Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

Jetzt im Herbst ist die Zeit, Danke zu sagen. Am Sonntag feiern viele evangelische Christen das Erntedankfest. Es wird in vielen Kirchen wunderschön geschmückte Erntealtäre geben. Manchmal auch Erntekronen aus Ähren, die mit viel Liebe gebunden wurden.

Menschen wollen Gott danken, dass sie auch in diesem Jahr wieder viele leckere Früchte von den Bäumen ernten konnten. Dass wieder so viel Getreide auf den Feldern gewachsen ist. Das Erntedankfest ist ein großes Fest der Lebensfreude.

In einem alten Lied heißt es: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand.“

Genau das steht hinter dem Erntedankfest. Dass Menschen immer wieder die Erfahrung machen: Wir haben nicht alles selbst in der Hand. Wir können unser Bestes geben. Können den Boden vorbereiten, gießen, düngen, Unkraut jäten und alles. Aber, dass wirklich etwas wächst. Das haben wir nicht in der Hand. Gerade in diesem kalten Frühjahr sind so viele Blüten erfroren, dass es in manchen Gegenden nur wenig Äpfel oder Zwetschgen gibt. Dass auch die Weintrauben in diesem Jahr nicht das hergeben, was es schon gab. Und dennoch oder gerade deswegen sagen viele:

Danke für alles, was in diesem Jahr gewachsen ist. Danke, dass es auch bei uns immer noch so viele Landwirte und Hobbygärtner gibt, dass wir so eine große Auswahl an gesunden Lebensmitteln haben.
Und die für den Erntealtar in der Kirche gespendeten Lebensmittel erfüllen aber noch einen guten Zweck. Sie werden entweder in einem Tafelladen verkauft, oder kommen in die Küche einer gemeinnützigen Einrichtung.

Die Kindergartenkinder wundern sich manchmal, warum bei den Erntegaben auch Schokolade dabei ist. Oder Nudeln. Aber dann begreifen sie schnell, dass man viele Sachen braucht, um Schokolade zu machen. Oder eben Nudeln. Dass auch dafür eine gute Ernte wichtig ist.

Ich finde: mit dem Bild des Erntedankaltars im Kopf lebe ich bewusster. Freue mich mehr über das, was ich esse. Genieße ich mehr, was ich trinke. Vielleicht tut ihnen das auch gut. Gehen Sie doch einfach mal am Sonntag in eine Kirche und schauen sie, was es da so alles gibt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25032

Baum gepflanzt. Sohn gezeugt. Haus zumindest renoviert. Damit habe ich eigentlich jetzt alles erledigt, was ein Mann in seinem Leben tun sollte. Jedenfalls nach dem Sprichwort. „Ein Mann sollte in seinem Leben einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und ein Haus bauen“.

Verstehen Sie mich aber bitte nicht falsch: Ich will nicht sagen: Seht, was für ein toller Mann ich bin. Ich frage mich eher: und jetzt?  Hände in den Schoß legen – und für den Rest des Lebens warten? Auf was denn? Das kanns ja irgendwie nicht gewesen sein, oder?

Die Antwort in der Bibel ist klar. Ich sollte an meinem Haus weiterbauen. An meinem Lebenshaus. In einem der vielen Briefe von Paulus in der Bibel wird das so erklärt:

Ich selbst bin ein Bauwerk von Gott. Gott selbst hat das Fundament gelegt für mein Leben. Das ist mein Glaube, der mich trägt. Und meine Aufgabe ist es jetzt, an diesem Haus zu bauen. Ich suche mir für mein Arbeitszimmer einen guten Platz und schaue, dass mein Hobbyraum groß genug ist.

Und, wenn dann mein Lebenshaus mal steht, heißt es immer wieder renovieren, es energetisch und technisch auf dem neuesten Stand zu halten. Ich glaube jeder, der ein Haus oder eine eigene Wohnung hat, weiß, was das heißt. Es gibt eigentlich immer was zu tun.

Und so kann auch immer etwas Neues entstehen. Egal, wie alt jemand ist.
Denn, wenn ich mein Leben so verstehe, dann werde ich nie fertig. Wenn mein Lebenshaus schon ein bisschen älter ist, dann braucht es um so mehr Pflege. Das geht dann vielleicht auch irgendwann nicht mehr allein. Man braucht Hilfe von anderen. Und trotzdem kann auch hier noch was Neues entstehen. Ich muss neue Wege gehen, weil das, was sich bewährt hat, vielleicht nicht mehr geht.

Das wichtigste ist dabei aber für mich. Ich bin bei meinen Um- und Anbauarbeiten nicht allein. Viele Menschen bauen ihr Lebenshaus direkt neben meinem. Wir können uns gegenseitig unterstützen. Und Gott hilft mir auch. Er selbst hat schließlich das Fundament für mein Leben gelegt. Darauf kann ich bauen.

Das heißt für mich: nicht die Hände in den Schoß legen. Im Gegenteil. Schaufel in die Hand nehmen und weiterbauen. Jeden Tag. Und ich bin wirklich gespannt, was sich an meinem Haus noch alles verändern wird.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25031

Hunde sind auch nur Menschen. Doch wirklich. Das hat mir die Trainerin erklärt, als ich das erste Mal mit unserem Hund auf dem Hundeplatz trainiert habe.

In dem Moment musste ich – zumindest innerlich – schon ein bisschen grinsen: Übertreibt sie da nicht ein bisschen? Aber mittlerweile muss ich sagen, dass ich verstehe, was sie gemeint hat.

Denn: Seitdem ich einen Hund habe, verstehe ich manche Menschen viel besser: Wie ich das meine? Nun ja, wenn ein Hund Angst hat oder er sich unsicher fühlt, dann zieht er sich entweder zurück, oder wird aggressiv. Er macht sich ganz klein und fühlt sich wehrlos. Oder er fängt an zu knurren und zu bellen, um die anderen einzuschüchtern. Er kann einfach nicht anders.

Bei Menschen ist das manchmal auch so. Manchmal fragt man sich doch, warum reagiert jemand so aggressiv. Vermutlich auch, weil er oder sie nicht anders kann. Vielleicht fühlt er sich angegriffen. Oder vielleicht hat er Angst sein Gesicht zu verlieren. Vielleicht ist jemand auch einfach nur unsicher und reagiert deshalb so heftig. Oft ist das der Grund, warum Konflikte eskalieren. Niemand möchte Schwäche zeigen. Sein Ansehen verlieren, oder seine Stellung.

Ich glaube, dieses Phänomen gab es schon immer. Deshalb war es wichtig, dass Jesus gesagt hat: Das muss so nicht sein. Es ist nicht schlimm, Schwäche zu zeigen. Es kann auch ganz anders gehen. Meine Kraft kommt gerade in der Schwäche voll zur Geltung.

Ich weiß, dass das nicht immer so einfach ist. Niemand ist gerne schwach. Fehler einzugestehen ist schwierig. Sich zu entschuldigen braucht ganz viel Mut. Und es kostet Kraft.

Aber Gott schenkt mir die Kraft, die mir manchmal fehlt. Bloß: diese Kraft von Gott, die spüre ich erst, wenn ich die Schwäche auch zeigen kann. Erst dann können mir ja auch andere helfen: wenn ich sage und zeige, wie schwach ich mich gerade fühle. Ein anderer kann dann sehen was mir Angst macht und mich unterstützen. Ich glaube, so wird Gottes Kraft sichtbar. Vor allem, wenn es kein sinnloses Kräftemessen gibt, wo einer immer stärker sein will als der andere. Sondern ein Miteinander, das alle weiterbringt.

Hunde sind keine Menschen. Aber trotzdem habe ich das von meinem Hund gelernt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25030

Achtung meine sehr geehrten Damen und Herren, unser Ufo hebt jetzt ab. Wir waren in einem großen Freizeitpark. Und das „Ufo“ war eine Aussichtsplattform, die an so einem Turm, wie ein Aufzug hochfährt.

Oben dann eine traumhafte Aussicht über den ganzen Park und die Landschaft drumherum. Wie so oft hat man von oben einen viel besseren Überblick. Es wird einem alles viel klarer. Ach so geht der Weg. Ach da hinten ist der Marktplatz. Wow, mir war gar nicht klar, dass das Stadion doch so nah am Zentrum steht … . Es sieht einfach alles anders aus, wenn man sich die Welt von oben anschaut. Da stehe ich buchstäblich über den Dingen

Ich meine, wenn ich in meinem Alltag durch die Straßen laufe, dann kommt mir alles so groß vor. Und die Übersicht fehlt. Man sieht nicht, wie es hinter der nächsten Kurve weiter geht. Das macht die Wege kompliziert. Das ist nicht nur ganz wörtlich so. So geht es mir auch manchmal in meinem Alltag. Vor allem dann, wenn z.B. heikle Entscheidungen anstehen. Es irgendwo einen Konflikt gibt. Oder ich vor einer schier unlösbaren Aufgabe stehe. Das ist dann manchmal wie in dem berühmten Hamsterrad. Wo man läuft und läuft, aber am Ende nur erschöpft ist und keinen Schritt weitergekommen.

Genau diese Situationen hat Jesus auch gekannt. Nur zu gut. Immer wieder hat er sich deshalb die Zeit genommen und ist alleine auf einen Berg gestiegen. und hat gebetet.

Hinaufsteigen, sich Zeit nehmen und beten, das war für Jesus so etwas wie ein Aussichtsturm. Das hat ihm die Chance gegeben, mal alles von oben zu betrachten. Alles mit mehr Übersicht anzuschauen. Und er war dabei nicht allein. Er hat gebetet.

Reden mit Gott hilft. Man muss nicht unbedingt auf einen Berg steigen oder mit dem Ufo auf einen Turm fahren. Beten geht immer. Mir hilft das einen anderen Blickwinkel auf meinen Alltag zu kriegen. Den Blick von oben. Bei manchen Problemen zu merken: Von oben betrachtet sieht es gar nicht mehr so schwierig aus. Es gibt einen Weg, den ich unten nicht gefunden hätte. Und ich spüre: Wer betet ist nie ganz allein.

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25029

Die beiden Blinklichter werden langsam immer dunkler – bis sie verschwunden sind. Wir haben jetzt zwei Schulkinder. Beide laufen in die Schule. Und jeden Morgen schaue ich ihnen hinterher, bis ich die Blinklichter an ihren Schulranzen nicht mehr sehen kann. Und jeden Morgen gibt es diesen einen kurzen Moment, in dem es mir schwerfällt sie gehen zu lassen. Loszulassen.

Ich glaube loslassen zu können, das fällt vielen Menschen schwer. Dabei ist es manchmal sogar egal, ob man einen Menschen loslassen muss – warum auch immer. Oder ob man eine Sache loslassen muss. Eine liebgewordene Angewohnheit, oder den geliebten Beruf, wenn man in Rente geht.

Jesus war da ganz schön hart und ziemlich deutlich. Er hat Menschen gesucht, die bereit waren, ihm zu folgen. Sofort. Mit allen Konsequenzen. Einem hat er nicht einmal mehr erlaubt seinen Vater mit zu beerdigen. Und ein anderer sollte sich nicht von seiner Familie verabschieden. Jemand, der nicht loslassen kann, schaut zurück. In die falsche Richtung. Wenn man vorwärts läuft, aber nach hinten schaut – läuft man leicht im Kreis. So kommt man nicht weiter.

Jesus stand aber für etwas ganz Neues. Er hatte ein Ziel. Eine Mission sozusagen. Er wollte den Menschen eine Welt zeigen, wie Gott sie sich für uns gewünscht hat. Eine gerechtere Welt. Eine bessere Welt, in der die Menschen liebevoll miteinander umgehen. In der es keine Unterschiede zwischen Menschen gibt. Und er hat gewusst, dass man dieses Ziel nicht erreichen kann, wenn man im Kreis läuft.

Ja, es fällt mir morgens manchmal echt schwer, meine Kinder loszulassen. Ja, es fällt uns schwer einen lieben Menschen loszulassen. Und ja, es fällt manchmal schwer, sich auf einen neuen Weg einzulassen. Egal, ob das ein neuer Lebensabschnitt ist, oder ein anderer Job. Oder ob das jetzt für die neue Bundesregierung heißt mutig nach vorne zu schauen. Probleme anzugehen.

Denn genau das lerne ich aus der Geschichte von Jesus. Es kann schon mal sein, dass ich zwei, dreimal im Kreis laufe. Aber irgendwann möchte ich nach vorne schauen können. Mich auf neue Wege einlassen. Neue Erlebnisse machen. Und vielleicht merke ich dann, dass das, was bisher in meinem Leben war, gut war. Aber dass das, was da vielleicht noch kommt, auch gut sein kann. Vielleicht sogar noch besser

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=25028