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SWR4 Abendgedanken

Ich habe in letzter Zeit wieder so viel gelesen wie lange nicht mehr.
Eine Zeit lang konnte ich mich nicht mehr so richtig aufs Lesen konzentrieren, ich habe alles Mögliche angefangen und dann wieder weggelegt. Ich musste erst wieder das richtige Buch erwischen und jetzt habe ich wieder Freude am Lesen.

Allerdings liege ich da nicht im Trend: Kinder und Erwachsene lesen immer weniger und es wird auch weniger vorgelesen. Wissenschaftler machen sich deshalb Sorgen. Sie befürchten Nachteile für die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Und das aus zwei Gründen: Einmal wird beim Lesen von Geschichten so quasi nebenbei enorm viel Wissen aufgenommen. Und es kann so verpackt viel besser behalten werden.
Besondere Sorge bereitet den Wissenschaftlern aber, dass Kinder und Jugendliche, die immer weniger lesen, auch immer weniger fähig sind, sich in andere Menschen hinein zu versetzen.
Durch Erzählungen können Kinder in eine ganz andere Welt eintauchen. Die hat oft mit ihrer eigenen Lebenswirklichkeit nicht viel zu tun. Aber die Kinder lernen dabei anderes zu verstehen, Mitgefühl zu entwickeln.
Da können sie in Gedanken fabelhafte Dinge und tollste Abenteuer erleben, bei Gefahr mit den Figuren zittern oder sich freuen, wenn alles gerade noch mal gut gegangen ist. Sie bekommen ein Gespür dafür wie sich anders zu leben anfühlen kann: durch die Wüste zu laufen und durstig zu sein beispielsweise. Beim Märchenlesen leiden sie mit den Kindern, die sich im Wald verirren, weil ihre Eltern sich nicht um sie kümmern. Oder sie freuen sich wenn der kurzbeinige Igel, den hochnäsigen Hasen beim Wettlauf durch einen Trick besiegt.

Durch biblische Geschichten lernen Kinder den christlichen Glauben kennen. Im Regenbogen (in der Geschichte von der Arche Noah) können sie sehen wie gut es Gott mit den Menschen meint. Sie erfahren wie Jesus sich um Arme und Kranke gekümmert hat, und um Außenseiter.

Ich kann mir vorstellen, dass Kindern etwas verloren geht, wenn sie keine Geschichten lesen oder vorgelesen bekommen. Denn ich glaube nicht, dass das durch andere Medien ersetzt werden kann. Deshalb ist es gut Kinder schon sehr früh fürs Lesen zu begeistern, auch wenn das schwieriger ist seit sie im Internet unterwegs sind.

Unsere Welt braucht verständnisvolle und mitfühlende Menschen mehr denn je.

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Im Grunde beginnt für mich das neue Jahr erst Mitte März so richtig. Wenn die Tage wieder länger werden, es nicht mehr so kalt ist und wenn sich im Garten das erste zarte Grün zeigt. Dann bin ich voller Tatendrang, dann will ich Verschiedenes neu gestalten in Haus und Garten. Dann trenne ich mich auch viel leichter von Sachen, die ich schon lange nicht mehr brauche, Kleidung oder Hausrat. Dann habe ich Lust Neues anzuschaffen und mache Pläne.

Genau in diese Zeit, in der ich so in Aufbruchstimmung komme, fällt auch die Fastenzeit. Von Aschermittwoch bis Ostern reicht sie. Viele Menschen nutzen sie, um in ihrem Leben generell mal aufzuräumen, zu schauen, was sich verändern lässt - zum Besseren. Da geht es einerseits viel um Verzicht: auf Essen, Alkohol, Fernsehen.
Aber die Fastenzeit ist auch eine gute Gelegenheit mal so einige meiner Gewohnheiten unter die Lupe zu nehmen. Mich mal etwas genauer zu beobachten. Ganz im ursprünglichen Sinn des Wortes „fasten“. Denn „fasten kommt aus dem Gotischen, einer alten germanischen Sprache und bedeutet da „beobachten“.
Diese Art von Selbstbeobachtung vor Ostern, gab es schon im 4. Jahrhundert. Erst sehr viel später ist „Fasten“ zum wichtigen Begriff für Enthaltsamkeit auch bei den Christen geworden. Im Mittelalter wurden dann Fastenregeln aufgestellt, Diese Regeln legten fest, grundsätzlich alles zu meiden, was satt und träge macht, was immer das sein mag. Das sollte den Menschen bewusst schwer fallen. Trotzdem waren Fastenübungen nicht als Bestrafung oder Selbstquälerei zu verstehen. Die Menschen sollten sich besinnen, innehalten.
Ich meine, das tut bis heute gut.
Wenn ich mich also mal eine bestimmte Zeit beobachte, dann kann ich erkennen, was gut ist in meinem Leben, aber auch – und das ist genau so wichtig, was nicht so gut läuft. Welche Abhängigkeiten habe ich? Blockieren sie mich? Verbringe ich mit manchen Dingen mehr Zeit als gut für mich ist und auch für mein Zusammensein mit den Menschen, die mir etwas bedeuten?
Gut ist auch, wenn ich meine körperliche Verfassung mal etwas genauer beobachte. Habe ich mich verändert, was fällt mir vielleicht schwerer als noch vor einiger Zeit, kann ich was dagegen tun, vielleicht bisschen Sport treiben… Und wie ist das mit den Vorsorgeuntersuchungen? Jetzt wird es Zeit Termine zu vereinbaren, die ich lange vor mir hergeschoben habe.

Bei meinen Beobachtungen zur Fastenzeit sind mir so einige Menschen in den Sinn gekommen, zu denen ich leider den regelmäßigen Kontakt verloren habe. Wie lange will ich schon wieder mehr für alte Freundschaften tun! Vielleicht schaffe ich es ja in diesem Jahr!
Die Zeit bis Ostern will ich nutzen, vieles auf den Weg zu bringen.

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„Unser Kind soll nicht getauft werden, es soll die Gelegenheit bekommen, darüber später selbst zu entscheiden" - dieser Satz hat mich ziemlich überrascht. Mein Mann und ich waren gerade dabei mit einem netten jungen Paar eine alte Taufkapelle zu besichtigen.
Das erste Kind der beiden sollte erst in ein paar Monaten geboren werden. Doch der junge Mann schien sich in dieser Hinsicht schon sehr sicher zu sein.
Ich weiß, dass sie nicht kirchlich geheiratet haben, obwohl sie beide aus einem christlichen Elternhaus kommen. Sie werden ihre Gründe dafür haben und solange sich beide darüber einig sind, kann ich damit auch gut leben.
Allerdings bin ich das Gefühl nicht losgeworden, dass die junge Frau über die Taufe ihres Kindes anders denkt als ihr Mann. Ihre Augen haben in diesem Moment so traurig ausgesehen. Und später hat sie es mir dann auch gesagt, sie würde ihr Kind schon gern taufen lassen und damit nicht so lange warten wollen. Es wäre ihr einfach ein Bedürfnis, tief im Innern. Um für ihr Kind zu danken, es unter Gottes Schutz zu stellen und damit etwas von der großen Verantwortung abzugeben. Das würde sie erleichtern.
Zwar hätte auch sie Vorbehalte gegenüber der Kirche, wie ihr Mann, sie sei ihren Eltern aber nach wie vor sehr dankbar für ihre christliche Erziehung. Sie habe ihr Orientierung im Leben gegeben. Gern erinnert sie sich an schöne Erlebnisse, wie an ihre Erstkommunion und Firmung.
Dagegen hat ihr Mann wohl nicht so gute Erfahrungen gemacht. Und er hat auch Glaubenszweifel. Er meint, Kinder würden durch die Taufe gedrängt nur in eine Richtung zu denken. Aber das ist doch gar nicht so, finde ich! Mit 14 Jahren sind Kinder religionsmündig und können selbst entscheiden, ob sie einer Religion angehören wollen. Wie sollen sie sich für etwas entscheiden, das sie nie kennengelernt haben?
Eltern beeinflussen ihre Kinder immer: In der Erziehung, ob sie Musik machen oder Sport treiben, auf welche Schule sie gehen, bei der Vermittlung von Werten. Warum soll da nur der religiöse Bereich ausgespart werden - mit dem künstlichen Argument, dass sie das und eben nur das, später selber entscheiden sollen?

Vielleicht überlegt es sich der junge Mann ja noch mal - und wenn es seiner Frau zu Liebe ist. Denn ich meine, sie ist unglücklich. Sie möchte dass ihr Kind die Chance hat, eine Verbindung zum Glauben aufzubauen, ganz gleich wie es sich später entscheidet, welche Erfahrungen es macht.
Und außerdem ist es schön, denkwürdige Augenblicke, wie den Beginn einer neuen Lebensgeschichte, dankbar zu feiern. Dazu gehören Rituale, wie die Taufe. Weil sie helfen, große Momente im Leben bewusst wahrzunehmen und in Erinnerung zu behalten.

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„Wie schön es sein wird, wenn ich in ein paar Jahren nicht mehr ins Büro muss, wenn dann endlich Zeit bleibt für das, was ich mir schon so lange vorgenommen habe, mich besonders interessiert, Freude macht. Dann wird alles nachgeholt, was ich bisher leider versäumt habe. Die paar Jahre bis zur Rente noch überstehen, dann geht das neue Leben los!“
Ich mag es nicht, wenn jemand, der mir am Herzen liegt, so redet. Woher will ich wissen ob mir diese Zeit noch bleibt? Natürlich hoffe ich, dass es mir und auch den Menschen, mit denen ich dann viel unternehmen will, noch so gut geht wie im Moment. Aber die Gewissheit habe ich doch nicht.
Das wird einem manchmal sehr schmerzlich bewusst. Meinem Mann ist das so ergangen, als ein langjähriger Kollege schwer erkrankt ist und ihm nicht mehr viel Zeit zum Leben geblieben ist. Sein Tod hat meinen Mann sehr getroffen. Der Kollege war jünger.

Wie viel Lebenszeit uns bestimmt ist, liegt nicht in unserer Hand. Wer sich dessen bewusst ist, fügt bei Zukunftsplänen hin und wieder ein „So Gott will“ an, beinahe wie eine Formel, „So Gott will sehen wir uns im nächsten Jahr wieder“.

Jacobus, ein gottesfürchtiger Mann hat diesen Spruch im Jahr 62 aufgeschrieben, er ist nachzulesen im Neuen Testament. Jacobus ging es darum, den Menschen Respekt vor Gott, dem Schöpfer von Zeit und Ewigkeit, zu vermitteln. Er warnt vor zuviel Selbstsicherheit wenn er schreibt: „…nun zu euch, die ihr sagt, heute und morgen werden wir in diese oder jene Stadt reisen, dort ein Jahr bleiben und Gewinne machen – ihr wisst doch nicht, was morgen mit euerm Leben sein wird… Ihr solltet lieber sagen, wenn der Herr will, werden wir noch leben und dies und jenes tun… “
Ich denke, Jacobus hat es gut gemeint mit den Menschen. Er wollte ihnen damit sagen, „Macht nicht zu viele Pläne für die Zukunft, sondern konzentriert euch erstmal auf das Jetzt“.
Das kann für mich heißen, schau mal was ich schon jetzt in meinem Leben ändern kann, damit ich nicht das Gefühl habe so viel zu versäumen. Möglicherweise kann ich beruflich schon jetzt etwas kürzer treten, muss nicht immer vorn dabei sein. Damit mir mehr Zeit bleibt für die Menschen, die mir wichtig sind. Was kann ich lassen, weil es inzwischen nicht mehr so von Bedeutung für mich ist? Wo kann ich schon heute Verantwortung an Jüngere abgeben?
Und warum kann ich nicht schon jetzt damit beginnen, Wünsche und Träume, die mittlerweile Jahrzehnte in mir schlummern, wahrzumachen: Klavierspielen lernen, am Wochenende wandern gehen, dann merke ich vielleicht, das tut gerade jetzt sehr gut. Und die große Reise, von der ich schon so viele Jahre träume, nicht auf später verschieben!
Wenn ich mich auf das Leben hier und heute konzentriere und erlebe, welche Möglichkeiten ich habe, neben dem Berufsleben, dann kann ich ruhiger und gelassener dem entgegensehen, was mir das Leben später noch so bringen mag!

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Wie wichtig ist doch das richtige Licht! Das merke ich mit zunehmendem Alter immer mehr. Wenn ich mal schnell etwas lesen will oder eine Taste an der Musikanlage suche, dann habe ich besonders am Abend so meine Schwierigkeiten - trotz Lesebrille, wenn die richtige Beleuchtung fehlt. Dass ich nicht mehr so gut sehe, verunsichert mich immer öfter. 

Licht ist so wichtig für uns – es ist ja die elementare Voraussetzung für das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Die UNO würdigt es in diesem Jahr besonders: Sie hat 2015 zum Jahr des Lichtes erklärt. Forschungen auf dem Gebiet der Optik sollen im Blickpunkt stehen, zu natürlichem Sonnenlicht und künstlich erzeugtem.

Und weil Licht so bedeutend für uns Menschen ist, für alle Lebewesen, wird das Wort auch im übertragenen Sinn gebraucht. Für etwas, das wohl tut, Freude bringt oder mich etwas besser erkennen lässt, mir etwas erklärt.

Auch in der Bibel wird das Licht symbolisch gebraucht, es steht dort für Gott.
„Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt“ – hat Jesus im Johannesevangelium gesagt.

Dass „Gott Licht bringt in das Chaos der Menschen“, steht  im Alten Testament. Was heißen soll, dass Gott den Menschen zeigen will, wie sie ihr Leben gut leben können.
„Du sollst dein Licht nicht unter den Scheffel stellen“ – diese Redewendung stammt auch aus der Bibel, aus der berühmten Bergpredigt Jesu. Wenn wir sie heute gebrauchen, meinen wir „zeige wer du bist, du musst dich nicht verstecken!“

Vielleicht gelingt es ja im „Jahr des Lichtes“ auch Licht in verschiedene Angelegenheiten, Themen, Probleme zu bringen, die unsere Gesellschaft im Moment beschäftigten. Dazu ist es wichtig, so einiges „ins rechte Licht zu rücken“.

Was hat beispielsweise einen großen Teil der Menschen in Dresden und anderswo wirklich auf die Straße getrieben? Wieso folgen diese Menschen zwielichtigen Persönlichkeiten? Welche Probleme haben sie wirklich, denen Politik und Gesellschaft nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt?
Ich denke viele dieser Menschen sind einfach unsicher und ängstlich, sie sehen ihre Zukunft in keinem guten Licht, fühlen sich irgendwie zu kurz gekommen. Und das macht sie empfänglich für Protestdemonstrationen gegen die, die angeblich schuld daran sind.

Mittlerweile sind sicher viele nachdenklich geworden, ob es richtig war, sich anzuschließen und die Demonstrationen stehen nicht mehr wie zuvor im Licht der Öffentlichkeit. Die tatsächlichen Probleme und Sorgen der Menschen sollten aber nicht im Dunkeln bleiben.

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