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SWR4 Abendgedanken

Woran denken Sie, wenn Sie Ägypten hören?
Vielleicht an die Pyramiden von Gizeh und das Tal der Könige. Oder an schöne Sandstände mit kristallklarem Wasser. Vielleicht denken Sie auch an Wüste oder die vielen Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo.
Vor allem viele Frauen denken heute an einen Gottesdienst, wenn sie Ägypten hören. Denn heute ist der Weltgebetstag der Frauen
Da finden viele Gottesdienste und Veranstaltungen statt. Und es gibt jedes Jahr ein Land, das im Mittelpunkt steht. Das ist dieses mal eben Ägypten.
Frauen beten für Frauen in einem anderen Land, alle am gleichen Tag, rund um die Welt. Dabei kommen christliche Frauen aus Ägypten auch selber zu Wort. In den Gottesdiensten wird darüber informiert, wie sie leben, wie sie beten, wie sie feiern und wo die Probleme liegen. Zwei Themen stehen dabei besonders im Mittelpunkt. Das eine ist das Wasser und das andere ist die Freiheit.
Dass Frauen sich Sorgen ums Wasser machen und um Wasser beten, das erklärt sich in einem Land, das zu 90% aus Wüste besteht von selbst.
Und für die Freiheit kämpfen die Ägypter seit mehr als 3 Jahren. Auch das macht den Frauen Sorgen. Wenn ich Freiheit und Ägypten in einem Satz höre, dann muss ich auch an die Geschichte des Volkes Israel in der Bibel denken.

Es ist die Geschichte von einem ganzen Volk, das in der Sklaverei gelebt hat – in Ägypten. Und das  Mose mit Gottes Hilfe in die Freiheit geführt hat. Raus aus Ägypten, durch das Schilfmeer hindurch. Und nach langer Zeit in eine neue Heimat. Eine Geschichte von Freiheit und von Rückschlägen und davon, dass Gott mitgeht. Dass er ansprechbar ist. Dass er den Menschen nahe ist – auch heute noch.
Und darauf hoffen die christlichen Frauen aus Ägypten: Dass Gott ihnen beisteht.  Dass er Freiheit schenkt und dass sie in Frieden leben können. Mit ihren muslimischen Nachbarn – und als gleichberechtigte Teile der ägyptischen Gesellschaft. Und sie bitten die christlichen Frauen in 170 Ländern der Erde, mit ihnen dafür zu beten.

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Was Du nicht willst, was man Dir tu … – richtig: das füg´ auch keinem andern zu. Dieses Sprichwort kennt vermutlich jeder. Es ist die „Goldene Regel“ – wie Menschen miteinander umgehen sollten. Vor allem in der Schule sehe ich diesen Grundsatz an fast jeder Klassenzimmerwand stehen. Es ist wichtig im Umgang miteinander. Sonst würde das übliche Kräftemessen auf dem Pausenhof schnell ausarten.
Aber es leuchtet ja auch ein: Wenn ich nicht will, dass ich eine Ohrfeige bekomme, dann ohrfeige ich auch niemanden. Und, wenn ich nicht will, dass man mir was klaut, dann klaue ich auch nichts. Eigentlich ganz einfach. Vielleicht ist dieses Prinzip deshalb schon so uralt, weil es eben so einfach ist.
Diese einfache Regel gibt es auch in der Bibel – nur genau andersrum:
Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen! Jesus hat das gesagt. In einer ganzen Reihe von anderen Regeln, die er wichtig findet, damit Menschen gut miteinander leben können.
So rum gefällt mir diese Regel viel besser. Genau so, wie ihr behandelt werden wollt, behandelt auch die anderen! Das ist positiv. Denn hier kann und muss ich was tun für das Miteinander. Bei der goldenen Regel, soll ich was lassen. Und das hat mit Angst zu tun.
Ich habe Angst davor, dass ich geschlagen werde, also haue ich auch niemanden.
Ich habe Angst davor, dass mir etwas geklaut wird, also lasse ich es auch sein.
Das ist bei dem, was Jesus gesagt hat, anders. Sie denken jetzt vielleicht: das ist doch eigentlich dasselbe. Irgendwie schon. Aber eben doch nicht ganz.
Denn ich lasse nicht etwas sein. Sondern ich tu was. Ich mache den ersten Schritt. Das kann was ganz kleines sein. Dass ich z.B. an einer Einfahrt mal jemanden ganz bewusst reinfahren lasse. Oder vielleicht, wie ich jemandem sage, dass er einen Fehler gemacht hat. Nicht zur Schnecke machen. Sondern ruhig und sachlich gemeinsam nach einer Lösung suchen.
Es geht beide Male um mich. Ich bekomme jedes Mal eine Empfehlung, wie ich mich verhalten soll. Aber das erste Mal geht es um meine Angst und das zweite Mal darum, was mir und dem anderen gut tut. Und ich kann wirklich was dafür tun. Ich kann positiv aktiv werden.
Und das finde ich besser, als bloß das nicht zu machen, was das Miteinander stören könnte.

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Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt bleibt dumm. So komme ich mir gerade manchmal bei unseren Kindern vor. Was Kinder alles wissen wollen. Was haben Menschen eigentlich im Bauch, dass sie sprechen können? Wie kommt der Regen in die Wolken. Vor allem unsere kleine Tochter, will gerade alles selber wissen. Selber machen und auch selber denken.
So wie es eben bei der Sesamstraße heißt. Wer nicht fragt – bleibt dumm. Fragen. Sich informieren. Sich schlau machen und den Dingen selber auf den Grund gehen. Das ist wichtig, wenn man sich eine eigene Meinung bilden will. Zu welchem Thema auch immer.
Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten. So heißt dieses Jahr die Fastenaktion der Evangelischen Kirche.[1] Heute ist Aschermittwoch. Da beginnt die Fastenzeit. 7 Wochen bis Ostern.
Die Fastenzeit hat in den letzten Jahren wieder eine stärkere Bedeutung bekommen. Nicht mehr unbedingt, um wirklich zu fasten. Viele Menschen nutzen diese Zeit, um sich zu überlegen: Wovon bin ich eigentlich abhängig. Was schadet meinem Leben? Schaffe ich es sieben Wochen lang das Handy nicht zu benutzen, oder vielleicht auch keine Schokolade zu essen? Aber manchmal ist es auch gut, zu fragen, was trägt mich in meinem Leben. Deshalb heißt die Fastenaktion der evangelischen Kirche diesmal: Sieben Wochen ohne falsche Gewissheiten.
Dass soll mich auffordern, mich selber schlau zumachen. Mir meine eigene Meinung zu bilden. Und nicht irgendwas nachzuplappern, was mir irgendjemand erzählt. Ich kenne das gut. Denn manchmal ist das wirklich richtig schwer, sich selber eine Meinung zu bilden. Vor allem, wenn man fünf Leute fragt und fünf Antworten bekommt. Manchmal ist es auch einfach bequemer, das zu denken, was alle denken.
Und trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gut ist selber nachzudenken. Es bringt mich weiter. Ich verstehe vielleicht Zusammenhänge, die mir vorher nicht klar waren. Oder lerne vielleicht noch was Neues kennen. Deshalb habe ich dieses Jahr beschlossen mich von unseren Kindern anstecken zu lassen. Und eben immer mal wieder zu fragen. Wer? Wie? Was? – Wieso? Weshalb? Warum?


 [1http://www.7wochenohne.evangelisch.de/  

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500 Piraten, Tiger und Feuerwehrleute. Zumindest waren es gefühlt so viele, die heute um mich rumgewuselt sind. Ich sage nur Kinderfasching. Es beeindruckt mich immer wieder, wie gerne sich Kinder verkleiden. Und auch viele Erwachsene. Es scheint einfach etwas Besonderes zu sein, sich für eine kurze Zeit in jemand ganz anderen zu verwandeln.
Wenn ich mir das recht überlege. Dann mache ich das ja eigentlich jeden Tag. In meinem Alltag verwandle ich mich auch ständig in jemand anderen. Ich bin Mitarbeiter, Kollege, Mann, Organisator, Freund, Sohn, Papa und als Papa natürlich auch Feuerwehrmann, Piratenkapitän oder ein furchteinflößender Tiger. Ob ich das gerade wirklich will, oder nicht, kann ich mir nicht immer aussuchen. Manchmal lächle ich, auch wenn mir gar nicht danach zu Mute ist. Oder sage: „ja gerne“, koche aber innerlich vor Wut, weil ich schon wieder Überstunden schieben muss. Und natürlich bin ich zum hundertsten Mal der böse Tiger, wenn es unsere Kinder zum Lachen bringt. Das gehört einfach irgendwie dazu. Und  das schöne dabei ist: Egal wer ich gerade bin – ich bin doch immer ich.
In einem Lied, das wir mit unseren Kindern gerne singen heißt es: „Du bist gewollt, kein Kind des Zufalls. Keine Laune der Natur. Du bist ein Gedanke Gottes – eine genialer noch dazu. Du bist Du“.
Mir gefällt dieses Lied, weil es mich nicht festlegt. Kein anderer füllt alle meine Rollen genau so aus, wie ich. Die Kinder wissen: Das ist doch der Papa, auch wenn ich brülle wie ein schrecklicher Tiger – und haben keine Angst.
Und das, was ich sonst nicht bin – das kann ich mir ja dann als Faschingskostüm aussuchen. Da  kann ich dann ein Superheld sein – oder cool und lässig wie James Bond. Ich kann auch ein Clown sein, oder so eine Maske tragen, dass mich kein Mensch erkennt.
Ich kann das wirklich auch genießen, mal für ein paar Stunden jemand anderes zu sein. Und trotzdem freue ich mich, wenn ich das Kostüm wieder ausziehen kann. Um dann vielleicht neu festzustellen: Ich bin auch einfach gut so, wie ich bin. So wie mich Gott gedacht hat.

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Haben sie heute schon gelacht? Hoffentlich. Schließlich gehört das doch zum Rosenmontag. Das Lachen. Lachen, weil Menschen einfach gemeinsam feiern. Lachen, weil so manch ein Politiker genüsslich auf die Schippe genommen wird und lachen – weil es einfach schön ist. Es befreit den Kopf, macht gute Laune und ist sogar gesund. Und am meisten lacht man, wenn man es mit anderen gemeinsam macht. Lachen überwindet Grenzen. Und Lachen befreit.
Eine, die das sozusagen „am eigenen Leib“ erfahren hat, war Sarah.
Sarah, das ist in der Bibel die Frau von Abraham. Die beiden waren schon ziemlich alt und sie hatten keine Kinder. Eines Tages bekommt aber Abraham Besuch von drei Männern.
[1]
Und die sagen ihm, dass er im nächsten Jahr noch einen Sohn bekommen soll – das hatte Gott selbst Abraham schon versprochen.
Und weil Frauen damals bei den Gesprächen der Männer nicht mit dabei sein durften – lauscht Sara heimlich im Zelt. Jedes Wort wollte sie mitbekommen. Und als sie das mit dem Sohn hört – da muss sie einfach lachen. Zumindest in sich hinein. Weil sie sich das beim besten Willen nicht mehr vorstellen kann. In ihrem Alter. Vielleicht hat sie aber auch in Vorfreude gelacht, weil Gott sein Versprechen jetzt doch noch wahr machen will. Oder sie hat gelacht, weil sie endlich befreit werden soll. Befreit von dem, was sie schon Jahrzehnte lang bedrückt: Kinderlos zu sein.
Und tatsächlich: Sie bekommt einen Sohn, obwohl sie eigentlich schon zu alt dafür ist. Und aus ihrem leisen und ungläubigen Lachen wird ein lautes, herzliches, fröhliches und vor allem dankbares Lachen. Deshalb haben sie das Kind auch Isaak genannt. Das heißt wörtlich: „er lacht“.
Sarah hat eine wunderbare Erfahrung gemacht. Und sie hat begriffen: Gott kann man vertrauen. Ihm kann ich glauben. Das wird ihr helfen, wenn sie wieder einmal traurig ist und nicht mehr weiter weiß. Wo der Glaube ist, da ist auch Lachen. Das hat Martin Luther mal gesagt. Und ich finde, dass er damit Recht hat. Glaube muss nicht immer etwas Ernstes sein. Oder nur für traurige Momente. Im Gegenteil. Glauben und Lachen gehören zueinander.

[1] 1. Mose 8,1-15

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