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SWR4 Abendgedanken

O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter[1] … Das geht mir häufig durch den Kopf, wenn ich durch die Straßen laufe – oder über den Weihnachtsmarkt schlendere.
Überall das Grün von den Weihnachtsbäumen und dem vielen Tannenreisig. Egal, ob es tagsüber grün von Natur aus leuchtet, oder ob es dann abends von vielen kleinen Lämpchen beleuchtet wird.
Du grünst nicht nur zur Sommerzeit. Nein auch im Winter, wenn es schneit. So heißt es in dem Lied weiter. Und das ist besonders wichtig.
Denn eine Pflanze, die immer grün ist, verkörpert Lebenskraft und nicht umsonst ist grün die Farbe der Hoffnung.
Deshalb ist diese Tradition wahrscheinlich auch schon so alt. Der erste urkundlich erwähnte Weihnachtsbaum stammt immerhin aus dem Jahr 1527.[2] Wobei es wohl auch schon vorher Weihnachtsbäume gegeben hat.[3] Und es gibt auch die Theorie, dass der Weihnachtsbaum schon auf einen Brauch aus der Steinzeit zurückreicht.[4]
Wie auch immer. Ich finde das einfach schön. Und es passt auch ganz wunderbar in diese dunkle und oft trübe Zeit. Gerade, wenn alle Bäume und Sträucher ihr Laub verloren haben, sticht das grün voll heraus. Es gibt Hoffnung für diese Welt. Dafür steht symbolisch das Grün. Und erinnert daran: Diese Hoffnung kommt an Weihnachten zur Welt. Gott ist zur Welt gekommen. In dem Kind in der Krippe haben die Menschen ihn erkannt. Und begriffen: Er lässt uns nicht im Stich. Er ist uns ganz nah. Egal, wie dunkel unser Alltag im Moment aussieht.
Der Weihnachtsbaum wird deshalb dann auch mit allerlei Erinnerungsstücken geschmückt: Strohsterne, die an den Stall in Bethlehem erinnern. Kerzen, die für das Licht stehen, das mit Jesus in die Welt gekommen ist. Mitten hinein in diese dunkle Zeit und in unsere manchmal dunkle Welt kommt ein kleines Kind und bringt uns Licht.
Ich glaube, dass das in dem Lied gemeint ist, wenn es dann am Ende heißt: Die Hoffnung und Beständigkeit, gibt Trost und Kraft zu jeder Zeit. O Tannenbaum, o Tannenbaum, dein Kleid will mich was lehren.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende und einen gesegneten dritten Advent.


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Ich habe ihn immer dabei – meinen Schirm. Ja wirklich.
Nein ich bin kein Wetter-Pessimist und ich brauche auch noch keinen Stock. Ich denke auch gar nicht an einen Regenschirm. Ich denke daran, dass es von Gott in einem Gebet in der Bibel heißt: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.“[1]
Diesen Schirm gegen die Schlechtwetterlagen im Leben, den finde ich praktisch.
Sie wissen ja, wie das ist: Wenn es regnet, so richtig schüttet, dann wird man klatschnass. Man muss sich unterstellen oder, wenn man weiter muss, dann wird man klatschnass.
Und genau an dieses Bild knüpft das Gebet an: Alles, was mir in meinem Leben so zu schaffen macht, ist wie der Regen. Es überrascht mich. Und ob ich will oder nicht. Entweder ich stelle mich irgendwo unter oder ich werde nass. Einfach weitergehen, als ob nichts gewesen wäre geht nicht.
Es sei denn ich habe eben einen Schirm dabei. Den spanne ich auf und werde zumindest obenrum nicht nass. Ein paar Spritzer bekommt man trotzdem ab, aber das ist ja nicht so schlimm.
Gott sei Dank habe ich meinen Schirm immer dabei. Gott eben. Und der ist stabiler als ein Stockschirm und praktischer als ein Taschenschirm.
Und ich weiß, dass Gott mich nicht im Regen stehen lässt. Das heißt jetzt nicht, dass es nie mehr regnet. Also, dass ich vor allem verschont werde. Dass ich mich nie mehr über irgendwas ärgern muss. Dass ich nie in meinem Leben krank werde. Dass ich nie einen Menschen verlieren werde, der mir wichtig ist.
Aber ich vertraue darauf, dass ich das nicht allein tragen muss. Das kann das kleine Stoßgebet sein: Lass mich in dem Gespräch jetzt das richtige Sagen. Oder die Frau, die mir erzählt, dass sie ohne ihren Glauben nie die Kraft gehabt hätte, weiterzuleben. Nach dem Tod Ihres Mannes. Denn Gott ist nicht nur mein Schirm. Er ist auch mein Schutzraum. Oder meine Burg, wie es in dem Gebet heißt.
Zu ihm kann ich mich zurückziehen. Kraft tanken und mich ausruhen.
Ich gebe zu: Das gibt mir ein sicheres Gefühl. Ganz so, wie wenn ich weiß, dass der Schirm eben in greifbarer Nähe liegt. Wenn das Wetter unsicher ist.



[1] Psalm 91,1.

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Das Leben ist kein Ponyhof. Oder: Das Leben ist eine Baustelle. Merkwürdig, dass einem diese schlauen Sprüche immer gleich einfallen. Ich war mit ein paar Freunden weg und wir haben versucht einen von uns aufzuheitern. Seine Beziehung war gerade zu Bruch gegangen ist. Und dann kamen solche Sprüche. Auch mein Lieblingsspruch aus einem Film: Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel – man weiß nie, was man kriegt.
Solche Sprüche kennt jeder. Und man benutzt sie meistens dann, wenn einem nichts anderes mehr einfällt. Weil man vielleicht gerade was erlebt hat, was einem die Sprache verschlägt.
Solche Sprüche fallen einem ein, wenn man eigentlich sagen möchte: Das Leben ist ungerecht! Und fragen: warum gerade er schon wieder oder warum gerade ich? Vielleicht auch: wie kann Gott das zulassen?
Natürlich weiß ich: die schlauen Sprüche geben darauf keine Antwort. Was also kann wirklich helfen, wenn ich nichts mehr zu sagen weiß? Zu der zerbrochenen Liebe, oder dem verlorenen Arbeitsplatz?
Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit.
Vielleicht hilft ein anderer Blickwinkel. Weg von dieser bedrückenden Situation nach vorne in die Zukunft. Diesen Blick versucht uns die Bibel zu vermitteln.
Da hat ein Mensch so eine Art Tagtraum aufgeschrieben: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel und die erste Erde sind verschwunden. Und Gott wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen."[1]
Das klingt anders. Finde ich. Keine schlauen Sprüche sondern klare Ansagen: Keine Tränen mehr. Keinen Schmerz mehr, keinen Tod mehr. Oder sind das auch nur fromme Sprüche? Vertröstungen auf den St. Nimmerleinstag? Denn es ist schon schade, dass diese Zukunft so unerreichbar scheint, wenn ich im Moment nicht weiter weiß.
Inzwischen glaube ich, dass solche Aussichten Menschen wirklich helfen. Dass es mir hilft. Weil sie mich erinnern: Gott will nicht, dass es bleibt, wie es ist. Er hat eine gute Zukunft für mich vorgesehen. Er will, dass es gut wird für mich. Ich finde, das ermöglicht einen neuen Blick auf das Leben. Schon hier und heute. Das Leben geht weiter. Und ich bin mittendrin.


[1] Offenbarung 21,1.4.

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Gell, Papa, wenn ich mir die Haare so mache, dann bin ich ein Schulkind. Das hat mir unser Sohn neulich erklärt. Dabei hat er sich seine Haare verstrubbelt und vor mir stand dann ein 4-jähriger mit Igelfrisur.
Er hat verstanden, dass es einen Menschen verändert, wenn man z.B. die Frisur verändert. Zumindest äußerlich. Mir sind da die Schüler und die Konfirmanden eingefallen, mit denen ich zu tun habe. Für die ist es unglaublich wichtig, wie sie auf andere wirken und was die anderen über sie denken. Und durch die neuen Medien haben sie da mittlerweile auch viele Möglichkeiten das auszuprobieren. Denn so, wie man sein Profil im Internet z.B. auf Facebook gestaltet – also nicht einfach nur ein Passbild nimmt, sondern sich genau überlegt, wie man auf dem Bild aussehen will – so sehen einen die Freunde. Man kann da gewissermaßen ein Bild von sich machen. Bin ich da eher der coole und lässige Typ. Oder doch vielleicht eher der lustige mit einer Grimasse im Gesicht oder die schöne, die verlegen in die Kamera lächelt?
Fragen Sie sie doch mal ihre Kinder oder Enkel, wie sie ihr Profil gestaltet haben.
An mir selbst habe ich beobachtet: dass sich das mit zunehmendem Alter verändert. Statt „so wäre ich gerne“, wird das „so bin ich“ immer wichtiger. Denn im Laufe der Zeit, habe ich mich ja nun ganz gut kennen gelernt und weiß relativ genau, wer und wie ich bin.
Ich muss dann nicht mehr bei jedem Trend mitmachen und ich muss auch nicht jede zweite Woche mein Profilbild ändern, weil ich mich noch mal anders ausprobieren will.
Vor allem, weil ich inzwischen glauben kann, dass ich gut bin, so wie ich bin. „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“[1] So heißt es in einem Gebet in der Bibel.
Da dankt ein Mensch Gott, dass er ihn so gemacht hat, wie er ist. Ich glaube, wer das für sich und sein Leben so sagen kann, der muss sich nicht immer von seiner Schokoladenseite zeigen. Der darf sich so zeigen wie er ist.
Ich hoffe, dass unser Sohn das lernt. Deshalb habe ich ihm versichert, dass wir ihn lieb haben, wie er ist. Und dass auch ein Kind mit glatten Haaren ein Schulkind sein kann. Auch, wenn das Gott sei Dank noch ein bisschen dauert.


[1] Psalm 139,14.

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Glühwein und Rentiere – heiße Maronen und Bratwurst. Letztes Wochenende war ich auf dem Ulmer Weihnachtsmarkt. Und es war eigentlich wie jedes Jahr, wahrscheinlich nicht nur in Ulm. Menschen drängen sich vor den Essens- und Glühweinständen. Oder sie schieben sich durch die engen Gassen. Dabei wandern die Augen von Stand zu Stand und die meisten scheinen zu sagen: Kenn ich schon, hab ich schon, brauch ich nicht.
Mir scheint: Kaum einer sieht, was der Advent und die vielen kleinen Figuren: Engel und Sterne, Kerzen und Felle da eigentlich erzählen wollen.
Ich war gerade an der lebendigen Krippe angekommen, mit richtigen Eseln und Schafen und so. Da hastete eine Frau mit einem Kind an mir vorbei. Das Kind war aber so fasziniert von den Tieren und von der Geschichte, die es da zu sehen gab, dass es einfach stehen geblieben ist. Die Frau hat das gar nicht gemerkt. Erst ein paar Schritte später ist ihr aufgefallen, dass ihr irgendwas fehlt.
Sie hat sich umgedreht und ist zur  Krippe zurückgelaufen. Und hat dann gemeinsam mit ihrem Kind eine Weile den Tieren zugeschaut. Ich habe die beiden beobachtet und mir gedacht:
Genau das ist für mich Advent erleben.
Ich meine, ich  kenne das ja selber gut. Gerade vor Weihnachten. Dass man sich durch die Gassen wühlt und dabei nicht links und rechts schaut. Aber dabei verpasst man oft das Wichtigste. Deshalb habe ich mir das für diese Adventszeit vorgenommen, es so zu machen wie das Kind, das ich beobachtet habe. Stehen zu bleiben. Ganz bewusst. Und wirklich hinzuschauen. Mich umdrehen. Mir bewusst Zeit zu nehmen, für Gott, der zur Welt gekommen ist.
Das kann sein, wenn ich eine liebevoll aufgebaute Krippe in einem Hauseingang sehe. Oder wenn ich ein schönes Advents- oder Weihnachtslied singe.
Denn ich glaube; Genauso hat Gott es ja auch gemacht, damals, als er zur Welt gekommen ist im Stall in Bethlehem. Er hat sich Zeit genommen. Er wollte es genau wissen. Wie ist es so als Mensch zu leben? Wie fühlt es sich an.
Sich Zeit nehmen und hinschauen, darum geht es an Weihnachten. Ich glaube daran erinnern die vielen schönen Sachen auf dem Weihnachtsmarkt. Schauen Sie doch mal in Ruhe hin!

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