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SWR4 Abendgedanken

Miteinander beten verbindet. Das erleben christliche Frauen weltweit in jedem Jahr am ersten Freitag im März. Heute also. Heute ist der Weltgebetstag der Frauen.
Beim Weltgebetstag wird immer auch das Gebet gebetet, dass Jesus seinen Nachfolgern beigebracht hat, das Vaterunser. Es ist das Gebet, dass die Welt umspannt. Im Vaterunser ist alles aufgehoben, was das Leben schön und was es schwer macht. Die Bitte um das tägliche Brot hat da Platz, damit die Sorgen um die Ernährung uns nicht entmutigen. Aber auch die Vergebung der Schuld kommt darin vor, damit wir nicht unversöhnlich gegeneinander, sondern miteinander im Frieden leben.
Das Außergewöhnliche am Vaterunser sind die drei ersten Bitten. Da geht es um Gott selbst. Da bitten wir, dass Gottes guter Wille in unserem Leben sich entfalten kann gegen alle Bosheiten. Das Vaterunser ist auch die Grundlage für den Weltgebetstag. Das Vaterunser erinnert Menschen auf der ganzen Welt, dass Gott wie eine liebende Mutter und wie ein guter Vater zu uns ist.
Der Weltgebetstag für dieses Jahr wurde von Frauen von den Bahamas vorbereitet. In fast jeder Kirche findet er heute Abend auch bei uns in Deutschland statt. Vor allem Frauen danken Gott für das Leben und in diesem Jahr besonders für die prachtvolle Schöpfung, wie man sie zum Beispiel auf der Inselwelt der Bahamas mit ihren malerischen Küsten finden kann. In den Gebeten wird Gott aber auch geklagt, wo Leben in Gefahr ist. Geklagt wird die Gewalt gegenüber Frauen, auch die häusliche Gewalt in vielen Familien. Das ist eine große Not auf den Bahamas.
Der Weltgebetstag ist eine erfreuliche globale Veranstaltung. Nicht alles Globale auf unserer Welt ist erfreulich. Bei globalen Veranstaltungen und Vernetzungen muss man genau hinschauen, wer die Gewinner und wer die Verlierer sind.
Beim Weltgebetstag gibt es nur Gewinnerinnen. Denn eine weltweite Gebetsgemeinschaft, in der Frauen einander mitteilen, was das Leben schön und was es schwer macht, so eine Gemeinschaft bereichert alle.

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Wer in einer Krise steckt, der braucht nicht gute Ratschläge und auch nicht Kritik und Ermahnungen. Wer in einer Krise steckt, der fragt: Wie komme ich da raus? Und da helfen am besten die Erfahrungen, die andere gemacht haben. Menschen, die auch Krisen durchgestanden haben. An deren Erfahrungen kann ich mich in meiner Krise vielleicht orientieren.
Vor Kurzem habe ich einen Kurs durchgeführt, da haben wir das versucht.  Wir haben nach den Erfahrungen des Propheten Elia gefragt. Der war auch in eine tiefe Krise geraten – und hat den Weg da heraus gefunden. Seine Geschichte wird in der Bibel erzählt.
Im Kurs haben wir einander Situationen geschildert, in denen Krisen entstehen. Zum Beispiel, wenn wir jemanden durch den Tod verlieren oder weil sich jemand von uns trennt. Wenn Prüfungen vor einem liegen, geraten manche Menschen in Krisen.

 

Dann haben wir auf Elias Geschichte geschaut. Elia war in die Krise geraten, als er eben einen triumphalen Sieg errungen hatte. Aber er hat sich übernommen. Er ist zu weit gegangen und hat Schreckliches angerichtet. Als er dann noch von der Königin Isebel, seiner Widersacherin, seine Tötung angekündigt bekommt, hat das ihn in eine schwere Krise gestürzt. Mein ganzer Einsatz für den Gott Israels ist umsonst gewesen, sagt er und wünscht sich den Tod herbei. Er erbittet ihn von Gott. Er sucht ihn im Schlaf in der Wüste.
Gott reagiert anders, als Elia es sich wünscht. Er schickt ihm einen Engel. Der gibt ihm Brot zu essen und Wasser zu trinken. Der richtet ihn wieder auf. Er macht ihm keine Vorwürfe. Aber er schickt ihn auf einen langen Weg. Er soll Gott begegnen. Und dann begegnet ihm Gott ganz anders, als er es erwartet hat, nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer. Nicht so wie es sich Elia immer vorgestellt hat. Gott begegnet ihm ganz behutsam und zart. Er spricht ihn ganz leise an. So kann Elia die Höhle verlassen, in der er sich verkrochen hat, und Gott neu begegnen. Die Krise hat ihn für eine neue Sicht von Gott vorbereitet.
Gott will Elia nicht für sein Versagen bestrafen. Er will, dass er lebt und reif wird, gerade durch seine Krise hindurch. Deshalb glaube ich: Krisen sind Chancen. Es gibt kein lebendiges Leben ohne Krisen.

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Angst gehört zu unserem Menschsein. Angst ist wichtig. Angst warnt vor Unvorsichtigkeit. Angst ist ein Seismograph. Sie hilft mir spüren, wenn ich bedroht bin. Angst ist unverzichtbar. Aber Angst ist kein guter Ratgeber. Wer sich von der Angst leiten lässt, schlägt leicht einen falschen Weg ein. Wer Angst hat reagiert hektisch. Dann kann eine Situation noch schlimmer werden.
Angst kann man nicht weg reden und nicht auf Dauer verdrängen. Gegen Angst hilft nur Vertrauen. Als ich ein Kind war, habe ich im Dunkeln Angst gehabt. Aber wenn meine Mutter bei mir war, war die Angst viel kleiner oder ist sogar ganz verschwunden. Als ich älter wurde, habe ich ein Lied gegen die Angst entdeckt, ein Lied des Vertrauens, ein altes Lied. Es stammt aus einer Zeit, die viel Angst und Leid mit sich gebracht hat, die Zeit des 30-jährigen Kriegs vor 400 Jahren. Da hat Paul Gerhardt ein Lied gegen die Angst gedichtet. Es beginnt so:
„Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich;
so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.“
Paul Gerhard in seiner Angst hat sich am Apostel Paulus orientiert. Denn das Lied ist eine Vertonung von einem Bibelwort. Es heißt so: „Wenn Gott für uns ist, wer kann sich dann noch gegen uns stellen? … Was kann uns von Christus und seiner Liebe trennen? Etwa Leid, Angst oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder gar die Hinrichtung?“ Gewaltige Worte gegen die Angst sind das. Der Apostel Paulus hat sie an die Gemeinde in Rom geschrieben. Paulus hat gewusst, wovon er schreibt. Er ist verfolgt, gefangen genommen und ausgepeitscht worden. Er hat Angst gehabt und Schmerzen erlitten. Aber mitten in diesen schrecklichen Zeiten, schreibt er, hat er gespürt: Gott lässt mich nicht los und hilft mir, das alles zu ertragen.
Auch in unserer Zeit gibt es vieles, was einem Angst machen kann. Da will auch ich mich an die Erfahrung des Paulus halten. Dasa Motto, dass die evangelische Kirche für diesen Monat März ausgesucht hat, erinnert mich daran. „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“ Mit diesem Satz tröstet und ermutigt mich der Apostel Paulus auch heute.

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„Sie gehen doch bald in den Ruhestand“, bekomme ich in letzter Zeit des Öfteren zu hören. Da zucke ich zusammen. So sehe ich die kommende Lebenszeit nicht. „Ruhestand“ finde ich nicht den richtigen Ausdruck. Wenn die Berufszeit zu Ende geht, dann erhält ein Mensch sein Auskommen, ohne noch etwas zusätzlich leisten zu müssen. Aber ich finde: wenn jemand noch Freude und Kraft hat, sich einzubringen, dann sollte er nicht in den Ruhestand treten.
Es gibt viel zu tun!

Wenn zukünftig bei meiner Berufsbezeichnung die beiden Buchstaben stehen „i.R.“, lese ich nicht: im Ruhestand, sondern „in Rente“. Ich kann vom Eingezahlten leben. Ich kann mich aber ehrenamtlich einbringen – in einem anderen Bereich vielleicht. Da wo ich berufstätig war, da sollen ruhig andere Neues versuchen Aber: Es gibt vieles, wofür ich zu wenig Zeit hatte. Jetzt habe ich dafür Zeit.

 „I.R.“ – heißt für mich aber auch „in Reduktion“. Ich darf reduzieren. Ich gebe ab, was ich größtenteils gern gemacht habe. „Du bist zu beneiden“, hat mir ein guter Bekannter gesagt, „Du darfst von der Pflicht zur Kür wechseln.“ Machen, was ich gut kann und gern mache, etwas vom dem machen, was ich schon immer gern machen wollte, darauf freue ich mich. Aber reduzieren eben, auf keinen Fall mit demselben Einsatz weitermachen. Aus dem bisherigen Arbeitsbereich werde ich mich herausnehmen und dem Nachfolger nicht im Weg stehen.

„I.R.“ heißt für mich auch „in Reichweite“. Ich kann befragt werden, klären helfen, unterstützen, wenn ich gebraucht werde. Es ist in Ordnung, dass ich nicht in Reserve gehe und auch nicht in Rufweite. Nein, Reichweite genügt. Erreichbar sein, wenn ich nötig bin.

In Rente, in Reduktion, in Reichweite. Das verbirgt sich für mich hinter den beiden Buchstaben „i.R.“ Ich verbinde das mit viel Dankbarkeit für mein Berufsleben. Ich danke Gott, meinem Schöpfer dass ich gebraucht worden bin und dass ich meinen Arbeitsplatz ausfüllen konnte. Ich bitte ihn um den Segen, noch eine Zeit lang meine Erfahrungen und Begabungen einbringen zu können, mit den Kräften und Möglichkeiten, die Gott mir lässt.

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„Macht euch keine Sorgen!“ Das steht heute in den Losungen. Die Losungen gibt es seit 285 Jahren. Für jeden Tag stehen in einem kleinen Buch zwei Verse aus der Bibel, einer aus dem Alten Testament und einer aus dem Neuen Testament. Heute beginnt das Wort aus dem Neuen Testament so: „Macht euch keine Sorgen!“

Wie soll ich das verstehen? Sorgen gehört doch zu unserem Leben. Sorgen ist wichtig. Ich mache Besorgungen, weil ich dafür sorgen muss, dass ich ausreichend zum Essen habe. Eltern sorgen für ihre Kinder, dass sie etwas zum Anziehen haben. Fürsorge und Vorsorge – das gehört zu unseren Aufgaben. Fürsorge und Vorsorge, die müssen sein. Die können also nicht gemeint sein bei der Aufforderung: „Macht euch keine Sorgen!“

Aber was meint dann der Apostel Paulus?

Ich verstehe ihn so: Es gibt ein Sorgen, dass mich am Leben hindert. Da dreht sich alles um mich selbst und um das, wofür ich verantwortlich bin. Wenn die Sorge um das Essen oder die Fürsorge für die Kinder im Mittelpunkt meines Lebens stehen, kann mich das lähmen. Die Sorgen bedrücken mich. Dagegen schreibt Paulus: Sorgen sollen mich nicht hindern gern zu leben und mich am Leben zu freuen.

 „Macht euch keine Sorgen!“ Das entlastet mich und befreit mich. Paulus schreibt an seine Freunde in der Stadt Philippi: „Macht euch keine Sorgen! Im Gegenteil! Wendet euch in jeder Lage an Gott. Tragt ihm eure Anliegen vor – in Gebeten und Fürbitten und voller Dankbarkeit.“ Mir sagt das: Ich muss meine Sorgen nicht für mich behalten. Ich kann sie vor Gott  aussprechen. Ich kann ihm nennen, was mir Sorgen macht. Was aus meinen Kindern wird oder im Alter mit mir. Ich kann ihm auch die Sorgen sagen, die andere Menschen betreffen und auch den so sehr bedrohten Frieden in der Welt.

Dafür kann ich ihn bitten. So kann ich meine Sorgen los werden. Das macht mich frei. So kann ich mich für das einsetzen, was mir aufgegeben ist und was mir zu tun möglich ist. Abgeben und teilen. Mich einsetzen für andere, die mich brauchen. Nicht um mich selbst kreisen und um meine Sorgen. Darum also: Macht euch keine Sorgen!

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