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SWR4 Abendgedanken

– Einladung an einen Ort des Friedens

Es gibt auf der Welt heilige Orte, die sehr bekannt sind: Jerusalem, Mekka oder das Kloster in Lhasa in Tibet. Diese Orte haben eine sehr lange Tradition und Millionen von Menschen pilgern jedes Jahr dorthin.

Doch es gibt auch viele besondere Orte in der eigenen Umgebung zu entdecken. Orte mit langer Tradition, die rein äußerlich aber wenig spektakulär sind.

Einen solchen Ort habe ich vor kurzem im Schwarzwald gefunden. Den Lindenberg in der Nähe des Dorfes St. Peter. Kaum 20 Minuten von Freiburg entfernt.

Fromme Bauern haben hier schon vor hunderten von Jahren eine kleine Kapelle errichtet. Nach Kriegen lag oft alles in Schutt und Asche. Doch sie haben die Kapelle immer wieder neu aufgebaut. Hier haben sie einen Kraftort für sich gefunden. Hier konnten sie hinkommen, um ihre Sorgen loszuwerden oder für etwas zu danken.

Der Lindenberg liegt wunderschön in der Landschaft. Von dort kann ich weit hinaus ins Tal sehen. Der Blick in die Natur ist aber nicht das einzige. Seit über sechzig Jahren treffen sich hier Männer aus Baden-Württemberg um zu beten. Damals fuhr Konrad Adenauer in die Sowjetunion, um sich für die deutschen Kriegsgefangenen einzusetzen. Während dieser Reise trafen sich die ersten Männer, um für den Frieden in der Welt zu beten. Und die Idee lebt bis heute fort. Männergruppen sprechen sich ab und kommen aus Mannheim oder Karlsruhe, Konstanz oder Tauberbischofsheim. Tag und Nacht wird dort für den Frieden gebetet. Familienväter, Angestellte und Rentner – alle bunt gemischt.  Und natürlich steht der Ort auch allen anderen offen. Da ist die Touristin, die für ihre kranke Mutter betet. Oder eine Wandergruppe, die sich dort im Café trifft. Andere kommen einfach für einen Ausflug dort vorbei.

Mir tut es gut, von solchen Orten wie dem Lindenberg zu wissen. Ob es hilft für den Frieden zu beten, darüber kann man streiten. Und doch ist der Lindenberg für mich ein Symbol: Die Menschen kommen von fern und nah zusammen und bitten um den Frieden.

Für mich steht fest: Es  braucht  solche Orte des Friedens, an denen von einer anderen, einer besseren Welt geträumt wird. Gemeinsam mit anderen kann ich hier in die Stille eintauchen. Wenn ich hier Kraft gesammelt habe, kann ich in meinem Alltag selbst ein kleiner Friedensbote werden.  

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– Wenn der Tag auf einmal 25 Stunden hat

Im Himmel ist schlechte Stimmung. Die Menschen auf der Erde beten immer weniger. Für die Seele nimmt sich kaum jemand Zeit. Fleißige Engel haben untersucht, woran es liegen könnte. Wir haben halt viel zu viel zu tun, beklagen sich die Menschen. Da hat ein kleiner Engel eine Idee: Die Menschen brauchen mehr Zeit. Erst zögert Gott, doch dann willigt er ein. Er erschafft mehr Zeit. Ab jetzt hat jeder Tag 25 Stunden.

Auf  Erden stellen die Menschen verwundert fest, was passiert ist. Eine Stunde mehr pro Tag – da hat Gott endlich mal wieder gezeigt, was er kann. Tatsächlich nutzen viele die zusätzliche Stunde, um zu beten und zu singen. Sogar neue Kirchen sollen schnell gebaut werden. Endlich Zeit um zur Ruhe zu kommen. 

Doch bald melden sich auch kritische Stimmen. Gott kann uns doch nicht vorschreiben, wie wir diese Stunde nutzen sollen! Einfach so von oben herab – das geht doch nicht. Jedenfalls nicht in einer Demokratie. Wer lieber an seinem Motorrad herum schrauben will, der soll das auch machen können. Nach und nach vergessen immer mehr Menschen, wofür Gott die Extra-Stunde erschaffen hat.

Soweit die kleine Geschichte von der 25. Stunde. Ich wäre natürlich auch beeindruckt, wenn Gott den Tag verlängern würde. Was ich dann endlich alles machen könnte! Ich könnte mehr Sport machen oder endlich das Badezimmer renovieren. 

Doch eigentlich geht es in der Geschichte ja um etwas anderes. Nicht um mehr Action, sondern um mehr Zeit für die Seele.

Und nach der sehnen sich viele. Ich auch. Im Alltag gibt es viele kleine Dinge, die mich davon abhalten, mir selbst etwas Gutes zu tun. Solange der Tag nur 24 Stunden hat, muss ich deshalb auf Entdeckungstour gehen. Faustregel: Weniger ist mehr. Ich kann zum Beispiel mal einen Abendspaziergang machen. Oder ich setze mich für zehn  Minuten in eine kleine Kapelle. Mir geht es so, dass ich mich dann auch Gott näher fühle.

Jetzt in der Urlaubszeit kann ich  ausprobieren, wie es ist, mehr freie Zeit zu haben. Ich schalte einen Gang zurück, um auf andere Gedanken kommen. Ich kann mich fragen, was ich mit meiner Zeit anfangen will. Eigentlich will ich mehr Zeit haben für… Freunde, ein gutes Buch oder stille Momente. Vielleicht finde ich so einen Weg, wie ich mir selbst eine Extra-Stunde für die Seele schenken kann.

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 – Von einer besonderen Frauenfreundschaft

In Umfragen zeigt sich immer wieder: Treue und Freundschaft stehen hoch im Kurs. Sich auf einen anderen Menschen verlassen können – vor allem, wenn mal schwierige Zeiten kommen. Das ist  jungen und älteren Menschen sehr wichtig.

Um Treue und Freundschaft geht es auch in einer biblischen Geschichte. Es ist die Geschichte von Rut.

Es beginnt damit, dass Rut einen Ausländer heiratet. Er ist mit seiner Familie aus Betlehem gekommen. Jetzt lebt er mit Rut im Land Moab. Bald nach der Hochzeit stirbt jedoch Ruts Ehemann und auch sein Vater. Rut bleibt mit ihrer Schwiegermutter zurück. Sie heißt Naomi. Naomi wendet sich an Rut und sagt: Jetzt bin ich ganz allein in diesem fremden Land. Ich werde in meine Heimat, nach Betlehem zurückkehren. Geh du deinen eigenen Weg.

Doch Rut will bei ihrer Schwiegermutter bleiben und sie begleiten. Naomi kann es gar nicht verstehen. Sie sagt: „Rut, hier ist doch dein zuhause. Du kannst wieder heiraten und ein gutes Leben führen. Wozu mit einer armen Witwe in ein fremdes Land ziehen? Mehr als Armut und Hunger sind dabei nicht zu erwarten.“  Rut aber bleibt dabei. Trotzig sagt sie: „Dränge mich nicht, dich zu verlassen und umzukehren. Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich. Dein Volk ist mein Volk und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da will ich begraben sein.“

Rut und Naomi  - zwei Frauen, die fest zusammenhalten. Zwei Frauen, die es schaffen. Zurück in Betlehem finden sie schließlich ihr Glück.

„Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich.“ Das Besondere an der Geschichte ist für mich, dass Rut diesen Satz mitten in der Krise sagt. Obwohl sie in dem Moment zu nichts verpflichtet ist. Normalerweise versprechen sich zwei Menschen eher in guten Zeiten, einander treu zu sein.

Ob als Partner oder als Freunde: Treue und Freundschaft sind heute noch genauso gefragt. In guten Zeiten bereichern sie das Leben, in schwierigen Zeiten müssen sie sich beweisen. Rut und Naomi sind ein Beispiel dafür, wie stark zwei Menschen werden, wenn sie treu zusammen halten.

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 – Eine kurze Geschichte über den Mut zum ersten Schritt

In Buchläden finde ich jede Menge Ratgeber, um erfolgreicher zu werden. Sie heißen zum Beispiel „Erfolgreich in 100 Tagen“ oder „Der Karriere-Turbo“. Wer diese Bücher alle lesen will, braucht viel Zeit. Es geht allerdings auch kürzer.

Manchmal reicht schon ein einziger Satz: „Wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Vor langer Zeit hörte ein junger Mann in seiner Klosterschule immer wieder diesen Satz: „Wer sucht, der findet, und wer anklopft, dem wird aufgetan.“ Der Satz stammt aus der Bibel.

Der junge Mann denkt sich: Mal sehen, was an dieser Regel dran ist. Er zieht los und kommt zum Schloss des Königs. Hier klopft er entschlossen ans Tor und verlangt den König zu sprechen. Ziemlich überrumpelt lassen ihn die Wachen vor. Da sagt der junge Mann: „Sehr geehrter König, ich will nicht lange um den heißen Brei herumreden. Ich bitte um die Hand ihrer Tochter!“

Der gutmütige König staunt nicht schlecht. Amüsiert antwortet er: „Gut, du sollst meine Tochter heiraten. Bring mir aber zuerst den Ring, den sie vor einem Jahr bei einer Flussfahrt verloren hat.“ Der junge Mann marschiert fröhlich zum Fluss. Wer sucht, der findet – denkt er sich. Er beginnt sogleich mit einem kleinen Eimer das Wasser abzuschöpfen. Viele Tage und Wochen vergehen und er schöpft und schöpft.

Da bekommen es die Fische im Fluss mit der Angst zu tun. Wenn der immer so weiter macht, sitzen wir irgendwann auf dem Trockenen, denken sie sich. Da hat einer der Fische eine Idee: Wir holen den Ring einfach selbst vom schlammigen Boden des Flusses. Und schon hat ein Fisch den Ring gefunden und in den Eimer des jungen Mannes geworfen.

Die Geschichte ist schnell zu Ende erzählt: Der König ist beeindruckt, als der junge Mann wieder bei ihm auftaucht. Er bewundert, wie hartnäckig er sein Ziel verfolgt hat. Darum hält er sein Versprechen: Der junge Mann kann die Prinzessin heiraten.

Oft ist es im Leben tatsächlich so einfach: Wenn ich nicht anfange zu suchen, dann finde ich auch nichts. Und wenn ich mich nicht traue anzuklopfen, dann öffnet mir auch niemand. An dieser Geschichte gefällt mir, wie unkompliziert der junge Mann ans Werk geht. Er weiß, was er will und er spricht es offen aus. Er liest nicht erst hundert Ratgeber und grübelt über Vor- und Nachteile. Sondern er setzt sich Ziele und wagt sogleich den ersten Schritt.

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 – Lebenszeit kann verrinnen oder sich vollenden

Von Antoine de Saint-Exupéry stammt ein Satz, über den ich immer wieder nachdenke: „Es ist gut, wenn uns die Zeit, die verrinnt, nicht als etwas erscheint was uns verbraucht, sondern als etwas was uns vollendet.“

Bei meiner Tante Elsa aus Frankfurt scheint dieser Satz zu stimmen. Sie sagt: Mein Leben erfüllt sich mehr und mehr. Gut, sie ist auch schon über 90 Jahre alt. Sie kann sagen: Ich hatte ein schönes Leben. Wenn mein Leben bald endet, kann ich gut Abschied nehmen.

„Es ist gut, wenn uns die Zeit, die verrinnt, nicht als etwas erscheint was uns verbraucht, sondern als etwas was uns vollendet.“

Für mich ist es erstaunlich, dass meine Tante so zufrieden auf ihr Leben zurückblickt. Denn wenn sie aus ihrem Leben erzählt, wird sie manchmal sehr traurig. Sie hat den zweiten Weltkrieg erlebt und viele geliebte Menschen verloren. Nach dem Krieg war ihre Familie ziemlich arm, doch es musste irgendwie weitergehen. Dann sind auch wieder bessere Jahre gekommen. Tante Elsa hat eine gute Arbeit gefunden und geheiratet.

Andere hatten es vielleicht leichter im Leben als meine Tante. Aber sie klagt nicht. Sie staunt darüber, was sie alles erleben durfte. Dankbar sagt sie: Gott hat es gut mit mir gemeint.

Ich kenne einige Menschen, die zufrieden auf ihr Leben zurückschauen. An ihnen fällt mir auf, dass sie sich gern an die schönen Momente in ihrem Leben erinnern. An ein Fest mit der Familie oder an eine besondere Reise.

Vor allem aber erleben sie sich als Teil einer guten Welt. Sie fühlen sich verbunden mit anderen Menschen. Und sie spüren: Es gibt einen tragenden Grund in dieser Welt. Was auch geschieht, es fügt sich letztlich gut zusammen. Für die einen ist es selbstverständlich, hier von Gott zu sprechen. Für andere ist es nicht so eindeutig.

Meine Tante sagt: „Gar keine Frage, ich glaube an Gott.“ Das heißt für sie aber nicht, irgendetwas schönzureden. Es gab zwischendurch Zeiten, da hat  sie sich von Gott allein gelassen gefühlt. Und dann muss sie lachen: Naja, sagt sie, aber irgendwie konnte ich mich doch immer auf Gott verlassen. Es war eben nie alles verloren. Sie spürt diesen tragenden Grund in ihrem Leben. So erscheint ihr das Leben nicht als etwas, das sie verbraucht. Sondern als etwas was sie vollendet.

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