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SWR4 Abendgedanken

Heute am Vormittag bin ich in der Friedrichschule gewesen. Das ist eine der Grundschulen hier am Ort. Ich habe dort mit 180 Schülerinnen und Schülern Adventssingen gefeiert. Ja, ich sage bewusst feiern, weil die Kinder es sehr gerne tun. Es ist für sie ein kleines Fest. Der Schulalltag wird unterbrochen und die Einstimmung auf Weihnachten wird greifbar. Jeden Freitag im Advent haben wir das gemacht. Heute war es zum letzten Mal, weil nächsten Freitag schon Weihnachtsferien sind.

Miteinander singen ist etwas, was zu Hause in vielen Familien nur noch selten gemacht wird. Umso wichtiger ist es, bei anderen Gelegenheiten miteinander zu singen. Der Advent bietet sich dazu ganz besonders an, denn die Advents- und Weihnachtslieder sind schön und gehen ans Herz.

Adventssingen hat eine lange Tradition. In vielen Kirchen, ja sogar in großen Sälen oder Theatern wird Adventssingen angeboten. Ein bisschen der Hektik des Alltags entfliehen, sich gemeinsam auf die Ankunft Jesu vorbereiten. Es geht dabei nicht um eine Konzertveranstaltung, bei der man nur zuhört. Es geht um das gemeinsame Singen.

„Freut euch Weihnachtskinder, die schönste Zeit ist da“ ein Lied von Detlef Jöcker, ist jedes Mal der Beginn gewesen. Von der Sehnsucht und der Vorfreude auf Weihnachten sprechen die Lieder, die ich mit den Kindern singe, vom Spielen im Schnee und der Weihnachtsbäckerei. Wir singen von dicken, roten Kerzen, die angezündet werden, von der Spannung des Geschenkeverpackens. Besonders gerne singen die Kinder von den dunkelgrünen Tannenzweigen, die helle Kerzen tragen und unsere Herzen öffnen, denn das Lied singen wir mit Bewegungen. Und jedes Mal erzähle ich auch eine weihnachtliche Geschichte.

So wird für die Kinder die Freude des Advents neu erfahrbar und die leuchtenden Augen beim Singen drücken das aus.

Gerne erinnere mich daran, was meine Schwester, zwei Nachbarskinder und ich jedes Jahr in unserem Zehnfamilienhaus in Kassel gemacht haben. Am Heiligen Abend sind wir bei allen älteren Leuten im Haus vorbeigegangen und haben Advents- und Weihnachtslieder gesungen. Das war für die älteren Menschen das Schönste an Weihnachten, haben sie uns immer wieder gesagt. Sie konnten mit uns singen, sie konnten uns zuhören. Und wir hatten eine große Freude.

Und ganz nebenbei hat es das Warten auf Weihnachten für uns verkürzt.

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Die Hektik des Tages geht langsam zu Ende.

 

Advent und Hektik, das passt nicht zusammen. Und doch gibt es vielleicht keine andere Zeit im Jahr, wo viele Menschen hektisch noch so viele Dinge erledigen.

Viele hetzen in diesen Tagen von Weihnachtsfeier zu Weihnachtsfeier. So gut wie jeder Verein, auch die meisten Firmen wollen damit ihren Jahresabschluss feiern und auf diese Weise Danke sagen für die Arbeit des Jahres.

Manch einer hat Angst, ein Weihnachtsgeschenk vergessen zu haben. Dabei ist es manchmal viel besser, wenn man anderen Zeit schenkt, die man gemeinsam verbringt.

Bei mir steht für heute Abend kein Termin mehr im Kalender. Ich freue mich auf einen gemütlichen Abend mit meiner Frau, vielleicht sind auch die Kinder dabei. Wir brühen uns duftenden Adventstee auf und genießen dazu etwas Süßes.

Wir haben Zeit füreinander und können in aller Ruhe miteinander reden. Über alles sprechen, was so lange liegen geblieben ist. Wir machen keine Planungen für die nächsten Tage, sondern sprechen darüber, was jeder von uns auf dem Herzen trägt. Über fröhliche Momente, die jeder von uns erlebt hat, aber auch über das, was uns traurig gemacht hat. Über Fragen, an denen wir noch knabbern und noch keine Antworten haben. Jeder hört dem anderen aufmerksam zu und lässt ihn ausreden.

Dazu brennen die Kerzen am Adventskranz und nur wenig elektrisches Licht. Das ist für mich Advent.

Zeit haben füreinander, nicht mehr hinausgehen müssen in die Kälte.

Leider gelingt uns das viel zu selten. Umso mehr ist es wichtig, wenn’s einmal klappt, ganz da zu sein und nicht schon in Gedanken bei ganz anderen Dingen.

Manchmal geht es auch nur darum, die Hand des Anderen zu halten und miteinander still in das Kerzenlicht zu schauen. Zu spüren, dass meine Frau ganz für mich da ist und ich für sie.

Das gibt Kraft, gerade weil es still ist und nicht von allen Seiten alle möglichen Geräusche auf mich einstürmen.

Für mich ist dieses Zusammensein auch ein Zeichen, dass Gott uns seine Kraft schenkt, in der Ruhe, in der Stille, ganz ohne Hektik.

Das ist Advent.

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Santa Lucia“. Dieses schöne italienische Lied kennen Sie vielleicht. Es spricht von Lucia, der Heiligen des heutigen Tages. Ihr Name bedeutet die Leuchtende. Deshalb passt es sehr gut, dass ihr Gedenktag in die dunkelste Zeit des Jahres fällt.

 

Lucia lebte während der Zeit der Christenverfolgung und ist für ihren Glauben an Christus ermordet worden. Ihre Mutter wollte sie verheiraten, aber sie wollte ihr Leben lieber Gott weihen. Die Mutter stimmte dem zu. Aber der Mann, der sie gerne geheiratet hätte, hat sie deshalb beim Kaiser als Christin angezeigt.

In Schweden zum Beispiel und anderen skandinavischen Ländern ist das Lucia-Fest ein fester Bestandteil des vorweihnachtlichen Brauchtums. Schließlich wird es hoch im Norden in diesen Wochen so gut wie überhaupt nicht hell. Die Menschen erleben fast nur Nacht. Da ist es wie eine Erlösung, wenn dann die Wintersonnenwende erreicht wird und die Tage endlich länger werden. Ein Lichtschein am Horizont.

Meistens ist es die älteste Tochter einer Familie, die weiß gekleidet und mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf durch die Wohnung geht, die anderen Familienmitglieder weckt und das Licht bringt. Sie ist wie eine Vorbotin des Weihnachtslichtes. Das Fest setzt sich dann auch in den Kindergärten, Schulen und auch am Arbeitsplatz fort. Überall gibt es leuchtende Lucia-Umzüge.

Auch bei uns spielt in dieser Zeit das Licht eine große Rolle. Schließlich wird es schon um vier allmählich dunkel. Die Nacht beginnt. Das ist für viele Menschen eine schwere Zeit, weil ihnen das Licht fehlt. Durch Kälte und Schnee draußen möchten sie auch nicht mehr raus gehen, um anderen zu begegnen. Besonders für Menschen, die alleine zu Hause leben, Menschen, die traurig sind, einsam, vielleicht krank, ist die frühe Dunkelheit sehr belastend. Sie brauchen Licht, das ihnen ein wenig hilft, das ihnen Hoffnung gibt, dass es auch wieder hell wird, das ihnen die Angst und Sorge vor der langen Nacht nimmt. Besonders hell wird es, wenn jemand zu Besuch kommt und ihnen auf diese Weise die Zeit verkürzt.

In diesen Tagen sind es der Adventskranz und der Weihnachtsbaum, die Licht in die Wohnungen bringen und ein Stück Dunkelheit nehmen. Denn bis zum 21. Dezember müssen wir noch warten, dann werden die Tage wieder länger. Das Licht siegt über die Dunkelheit.

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24 Türchen – dieser kleine Hinweis reicht vermutlich, dass Sie schon ein Bild davon haben, um was es mir heute geht: Den Adventskalender. Er begleitet Kinder, Jugendliche, auch Erwachsene durch die Adventszeit.

 

Ich habe auch einen Adventskalender. Jeden Morgen freue ich mich darauf,  ein Türchen aufzumachen.

Der Liedermacher Rolf Zuckowski hat darüber einmal ein Lied geschrieben. „Kleine Kinder, große Kinder“, hat er es genannt. Da singt er von den 24 Türchen, die den Weg zum Weihnachtsbaum begleiten. Von Kindern, die manchmal gar nicht abwarten können, bis das nächste Türchen dran ist und manchmal gleich alle öffnen. Und von großen Leuten, die auch leuchtende Augen bekommen, wenn sie vor ihrem Adventskalender stehen und die Türchen öffnen. Viele Erinnerungen an die Kindheit sind damit verbunden, die sich Erwachsene gerne erhalten möchten. So werden die Tage bis zum Weihnachtsfest nicht so lang. Ich finde auch, dass ein Adventskalender immer an Weihnachten erinnert. Und genau darum geht es ja im Advent, sich für das Fest der Geburt Jesu bereit zu machen.

Manche Städte und Gemeinden lassen sogar Gebäude zu Adventskalendern werden. Das größte Adventskalenderhaus der Welt steht in Gengenbach im Kinzigtal. Das Rathaus dort hat genau 24 Fenster und die werden zum Adventskalender. Kunstwerke werden da in jedem Jahr gezeigt, auf Folie gezogen und hinterleuchtet. In diesem Jahr sind es Bilder von Andy Warhol. Vor einer Stunde ist das heutige Fenster geöffnet worden. Dort ist heute ein Katzenmotiv zu sehen.

Das zieht viele Menschen an. Im vergangenen Jahr sind es rund 100.000 gewesen, die im Lauf der Adventszeit Gengenbach besucht haben um den Adventskalender zu bestaunen.

Als meine Kinder noch klein waren, haben wir einen Fensterbild-Adventskalender gehabt, jeden Tag ist mehr von dem Bild zu sehen gewesen. Dazu  haben wir ein Stück einer weihnachtlichen Geschichte vorgelesen. Je älter die Kinder wurden, desto schwieriger wurde es aber, gemeinsame Zeiten zu finden, um die Geschichte mit der ganzen Familie zu lesen.

Ein Kollege geht noch einen ganz anderen Weg. Auf der Facebook-Seite der Gemeinde veröffentlicht er jeden Tag ein Bibelzitat. Heute aus dem 2. Kapitel des Lukasevangeliums die Verse 1 und 3: „In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen. Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.“ Mit den Bibelversen wird deutlich, dass Advent der Weg zum Geburtsfest Jesu an Weihnachten ist. Für mich heißt das dann: Mit Gott auf dem Weg zum Weihnachtsfest.

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Mir gefällt der Advent. Wenn es am Abend dunkel wird, kommen die Lichter besonders zur Geltung, mit denen die Häuser und die Straßenzüge geschmückt sind. In mir verstärkt das die Vorfreude auf Weihnachten.
Natürlich weiß ich auch, dass die geschmückten Einkaufsstraßen und Geschäfte die Weihnachtsstimmung in den Kunden heben soll, damit sie noch lieber auf die Suche nach Weihnachtsgeschenken gehen. Das ist die geschäftsmäßige Seite des Advents. Ich lasse mich lieber von der Adventsstimmung mitnehmen in die Gedanken an das bevorstehende Weihnachtsfest. So freue ich mich darauf, an Weihnachten wieder Christmette zu feiern, die Botschaft von der Geburt Jesu zu verkünden. Hoffentlich gelingt es auch in diesem Jahr, das Weihnachtsfest friedlich und als Fest der Liebe zu feiern mitten in einer Welt, die das durch Kriege, Terroranschläge und Lieblosigkeiten nicht einfach macht.
„Dezemberträume“, so hat der Liedermacher Rolf Zuckowski eines seiner Lieder überschrieben. Er macht sich Gedanken, was Weihnachten bedeutet. Er fragt:„Weihnachten, was war das noch? War Licht und Glockenklang. Geschenke unterm Tannenbaum, Gedichte und Gesang.Weihnachten, was war das noch?
Denk schnell noch einmal nach! Bestimmt wird die Erinnerung in deinem Herzen wieder wach.“

Ich verbinde viele Erinnerungen mit Advent und Weihnachten, etwa den Duft nach Zimt und Mandarinen, das Flackern von vielen Kerzen. Das Warten mit meiner Schwester und meinen Großeltern, bis wir ins Wohnzimmer kommen durften. Im Wohnzimmer haben wir dann jedes Jahr zuerst die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium in der Bibel gelesen. Dann erst hat es die Geschenke gegeben.

Der Advent ist die Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Innehalten und innerlich ausrichten. Ich setze mich im Advent gerne in die Kirche, wo ich Pfarrer bin,  und zünde die Kerzen am Adventskranz an. Besonders beeindruckend finde ich, wie wenige Kerzen es braucht, damit die Kirche nicht mehr dunkel ist. Und mit jeder Kerze mehr wird es heller. Das ist die besinnliche und stille Seite des Advents.

Die gefällt mir besonders gut. Wenn dann noch der alte Ruf „Ihr Himmel, tauet den Gerechten, ihr Wolken regnet ihn herab“ erklingt, dann drückt es für mich die Sehnsucht des Advents aus. Dass Gott selbst in unserer Welt ist und er mich unterstützt auf meinem Weg.

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