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SWR4 Abendgedanken

„Bleib bei mir Herr“, morgen Abend werden wir diese Bitte wieder singen. Wir, das sind Protestanten und Katholiken von Koblenz. Morgen treffen wir uns zu einem ökumenischen Jahresabschlussgottesdienst. Und dabei singen wir gemeinsam dieses Lied: „Bleib bei mir Herr! Der Abend bricht herein. Es kommt die Nacht, die Finsternis fällt ein.“ Wir singen dieses Lied morgen nicht zum ersten Mal. Sondern seit fünf Jahren treffen wir uns einmal im Monat zu einem ökumenischen Abendlob und das beschließen wir immer mit diesem Lied. Und alle singen dieses Lied voll Ergriffenheit mit. Wohl wegen der Einfachheit des Textes: „Bleib bei mir Herr!" Ein Satz, der vielen Menschen aus dem Herzen spricht. Für die einen ist es eine einfache Bitte. Gott ist für sie eine feste Größe. Vertrauensvoll wenden sie sich mit diesem Lied an ihn. Für andere ist dieser Satz eher ein großer Wunsch. Für sie ist Gott manchmal sehr weit weg und nur schwer zu spüren. Mit dem Lied bringen sie ihre Sehnsucht zum Ausdruck. Ihre Sehnsucht nach einem Gott, der sie sieht und sie nicht alleine lässt. Und irgendwie, wenn wir alle gemeinsam dieses Lied singen, hat es für mich auch die Bedeutung. „Bleib bei uns Herr.“ Bei uns Protestanten und Katholiken, dass wir uns nicht wieder trennen. „Bleib bei uns Herr“, den Menschen in unserm Land, dass wir uns gemeinsam – gleich welcher Konfession oder Religion –  um das Wohl aller kümmern.

Und morgen bei dem Jahresabschlussgottesdienst werden wir bei diesem Lied besonders an die momentane politische Situation denken. An die vielen Spaltungen, die sich zur Zeit auftun. Die Gruppen, die sich unversöhnlich gegenüber stehen. In unserm Land, in Europa und in der Welt. „Bleib bei uns Herr“, gerade jetzt brauchen wir deine Nähe und deinen guten Geist.

Wenn sie den Gottesdienst mitfeiern wollen, sie müssen nicht eigens nach Koblenz kommen. Das Erste überträgt ihn im Fernsehen. Morgen um 16:40 h. 

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Von vorne sieht er aus wie ein Tempel und von hinten wie ein Stall. Ich spreche von dem Tabernakel in unserer Liebfrauenkirche in Koblenz.  Ein Tabernakel ist der Schrank, in dem in katholischen Kirchen die so genannten Hostien aufbewahrt werden. Das Stück Brot, von dem wir Katholiken sagen, da ist Gott in besonderer Weise anwesend. 

Dass er aussieht wie ein Tempel, macht Sinn. Denn der Tempel ist seit alters her der Ort, wo man dem Göttlichen huldigt. Hier verbeugen sich die Menschen vor Gott, sagen ihm dank; loben und preisen ihn. In vielen Religionen gibt es Tempel oder tempelartige Gebäude, die meist besonders aufwendig und schön gestaltet sind.

Aber der Stall, wieso ist der Tabernakel auch ein Stall? Das ist das besondere an dem christlichen Gottesbild. Gott bleibt nicht Gott, sondern wird Mensch in einem Stall, im Stall von Bethlehem. Er verlässt den Himmel und kommt auf die Erde. Er verlässt den Palast, um in einer Hütte zur Welt zu kommen. Das ist das Verrückte am christlichen Gottesbild. Unsere üblichen Gottesvorstellungen werden ver-rückt. Gott ist nicht nur groß, erhaben und allmächtig, sondern gleichzeitig auch klein, nahe und ohnmächtig. Und damit begibt er sich auf Augenhöhe mit dem Menschen. Er bietet dem Menschen so zusagen sein „Du“ an.

Das ist oft schwer zusammenzukriegen: Der Tempel und der Stall, die göttliche Majestät und das menschliche Gegenüber. Und doch ist das letztlich die Geschichte von Weihnachten: Gott wird Mensch. Gott lässt sich mit Haut und Haar auf uns Menschen ein. Eine wunderbare Botschaft.

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Fest der unschuldigen Kinder heißt der heutige Tag in der katholischen Kirche. Dieser Festtag geht leider oft zwischen Tannenbaumkugeln und Silvesterböllern unter. Die Geschichte um die es geht, steht in der Bibel. Der König Herodes lässt alle neugeborenen Kinder töten, weil er Angst hat, seine Macht zu verlieren. Denn einer der Neugeborenen soll ein neuer König sein, sozusagen ein Konkurrent. Und weil er nicht weiß, welcher der Neugeborenen, lässt er sicherheitshalber alle Kinder töten. Nach dem Motto: Es ist besser Kinder zu töten als seine Macht zu verlieren. Historisch verbrieft ist diese Geschichte nicht, d.h. sie kommt in keinen außerbiblischen Quellen vor, aber ein Märchen von Anno dazumal ist sie auch nicht - leider.

Denn unschuldige Kinder werden auch heute geopfert und Macht spielt dabei häufig eine Rolle. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern sind es oft Menschen aus dem Umkreis der Kinder, die ihre Macht missbrauchen. Lehrer und Erzieher, Seelsorger, Übungsleiter im Sport.

Es gibt aber nicht nur den sexuellen Missbrauch von Kindern. Sie werden auch als rechtlose Arbeitssklaven missbraucht. Weltweit arbeiten unzählige Kinder unter menschenunwürdigen Bedingungen z.B. in der Spielzeugindustrie, damit bei uns billige Spielsachen unterm Weihnachtsbaum liegen. Hier geht es oft um die Macht und den Reichtum einiger weniger.

Auch zum Kriegführen werden Kinder missbraucht. Man rechnet damit, dass mehrere hunderttausend Kinder als Soldaten kämpfen müssen. Sie werden zu Kriegsmaschinen, weil Diktatoren und Despoten Angst haben, ihre politische Macht zu verlieren.

So gesehen ist das Fest der unschuldigen Kinder leider hoch aktuell. Und es ist gut zwischen Tannenbaumkugeln und Silvesterböllern einmal innezuhalten und an die Kinder zu denken, die zu Opfern werden.

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„Bibe amorem Sancti Johanni“, „trinke die Liebe des Heiligen Johannes“, mit diesem Satz hat man in früheren Zeiten den Gottesdienst am heutigen Tag beendet. Und das Schöne: das waren nicht nur Worte, sondern der Priester hat den Menschen auch wirklich einen Schluck Wein gereicht. Man erinnerte damit an den Heiligen Johannes, der heute seinen Festtag hat. Gemeint ist nicht Johannes der Täufer, der hat ja im Sommer, am 24. Juni Namenstag, sondern Johannes der Apostel. „Der Jünger, der ihn liebte“ (Joh 19,26), wie es in der Bibel heißt. Deshalb haben die Menschen Liebe und Zuwendung immer mit diesem Heiligen verbunden. Und die sollten mit dem Schluck Wein am Ende des Gottesdienstes im wahrsten Sinne des Wortes aufgenommen und verinnerlicht werden. Da man Liebe und Zuwendung aber nicht nur am 27. Dezember braucht, wurde der Wein an diesem Tag gesegnet und als Johanneswein für besondere Anlässe das ganze Jahr über aufbewahrt. Solche Anlässe konnten zum Beispiel Abschiede sein. Wenn früher Kaufleute auf große Fahrt gingen oder gar Soldaten in den Krieg zogen, wusste man nicht, ob man sich je wieder sehen würde. Deshalb verabschiedete man sich gerne mit einen Schluck Johanneswein, und versicherte sich so der gegenseitigen Liebe und Zuneigung. Auch beim letzten Abschied, dem Sterben, reichte man Johanneswein und verband damit den Wunsch auf ein Wiedersehen im Himmel. Man reichte ihn auch bei Hochzeiten dem frisch vermählten Paar, denn die Liebe und Zuneigung des Heiligen Johannes sollte ihre Beziehung ein Leben lang begleiten. Sicher, Johanneswein trinken ist keine Versicherung, damit in der Ehe alles gut geht. Aber sich mit Hilfe des Weins der gegenseitigen Liebe zu erinnern, das kann Kräfte freisetzen und – wenn nötig - neuen Schwung in die Beziehung bringen.

Natürlich kann man am heutigen Tag auch einfach nur den Appell aussprechen: Nimm Dir ein Beispiel am Heiligen Johannes, liebe deine Mitmenschen. Aber diesen Appell mit einem Schluck Wein zu verbinden, ist doch viel sinnlicher. In diesem Sinne: „Bibe amorem sancti Johanni – Trinke die Liebe des Heiligen Johannes.“

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