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SWR4 Abendgedanken

Wie schön, wenn eine Sache gut ausgeht. Wenn man nach schweren Zeiten wieder richtig Freude haben kann am Leben. Wenn alles wieder ins Lot kommt.

Übermorgen ist Pfingsten. Da feiern wir Christen genau das: dass alles wieder ins Lot gekommen ist. Dass Menschen total begeistert waren, die vorher enttäuscht und ängstlich und verstört waren.

Für die Freunde von Jesus muss das damals echt heftig gewesen sein. Ein Wechselbad der Gefühle sozusagen. Erst wurde Jesus gekreuzigt und ist gestorben. Dann ist er plötzlich wieder bei ihnen. Von den Toten auferstanden. Und sie treffen sich mit ihm noch ein paar Mal. Eigentlich hatten sie dann gehofft, dass das so bleibt. Aber dann ist er endgültig zurück zu Gott gegangen. Da waren seine Freunde wieder allein.[1] Dieses Mal aber scheinbar endgültig. Und dann? Dann kam Pfingsten.[2]

Sie hatten sich wie schon so oft getroffen. Keiner hat so richtig gewusst, wie es weiter geht. Was sollten sie denn auch ohne ihren Freund und Lehrer tun? Klar Jesus hatte ihnen aufgetragen, dass sie weitermachen sollten. Dass sie allen Menschen davon erzählen sollten, was sie gemeinsam erlebt hatten. Aber anscheinend hat keiner von ihnen so richtig gewusst hat, wie das gehen soll.

Und dann gab es plötzlich einen Sturm. Der hat sie wachgerüttelt. Und der hat ein neues Feuer in ihnen entfacht. Es kam ihnen vor als wenn Feuerzungen vom Himmel gefallen wären und sich auf sie gesetzt hätten, erzählt die Bibel. Sie wurden erfüllt von Gottes Geist. Die Ratlosigkeit war weg und die Angst. Sie waren begeistert und haben das den Menschen in ganz unterschiedlichen Sprachen erzählt.

Ja, ich weiß, das klingt merkwürdig. Und auch die Freunde wurden damals verspottet: Ihr seid wohl betrunken.

Aber ich kenne das auch. Wenn mich was richtig begeistert, dann trau ich mich plötzlich, anderen davon zu erzählen. Und manchmal springt der Funke über und dann breitet die Begeisterung sich aus.

Wir Christen glauben: Seit jenem ersten Pfingsten kann man den Geist Gottes spüren. Der kann mich begeistern und lässt mich erleben: Ich bin nicht allein.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein begeisterndes langes Pfingstwochenende.



[1] Apostelgeschichte 1,1-11.

[2] Apostelgeschichte 2,1-13.

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Unsere Kinder lieben Malbücher. Sie wissen wahrscheinlich, was ich meine: Große Bücher mit ganz vielen Malvorlagen. Kinder können sie ausmalen; manchmal fertig- oder weitermalen. Auf jeden Fall ist das nachher bunt, was vorher nur schwarz-weiß war.

Neulich wollte ich für unsere Kinder zwei neue kaufen und habe die im Laden ein bisschen durchgeblättert. Dabei habe ich mir überlegt, dass das eigentlich auch ein schönes Bild für das ganze Leben ist.

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, dann ist das Buch ganz leer. Weiß und unberührt. Dann beginnt es sich mit Farbe zu füllen. Am Anfang noch ganz sachte und dann immer stürmischer, je mehr ein Kind anfängt, sein Leben selber zu gestalten.

Mein eigenes Lebens-Buch ist mittlerweile schon ganz schön bunt. Und es gibt Seiten, die ich mir gerne immer wieder mal anschaue. Die schönen Erfahrungen z.B. Wie ich meine Frau kennengelernt habe. Oder wie unsere Kinder geboren sind. Und es gibt natürlich auch Seiten, die ich lieber schnell überblättere. Eine Prüfung, die ich nicht geschafft habe. Oder der Tod meiner Mutter.

Und es gibt auch Seiten, wo ich mal ganz andere Farben ausprobiert habe. Lila mit Glitzer vielleicht. Wo ich noch nicht so richtig gewusst habe, was ich in meinem Leben will. Das findet sich alles in meinem Lebensbuch.

Irgendwann ist auch ein Lebensmalbuch mal voll. Alle Seiten ausgemalt. Auch meines.

Das ist aber kein Grund, dass ich mein Leben nicht leben möchte. Dass ich meine Lebensseiten nicht bunt gestalten möchte. Denn ich verstehe mein Leben so: Wenn ich auf die Welt komme, dann ist das ein Geschenk, das ich von Gott bekomme. So lange ich lebe kann und will ich mein Leben gestalten, so gut es geht. Ich bin selber für mein Leben verantwortlich. Und am Ende meines Lebens lege ich es zurück in die Hände Gottes, der es mir geschenkt hat.

Dieser Gedanke macht mir bewusster, wie wertvoll mein geschenktes Leben eigentlich ist.

Die beiden Malbücher für die Kinder habe ich dann mitgenommen. Und ich bin gespannt, wie sie sich langsam mit Farbe füllen.

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„Soll ich Dir ein Geheimnis verraten?“ Oder: „Nein, das verrate ich Dir nicht, das ist mein Geheimnis“. Kinder lieben Geheimnisse. Sie lieben es Geheimnisse zu haben und vielleicht noch mehr sich gegenseitig Geheimnisse zu verraten. Auch, wenn es nur das Versteck einer Tüte Gummibärchen ist.

„An Gott glauben“ ist manchmal auch ein Geheimnis. Nicht, weil ich es für mich behalten will. Oder, weil es sonst niemand erfahren darf – ganz im Gegenteil. Der Glaube an Gott ist ein Geheimnis, weil er nicht so leicht zu verstehen ist. Etwas, das man nicht rational erklären kann. Glauben ist ja nicht bloß eine Kopfsache. Glauben tut man mit dem Herzen.

In der Bibel gibt es viele Glaubensgeschichten. Eine, die mich schon als Kind sehr beeindruckt hat, ist die Geschichte von Abraham.[1] Abraham und seine Frau Sarah waren schon ziemlich alt und sie hatten keine Kinder. Irgendwann hört Abraham Gottes Stimme. Er soll alles hinter sich lassen und in ein fremdes Land ziehen. Er würde auch noch Kinder bekommen wird und irgendwann würde aus ihm ein großes Volk werden.

Und Abraham fragt nicht warum und wie das gehen soll. Er packt alles ein, was er hat und zieht los. Weil er an Gott geglaubt hat. Weil er Gott vertraut hat, dass das richtig ist, was er tut. Aber natürlich: Eine Sicherheit gab es für ihn nicht. Er konnte nicht sicher sein, dass das klappt. Aber Abraham hat darauf vertraut.

Mir sagt das: Auf Gott vertrauen – das ist Glauben. Ich vertraue darauf, dass Gott mehr möglich machen kann als ich mir vorstellen kann.

So geht es mir ziemlich oft. Ich weiß nicht, ob das gut gehen wird, was ich mir vornehme. Ich bin nicht sicher. Aber ich verlasse mich auf Gott. Denn ich vertraue darauf, dass es Gott gut mit mir meint. Dass er für mich da ist. Dass er mich begleitet.

Ich habe in meinem Leben jetzt schon oft diese Erfahrung gemacht: Wenn ich mich auf ihn verlasse, dann ist er auch für mich da. Vielleicht nicht immer so, wie ich mir das vorgestellt oder gewünscht habe. Aber er ist da.

Wie das funktioniert, kann ich nicht erklären. Aber es funktioniert. Glauben ist eben ein Geheimnis..



[1] 1. Buch Mose 12.

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„Möge Gott deine Pfeife immer mit Tabak füllen“ – oder „mögest du den Wind im Rücken spüren.“. Kennen Sie diese irischen Segenswünsche?

Ich finde sie toll, weil sie so lebenspraktisch sind. Nicht abgehoben – irgendwie über den Dingen schwebend, sondern ganz bodenständig. Mit beiden Beinen auf der Erde. Genau richtig für meinen Alltag.

Darum geht es ja, wenn Menschen gesegnet werden. Dass mich dieser Segen in meinem Alltag begleitet. Am Ende jedes Gottesdienstes wird das mit Worten aus der Bibel gesagt. Mit seinem Segen soll Gott mich begleiten: „Gott segne dich und behüte Dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und schenke Dir seinen Frieden“.[1]

Gott behütet mich. Wie mit einem besonderen Hut, begleitet er mich durch sonnige und regnerische Tage. So können mir stürmische Zeiten nicht so viel anhaben und hitzige Situationen auch nicht. Mehr noch: Gott sieht mich und lässt sein Licht über mir leuchten. Das ist wie, wenn die Sonne nur für mich scheinen würde. Ein Licht, das die Angst vertreibt. Das mir hilft den richtigen Weg zu finden. Und in dem die Welt anders aussieht. So, wie es auch sein könnte. Vielleicht so, wie Gott sich die Welt für uns gewünscht hat.

Gott sucht nicht nach meinen Fehlern. Beurteilt mich nicht, nach dem, was ich falsch mache. Ganz anders, als ich es sonst so oft erlebe. Und schließlich schaut er mich an und schenkt mir Frieden. Er schaut mich an und ermöglicht Frieden, wo ich selber vielleicht keinen finde. Weil mir dafür gerade die Zeit fehlt. Weil ich vor lauter Leid und Krieg auf der Welt keinen Frieden sehe. Oder auch nicht mehr für möglich halte.

Die irischen Segenswünsche machen diese Worte von Gottes leuchtendem Angesicht konkret für meinen Alltag. Sie wünschen mir die wärmende Sonne. Mut für Entscheidungen. Oder die Lebensfülle, dass der Pfeife eben nie der Tabak ausgeht – in meinem Fall als Nichtraucher vielleicht, dass meine Kaffeetasse nicht leer wird.

Oder auch: mögest Du immer wieder in Deinem Alltag ein bisschen Zeit haben, um durchzuatmen. Um Dich daran zu erinnern, dass Gottes Segen dich begleitet, was auch immer Du tust.



[1] 4. Buch Mose 6,22-27.

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Jeder Mensch ist ein Kunstwerk“ – das war in geschwungenen Buchstaben auf den Oberarm eines jungen Mannes tätowiert. Ich war mit den Kindern im Schwimmbad.

Das sieht man in letzter Zeit öfter. Dass sich jemand einen Schriftzug irgendwo hin tätowieren lässt. Man kann ja von Tatoos halten was man will. Aber dieser Satz hat mich angesprochen. Gerade im Schwimmbad. Weil es stimmt. Jeder Mensch ist ein Kunstwerk.

Und damit meine ich jetzt nicht, ob jemand dick ist oder dünn, braungebrannt oder vornehm blass. Nein, ich meine den Menschen an sich.

In der Bibel steht, dass Gott die Menschen geschaffen hat.[1] Und nicht nur das. Er hat sie nach einer Vorlage gemacht. „Nach seinem Bild“. Jeder Mensch ist deshalb wie ein Spiegelbild Gottes. Und damit was ganz Besonderes. Eben ein Kunstwerk. Einzigartig und schön.

Aber es wird noch besser. Ich finde: wirklich besonders und einzigartig macht uns das Leben. Gerade im Schwimmbad kann man sich ja nicht hinter hübschen Kleidern und modischen Accessoires verstecken. Da sieht man jedes Fältchen, jeden Waschbär- oder Waschbrettbauch, jede Narbe, jedes Muttermal.

Jede Falte hat dabei ihre ganz eigene Geschichte. Sie sagt vielleicht, dass dieser Mensch gerne und viel lacht. Oder dass er sich in seinem Leben schon viele Sorgen machen musste. Eine Narbe erzählt von Schmerzen oder Verletzungen, von einem Unfall oder einer Operation. Aber vielleicht auch von Geburt oder Rettung.

Viele wollen das nicht zeigen. Bemühen sich, die Fältchen weg zu schminken oder die Haare zu färben. Schade eigentlich. Ich finde sie schön. Es sind Spuren des Lebens. Sie gehören zum Kunstwerk dazu, das dieser Mensch ist. Und egal wie alt ich bin, egal wie groß oder klein, kräftig gebaut oder schlank, ich bleibe ein Spiegelbild Gottes.

Mich macht dieser Gedanke froh. Ich muss also nicht immer nach dem schauen, was mich an mir stört. Im Gegenteil. Jedes neue grau Haar, macht mich einzigartiger. Kunstvoller. Jede neue Falte, die ich entdecke erinnert mich daran: Du lebst. Und du bist ein Bild Gottes.

Deshalb stimmt das für mich: Jeder Mensch ist ein Kunstwerk.



[1] 1. Buch Mose 1,26.27.

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