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SWR4 Abendgedanken

Manchmal sind Taten zu wenig – manchmal muss man auch reden. Nicht bloß das Richtige tun – sondern auch laut und offen sagen, was man für richtig hält und was nicht.
Wenn ein Mitschüler gemobbt wird oder ein Arbeitskollege, dann reicht es nicht, da nicht mitzumachen. Da muss man auch fragen: „Wie wäre es, wenn sie das mit dir so machen“? Und sagen, „das ist unbarmherzig und gemein, was ihr da tut“. Auch wenn die anderen viele sind, die das machen.
So eine Situation gab es für Christen in der Zeit der Naziherrschaft in Deutschland. Da wurden auch die Kirchen gleichgeschaltet. Aber bald wurde sichtbar, wohin das führen würde. Der Arierparagraph sollte auch in der Kirche gelten. Juden durften nicht mehr Pfarrer sein. Das Alte Testament sollte nicht mehr gelten, weil es als jüdische Schrift galt. Die Kinder- und Jugendgruppen wurden in die Hitlerjugend eingegliedert.
Jetzt im Mai vor 80 Jahren trafen sich deshalb im Wuppertal Barmen evangelische Christen, die das nicht mitmachen wollten. Dort haben sie eine Erklärung formuliert – die Barmer Theologische Erklärung. Im ersten Abschnitt heißt es da: „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird,  … [ist es]… den wir zu hören, dem wir… zu vertrauen und zu gehorchen haben. Es ist falsch, auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes Offenbarung anzuerkennen“ Mit den anderen Mächten und Gestalten waren die Nazis gemeint.[1]
Von da an war klar, woran sich die so entstandene Bekennende Kirche orientieren wollte und woran nicht.
Viele haben sich damals daran gehalten so gut sie konnten. Und nicht geglaubt und nicht getan, was die Nazis verlangt haben. Aber wenn es darauf ankam, hat vielen dann doch auch der Mut gefehlt. Aber immerhin – mit diesem Bekenntnis haben Menschen sich zu sagen getraut: „Wir sollen Gott mehr gehorchen als den Menschen!“ (Apg 5,29) auch wenn wir dann die Mehrheit gegen uns haben. Ich finde, das hilft, sich zu orientieren, wenn man sich entscheiden muss. Deshalb ist die Barmer Erklärung noch heute eine wichtige Erinnerung an das, was unter Christen gelten soll.

[1] Die Theologische Erklärung von Barmen findet sich z.B. im Evangelischen Gesangbuch, Nr 836

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Himmelfahrt: über den freien Tag morgen freuen sich alle. Über den Anlass allerdings lächeln manche milde. Und andere schütteln fassungslos den Kopf. Da gibt es einen Feiertag, weil die Christen – weil  w i r  Christen glauben, Jesus Christus sei in den Himmel aufgefahren.
Die Bibel erzählt, ein paar Wochen nachdem einige Frauen von seiner Auferstehung erzählt hatten, trafen sich seine Anhänger auf einem Berg. Und Jesus war bei ihnen. Da hat er zu ihnen gesagt: „Der Geist Gottes wird auf euch herabkommen. Der wird euch Kraft geben. Dann werdet ihr meine Zeugen sein, von mir erzählen und tun, was ihr von mir gelernt habt.“ (Apg 1, 8) Dann, steht in der Bibel, wurde er vor ihren Augen empor gehoben. Eine Wolke nahm ihn auf, sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten.
Das ist doch nicht zu glauben! sagen viele. Wer das glaubt, muss ja ziemlich leichtgläubig sein. Aber immerhin: Wir haben deshalb einen Feiertag.
Ich gebe zu, so richtig vorstellen kann ich mir die Sache auch nicht. Jedenfalls nicht so, wie man das auf den Gemälden in manchen Kirchen sieht: Unten stehen die Jünger, sie schauen auf zu einer Wolke und da gucken gerade noch die Füße von Jesus heraus. So haben die Maler das jahrhundertelang dargestellt.
Um zu verstehen, was Himmelfahrt bedeutet, hilft mir die englische Sprache. Die hat zwei Worte für Himmel. Einmal sagen sie sky. Das ist das Blaue da oben, wo die Wolken sind und die Flugzeuge fliegen. Und dann gibt es den heaven. Das ist der Himmel, wo Gott ist. Ob der wirklich oben ist, irgendwo bei den Sternen – das glaube ich nicht. Vielleicht ist es eher so: Wo Gott ist – da ist der Himmel. Wo Menschen sich lieben. Wo sie füreinander da sind. Wo sie sich dafür einsetzen, dass das Leben gut und die Welt ein lebenswerter Ort für alle ist – da ist Gott. Da ist der Himmel. „Feels like heaven“ würden die Engländer sagen. Da fühlt es sich an wie im Himmel.
Und da überall, da ist Jesus mit seinem Geist. Weil da Leute in seinem Geist leben und handeln. Weil da die Leute das tun, was er vorgelebt und vorgemacht hat. Ich finde: So kann man das auch verstehen, dass Jesus im Himmel ist. Überall nämlich, wo Gott ist. Das will ich morgen gern feiern.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17625

Hat es Sinn für den Frieden zu beten? Können wir, Sie und ich, überhaupt etwas tun für den Frieden? Oder müssen wir das den Politikern und Diplomaten überlassen? Was meinen Sie?
Für den Frieden im Kleinen, am Arbeitsplatz, in der Familie, im Verein – da natürlich, da kann man etwas tun: erst mal tief durchatmen, statt mit der Faust auf den Tisch zu hauen. Sich bemühen, auch den anderen zu verstehen. Wenn es sein muss, auch mal einen Schritt zurückgehen.
Aber in der großen Politik? In der Ukraine, in Syrien, im Sudan? Was könnten Sie und ich da schon ausrichten? Hilft da beten? Haben die Friedensgebete in der Vergangenheit irgendeinen Krieg verhindert?
Es ist wahr: Verhindert haben die Gebete für den Frieden wohl keinen Krieg.
Aber sie haben denen Mut gemacht, die gebetet haben. Sie haben sich in den Kirchen versammelt und sich gegenseitig erinnert – Gott ist für den Frieden. Gewalt und Krieg  vernichten Leben. Und Gott ist ein Freund des Lebens.
Für den Frieden zu beten, hilft, sich das immer neu klar zu machen und sich gegenseitig darin zu bestärken.
Pfarrer Christian Führer aus Leipzig hat in den 80er Jahren erlebt, wie das ist. In seiner Nikolaikirche haben sich seit 1982 Menschen versammelt, um für Frieden und Gerechtigkeit zu beten. Mal 10, mal 20, mal nur 5. Aber nach ein paar Jahren, 1989 wurden sie mehr. Christian Führer hat erzählt:
Bei den Friedensgebeten haben diese Menschen alle „das Evangelium von Jesus [gehört], den sie nicht kannten, in einer Kirche, mit der viele nichts anfangen konnten. Sie hörten von Jesus, der sagte: "Selig die Armen!" Und nicht: Wer Geld hat, ist glücklich. Der sagte: "Liebe deine Feinde!" Und nicht: Nieder mit dem Gegner. Der sagte: "Erste werden Letzte sein!" Und nicht: Es bleibt alles beim Alten.“[1]
Offensichtlich hat sich das rumgesprochen. Und es war damals, 1989 für die Menschen so einleuchtend und ermutigend, dass sich immer mehr zum Beten trafen. Nach dem Gebet protestierten sie auf der Straße. Und irgendwann hatten sie Erfolg. Das Unrechtssystem der DDR ging zu Ende. Ohne Gewalt.
Ob das mit dem Beten zu tun hatte? Was meinen Sie?

[1] http://www.nikolaikirche-leipzig.de/friedensgebete-mainmenu-134

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, sagen die Fußballer und meinen damit: Nach einem Spiel kann man sich nicht einfach zurücklehnen und ausruhen, egal ob man gewonnen oder verloren hat. Es geht weiter. Schon beim nächsten Spiel müssen sie wieder ihr Bestes geben.
Genauso ist es für die Politiker, die gestern gewählt worden sind. Jetzt müssen sie zusehen, wie sie das umsetzen, was sie im Wahlkampf versprochen haben.
Ich weiß schon, manche von ihnen suchen vor allem einen auskömmlichen Posten. Aber die meisten, vor allem die Kommunalpolitiker, die Gemeinde- und Ortschaftsräte, die ja ehrenamtlich diese Verantwortung für ihr Dorf oder ihre Stadt übernommen haben: die bewundere ich. Neben dem Beruf, neben der Familie auch noch dieses Engagement für die Allgemeinheit: gut, dass wir die haben, die sich da für uns alle einsetzen. Sie tun das, was schon vor vielen hundert Jahren ein Gottesmann den Menschen empfohlen hat, die nicht so recht wussten, wie es weitergehen soll mit ihnen. Denen hat ein Prophet im Auftrag Gottes empfohlen: „Bemüht euch um das Wohl der Stadt … (und betet für sie), denn wenn‘s ihr wohl geht, geht’s euch auch wohl!“ (Jer 29, 7) Ich wünsche allen, die gestern gewählt worden sind Glück und Segen dazu!
Es geht weiter. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Ich finde, das gilt nun aber auch für uns Wähler. Auch wir können uns jetzt nicht einfach zurücklehnen für die nächsten fünf Jahre: Ich habe ja meine Stimme abgegeben jetzt sollen die sich mal Mühe geben. Eine Mannschaft braucht auch die Zuschauer zum Gewinnen. Die sind der 12. Mann, habe ich gelernt. Genauso brauchen die Politiker uns Wähler, glaube ich. Leute, die sich interessieren und ihre Meinung sagen und mitmachen: in Vereinen und Gewerkschaften, in Stiftungen und Bürgerinitiativen.
Und noch was: Beim Fußball können sie auch nicht einfach enttäuscht sagen, jetzt mach ich nicht mehr mit, wenn die falschen gewonnen haben. Dann geht es erst recht darum, das Beste daraus zu machen und Ideen einzubringen, damit die Dinge im Ort gut laufen.
Ich finde: Auch Sie und ich, wir können uns um das Wohl der Stadt bemühen. Damit es uns gut geht.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=17623