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SWR4 Abendgedanken

Ich bin letztens geblitzt worden. Das war echt ärgerlich. Bis kurz davor war ich schön brav 30 gefahren und genau beim Blitzer habe ich den Berg hoch beschleunigt … So was ist einfach blöd und ärgert mich.
Doch nicht nur im Straßenverkehr kann man geblitzt werden – auch im Leben wird man manchmal geblitzt und scheinbar ausgebremst. Es passiert etwas, dass richtig einschneidet. Nichts ist mehr wie es war. In der Bibel wird von einem Mann erzählt, der genau sowas erlebt hat. Er hieß Saulus. Saulus hat die Christen gehasst und verfolgt. Er war Jude und wollte alle Christen vernichten. Die Menschen haben ihn gefürchtet.

Eines Tages hat sich Saulus auf den Weg nach Damaskus gemacht. Dort wollte er die Christen hinrichten. Doch auf dieser Reise wurde er sozusagen geblitzt – und zwar von Jesus Christus. Denn kurz vor Damaskus wurde es um Saulus auf einmal total hell. Er ist auf den Boden gestürzt und hat eine Stimme gehört: „Saulus, warum verfolgst du mich?“ Und Saulus fragt die Stimme: „Wer bist du?“ „Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt. Dort wird man dir sagen, was du tun sollst!“ Saulus Begleiter waren sprachlos. Auch sie hatten die Stimme gehört, aber keine Person gesehen. Als Saulus aufstand und die Augen öffnete, war er blind. Von seinen Begleitern wurde er deshalb nach Damaskus geführt.

Dort hat er einen Mann getroffen, der ihm geholfen hat, zu verstehen, was ihm passiert ist. Da konnte Paulus auch wieder sehen. Er wollte mehr von Christus lernen. Saulus Leben hat sich nach diesem Ereignis komplett geändert. Er wurde jetzt Paulus genannt, und hat von da an als Wanderprediger von Jesus Christus erzählt.

Ich kenne sowas auch, dass mein Leben total überraschend eine neue Richtung einschlägt. Schon ein paar Mal habe ich das erlebt.
Vielleicht können mich die Verkehrs-Blitzer ja daran erinnern: Manchmal ist es gut, geblitzt zu werden. Nicht nur, damit man die Geschwindigkeitsbeschränkung einhält. Sondern vor allem auch im übertragenen Sinne: Ein einschneidendes Erlebnis ist ab und zu nötig und tut gut. Was nicht bleiben konnte wie bisher, kann sich dann ändern.

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Manchmal habe ich einfach schlechte Laune und keine Lust. Ich habe eine Aufgabe und mag überhaupt nicht anfangen. Ich soll einen Besuch machen und habe keine Lust. Ich sollte zu einer Veranstaltung gehen – aber ich verspreche mir nichts davon.  Meist kommt es dann auch so, wie ich es erwartet habe. Der Auftrag geht schief. Die Verwandtschaft war einfach nervig und überhaupt wäre ein Abend auf dem Sofa viel schöner als dieser langweilige Vortrag gewesen.

Kurz gesagt: Wenn ich schlecht gelaunt an etwas rangehe, dann wird es anstrengend. Ich steigere mich in meine schlechte Laune rein und bin unerträglich. Bin aber gleichzeitig davon überzeugt, dass die anderen unerträglich sind. 

Anscheinend hat Jesus gewusst, wie das manchmal geht, womöglich war es bei seinen Nachfolgern nicht anders. Vielleicht sagt er deshalb einmal zu ihnen: „Wenn ihr in ein Haus kommt, dann sagt als Erstes: 'Friede sei mit diesem Haus!'“ Schalom – sagen die Juden bis heute. Und die Muslime sagen: Salem aleikum.

Ich finde: Jesus vermittelt seinen Freunden mit diesem Satz: „Es kommt auf die innere Haltung an. Denn so wie ihr an eine Sache rangeht, so verläuft sie dann auch.“ Deshalb ermutigt er seine Nachfolger: „Wünscht den Menschen zuerst einmal Frieden! Damit schafft ihr eine positive Grundstimmung.“

Mir leuchtet das ein. Und ich möchte Jesus darin gern folgen. Das heißt für mich: Wenn ich optimistisch zu den Menschen gehe, werden die Menschen, das wahrnehmen. Auch wenn ich eher „Guten Abend“ wünsche und nicht „Friede sei mit euch“, werden sie angesteckt von meiner Freundlichkeit und mich freundlich aufnehmen.

Wenn ich das nächste Mal auf einen Besuch oder Auftrag keine Lust habe, will ich mich daran erinnern. Es kommt auf die innere Haltung an. Meine innere Haltung strahlt auf die anderen Menschen aus. Wenn ich schlecht drauf bin, stecke ich im schlimmsten Fall meine Mitmenschen damit an. Doch positiv gesagt: Wenn ich gut drauf bin und von etwas begeistert, dann kann ich andere ebenso begeistern und anstecken.
Kurz gesagt: Wenn ich im Frieden mit mir bin, kann ich den Frieden an meine Mitmenschen weitergeben.

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Vor ein paar Wochen ist es mir gar nicht gut gegangen. Gerade in der Arbeit hatte ich mit vielen Konflikten zu tun. Das hat mich echt mitgenommen. Mittlerweile hat sich manches davon zum Glück geklärt. Und ich habe in dieser Zeit festgestellt, dass es wirklich wichtig ist, Menschen zu haben, die für einen da sind. Denn ohne meine Freunde hätte ich das nicht ausgehalten. Richtige Freunde sind eben nicht zu ersetzen. Meine Freunde haben sich angehört, wenn ich sie angerufen habe. Oder sie haben geduldig zugehört, wenn ich über all die Konflikte und Probleme in der Arbeit geschimpft habe. Sie haben mich ausgehalten, sie haben zu mir gehalten und sie haben mich festgehalten.

Meine beste Freundin hat zum Beispiel gesagt: Du kannst jederzeit anrufen – auch um Mitternacht. Sie hat mir signalisiert: Ich bin da. Vielleicht habe ich mich deshalb auch getraut, sie dann wirklich anzurufen. Sie hat mir zugehört und mir Mut zugesprochen. Danach konnte ich ruhig schlafen. Ich habe in dieser Zeit aber auch Gottes Nähe gespürt.

So, wie es die Bibel erzählt: Gott ist da, gerade in schweren Zeiten! „Ich-bin-da“ das ist der Name Gottes. So stellt er sich dem Propheten Mose vor. Er sagt zu Mose „Ich bin da“ und ich begleite dich auf deinem Weg. Mose hatte nämlich von Gott einen sehr großen Auftrag bekommen. Er sollte die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten befreien. Ausgerechnet Mose hat Gott sich dafür ausgesucht. Einen Mann, der wegen seiner schwierigen Vergangenheit auf der Flucht ist. Gott beruft einen der sowieso schon genug Probleme hat für einen ganz besonders wichtigen Auftrag.

Mir zeigt das: Gott hat ein sehr großes Vertrauen in uns Menschen. Er traut uns eine Menge zu und er verspricht uns, uns auf unserem Weg zu begleiten. Er nennt sich selbst der „Ich-bin-da“ und dieser Name ist Programm. Ich habe das in den Wochen erlebt, als es mir so schlecht gegangen ist. Denn Gott war immer für mich da. Mal in der Stille, wenn ich im Gebet mit ihm geredet habe. Mal durch die Tasse Tee, die mir wieder neuen Lebensmut gegeben hat. Mal in meinen Mitmenschen und Freunden. Überall da war Gott für mich da.

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„Das meiste haben wir gewöhnlich in der Zeit getan, in der wir meinten, nichts getan zu haben.“ Der Satz stammt von Marie von Ebner-Eschenbach. Ich habe ihn neulich auf einer Postkarte gelesen. Und er hat mich nachdenklich gemacht. „Das meiste haben wir gewöhnlich in der Zeit getan, in der wir meinten, nichts getan zu haben.“

Ich denke ja oft, ein Tag war erst dann ok, wenn ich ordentlich was geschafft habe. Und ich bin irgendwie unzufrieden, wenn ich abends sagen muss: „Heute habe ich doch eigentlich gar nichts gemacht...“. Als ob mein Leben nur etwas wert wäre, wenn es so richtig stressig zugeht. Ich kenne beide Arten von Tagen. Die stressigen und die entspannten, an denen man scheinbar gar nichts gemacht hat. Und ich weiß: beides gehört zum Alltag dazu. Und nun behauptet dieser Spruch: Das meiste passiert, wenn man eigentlich nichts macht.

Mir sagt dieser Satz: Pausen wichtig sind. Pausen helfen mir mich zu erholen, neue Ideen zu bekommen und mal die Perspektive zu wechseln. Dadurch kann ich dann schließlich effektiver arbeiten, aber auch intensiver leben. In Pausen kann ich die Welt um mich herum neu wahrnehmen. Wenn ich spazieren gehe, schaue ich mir die Bäume ganz genau an. Oder ich bleibe einfach mal in der Sonne stehen und mache die Augen zu. Wie gut das tut! Und selbst wenn ich nur einen Kaffee auf meiner Couch trinke, schaue ich dabei aus dem Fenster oder mich in der Wohnung um. Ich beobachte, nehme wahr und genieße, was um mich herum ist. Und manchmal nutze ich die Zeit, um zu beten und meine Gedanken vor Gott zu bringen. Und ich merke, wie sich manches klärt, was mich vorher ganz unruhig gemacht hat. Zeit in der ich scheinbar nichts tue, wird so zu einer Energiequelle. Ich tanke auf und stärke mich für die stürmischen und stressigen Zeiten.

Ich glaube, dass es wichtig ist, dass sich das Nichts-tun und das Arbeiten die Waage hält. Beides ist berechtigt und beides ist ein Geschenk Gottes. Das steht sogar schon in der Bibel: Alles hat seine Zeit. Für den Menschen gibt es nichts Besseres, als sich zu freuen und das Leben zu genießen. Mit der Arbeit und den Pausen. Denn beides schenkt uns Gott.

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„Ich möchte mein Erbe ausgezahlt bekommen!“ sagt der Sohn zu seinem Vater. Ist es frech, was er fordert? Ist er ein Erbschleicher? Oder will er einfach versuchen, etwas aus seinem Leben zu machen? Er ist der jüngere Sohn. Auf dem heimatlichen Hof hat er keine Zukunft, deshalb will er raus in die Welt. Er will sich etwas Eigenes aufbauen.

Ich kann mich ganz gut mit diesem Sohn identifizieren. Auch ich bin die Jüngere und auch ich habe meine Heimatstadt verlassen. Die Abenteuerlust und den Anspruch etwas Eigenes aufzubauen, kann ich deshalb gut nachvollziehen. Der Vater erfüllt den Wunsch des Sohnes. Ist ja irgendwie auch klar: Eltern wollen ihren Kindern ja schließlich was mit auf den Weg geben. Nicht nur Geld oder Immobilien, sondern auch eine gute Ausbildung, eine gute Erziehung, Ideale und Werte.

Aber der Sohn macht es sich zu einfach. Er denkt, wenn er sich mit seinem Geld Luxus leistet und Freunde kauft, steht ihm das Leben offen. Doch er täuscht sich und steht am Ende ohne Geld da. Letztlich versucht er sich durch Mini-Jobs über Wasser zu halten. Und ihm wird klar: Die Angestellten meines Vaters haben es viel besser. Vielleicht kann ich ja bei ihm arbeiten. Der Sohn kehrt kleinlaut zurück. Er weiß, dass er Mist gebaut hat. Er hat seine Ausstattung vergeudet – nichts daraus gemacht. Im Gegenteil. Er hat mit dem Erbe gespielt. Die Werte seines Elternhauses missachtet.

Aber der Vater reagiert anders als erwartet. Er freut sich den Sohn zu sehen. Er ist ihm nicht böse. Er umarmt und küsst ihn, lässt ihn neu einkleiden und ein großes Fest feiern. Was für ein Vater. Er ermöglicht dem Sohn dadurch einen Neustart und zeigt ihm damit, dass er zu ihm steht.

Diese Geschichte steht in der Bibel. Ich glaube: Jesus erzählt diese Geschichte, um zu zeigen, dass auch ich jederzeit umkehren kann. Denn er vergibt mir, wenn ich Mist gebaut habe. Für mich ist Gott deshalb eine wichtige Anlaufstelle. Bei ihm bin ich immer willkommen. Egal, was ich getan habe. Er gibt mir die Möglichkeit zum Neustart.

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