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SWR4 Abendgedanken

„Kennen Sie das Gefühl, mitten in einem Sternenmeer aus Buschwindröschen zu stehen? Sie spüren die ersten warmen Sonnenstrahlen auf der Haut, riechen den Duft der erwachenden Natur und hören das Gezwitscher der Singvögel?“  Diese Fragen stammen aus einem biologischen Sachbuch: Dr. Rita Lüders: Grundkurs Pflanzenbestimmung. Die Autorin beginnt mit diesen Sätzen ihr Werk mit über 500 Seiten geballter Information zu allen möglichen Pflanzen. Und weiter schreibt sie zu dem Sternenmeer aus Buschwindröschen: „Für mich ist es jedes Jahr wieder etwas Besonderes, und ich habe dann das Gefühl, direkt mit der Unendlichkeit der Schöpfung verbunden zu sein.“ Als Theologe freut mich das natürlich. In einem Sachbuch, wo es in erste Linie um die Unterschiede geht zwischen Schwertliliengewächsen und Narzissengewächsen, zwischen Sauergräsern und Süßgräsern, zwischen Korbblütlern und Doldenblütlern und vielen andern aufgeführten Pflanzen, steht am Anfang das Staunen über die Schönheit der Natur.  Ich finde es schön, wenn ein biologisches Sachbuch nicht nur informieren sondern auch inspirieren will. Den Menschen begeistern will für die Schönheit von Buschwindröschen und ein Gefühl der Verbundenheit mit der ganzen Schöpfung wecken will. Damit liegt Rita Lüders ganz auf der Linie von Papst Franziskus. In seiner Enzyklika „Laudato Si – über die Sorge für das gemeinsame Haus“ sagt er: „Wenn wir uns der Natur und der Umwelt ohne diese Offenheit für das Staunen … nähern, wenn wir in unserer Beziehung zur Welt nicht mehr die Sprache der Brüderlichkeit und der Schönheit sprechen, wird unser Verhalten das des Herrschers, des Konsumenten oder des bloßen Ausbeuters. (…) Wenn wir uns hingegen allem, was existiert, innerlich verbunden fühlen, werden Genügsamkeit und Fürsorge von selbst aufkommen. (Laudato Si, Abschnitt 11) Ich hoffe, dass es mir immer wieder gelingt, über die Schönheit der Schöpfung  zu staunen. Mich für ihren Erhalt einzusetzen und ein bisschen davon an meine Kinder und Kindeskinder weitergeben zu können.

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Vor 100 Jahren hat die englische Königsfamilie ihren Namen geändert. Aus Georg V aus dem Hause Sachsen Coburg und Gotha wurde Georg V aus dem Hause Windsor. Der erste Weltkrieg tobte. Für einen englischen König war es da nicht gut, einen deutschen Namen zu haben.

In der Bibel kommt das öfter vor. Menschen bekommen einen neuen Namen. Zum Beispiel: Abraham. Er wird in der Bibel zunächst nur Abram genannt, zu deutsch: Erhabener Vater. Erst als Gott ihm noch eine große Nachkommenschaft verspricht, laut Bibel war er damals bereits 99 Jahre alt, bekommt er den Namen. Abraham – Vater der Menge.  

Auch der Enkel von Abraham, Jakob, bekommt von Gott einen neuen Namen (Gen 32,29). Die Geschichte spielt am Fluss Jabbok. Sie ist ein bisschen geheimnisvoll. Es heißt, dass Jakob die ganze Nacht hindurch mit Gott kämpft. Und am Ende bekommt Jakob von Gott den Namen: „Israel“ übersetzt: „Gottesstreiter“.Und er war wirklich ein Streiter dieser Jakob. Es gab kaum einen in seiner Familie, mit dem er nicht im Streit lag.

Auch einer aus dem Neuen Testament bekommt einen neuen Namen: Simon. Jesus gibt ihm den Namen Petrus – der Fels. Dabei war er gar nicht so felsenfest. Nach Jesu Verurteilung hat er Jesus dreimal verleugnet.

Nicht weil es politisch angesagt ist wie bei der englischen Königsfamilie, bekommen in der Bibel die Menschen einen neuen Namen, sondern weil Gott mit diesen Menschen etwas vorhat. Abram macht er auf seine alten Tage noch zum Stammvater eines großen Volkes. Den ewig streitsüchtigen Jakob adelt Gott, in dem er ihn Gottesstreiter – Israel – nennt.  Und der glaubensschwache Simon, der große Wackelkandidat, wird zum Fels, zum Petrus, auf den Jesus seine Kirche baut.

Es ist schon ein bisschen verrückt, mit welchen Leuten Gott etwas vorhat, wem er einen neuen Namen gibt. Er wählt Menschen aus, denen man von außen betrachtet, nicht viel zutraut. Das macht mir Mut. Gott ist eben unberechenbar – und das nicht nur in der Bibel.

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Die sollen loben den Namen des HERRN; denn … seine Herrlichkeit reicht, so weit Himmel und Erde ist.“ (Ps 148,13)  Ein Satz aus dem Psalm 148. Und mit dem die, die da loben sollen, sind nicht nur die Menschen gemeint.  Sondern auch Sonne, Mond, Sterne und Erde, die Pflanzen, die Berge, alle wilden und zahmen Tiere, auch die Ungeheuer des Meeres – zu gut deutsch alles, was kreucht und fleucht und auch schwimmt. Das Problem nur: Immer weniger kreucht und fleucht. Immer mehr Pflanzen- und Tierarten, aber auch ganze Biotope sterben aus. Sie können gar nicht mehr den Namen des Herrn loben. Und wir Menschen sind zum Großteil daran schuld. Papst Franziskus findet da in seiner Enzyklika „Laudato Si – über die Sorge für das gemeinsame Haus“ klare Worte: „Jedes Jahr verschwinden Tausende von Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen.“   Und dem Text von Psalm 148 folgend führt der Papst fort: „Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen,… Dazu haben wir kein Recht.“  (Laudato Si, Abschnitt 33). Für dieses Recht auf Schutz und Bewahrung der guten Schöpfung Gottes tritt nicht nur der Papst ein, sondern viele Kirchen, besonders in diesen Tagen. Denn beim 2. Ökumenischen Kirchentag 2010 in München wurde auf Anregung der orthodoxen Kirche ein ökumenischer Schöpfungstag ausgerufen.
Noch bis zum 4. Oktober ruft die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen Christinnen und Christen in ganz Deutschland auf, sich in vielfältigen Aktionen für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Damit alle gemeinsam, Sonne, Mond und Sterne, die Erde, die Pflanzen, die Tiere und natürlich auch die Menschen „Gott loben, denn seine Herrlichkeit reicht, so weit Himmel und Erde ist.“

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Berberitzen sind gute Heckenpflanzen, denn sie haben viele Dornen. Also da kommt so schnell keiner durch. Im Eingangsbereich der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz hat man ganz viele davon gepflanzt. Nicht nur als Hecke, sondern einen ganzen Hang hat man damit versehen und zwar mit der so genannten Blutberberitze. Die hat rötlich-violette Blätter. Die Berberitzen passen zu dieser preußischen Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert. Denn bei einer Festung ging es ja auch darum, dass da so schnell keiner durchkam. Überall sind Mauern, stark befestigte Tore, Gräben, Schießscharte usw. usw.. Alles, damit ein möglicher Feind nicht durchkommen konnte. Sicherlich hat man bei der Neugestaltung des Eingangsbereiches vor einigen Jahren die Berberitzen auch deshalb genommen, weil sie als pflegeleicht gelten. Aber je länger die Anlage steht, umso mehr grüne und manchmal auch gelbe und weiße Punkte schleichen sich in die rotviolette Blätterwand. Denn trotz der Dornen und des dichten Bewuchses mogeln sich immer mehr andere Pflanzen dazwischen: Wilde Möhre mit ihren weißen Blüten, gelbes Schöllkraut oder auch die immer und überall auftauchenden Brombeerranken. Einmal habe ich sogar eine Königskerze gesehen, die mit ihren gelben Blüten bestimmt einen Meter über den Berberitzen thronte. Die Gärtner mag es ärgern, denn sie haben keine Lust, durch die dornigen Berberitzen zu gehen, um die so genannten Unkräuter zu entfernen. Mich freut das, sagt es mir doch zum einen: Auch wenn noch so viele Dornen dicht an dicht stehen, die Natur findet einen Weg, dass auch noch andere Pflanzen Platz haben. Und zum andern: Die Natur mag es nicht, wenn es nur eine Sorte gibt. Sie mag es vielfältig. Und mal ganz ehrlich, ich finde es auch schöner, wenn das Rotviolett durch einige grüne, weiße und gelbe Punkte aufgelockert wird. Das Bunte passt vielleicht nicht so zu einer militärischen Anlage, aber die ist ja eh aus dem vorvorigen Jahrhundert.


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Vielfalt ist schön. Auf meinem Weg zur Arbeit komme ich durch einen großen Kreisverkehr.Es stehen einige Bäume darauf und darunter hat man ganz normale Wiesenblumen ausgesät. Blumen, die einige vielleicht  als Unkräuter bezeichnen. Das Gras steht etwa einen halben Meter hoch und darin findet sich lila Wegwarte, weiße Schafgarbe, gelbes Fingerkraut, Goldrute und vieles Andere mehr. Ein herrlich buntes Bild. Eigentlich ganz einfach, aber wunderschön vielfältig.

Und diese Vielfalt ist nicht nur schön, sondern auch gut. Denn dieses hohe Gras mit den bunten Blumen liefert viel Lebensraum für die unterschiedlichsten Insekten. Und die dienen unseren Vögeln als Nahrung.  Ein Meisenpaar, so hat man errechnet,  braucht um die Brut aufzuziehen in einem Sommer etwa 50 Kilo Insekten. Die von uns ausgelegten Körner können sie für die Aufzucht der Brut nicht brauchen, denn die vertragen die kleinen Meisenkinder nicht.

Der Schutz der Vielfalt des Lebens, der Biodiversität, ist seit 1992 eine offizielle staatliche Aufgabe. Bei der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro hat man diese beschlossen. Über 160 Staaten haben die Vereinbarung unterzeichnet. Deutschland natürlich auch.

Als Christ und Katholik freue ich mich darüber, dass auch Papst Franziskus hier eindeutig Stellung bezieht. In seiner Enzyklika „Laudato Si“ spricht er von der Erde als dem gemeinsamen Haus aller Lebewesen. „Laudato Si – gelobt seist du, mein Herr“, damit zitiert der Papst den Sonnengesang des Heiligen Franz von Assisi, in dem es heißt:  „Gelobt seist du mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde, die uns erhält und lenkt und vielfältige Früchte hervorbringt und bunte Blumen und Kräuter. “ Schon der Heilige Franz von Assisi wusste, dass uns die Erde nur erhalten kann, wenn sie möglichst vielfältige Pflanzen und Tiere hervorbringt. Vielfalt ist eben nicht nur schön, sondern auch gut für uns Menschen.


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