Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

Von ganz oben, aus dem Weltraum sieht die Welt wunderschön aus. Neulich hat mir ein Astronom Fotos gezeigt. Da war ich ganz fasziniert: Diese große blaue Kugel der Erde mit ganz vielen Wolkentupfen und den Kontinenten. Einfach wunderschön. Es sieht vor allem alles so friedlich aus. Alles, was uns das Leben manchmal so schwer macht sieht man einfach nicht. Das Kleinklein meiner persönlichen Probleme. Und auch nicht die großen Probleme, die wir auf unserer Welt haben. Es müsste es doch eigentlich möglich sein, auf dieser wunderbaren Welt gemeinsam in Frieden zu leben.

Leider wissen wir es besser. Aus der Entfernung sieht man die Konflikte nur nicht. Aber Gott schaut genau hin. Genau deshalb feiern wir Weihnachten. Weil Gott genau hinschaut. Er sagt nicht: Es ist doch alles gut auf diesem Planeten. Ich sehe keinen Krieg, keine Armut, keine Flüchtlinge, keine Krankheiten. Hier so aus dem Himmel mit etwas Abstand betrachtet sieht doch alles gut aus.

Nein, Gott gibt sich nicht mit diesem Blick von oben zufrieden. Ihm ist es nicht egal, was hier auf der Erde so passiert. Deshalb wollte er es ganz genau wissen. Deshalb ist er als Mensch auf die Erde gekommen. Er wollte das Leben, wie wir es kennen mit uns teilen. In ärmlichsten Verhältnissen geboren werden, in einem Stall in Bethlehem. Als Kind schon auf der Flucht sein. Erleben, wie ungerecht es auf der Welt zugehen kann. Und selber spüren, wie grausam Menschen zu Menschen sein können. Nur, weil sie anders denken, anders aussehen, oder anders sind.

Gott hat das selbst erlebt. Von Anfang bis Ende. Er ist kein Gott, der nur aus der Ferne auf uns schaut. Er ist uns ganz nah gekommen. Am Sonntag ist der vierte Advent und Heilig Abend. In einem Adventslied heißt es: Gott selber wird kommen, er zögert nicht. Auf auf ihr Herzen werdet Licht.

Gott kommt uns ganz nahe. Gott kommt mir ganz nahe. Das verändert die Welt und das Leben. Das bringt buchstäblich zum Strahlen. Das ist der Hoffnungsschimmer, den ich mir wünsche. Und den unsere Welt so dringend braucht.  In diesem Sinne wünsche ich einen strahlenden Vierten Advent und ein fröhliches Weihnachtsfest.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25572

„Du kannst doch nicht einfach stehen bleiben“. So hat auf dem Weihnachtsmarkt eine besorgte Mutter mit ihrer kleinen Tochter geschimpft. Die Kleine stand vor der lebendigen Krippe mit Schafen, Lämmern, zwei Eseln und – nicht ganz ein Ochse – einer Kuh. Da war das Mädchen einfach stehen geblieben. Das hat die Frau zuerst gar nicht bemerkt. Erst nach ein paar Metern hat sie sich umgedreht und ist zurückgekommen. Du kannst doch nicht einfach stehen bleiben … schimpft sie und dann bleibt sie auch stehen und schaut zur Krippe.

In dem Moment habe ich mir gedacht: Genau das ist richtig im Advent. Gerade in dieser Zeit einen Moment stehen zu bleiben. Vielleicht sogar ein paar Schritte zurücktreten, um dann die Augen zu öffnen für das, was um einen herum passiert. Früher war der Advent übrigens eine Fastenzeit. Eine ganz bewusste Zeit. Man hat sich vorbereitet. Aufgepasst, dass einen nichts ablenkt.

Zugegeben: Fasten ausgerechnet in der Adventszeit finde ich schwierig. Aber diese Zeit zu nutzen. Das finde ich wichtig. Eben, wie diese Frau und ihre Tochter auf dem Weihnachtsmarkt, den Alltag kurz zu unterbrechen und den Moment bewusst zu erleben. Ich glaube eigentlich, dass das jeder schaffen kann. Eine Tasse Tee und ein leckeres Plätzchen dazu. Eine Kerze in den dunklen Abendstunden. Einfach mal telefonieren. Mit jemandem, den ich eigentlich schon lange anrufen wollte, aber bisher nie geschafft habe. Den Kindern eine Adventsgeschichte vorlesen.

Mir ist völlig klar, dass der Advent auch wahnsinnig stressig ist. Zumal, wenn er wie dieses Jahr so kurz ist. In der Schule werden noch alle Klassenarbeiten geschrieben. Man hat bei der Arbeit noch 1000 Sachen zu tun, weil es eben noch vor Weihnachten fertig sein muss. Und dann muss man ja auch noch das Fest vorbereiten und die Geschenke besorgen und so.

Trotzdem will ich diesen einen Moment am Tag festhalten. Innehalten und mich umschauen. Meine Augen öffnen für das was um mich herum passiert, vielleicht für das was wirklich wichtig ist.

Gott selbst kommt zu uns. Das erzählt uns auch die lebendige Krippe. Das Mädchen bleibt stehen und sieht hin und hört zu. Manchmal ist das wichtiger als alles andere.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25571

Gott riecht nach Zimt – doch wirklich. Das ist mir neulich klargeworden. Wir hatten Adventsfeier in der Grundschule und eine Lehrerin hat erzählt, dass Gott einfach überall ist. Und dann haben wir diese Übung gemacht: Wir sollten uns ganz bewusst vorstellen, dass Gott überall ist. Auch in jedem Atemzug. Und dann tief Luft holen.

Weil es nach der Feier Plätzchen gab, roch es natürlich nach Zimt. Deshalb: Gott riecht nach Zimt.
Zuerst musste ich über diese Übung ein bisschen schmunzeln. Je länger ich aber darüber nachgedacht habe, desto schöner fand ich diese Vorstellung. Gott ist einfach überall. Er füllt jeden Raum, wie der Duft beim Plätzchenbacken das ganze Haus füllt.

Er riecht auch nach Kuhmist. Wie damals in dem Stall von Bethlehem. Nach Abgasen auf den Straßen, wo viele Menschen in den nächsten Tagen nach Hause zu ihren Familien fahren. Er riecht auch nach Verzweiflung, Wut und Trauer. In den Kriegsgebieten auf dieser Welt, in den Krankenhäusern, an Sterbebetten.

In einem alten Gebet in der Bibel heißt es: „Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Wohin könnte ich gehen vor deinem Geist, wohin fliehen vor deiner Gegenwart? Würde ich in den Himmel steigen: Du bist dort. Würde ich mich in der Unterwelt verstecken: Du bist auch da. Würde ich hoch fliegen, wo das Morgenrot leuchtet, mich niederlassen, wo die Sonne im Meer versinkt: Selbst dort nimmst du mich an die Hand und legst deinen starken Arm um mich.“

Mit jedem Atemzug ist Gott da. In jedem Atemzug ist Gott da. Das ist für den Menschen, der dieses Gebet geschrieben hat ganz klar. Und er fühlt sich kein bisschen unwohl bei dem Gedanken. Anders als ich. Denn so ein bisschen beobachtet fühle ich mich da schon. Gott ist einfach überall. Er kennt mich. Weiß, wie und was ich bin. Kennt auch die Seiten von mir, die ich eigentlich lieber verstecken würde.

Aber er will mich ja nicht kontrollieren. Gott nimmt mich an der Hand, wenn ich allein nicht weiter komme. Er legt seinen Arm um mich, wenn ich mich allein fühle. Auch bei den Menschen, die sonst kaum noch etwas erreicht:  Keine Hilfe, keine Spendenaktion, keine Worte, keine Begegnung. Dass auch sie Gottes Nähe spüren können: darauf hoffe ich. Deshalb: Schnuppern Sie doch mal. Wonach riecht Gott für Sie?


 
https://www.kirche-im-swr.de/?m=25570

Schon wieder ist ein Jahr fast vorbei. Keine zwei Wochen mehr und wir verabschieden 2017 und begrüßen 2018. In meiner Familie nehmen wir uns manchmal über die Weihnachtsfeiertage die Zeit und überlegen uns, was wir alles in diesem Jahr erlebt haben. Und was wir uns für das neue Jahr wünschen. Uns vornehmen vielleicht.

Mir geht dann immer wieder das schöne Gedicht von Dietrich Bonhoeffer durch den Kopf: „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr“.

Jetzt vor Weihnachten werden diese guten Mächte gewissermaßen sichtbar gemacht – mit den Weihnachtsengeln. Sie winken uns aus Verkaufsprospekten und von Weihnachtsmarktständen zu. Sie schmücken schon so manche Krippenszene und werden auf Adventskränzen von Kerzen beleuchtet. Ok, diese Engelchen sind manchmal mehr und manchmal weniger kitschig. Aber das, wofür sie stehen, das finde ich umso wichtiger.

Gute Mächte sind um mich. Gott ist bei mir. Gott ist bei uns Menschen. Daran erinnern mich die Engel in der Weihnachtszeit. Aber es gilt immer. Das gilt auch noch, wenn die ganze Weihnachtsdeko wieder in den Kartons auf den Dachböden verschwindet. Auch, wenn der letzte Weihnachtsmarktstand abgebaut ist.

Gott begleitet uns auch 2018 und 2019. Das fällt mir vielleicht nicht immer auf. Und manchmal kommt es mir auch nicht so vor. Vielleicht ist es mir auch manchmal gar nicht so wichtig. Aber es gilt immer.

Denn es müssen nicht immer kleine oder große Weihnachtsengel sein, die mich begleiten. Das kann auch ein Freund sein, der genau im richtigen Moment für mich da ist. Das kann eine Krankenschwester sein, die der Patientin einfach ein Lächeln schenkt. Oder eine Pflegekraft, die die alten Menschen aus dem Zimmer zum Essen holt. Gott ist da. Immer.

Mir hilft das, damit ich nicht das Gefühl habe, nur, wie in einem Hamsterrad zu leben. Und es kann vielleicht auch jemandem helfen, der jetzt schon weiß, dass das kommende Jahr nicht einfach wird. „Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr“.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25569

Türen verbinden oder trennen. Geht man durch eine Tür, ist man entweder drinnen oder draußen. Wenn man sich ausgesperrt hat, ist es schwierig, wieder reinzukommen. Da braucht man meistens jemanden, der einem die Tür wieder aufmacht.

Unsere Kinder beschäftigen jetzt gerade vor allem die Türchen von ihren Adventskalendern. Immer, wenn sie eines aufmachen, kommt Weihnachten ein Stückchen näher. Das Fest, mit dem alles begonnen hat, woran Christen glauben.

Im Grunde öffnet sich auch an Weihnachten eine Tür. An Weihnachten feiern wir ja, dass Gott selbst Mensch wird. Da kommt ein Kind zur Welt, die Eltern nennen es Jesus. Und wir Christen glauben: Er ist der Türöffner, der die Türe öffnet zwischen uns Menschen und Gott. So macht sie Gott selbst auf. Seither können Menschen sehen, wie Gott ist. Und hören, was er zu sagen hat.  Hm, vielleicht fragen sie sich jetzt: Warum ist diese Tür denn eigentlich überhaupt zu?

Als Christ glaube ich: Von Anfang an wollte Gott mit seinen Menschen in Kontakt sein. Damit ihr Leben gut werden kann. So gut, wie er es gewollt hat. Er hat ja die Welt einmal „sehr gut“ geschaffen. Aber genau das ist das Problem. Manche wollen diesen Kontakt vielleicht gar nicht. Wollen lieber ganz auf sich gestellt leben. Manche wollen das vielleicht, wissen aber nicht wie. Und ich merke, dass es mir auch manchmal schwerfällt, Kontakt zu Gott zu halten, weil ich doch so viel zu tun habe. Vor allem vor Weihnachten.

Deshalb ist diese Tür zwischen Gott und mir zeitweise einfach zu. Zu, weil ich ihn aussperre. Nicht absichtlich, eher weil ich mir keine Zeit nehme.

Aber Gott belässt es nicht dabei. Er macht die Tür zu mir trotzdem ganz weit auf. Daran erinnern wir uns jedes Jahr, wenn wir Weihnachten feiern. Er selbst ist als Mensch auf die Welt gekommen. In Jesus Christus, der gezeigt hat, wie das Leben gut werden kann.  

Das meinen wir, wenn wir jetzt vor Weihnachten singen: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, es kommt der Herr der Herrlichkeit. An diese offene Tür erinnern wir uns jedes Jahr im Advent. Zum Beispiel auch mit jedem Türchen, das unsere Kinder am Adventskalender aufmachen. Jeden Tag. Bis Weihnachten kommt.


 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25568