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SWR4 Abendgedanken

Haben sie gewusst, dass man für ein böses Gesicht ganze 65 Muskeln anspannen muss? Doch tatsächlich: 65 Muskeln brauchen wir für einen bösen Gesichtsausdruck. Nur zum Vergleich: Zum Lächeln braucht man gerade mal 10 Muskeln.
Jetzt könnte man sagen: Ein böses Gesicht zu ziehen, ist eigentlich viel besser, weil da mehr Muskeln im Einsatz sind und mehr Bewegung tut uns bekanntlich allen gut. Wer viel lächelt, den könnte man daher schon fast als Bewegungsmuffel bezeichnen.
Aber Spaß beiseite. Für mich zeigen diese 65 angespannten Muskeln, wie anstrengend es sein kann, wenn ich auf einem anderen Menschen böse bin. Das kostet einfach unglaublich viel Kraft.
Woran liegt es aber, dass gefühlt doppelt so viele Menschen mit einem verkniffenen oder bösen Gesichtsausdruck herum laufen, als mit einem Lächeln auf den Lippen?
Nur 10 Muskeln werden für ein lächelndes Gesicht gebraucht – das zeigt, dass Lächeln entspannt – im wahrsten Sinne des Worts. Wer lächelt, der lässt etwas los, nimmt Spannung raus.
Jesus Christus hat mal gesagt: „Was siehst du den kleinen Holzsplitter im Auge des anderen, aber den Balken in deinem Auge – den siehst du nicht?“
Wie oft rege ich mich über andere auf, aber wer damit anfängt, kann sich leicht den ganzen Tag versauen. Jesus rät uns, nicht zuerst auf die Fehler der anderen zu sehen.
Daher versuche ich manchmal, mich mit den Augen der anderen zu betrachten: Was sehen die anderen wohl in mir? Und, ganz ehrlich: dann wundere ich mich, dass sie so wenig an mir stört – mich würde da viel mehr an mir stören und aufregen.
Und dann werde ich viel barmherziger mit den Fehlern der anderen. Ich merke: die machen auch nicht mehr falsch als ich, nur eben andere Dinge. Und je mehr ich mich entspanne, desto mehr kann ich lächeln.

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Wissen Sie, wie man seine besten Feinde ärgern kann? Von Oskar Wilde stammt der Tipp: „Vergib stets deinen Feinden, nichts ärgert sie mehr.“
Nun, das Wort „Feind“ finde ich sehr hart, aber es gibt doch immer Menschen, die ich nicht so mag, oder die es immer wieder schaffen, meinen wunden Punkt zu treffen.
Da überlegen ich mir schon einmal wie ich diesen „netten“ Mitbürgern auch mal eine auswischen könnte, sie auch mal ein wenig ärgern könnte.
Und dann kommt dieser irischer Schriftsteller daher und sagt: „Vergib stets deinen Feinden, nichts ärgert sie mehr“!
Aber ich will dem anderen doch gar nicht vergeben. Ich will „Gerechtigkeit“. Vielleicht sogar so etwas wie Rache. Dem anderen soll es auch einmal so ergehen, wie es mir erging.
Oskar Wild zeigt hier einen neuen Weg auf. Statt angestrengt zu überlegen, wie ich den anderen ärgern könnte, soll ich ihm einfach vergeben. Das klingt verrückt – aber es funktioniert! Ich habe es selbst schon ein paarmal erfolgreich ausprobiert!
Oftmals habe ich dann ein Stoßgebet zum Himmel geschickt und Gott gebeten, mir dabei zu helfen, denn es kann sehr schwer sein, jemanden zu vergeben, der mich verletzt hat.
Aber wenn es gelingt, dann staune ich auf einmal, dass ich mich nicht mehr wie ein getretener Hund fühle. Es tut auf einmal gar nicht mehr so weh, was mir der andere angetan hat.
Denn wenn ich verletzt werde, dann fühle ich mich manchmal wieder wie in der Schulzeit, bei einer Klopperei, wenn ich am Boden lag, hilflos und voller Wut.
Aber wenn ich dem anderen vergebe – mit Gottes Hilfe – dann fühle ich mich, als wenn ich vom Boden aufstehe. Jetzt bin ich nicht mehr hilflos.
Ob sich der andere darüber ärgert? Ich weiß es nicht. Aber es ist mir in diesem Moment auch völlig egal.

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"Sie müssen mir nichts schenken“, versuche ich mich zu wehren – ohne Erfolg. Ich habe der alten Damen gerade zwei Batterien vorbeigebracht.
Vor ein paar Tagen hatte ich sie schon einmal besucht. Da erzählte sie mit von ihrer kaputten Fernbedienung. Ich hatte mir diese etwas näher angesehen und mir gedacht, dass wahrscheinlich nur die Batterien leer sind.
Jetzt ging ich mit ihr ins Wohnzimmer und habe die beiden mitgebrachten Batterien in die Fernbedienung eingelegt. Was soll ich sagen? Da lief der Fernseher wieder und die alte Dame war überglücklich.
Jetzt war sie es, die mir noch etwas schenken wollte. Ehe ich mich wehren konnte, war sie schon verschwunden und kam mit einer Flasche Wein zurück. „Sie trinken doch bestimmt einen guten Wein? Lassen Sie sich den mit Ihrer Frau schmecken.“ Punkt.
Es war klar: dieses Geschenk durfte ich jetzt nicht ausschlagen. Sie wollte mir eine Freude machen, so wie es mir eine Freude war, ihr die Batterien zu bringen.
Solche Geschenke mag ich. Sie kommen von Herzen und drücken ganz viel aus.
Aber ich kenne auch die anderen Geschenke, die gegeben werden, weil man niemanden etwas schuldig bleiben möchte. Da habe ich einem Freund oder Nachbarn etwas geholfen und werden dann gefragt: „Und, was bin ich ihnen schuldig?“
Ist das denn ein Geschäft gewesen? Ich liefere etwas und werde dafür bezahlt?
Das wollte ich doch gar nicht! Besteht Freundschaft und gute Nachbarschaft nicht gerade darin, dass ich auch mal etwas schuldig bleiben darf? Muss alles ausgeglichen sein?
Nein. Freundschaft fängt da an, wo ich etwas für den anderen tue, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Und gute Freunde können auch etwas vom anderen annehmen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
Bei der alten Dame habe ich gespürt, dass sie mir den Wein von Herzen geschenkt hat. Das ist OK so. Aber es hätte nicht sein müssen, denn ich hatte viel Freude daran, sie mit den neuen Batterien zu

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„Sechs große Krüge hat Jesus mit Wasser füllen lassen und dann war’s der beste Wein. Das nenne ich mal ein super Wunder“, ruft mir mein Bekannter zu. Und dann erzählt er mir von seinem Jungen, der heute mit dieser Wundergeschichte aus der Schule kam.
Ich muss grinsen: „Und weißt du auch, wieviel in den Krügen drin war? 600 Liter besten Wein hat Jesus für diese Hochzeitsfeier in Kanaan spendiert“.
Jetzt hole ich etwas aus und erkläre, dass Jesus diese „Wunder“ nie wirklich wichtig waren.
„Bei dieser Hochzeit ging es Jesus nicht darum, dass der Wein ausging und er elegant für Nachschub sorgen wollte. Das hätte man auch anders machen können. Er war ganz am Anfang seiner Mission und es war sein erstes Wunder überhaupt. Damit wollte er ein Zeichen setzen: Jetzt geht es los, Gott fängt an, sein Himmelreich auf dieser Erde zu bauen. Viele Menschen haben das damals verstanden, denn das kommende Himmelreich wird in der Bibel immer wieder mit einer Hochzeit verglichen.
Und genau das passierte damals: Auf einer Hochzeit machte Jesus aus dem Wasser des Alltags richtig guten Wein. Seine Jünger verstanden dieses Zeichen.
„Meinst du, dass es solche Wunder noch heute gibt?“, fragt mein Bekannter.
„Ja, davon bin ich überzeugt. Aber die meisten Wunder sind eher unscheinbar, oft Alltagsdinge. Manchmal sagen die Leute dann: Da hast du Glück gehabt. Aber mir wird auf einmal klar: Das war mehr als Glück oder Zufall, da hat Gott seine Hände im Spiel gehabt.“

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„Hast du gewusst, dass Gott die Welt in sieben Tagen geschaffen hat?“, mein Freund klopft mir von hinten auf die Schulter – er will mich mal wieder aufziehen. „Ach in sieben Tagen?“ antworte ich, „und wo hast du das gefunden, im ersten oder im zweiten Schöpfungsbericht?“
„Ja sag mal, das musst du doch wissen, du bist doch der Pfarrer“, raunzt er mich an, „ich meine den Schöpfungsbericht aus der Bibel!“ „Ich auch“, sage ich, „aber da gibt es zwei.“ Jetzt ist es mein Freund, der ins Stocken gerät. Er meint es nicht böse. Er will mich nur ein wenig aufziehen, das macht er einfach zu gerne.
Aber ich lass nicht locker: „Warum ist es denn wichtig, wie lange das gedauert hat?“ Und dann erzähle ich ihm von den beiden Schöpfungsberichten, die direkt hintereinander in der Bibel stehen. Für mich ein starkes Zeichen, dass die Menschen damals nicht einfach erklären wollten, was kein Mensch genau wissen kann.
„Aber es steht doch alles in der Bibel“, wehrt sich mein Freund.
„Es bleibt aber alles sehr offen, meist sagt Gott nur ein Wort, und es geschieht. Gott hat diese Welt geschaffen – davon bin ich überzeugt, aber die Bibel will das gar nicht haarklein erklären.
Als Christ kann ich festhalten: Gott hat diese Welt geschaffen, aber wie das genau ablief, das sollten unsere Wissenschaftler rausfinden.
„Aber was ist dann mit den sieben Tagen“, fragt mein Freund? „Das ist ein Hinweis darauf, dass Gott am Anfang erst einmal die Zeit erschaffen musste. Denn die Zeit – das hat Albert Einstein entdeckt - ist auch ein Teil unserer Welt.
Diese sieben Tage stehen also für die Zeit, die Gott ebenfalls erschaffen hat. Aber ob sie 24 Stunden lang waren, das bleibt allein sein Geheimnis.

 

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