriften halten. Jesus geht inhaltlich gar nicht auf den Vorwurf ein. Für ihn sind die Speisevorschriften einfach nur menschliche Satzungen, keine göttlichen Gebote. Das war für einen gläubigen Juden damals starker Tobak, denn immerhin stehen diese Vorschriften in der Tora, der Bibel der Juden. Und Jesus setzt noch einen drauf. Er sagt den Pharisäern: Ihr haltet euch so sehr an diese menschlichen Satzungen, dass ihr damit das Gebot Gottes preis gebt. Ihr ehrt Gott nur mit den Lippen und nicht mit dem Herzen. Er macht damit auf eine große Gefahr aufmerksam, in der zu allen Zeiten, auch heute, gerade die Frommen stehen. Die Gefahr aus lauter Angst etwas falsch machen zu können, sich nur an den Buchstaben der Gesetze zu orientieren nicht aber am Inhalt.

Jesus will uns diese Angst nehmen. Deshalb fasst er alle Gebote in dem einen Satz zusammen: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.“(Mk 12,28-31) Solange ich das tue, kann ich mit Speisevorschriften, welcher Art auch immer, ganz frei umgehen. Für mich bedeutet das, wenn’s ums Essen geht: Weil ich meinen Nächsten liebe, gibt es kein Schweinefleisch, wenn ich muslimische Gäste habe. Weil ich Gott und seine Schöpfung liebe, bemühe ich mich, fair gehandelte und ökologisch erzeugte Waren zu kaufen und auch nicht allzu viel Fleisch zu essen. Und weil ich mich selbst liebe, gönne ich mir trotzdem hin und wieder ein gutes Steak.

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Auch in der Kirche ist jetzt wieder Alltag, die Weihnachtszeit ist vorbei. In der evangelischen Kirche endete sie am vergangenen Samstag mit dem Dreikönigsfest und in der kath. Kirche vorgestern mit dem Sonntag Taufe des Herrn. Ab jetzt ist Schluss mit den Weihnachtsliedern und der Weihnachtsdekoration. Bei einigen bekommen die Bäume und die Krippen noch eine Gnadenfrist bis zum 2. Februar, denn früher endete dann erst die Weihnachtszeit. Aber egal ob nur bis Anfang Januar oder immerhin bis Anfang Februar. Irgendwann muss alles abgeräumt werden, ist das Fest vorbei.

Entscheidend ist, dass die Botschaft bleibt. Die Botschaft, die da lautet: Gott wird Mensch. Gott wird Mensch, das adelt uns Menschen. Es macht deutlich, dass in jedem von uns auch ein Funke Gottes steckt, etwas Heiliges, etwas vor dem man Respekt, Achtung und Ehrfurcht haben muss. Schon im Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel heißt es: Der Mensch ist Ebenbild Gottes. Das Geschehen im Stall von Bethlehem führt diese Aussage weiter. Hier wird Gott Mensch mit Haut und Haar, nicht nur so ähnlich. Und zwar in einem kleinen unscheinbaren Kind. Das heißt: Das Göttliche im Menschen ist nicht an Macht, Größe und Ansehen gebunden. Es kommt auch dem kleinsten und unscheinbarsten Menschen zu. Für meinen Alltag macht mir das Mut: Auch wenn ich nicht der Schönste, Größte und Beste bin, wenn mir vieles misslingt und ich mein Leben nicht richtig auf die Reihe bekomme, ich bleibe das Ebenbild Gottes. Der Funke Gottes in mir ist unauslöschbar. Aber der Gedanke fordert mich auch heraus: Denn der Funke Gottes steckt auch in jedem meiner Mitmenschen. Nicht nur in denen, die mir sympathisch sind, die ich vielleicht verehre und bewundere. Den göttlichen Funken in denen zu entdecken, die ich nicht mag, ist gar nicht so einfach. Aber das gehört dazu, wenn Gott Mensch wird.

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Haben sie ihren Weihnachtsbaum und auch die Krippe schon abgeräumt? Seit gestern darf man dies auch in den katholischen Kirchen tun. Denn mit dem gestrigen Sonntag endete bereits die Weihnachtszeit. Immer am Sonntag nach dem Dreikönigsfest – also dem 6. Januar – feiert man das Fest Taufe des Herr. Und damit ist dann Schluss mit der Weihnachtszeit. Schade eigentlich, war in diesem Jahr doch alles ein bisschen kurz. Die Adventszeit und auch die Weihnachtszeit.

Aber trotzdem mit dem Fest Taufe des Herrn die Weihnachtszeit zu beenden, das passt. Denn ab jetzt geht es um den erwachsenen Jesus. Johannes der Täufer tauft Jesus als dieser 30 Jahre alt war. Keine Kindertaufe, das würde ja noch irgendwie zu Weihnachten passen, sondern eine Erwachsenentaufe. Nichts mehr vom holden Knaben mit lockigem Haar, süßem Baby, das auf dem Schoß der Mutter Gottes sitzt und von allen bewundert und geherzt wird. Weg mit all der Dekoration: Baum, Krippe, Glöckchen und Klingelingeling. Hin zum Kern der Botschaft: Gott wurde Mensch. Zwar als Kind, aber ein Kind, aus dem ein Mann wird und der will ernst genommen werden. Die Geschichte vom Kind in der Krippe birgt immer die Gefahr in sich, diese Botschaft zu verniedlichen. Jesus als Kind nicht ganz ernst zu nehmen. Deshalb ist es gut, die Weihnachtszeit – für einige vielleicht ein wenig abrupt - mit der Taufe des erwachsenen Jesus zu beenden. Aus dem Kind ist ein Mann geworden. Ein Mann der Forderungen stellt. Der die Mächtigen provoziert und sich mit den Armen solidarisiert. Der nicht nur lieb ist, sondern auch unbequem. Der das Reich Gottes verkündet. Ein Reich, das dann beginnt, wenn Gerechtigkeit herrscht. Wenn die Armen nicht mehr Hungern und die Reichen nicht mehr horten.

Ich glaube es ist gut, die Weihnachtszeit so zu beenden. Denn so schön die Geschichte vom Kind in der Krippe auch ist, sie kann leicht von der eigentlichen Botschaft von Weihnachten ablenken. Von der Botschaft, die da heißt: Gott wird Mensch, damit wir Menschen menschlicher werden.

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