Alle Beiträge

Die Texte unserer Radiosendungen in den Programmen des SWR können Sie nachlesen und für private Zwecke nutzen.
Klicken Sie unten die gewünschte Sendung an.


SWR4 Abendgedanken

Was wünschen Sie sich für dieses Weihnachtsfest? Wahrscheinlich auch, was die Engel auf dem Feld von Bethlehem gesungen haben: „Frieden auf Erden!“ Es gibt wohl keinen größeren gemeinsamen Wunsch zum Weihnachtsfest als: „Frieden auf Erden!“ Auf unserer kriegsbedrohten, umweltbebeschädigten Erde mit ihren 70 Millionen Flüchtlingen und vielen kriegerischen Auseinandersetzungen.
In dieser Adventszeit 2015 ist mir ein Gebet vom Arzt und Krankenhausseelsorger Hans von Lehndorff wichtig geworden. Es beginnt so:

Komm in unsre stolze Welt, Herr mit deiner Liebe Werben.
Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben.
Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.

Frieden ist nur möglich, wenn wir uns nicht von Hass und Rache leiten lassen. Wenn wir uns nicht auf Feinde festlegen. Das gilt in der großen Weltpolitik, im Zusammenleben in unserer Gesellschaft und in unseren kleinen Kreisen. Friedensbemühungen braucht es auf allen Ebenen. Hans von Lehndorff betet für die stolze Welt, aber in den folgenden Strophen auch für unser reiches Land, unsere laute Stadt, unser festes Haus und unser dunkles Herz. Frieden kann nur wachsen, wenn wir, die es gut haben, denen etwas abgeben, die zu wenig zum Leben haben. Und da geschieht bereits viel Erfreuliches. An Weihnachten spenden viele für Brot für die Welt und Caritas.
Für den Frieden braucht es mehr Ausgleich zwischen den Reichen und den Armen in unserem Land. Für den Frieden ist wichtig, dass wir uns nicht abschotten hinter Mauern und Stacheldraht. Oder noch einmal mit den Worten dieses Gebets:

Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen.
Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen;
Denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.

Wir sind alle noch unterwegs. Es macht keinen Sinn, wenn wir uns zu fest einrichten.
Das macht unbeweglich. Ich meine, wir sollten prüfen, was wir wirklich brauchen und was wir abgeben können, weil es unnötiger Ballast ist. Weihnachten erinnert, dass Jesus in großer Armut in unsere Welt hineingeboren wurde.
Mit ihm setzen wir uns für Frieden auf Erden ein und ehren Gott im Himmel wie die Engel

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21142

Eine Million Menschen sind in diesem Jahr als Flüchtlinge zu uns nach Deutschland gekommen. Das sind viele. In unserem Dorf sind es zurzeit 130 Menschen. Die Zahl wird sich bald verdoppeln. Ich bin froh, dass wir mit 70 Ehrenamtlichen die Geflüchteten begrüßt haben und uns um viele kümmern. Kleider beschaffen und Spielsachen für die Kinder. Beim Deutsch lernen helfen. Wir begleiten sie auf Ämter und unterstützen Ehefrauen und Kinder von Geflüchteten bei der Familienzusammenführung.
Ich weiß, viele befürchten, dass wir es nicht schaffen, so viele Fremde aufzunehmen.
Aber ich habe gemerkt: Wer mit den Geflüchteten zusammen kommt, wer sich erzählen lässt, was sie zur Flucht getrieben hat, der stellt sich an ihre Seite.
Vor einigen Tagen hatten wir einen jungen Geflüchteten aus Afrika bei uns zu Besuch. Seine Mutter hat ihm kurz vor ihrem Tod ans Herz gelegt, dass er sich immer zur Kirche halten soll. Kirche ist für alle da, auch für Fremde und Flüchtlinge.
Jetzt steht Weihnachten vor der Tür. Weihnachten ist für alle. Auch für Flüchtlinge. In der Bibel wird die Geburt von Jesus erzählt und gleich danach vom Kindermord in Bethlehem. König Herodes wollte das neugeborene Jesuskind umbringen lassen. Maria und Joseph blieb keine andere Wahl. Sie mussten mit ihrem Kind nach Ägypten fliehen. Jesus war ein Flüchtlingskind. Das gehört zum Kern der
 Weihnachtsgeschichte.
Der erwachsene Jesus hat später mit einem Bild beschrieben, dass die Menschen einmal nach ihrem Verhalten zu den Fremden beurteilt werden. Wenn am Ende des Lebens alles aufgedeckt wird, dann wird er sagen: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Und wenn dann einer fragt: „Wann bist du mir denn als Fremder begegnet?“ da wird Jesus antworten: Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt, das habt ihr für mich getan.“ So hat Jesus den Menschen ins Gewissen geredet.
Ich lasse mir das auch heute sagen. 70 Millionen Menschen sind auf der Flucht, weil sie an Leib und Leben bedroht sind. Oder weil sie keine Chance mehr sehen, in ihrem Land zu überleben. Ich finde: Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen. Christen und Christinnen schon gar nicht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21141

„Sie müssen etwas zu den Obdachlosen sagen“, hat mir eine Hörerin vor einiger Zeit geschrieben. Es beelendet mich, hat sie geschrieben, wenn ich in der Stadt Obdachlose am Boden sitzen sehe. Viele Menschen gehen an ihnen vorbei. Sagen nichts. Geben nichts. Und manche beschimpfen sie sogar. Ich bin selbst arm dran, stand dann noch in der E-Mail. Aber immerhin habe ich eine warme Wohnung und ausreichend zu essen. Darum gebe ich von meinem wenigen etwas ab.
Wie halten Sie es mit den Obdachlosen? Schauen Sie lieber weg? Gehen Sie an ihnen vorbei? Vielleicht einfach, weil Sie so beschäftigt sind, wie ich auch?
In drei Tagen ist Heiligabend. Da wird in allen Gottesdiensten wieder das Weihnachtsevangelium vorgelesen. Es erzählt von einer hochschwangeren Frau mit Namen Maria und von ihrem Verlobten Joseph. Die waren nach Bethlehem gekommen, weil sie sich dort registrieren lassen mussten. Aber in Bethlehem haben sie kein Zimmer gefunden, in dem sie übernachten konnten. Nur einen Stall.
Und in diesem Stall hat Maria ihr erstes Kind geboren, Jesus. Den hat sie in Windeln gewickelt und in eine Futterkrippe gelegt. Jesus hat sein Leben in einer Notunterkunft
  begonnen. So erzählt es die Bibel. Jesus – sein Name bedeutet: Gott hilft.
Maria und Joseph mit ihrem Kind sind in dieser Nacht nicht allein geblieben. Hirten sind gekommen und haben ihnen Unglaubliches berichtet von einem Engel Gottes. Der hat ihnen zunächst einen großen Schrecken eingejagt. Er hat zu ihnen aber auch gesagt, dass sie sich nicht fürchten müssen. Gott hat seine Menschen nicht vergessen und ihnen seinen Retter geschickt. Der ist in dieser geboren worden und liegt in einer Krippe im Stall ganz in der Nähe. Das hat die Hirten in Bewegung gebracht. Sie haben das eben geborene Kind gefunden und allen davon erzählt. Sie haben begriffen: Hier ist Gott zur Welt gekommen. Er hat uns nicht vergessen, keinen. Auch die nicht, die kein eigenes Zuhause haben.
Ich denke an die Obdachlosen heute. Und ich finde: Wenn Gott selbst in Jesus zu uns gekommen ist, arm und obdachlos, dann kann ich nicht an denen achtlos vorübergehen, die arm und obdachlos sind.

 

 

https://www.kirche-im-swr.de/?m=21140